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RADIO 4
 
Straight outta Brooklyn
Radio 4
"Gotham!" heißt das ausgezeichnete zweite Album des Quintetts Radio 4 aus Brooklyn, New York. Der Song jedoch, der schon im Vorfeld der LP-Veröffentlichung den meisten Staub aufwirbelte, ist die Single "Dance To The Underground", die weltweit als Klassiker gefeiert wurde und mit den besten Momenten von Gang Of Four, Primal Scream und The Clash verglichen wurde. "Der Refrain ist hymnisch, den werdet ihr bis Weihnachten vor euch hin summen", befand ein britisches Magazin, und da ist etwas Wahres dran. Dass die hypnotische Mischung aus Punkrock, Funk, Ska, die einem futuristischen Retrosound gleichkommt, nicht nur auf Platte funktioniert, wollen Bassist und Sänger Anthony Roman, Gitarrist Tommy Williams, Drummer Greg Collins, Percussionist P.J. O'Connor und Tastenmann Gerard Garone nun auch in Europa beweisen. Anfang September konnte man sich ein erstes Bild bei einem One-Off Showcase in Berlin machen, am 28.11. läuft nun die erste komplette Deutschland-Tournee von Radio 4 (zusammen mit den ebenfalls sehr empfehlenswerten Labelmates The Faint) an.
"Dass die Platte jetzt in ganz Europa erscheint, ist eher Zufall", gesteht Anthony im Gespräch mit Gaesteliste.de in Köln. "Das Album ist in Amerika ja schon letztes Jahr erschienen und bekam wirklich gute Kritiken, also wollten wir sie als nächsten Schritt in England rausbringen. Wir sind rübergefahren, aber die Sache hat nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt hatten. Also sind wir unverrichteter Dinge wieder nach Hause gefahren und sind bei SXSW [dem amerikanischen Pendant zur PopKomm] in Austin, Texas, aufgetreten. Dort hat uns dann Christof [Ellinghaus] von City Slang gesehen und uns angeboten, die Platte in ganz Europa herauszubringen. Das war wirklich Glück, denn gedacht hatten wir eigentlich zunächst speziell an England, aber so ist's natürlich noch besser!" Dass sie zunächst nur an England gedacht hatten, lag übrigens schlicht und ergreifend daran, dass die Band Freunde hat, die von dort aus Europa erobert haben, nicht etwa, weil sich Radio 4 musikalisch auf der Insel besonders heimisch fühlen würden. "Natürlich haben wir britische Einflüsse, aber es ist mehr als das. Wir sehen unsere Musik als Kombination aus Punkrock und einem sehr rhythmus-orientierten, funky Dancesound. Als wir angefangen haben, gab es ein paar Bands, die etwas Ähnliches probiert haben, an denen wir uns orientiert haben. Aber dann haben wir schnell festgestellt, dass es am natürlichsten ist, einfach dem Gefühl zu folgen, das uns fünf verbindet. Bei uns ging das alles sehr schnell. Ich kann das auch nicht richtig erklären, denn alles ergab sich für uns ganz problemlos."

Ihr erstes Album, "The New Song And Dance", erschien vor rund zweieinhalb Jahren nur in den Staaten. Produziert wurde die Platte von Boston-Veteran Tim O'Heir (Sebadoh, Belly, Buffalo Tom, Juliana Hatfield, und, und, und). "Als wir die Platte aufnahmen, machten wir das, ohne uns groß konzeptionelle Gedanken zu machen. Wir nahmen die Stücke einfach auf, weil wir genug für ein Album zusammenhatten. Rückblickend war das vielleicht etwas voreilig, deshalb sind wir mit dem ersten Album auch nicht so zufrieden wie mit dem neuen. Für diese Platte haben wir uns wesentlich mehr Zeit genommen, und die Band hat inzwischen eine eigene Identität entwickelt." Produziert wurde "Gotham!" von Tim Goldsworthy und James Murphy alias The DFA. "Die beiden hatten großen Anteil an der Platte, denn obwohl wir auch mit Tim O'Heir ein gutes Verhältnis hatten, waren dieses Mal unsere Vorstellungen und die Ideen von DFA, wie man das umzusetzen habe, äußerst synchron." Da "Gotham!" schon im Sommer 2001 entstand, erübrigen sich auch die Versuche, in die Texte irgendwelche Verbindungen zum 11. September hineinzulesen. "Es ist schon richtig, dass man bestimmte Dinge jetzt anders deuten kann, aber was wir auf der Platte sagen, ist ganz einfach das, wovon wir zum Zeitpunkt der Aufnahme überzeugt waren. Dass die Texte von den Hörern ganz anders verstanden werden können, als du sie gemeint hast, gehört mit zur Natur des Songwritings." Dass ihn diese Erfahrung in Zukunft beim Songwriting beeinflussen könnte, glaubt Anthony allerdings nicht. "Meinst du, dass ich mir beim Schreiben mehr Gedanken machen könnte, welche Deutungsmöglichkeiten sich für den Hörer ergeben könnten? Nein, das will ich auf gar keinen Fall, du musst immer versuchen, das zu tun, was sich am natürlichsten anfühlt."

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Fest dagegen steht, dass die Band-Identität sehr stark von New York geprägt ist. Würden Radio 4 in Austin oder Chicago leben - ihre Platten klängen vor allem musikalisch ganz anders, da ist sich Anthony sicher. "Dass sich auf unserer Platte Percussion, Reggae-Klänge und Dancemusic-Elemente finden, liegt nur daran, dass wir in New York leben, wo so viele verschiedene Kulturen zusammentreffen. Auf dem Weg zur Probe kommst du vielleicht an einem Typen vorbei, der Percussion spielt, und irgendwo hörst du Latin Music. Und in dem Coffee Shop, neben dem ich gearbeitet habe, lief den ganzen Tag House Music, da habe ich den ganzen Tag durch die Wand die Drums und den Bass gehört! Vielleicht hätten wir in London etwas Ähnliches machen können, aber ich glaube nicht, dass es eine andere amerikanische Stadt gibt, in der du eine solche Erfahrung machen kannst." Gibt es zum Schluss noch etwas, das Radio 4 dieser Tage besonders wichtig ist? "Ja, wenn die Leute sich mit der Szene in New York auseinander setzen, sollten sie versuchen, dies möglichst ohne Vorurteile zu tun. Es gibt in New York viele, viele Bands, die alle anders klingen, deshalb sollte man nicht nur auf das hören, was einem die Presse weismachen will!"
Weitere Infos:
www.r4ny.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Chris Cassidy-
Radio 4
Aktueller Tonträger:
Gotham!
(CitySlang/Labels/Virgin)


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