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JACKPOT
 
Alles was glänzt
Jackpot
Alles was recht ist: Rusty Miller ist schon ein Pechvogel. Frohgemut und endlich einmal mit einem ordentlichen Budget im Rücken nahm der ehemalige Cake-Gitarrist mit den Jungs seiner Band Jackpot die neue Scheibe "Shiny Things" auf - nur um sich dann mit der Plattenfirma dermaßen zu entzweien, dass das Werk fast anderthalb Jahre durch die Gegend geisterte, bevor es jetzt - auf einem neuen Label - endlich doch noch erscheint. Nachdem die Scheibe auch ganz ordentlich läuft, begeben sich Jackpot auf Tour - und schwuppdiwupp - werden ihnen sämtliche Instrumente geklaut. "Weißt du was das Ärgerliche an der ganzen Sache ist?" fragt er eher rhetorisch, "dass wir gerade eben den Punkt erreicht hatten, an dem wir von unserer Musik leben konnten. Die Schulden waren abbezahlt und wir begannen langsam, Gewinn einzuspielen. Und dann das. Musikalisch ist das kein großes Drama. Freunde haben uns mit einer Benefiz-Aktion geholfen und wir haben uns genügend Equipment zusammengeborgt, um die Tour weiter machen zu können. Aber wir müssen halt jetzt wieder von vorne Anfangen."
Das ist natürlich für eine Band wie Jackpot besonders hart. Zum einen wegen des Namens - der anderes verheißt - und zum anderen, weil (wie Rusty andeutete) die Band ja keineswegs zur Großverdiener-Liga gehört; obwohl sie in den USA eine recht solide Fan-Basis hat. Immerhin: Zumindest künstlerisch ist "Shiny Things" eine ziemlich runde Sache geworden. "Ja, wir konnten zum ersten Mal eine Scheibe mit einem ordentlichen Budget machen", erinnert sich Rusty, "und durch die Verzögerung mit der Veröffentlichung hatten wir auch noch die Möglichkeit, weiteres Material einzuspielen und so mit Chuck Prophet zusammenzuarbeiten." Die ursprünglichen Tracks wurden von David Darling produziert. Was war denn Grund, mit Chuck zu arbeiten und wie ging das vonstatten? Chuck ist ja einer jener Musiker, für die immer alles vollkommen natürlich zu sein scheint - und somit jenseits des Erklärbaren liegt. Wie sieht das jemand, der mit ihm als Produzenten zusammenarbeitet? "Die Aufnahmen mit Chuck liegen noch nicht lange zurück", erklärt Rusty, "ich denke, die wollten uns vom neuen Label ein wenig beschäftigen und hofften, dass noch ein Hit dabei rausspringt. Mit Chuck zu arbeiten war ein wenig ungewohnt. Ich arbeite gerne schnell, denke nicht besonders drüber nach und gehe zum nächsten Stück über. Er arbeitet sehr organisch, nimmt die Sachen auseinander, probiert herum und schreibt sogar die Texte um. Das war neu für mich - weil ich bislang noch nicht mit jemand anderem zusammen geschrieben habe. Ich hoffe aber, dass ich das demnächst mit meinem Bandkollegen Lee Bob Watson machen werde - er ist ein phantastischer Songwriter." Stichwort Texte umschreiben: Rustys Texte haben ja so ihren ganz eigenen Charme, der sich durch eine fast kindhafte Neugier auszuzeichnen scheint. Er wird ja deswegen auch schon mal mit Robyn Hitchcock verglichen, in dessen Texten es auch von seltsamen Sachen wimmelt. "Oh, ich mag Robyn Hitchcock sehr gerne - seine Texte sind zuweilen sehr extrem. Ich wünschte, man würde über mich mal dasselbe sagen, wie über Robyn. Und was die Texte betrifft: Das stimmt wohl. Ich will es mal so formulieren: Ich bin nicht unbedingt 'überausgebildet' [not overly educated] Und so nehme ich denn die Sachen so, wie sie sind und bin zuweilen verwirrt und zuweilen fasziniert von ziemlich simplen Dingen - beispielsweise von der bloßen Tatsache, am Leben zu sein." Ein schönes Beispiel hierfür ist der Titeltrack des Albums. "Weißt du - der ist nur in Deutschland als Bonus Track drauf", erklärt Rusty, "Ich denke, den können wir noch besser hinbekommen. Es geht beim Titel um alles Mögliche: Glitzernde Dinge, die verführerisch glänzen - so etwas mögen ja auch gewisse Vögel ganz gerne. Oder materielle Dinge, die man gerne hätte - ich habe die Schnauze voll davon, von der Hand in den Mund zu leben. Oder schlicht der heilige Gral, dem man - wie auch immer - entgegen strebt." Hinzu kommt, daß Rustys Texte von jeder Menge interessanter Charaktere belebt werden. "Oh, das ist ganz verschieden", erläutert Rusty, "einige sind pure Erfindungen - 'Psycho-Ballerina' z.B. - das heißt, dass ist nicht mal eine ausgedachte Person, sondern ein gut klingender Begriff. Die Serviererin, die uns in 'Tattoo' ihre Tattoos zeigt, basiert auf einer realen, ziemlich verrückten Geschichte. Und 'When You Leave' habe ich für eine Freundin geschrieben, die mich verlassen hat. Weißt du, in meinen Texten ist auch immer eine Portion Eskapismus drin. Ich möchte auch immer etwas Neues finden." Und wie macht man das? "Nun zunächst mal habe ich absolut kein Problem damit, Musik zu schreiben", beschreibt Rusty das Prozedere, "mir fallen ständig Riffs und Melodien ein. Die Texte sind dann sehr spezifisch. Es ist immer am besten, wenn es mir gelingt, eine Reaktion wie ein Lächeln hervorzurufen - denn dann kannst du etwas tiefer empfinden."
Die neue Scheibe ist ja auch musikalisch ein ziemlicher Schritt nach vorne. Die ursprünglich mit Americana assoziierten Elemente, die man Jackpot nachsagte, scheinen der Vergangenheit anzugehören und sind einem modernen, poppigen Sound gewichen. Wie sieht Rusty das und wie geht es weiter? "Es war mir wichtig, dass die Scheibe - trotz eines gewissen Budgets - nicht wie überproduzierte Scheiße klingt. Ich denke auch, das ist uns ganz gut gelungen. Auf jeden Fall ist es uns gelungen, so auch ein neues Publikum ansprechen zu können. Was ich aber gerne mal machen möchte, ist eine Samstag-Nacht Scheibe." Bitte was? "Na, du weißt schon. Es gibt Scheiben, die kannst du nur Sonntagmorgens, mit einem Kater, hören - Van Morrison oder so - und welche, die kannst Du nur Samstagnachts hören - während du dir einen antrinkst: Rolling Stones, Iggy usw." Was hat Rusty eigentlich von seiner ursprünglichen Band, Cake, mitgenommen? "Wenn ich eines gelernt habe, dann, dass es O.K. ist, wenn sich die Leute bei Konzerten amüsieren", überlegt Rusty, "wir haben dazu tendiert, ziemlich introvertiertes Zeug zu machen. Das ist O.K., wenn es auf CD stattfindet, aber live muss man den Leuten etwas bieten." Und das werden Jackpot dann wohl auf der anstehenden Tour auch tun.
Weitere Infos:
www.jackpotweb.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Foto: -Pressefreigabe-
Jackpot
Aktueller Tonträger:
Shiny Things
(Surfdog/Sony Music)


Jackpot

 
 

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