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GO-BETWEENS
 
The Stuff That Dreams Are Made Of
Go-Betweens
War das Comeback-Album "The Friends Of Rachel Worth" noch irgendwie eine konspirative Angelegenheit - eher beiläufig entstanden und dazu in Portland - so ist "Bright Yellow, Bright Orange" nun fast so etwas wie eine "normale" Go-Betweens-Scheibe geworden. Das heißt nun nicht, dass es sich hierbei um ein routinemäßig hingeklatschtes Pflicht-Album handelt, sondern dass die Scheibe in Australien aufgenommen wurde und dass man die alten Tugenden der Go-Betweens nun wieder stärker durchhören kann. Das war jetzt aber kein Masterplan, keine bewusste Entscheidung, wie uns Robert Forster erklärt.
"Es war eher ein Teil der Geschichte. Portland kam unerwartet. Ich habe fünf Jahre hier in Regensburg gelebt und bin jetzt zurück nach Brisbane gezogen (wo Grant auch lebt). Wir haben uns quasi re-etabliert, und es war Teil des Prozesses, die Sache von Australien aus in den Rest der Welt zu tragen. Es hängt schließlich nur sehr wenig davon ab, wo man die Scheibe aufnimmt - wir fahren ja nicht in die Fremde, um die Kultur vor Ort aufzusaugen oder so etwas." Insofern ist "BYBO" als ein typisches Go-Betweens Album geworden - mit einer anteiligen Mischung aus Robert- und Grant-Songs. "Es war bei uns ja immer schon 50:50, was das Songwriting betrifft", erklärt Grant McLennan noch einmal kurz das Prozedere, "es kommt also immer auf die Struktur der Songs und die Reihenfolge derselben an, wie ein Album wirkt. Das war schon zu 'Lee Remick' Zeiten so. Das war übrigens eine Single. Die nannte man damals '45s'. Erstaunlich, nicht? Das ist fast mein Alter." Soviel zum Thema 'wertfreie Informationspolitik'. Wie sieht es denn eigentlich aus, wenn sich die Go-Betweens entschließen, eine neue Scheibe aufzunehmen? Spricht man sich da thematisch ab? Es scheint fast so, dass Roberts Songs dieses Mal eine Art Antwort auf Grants sind - wobei man sich hierbei auch schwer verhauen kann, denn man weiß ja letztlich nie, wovon Grants Songs eigentlich handeln, wenn er einem das nicht erklärt. "Sie können wohl zufälligerweise eine Antwort sein", räumt Robert ein, "es hängt auch damit zusammen, dass wir nun mal zwei Sänger sind. Es kommt immer auf die Songs an, die wir fertig haben." Und dann ist es wohl auch eher Zufall, dass ziemlich viele Songs über Frauen auf der Scheibe sind? "Das stimmt", gibt Grant zu, "aber jetzt, wo du es sagst, bemerke ich, dass das auch für andere Scheiben gilt - 'Tallulah', zum Beispiel, oder 'Rachel Worth'. Ich denke aber, dass es für jeden Mann interessant und lehrreich sein kann - ob er nun hetero oder homo ist - sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Frauen stellen nun mal die andere Hälfte unserer Art dar. Wir gehen miteinander um in der Welt. Und: Wir sind eine Pop-Band. Da gibt's nun mal eine Tradition, so etwas zu tun. Und: Wir wollten von Anfang an eine Frau in der Band haben. Vielleicht hängt es auch damit zusammen."

Ein Song interessiert hierbei - des Namens wegen - natürlich besonders: Roberts "Caroline & I". "Das Stück ist über Prinzessin Caroline von Monaco", erklärt Robert mit einem Mund voller Erdnüsse, ansonsten aber beängstigend ernsthaft. "Ich versuche, mich da irgendwie heranzuarbeiten. Ich habe ja zum Beispiel auch Lee Remick getroffen, nachdem ich den Song über sie geschrieben habe. Der Plan ist folgender: Wir werden beim Film-Festival in Cannes sein, weil eines unserer Stücke in einem Film namens 'Grand Prix' sein wird. Ich spekuliere nun darauf, dass Grant da auf mich zukommt und sagt: 'Robert, da ist jemand Backstage, der dich treffen möchte.' Und das wird Prinzessin Caroline von Monaco sein. Und sie wird sagen: 'Ich liebe diesen Song'." Das ist also der Grund, warum Robert solche Stücke schreibt? "Nein", widerspricht er, "wenn du das tust, dann wirst du enttäuscht werden." -"Außerdem ist er ja verheiratet und hat zwei Kinder", fügt Grant hinzu, "es ist wohl eher so was wie 'He Lives My Life' von 'Rachel Worth' - die Idee zu dem neuen Song entstand, weil Caroline im selben Jahr wie Robert geboren wurde."

Go-Betweens
Wie kommen denn die Go-Betweens mit ihrem Erfolg zurecht? Eine zugegebenermaßen dämliche Frage, die aber vor dem Hintergrund des phänomenalen Erfolges von "Rachel Worth" und dem damit zusammenhängenden plötzlichen und explosionsartigem Publikumszuspruch zu sehen ist. Immerhin haben Robert und Grant früher auch schon mal vor eher halbleeren Häusern spielen müssen. "Es ist immer schön, wenn man sich bestätigt sieht und Zuspruch bekommt", sagt Grant, "was mich doch ein wenig überrascht hat, war der Umstand, dass die Leute die Leidenschaft über die Zeit aufrecht erhalten haben. Es ist schön, wenn du nicht Deine Greatest Hits als Karaoke-Versionen zum Lebensunterhalt spielen musst." Ein besonderer Bonus dürfte gewesen sein, dass auch jüngere Leute den Weg ins Publikum fanden - durchaus nicht selbstverständlich bei Acts, die in den 80ern geboren wurden und sich bis heute retten konnten. "Ich denke über so etwas nicht nach", erklärt Robert, "wir wollen immer nur eine Scheibe rausbringen und gute Musik machen. Wir haben immer auf eine bestimmte Qualität geachtet. Und ich denke, dass Qualität sich durchsetzt. Es war also keine Überraschung - aber: Es ist immer sehr schön zu sehen, wenn so etwas passiert. Wichtig ist aber, nicht so viel darüber nachzudenken und gar zu versuchen, ein bestimmtes Publikum anzusprechen. Wir legen auch immer Wert darauf, uns nicht in eine Ecke drücken zu lassen." Worüber denken Robert und Grant denn nach, wenn Sie Musik machen? "Ich denke schon, dass du dich selbst unterhalten musst - aber du musst auch immer nach neuen Herausforderungen suchen", überlegt Robert, "was übrigens eine feine Balance erfordert. Du kannst nicht ein mal ein Elektronik-Album machen und danach ein Dub-Reggae-Album. Du musst dir selbst treu bleiben, du musst darauf achten, was um dich herum passiert und das mit einbauen. Aber das ist einfach. Wir spielen zum Beispiel mit richtig kreativen Leuten - unserem Drummer Glenn Thompson und Adele Pickvance, unserer Bassistin. Die bringen jede Menge Frische ins Geschehen. Wir haben keine Angestellten in dem Sinne. Unsere Leute schreiben eigene Songs und sie singen auch. Es geht uns darum, sich mit Leuten zusammenzutun, die einem nicht in den Hintern kriechen und einfach das tun, was wir vorgeben. Du musst mit interessanten Leuten arbeiten, die dich fordern." Soviel übrigens zu Grants Theorie, dass Robert und er alleine die Go-Betweens ausmachen - egal mit wem sie zusammenspielen. (Das hatte er uns nämlich noch zu "Rachel Worth"-Zeiten gesagt.) Überhaupt muss Grant dieser Tage einige dogmatische Rückzieher machen. Zum Beispiel schloss er es beim letzten Album noch kategorisch aus, dass Robert und er jemals einen Song zusammen schreiben würden. Und doch ist es dieses Mal passiert: Mit "Too Much Of One Thing" liefern die Go-Betweens nicht nur den "Hit" der Scheibe ab, sondern wagen sich sowohl musikalisch wie eben auch songwriterisch ziemlich weit vor. Zunächst mal ist Robert damit beschäftigt, jubelnd vor dem Spiegel der Bar herumzulaufen, in der das Interview stattfindet, nachdem die Bemerkung fällt, dass dieses Stück ja wohl das Beste der Scheibe sei. Die Frage indes war wonach die Songwriter Forster und McLennan heuer suchen und wie es zu diesem Stück kam. "Da gibt es verschiedene Ebenen, diese Frage betreffend", erklärt Grant, "als Songwriter will ich zunächst mal, dass die Schrauben und Muttern fest angezogen sind, wenn du weißt, was ich meine. Dann ist es wichtig darauf zu achten, dass du dein Anliegen ordentlich vorträgst, dass du dich nicht wiederholst, dass du nicht übertreibst. Und der Song muss ein eigenes Leben haben - also nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt fixiert sein. 'Too Much...' ist übrigens tatsächlich die erste wirkliche Co-Komposition von Robert und mir." - "Ich achte immer auf einen guten Text, wenn ich einen Song schreibe", beschreibt Robert seine Philosophie, "aber das kann alles mögliche sein. Ich mag zum Beispiel den neuen Robbie Williams-Song 'Feel' - das ist ein großartiger Song. Ein guter Song kann von überall her kommen." Und wie kam es nun zur Kollaboration bei "Too Much..."? "Also ich fand es immer interessant, dass wir - wie die Beatles - die Songs unter einem Namen - Forster/McLennan - veröffentlichen, aber separat schreiben", erinnert sich Grant, "für die neue Scheibe haben wir nun tatsächlich zwei Stücke zusammen geschrieben. (Wovon nur einer den Weg auf die CD fand). Vielleicht gibt es mal ein ganzes Album in dieser Art. Mal sehen." Und das kommt von einem Mann, der das beim letzten Treffen noch ausschloß. "Das ist eben das Schöne an den Go-Betweens", erklärt er nun, "es ist unmöglich die Band in einer Spur zu halten. Wenn etwas Neues kommt, dann nehmen wir das mit. Ich denke, dass unsere Fans das auch mögen. Ich mag es jedenfalls. 'Too Much...' ist für viele sicherlich ein Schock - und es ist ja auch musikalisch etwas, was wir vorher so noch nicht gemacht haben." - "'Too Much...' ist eine gute Kombination von etwas, was Grant gut macht und was ich gut mache", ergänzt Robert, "es hat eine gute Melodie, es enthält einen guten Folk-Pop-Akkord, den Grant zurechtjongliert hat und ich habe einen Text dazu gemacht, mit dem ich glücklich bin." Heißt das, dass man sich musikalisch über die Jahre enger zusammengefunden hat? "Nein", widerspricht Robert, "der wahre Grund dafür, dass das überhaupt möglich war, ist übrigens der Umstand, dass wir nun dicht beieinander wohnen. Es entstand quasi über Nacht." "Too Much..." ist zudem ziemlich lang für einen Go-Betweens-Song. Gibt es hier eine Formel? "Nein, nein, nein", beharrt Grant sehr bestimmt, "es geht nie darum, etwas zu messen oder einzuteilen. Es geht immer darum, wie viel ein Song verträgt, wann man seinen Willkommens-Bonus aufgebraucht hat. Nimm nur mal 'Sad Eyed Lady Of The Lowlands' von Bob Dylan. Das könnte für mich über die ganze Scheibe gehen, weil es so ein tolles Feeling hat. Aber dann sind wir andererseits auch eine Pop-Rock-Band und das wollen wir immer sein. Es wird also immer eine gute Mischung geben."
Go-Betweens
In diesem Kontext benötigen wir noch ein paar Informationen zu einigen von Grants Stücken. Eines heißt zum Beispiel "Poison In The Walls". Obwohl es auf der Advance CD "Poison In The Wall" heißt, worüber Grant eine viertel Stunde mit Robert diskutiert - er nimmt so was sehr genau, erklärt aber nicht so recht, warum. "In meinem Kopf ist es plural", erklärt er schließlich, worauf Robert anmerkt: "Aber manchmal endet das, was du im Kopf hast, nicht in der Realität." Was aber immer noch nicht erklärt, worum es in dem Stück geht. "Ich denke, das ist offensichtlich", übertreibt er maßlos, "es ist über jemanden in einer Situation, in der er komplett am Ende ist, in der er sich selbst nicht mehr traut. Vielleicht kommt er aus einer Beziehung, in der er sein Leben zu sehr durch die andere Person gelebt hat und nun keinen Wert mehr in sich selbst finden kann. Es geht auch darum, sich in einer solch dunklen Welt zu befinden, dass man nirgendwo auch nur einen Lichtblitz sehen kann. Es ist - glaube ich - der düsterste Song, den ich je geschrieben habe. Es geht darum, einen Ausweg zu finden in einer Welt voller Dämonen. Es geht also nicht darum, was dich zerstört, weil es wie ein Gift ist, dass aus den Wänden des Hauses tropft, in dem du lebst." Ein anderer Song von Grant, "Old Mexico", möchte er nicht so genau beschreiben. Nur so viel: Es geht hierbei um die Verkörperung einer Idee eines Landes - Grant war noch nie in Mexico, schon gar nicht im alten Mexico, dass er in dem Song besingt. (Eigentlich geht es aber darum, dass man sich selbst nicht mehr trauen kann und nach einer Möglichkeit sucht, seinem Leben wieder einen Sinn zu geben. Wenn man sich dann aber in der betreffenden Situation sieht, funktioniert es nicht. Man hat die Party arrangiert und alle Einladungen herausgeschickt, sich selbst aber vergessen. Das haben wir aber alles nicht gesagt, weil Grant es uns eigentlich auch nicht verraten wollte.)

Letzte Frage: Wie geht es denn mit den Go-Betweens weiter? Welche interessanten Träume haben Robert und Grant denn noch? "Nun, ich denke es wäre mal an der Zeit, dass berühmte Leute Coverversionen von unseren Songs aufnehmen", überlegt Robert. "Ich habe mir zum Beispiel immer vorgestellt, dass Ryan Adams 'Spring Rain' aufnimmt. Mariah Carey soll auch mal eine Cover-Version von uns aufnehmen - offensichtlich natürlich 'Bachelor Kisses'. Ihre Karriere ist momentan ins Stocken geraten, sie hat Probleme, sie braucht einen neuen Song - was könnte da besser passen?" Da stellt sich natürlich die Frage, ob Mariah Carey dazu überhaupt noch in der Lage wäre? "Aber ja", beruhigt uns Grant, "du musst ihr nur ein paar Flaschen guten französischen Rotweins einflößen, vielleicht ein bisschen 'Amsterdam Happiness', und ich denke, dann könnte man mit Mariah viel Spaß haben. Natürlich könnten andere Leute den Song vielleicht besser interpretieren, aber es wäre doch mal ein guter Anfang, oder nicht?"

Weitere Infos:
www.go-betweens.net
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Go-Betweens
Aktueller Tonträger:
Bright Yellow, Bright Orange
(Clearspot/EFA)


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