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MARY LORSON & BILLY COTÉ
 
At The Movies
Mary Lorson & Billy Coté
Als Köpfe der Indierock-Helden Madder Rose standen Mary Lorson und Billy Coté vor zehn Jahren zusammen in einer Reihe mit Bands wie den Breeders, Belly oder Juliana Hatfield Three. Als Solisten konnten Mary als Saint Low mit tiefgründigem Singer/Songwriter-Pop und Billy als The Jazz Cannon mit einem eklektischen Mix aus Jazz, Soul, HipHop und Weirdness überzeugen. Jetzt machen sie wieder gemeinsame Sache und liefern mit "Piano Creeps" ein Instrumental-Album ab, das ihre Zusammenarbeit als Filmmusik-Komponisten reflektiert: Atmosphärisch dichte, äußerst dynamische Kunstwerke, die zwar jenseits aller Pop-Konventionen angesiedelt sind, diese jedoch nicht völlig verachten.
Neu ist dabei, dass Mary und Billy eng zusammenarbeiteten und die Stücke von "Piano Creeps" wirklich gemeinsam austüfelten. Und obwohl die beiden seit mehr als zehn Jahren zusammen Musik machen und im Juli letzten Jahres ihr gemeinsamer Sohn Roman zur Welt kam, ist diese Art der musikalischen Kollaboration das Ergebnis eines langwierigen Prozesses, wie uns Billy erklärt, als Gaesteliste.de das Duo in seiner langjährigen Heimstadt New York City zum Gespräch trifft. "Bei Madder Rose mussten wir uns immer mit Samthandschuhen anfassen, und wir haben uns nicht getraut, die Songs des anderen zu kritisieren, obwohl Mary viele meiner Songs nicht gerne gesungen hat. Heute haben wir unsere Egos im Griff und alles ist viel ehrlicher." Passend dazu vergleicht Mary den Prozess mit einem Tennismatch: Ein ständiges Hin und Her, bis letztendlich ein Stück fertig ist. Dass der Platte - anders als bei Saint Low, Jazz Cannon oder sogar Madder Rose - streckenweise ein wenig der rote Faden zu fehlen scheint, ist interessanterweise ihre Stärke. "Ja, das Ungewöhnliche an der Platte ist sicherlich, dass es sich um Instrumentals handelt und dass die Stücke keine durchgängige Grundstimmung haben", stimmt auch Mary dieser Sichtweise zu. "Trotzdem sind die Stücke ja nicht komplett abwegig. Es ist kein Generalangriff auf die Hörgewohnheiten des Publikums. Da gibt es zwar ein Stück wie die Zigeuner-Nummer 'Old Man Dance', aber auch eines wie 'Dig A Hole', das in seiner HipHop-beeinflussten Art eher in Richtung Madder Rose geht. Es ist schon eine sehr eklektische Mischung!" Wie schafft man es aber, eine solche Platte veröffentlicht zu bekommen? "Ganz einfach", erwidert Mary lachend, "indem man in der glücklichen Lage ist, bei Cooking Vinyl zu sein, die auch diese Platte ohne Zögern veröffentlicht haben." Und obwohl die Plattenfirma den beiden völlige künstlerische Freiheit gewährte, den ursprünglich geplanten Titel "I Don't Want To Fight Tonight" konnten Mary und Billy letztendlich doch nicht durchsetzen. "Unsere Plattenfirma war der Meinung, dass 'I Don't Want To Fight Tonight' impliziert, dass die Platte mit Gesang wäre, und das stimmt wohl auch. Und weil ich den Titel 'Piano Creeps' auch sehr mochte, fiel uns die Entscheidung, den Titel zu ändern, ziemlich leicht", erklärt Billy.
Mary Lorson & Billy Coté
Wann wir Mary und Billy endlich wieder live in Deutschland erleben dürfen, steht derzeit allerdings noch in den Sternen. Zwar war für Ende Januar/Anfang Februar eine ausführliche Europa-Tournee geplant, doch ein großes Filmmusikangebot kam dazwischen, und so bestreiten die beiden nun lediglich zwei Auftritte in Europa. Beim Antwerpener DeNachten-Festival am 31. Januar und im Londoner Borderline am 1. Februar. Wenn Mary und Billy zusammen auf der Bühne stehen, spielen beide übrigens elektrische Gitarren, eine ziemliche Seltenheit und zugleich Garant für den besonderen Livesound des Duos. "Es gibt einen einfachen Grund, warum das so ist", erklärt Billy. "Wenn wir eine elektrische und eine akustische Gitarre benutzen würden, wäre es wohl Mary, die die Akustikgitarre spielen müsste, und das macht sie einfach nicht gerne. Der Klang einer Akustikgitarre wäre natürlich etwas voller, aber nachdem wir eine Reihe Konzerten zu zweit bestritten haben, ist uns klar geworden, dass wir den Klang der elektrischen Gitarren lieber mögen, weil er so 'spacey' ist, und die Melodien mehr Freiraum haben. Abgesehen davon zwingen wir so das Publikum zum Zuhören." Das soll natürlich nicht heißen, dass der Sound wichtiger ist als der Song an sich. "Für mich sind sie gleich wichtig", sagt Billy. "Es reicht nicht, nur einen guten Song zu haben, du musst ihn auch richtig spielen und die richtigen Klangfarben für ihn finden. Wenn du dich umschaust, gibt es heute eine Menge wirklich interessant klingender Platten. Trotzdem heißt das nicht, dass auch alle Songs toll sind, aber sie sind sehr gut produziert. Ich habe den Anspruch, unsere Musik wirklich gut klingen zu lassen. Sie muss sich nicht anhören, als käme sie aus einer anderen Welt, aber sie soll schon etwas Besonderes haben. Wenn ich mir heute die frühen Madder Rose-Platten anhöre, wünschte ich, wir hätten mehr aus den Chancen gemacht, die du mit einer vierköpfigen Band hast, aber damals war uns das einfach nicht wichtig."
Mary Lorson & Billy Coté
Für Mary, das verriet sie uns beim Gespräch anlässlich ihres letztjährigen Saint-Low-Albums "Tricks For Dawn", war Carole King eine der ersten Musikerinnen, die sie wirklich schätzen lernte. Gab es denn auch für Billy einen besonderen Auslöser, der ihn dazu veranlasste, Musiker werden zu wollen? "Ja! Als ich 13 oder 14 war, hörte ich 'The Love You Save' von The Jackson 5. Der Song hat mich völlig aufgewühlt, und er bricht mir jedes Mal das Herz, wenn ich ihn höre. Ich finde ihn so aufregend und er ist so wunderschön, aber nach all den Jahren weiß ich immer noch nicht genau, warum! Als ich ihn hörte, sagte ich mir: 'Das soll von jetzt an dein Ziel sein, einen Song so schreiben, der genauso cool ist wie dieser.' Und ich hab's noch nicht geschafft!" Was Billy allerdings geschafft hat, ist, Mary davon zu überzeugen, den Song - damals noch mit Madder Rose - zu covern. "Das war so aufregend, dass ich die anderen dazu überreden konnte, das Stück aufzunehmen, denn zu dem Zeitpunkt gab es einfach nichts, das noch uncooler gewesen wäre, als einen Jackson 5-Song aufzunehmen. Unsere Plattenfirma fragte uns: 'Warum zur Hölle macht ihr das? Wollt ihr nicht lieber wie die Lemonheads sein? Warum muss es ausgerechnet eine Dub-Version eines Jackson 5-Songs sein?' Sie haben das mit den Lemonheads wirklich gesagt! Wir haben nur entgegnet: 'Die Leute werden das lieben', denn wir waren alle auf Drogen und so. Aber das war definitiv ein großer Moment für mich, dass ich die Band dazu überreden konnte, obwohl es bei der Version kaum Gitarren gibt. Und letztendlich war die Single sogar in den Charts. In England. Für eine Woche. Auf Platz 51."
Weitere Infos:
www.saintlow.com
www.madderrose.ruhr.yi.org
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Pressefreigaben-
Mary Lorson & Billy Coté
Aktueller Tonträger:
Piano Creeps
(Cooking Vinyl/Indigo)


Mary Lorson & Billy Coté

 
 

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