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THE SEA AND CAKE
 
Die Liebe zum Detail
The Sea And Cake
Die Liebe zum Detail war schon immer das, was den Reiz von The Sea And Cake ausgemacht hat. Fast zehn Jahre nach dem überall weltweit mit großer Begeisterung aufgenommenen Debütalbum "Nassau" arbeitet die Chicagoer Allstar-Band mit Sam Prekop, Eric Claridge, Archer Prewitt und John McEntire immer noch an ihrer großartigen Vision einer intelligenten Popmusik. Und wer dachte, mit dem traumhaft eleganten Album "Oui" hätte die Band ihr Meisterstück abgeliefert, darf sich jetzt eines Besseren belehren lassen. Denn nun erscheint mit "One Bedroom" der Nachfolger, und der ist, so unwahrscheinlich das auch klingen mag, ganz einfach noch besser! Mit ihrem siebten Album liefern die vier eine Platte ab, die in die Kategorie "wieder das Gleiche, nur anders" fällt: Das Album strahlt eine ähnliche, zurückhaltend sommerliche, elektronisch angehauchte Pop-Eleganz aus, die auch schon den Vorgänger auf die Gewinnerstraße gebracht hatte, dennoch geht die Band auch neue Wege, beispielsweise mit dem vermehrten Einsatz von Synthesizern.
"Auch schon auf 'The Fawn' [dem 1997er Album] haben wir viel mit Synthesizern und Elektronik experimentiert, aber du hast natürlich Recht, dieses Mal stehen die Synthesizer-Klänge mehr im Mittelpunkt", stimmt Sänger und Gitarrist Sam Prekop beim Gaesteliste.de-Interview zu. "Allerdings sind sie für uns nicht mehr als neue Werkzeuge, die wir einsetzen können und die eine ganz andere musikalische Sprache mit sich bringen. Außerdem ist es eine Herausforderung, diese Instrumente auf neue Art und Weise zu nutzen und ihre Sounds zu verändern. Kurz bevor ich anfing, die Songs für diese Platte zu schreiben, habe ich mir einen großen Modular Synthesizer gekauft. Ich habe mein eigenes Homestudio um dieses Teil herum aufgebaut, deshalb stammen eine Menge der Grundideen auf dieser Platte aus dem Modular Synthesizer, und das hatte zur Folge, dass ich ganz anders an die Gitarrenparts herangegangen bin. Das war eine große Hilfe. Der Anstoß dazu kam von John, der einen ganzen Haufen dieser Dinger zu Hause hat. Sein Studio ist fast schon ein Museum." Der interessanteste Track auf der durchweg spannend klingenden, weil unglaublich einfallsreich arrangierten und produzierten Platte ist sicherlich die erste Coverversion, die je den Weg auf ein TSAC-Album fand: David Bowies "Sound And Vision"! "Um ehrlich zu sein: Ich bin auf positive Weise geschockt, wie unwirklich der Song in unserer Version klingt! Eigentlich war vor Jahren nur geplant, dass wir den Song aus Spaß mal live ausprobieren, aber dazu kam es irgendwie nie, und jetzt war es John, der uns wieder an diesen Plan erinnerte. Außer ihm war auch niemand wirklich davon überzeugt, dass wir ein Cover mit auf ein Album nehmen sollten, und selbst als die Aufnahmen fast abgeschlossen waren, sah es noch so aus, als würde das Stück unter den Tisch fallen. Aber wenn ich mir die Platte jetzt anhöre, merke ich erst, wie wichtig das Stück für die Platte ist." Zudem bringt der Song in seinem außerweltlichen 80er-Jahre-Glanz den Sound der Band anno 2002 perfekt auf den Punkt. Das sieht die Band selbst ähnlich, diente doch das "One Bedroom"-Schlussstück laut Sam als Inspirationsquelle für eine weitere, derzeit noch unveröffentlichte EP. "Die neuen Songs, die wir aufgenommen haben, klingen wirklich anders. Das sage ich zwar immer, aber ich denke, für diese neuen Stücke haben wir genau den Schwung herübergerettet, den wir bei den Aufnahmen des Bowie-Covers entwickelt haben." Um die Stücke von "One Bedroom" auch auf der Bühne spielen zu können, muss die Band übrigens erstmals einen fünften Mann für die Keyboards engagieren. "Das stimmt, wir müssen erst noch lernen, die Songs live zu spielen. Das ist unsere Mission für diese Woche", gesteht Sam lachend. Deutschland-Konzerte wird es allerdings nicht vor Mai geben, ein bisschen Zeit zum Üben bleibt also noch...
The Sea And Cake
Trotzdem stellt sich angesichts der Tatsache, dass John auch weiterhin mit Tortoise sowie als Produzent und Remixer gut im Geschäft ist, Eric als Maler Erfolge erzielt und Sam und Archer für ihre Soloalben viel Beachtung fanden, die Frage, wie wichtig ihnen The Sea And Cake als Band nach zehn Jahren überhaupt noch ist? "Im Moment liegt unser aller Hauptaugenmerk klar auf der Band. Zu bestimmten Zeiten rückt sie einfach in den Mittelpunkt unseres Interesses. Wir haben jetzt eine ziemlich arbeitsreiche Zeit vor uns, mit der Veröffentlichung der Platte und der kommenden Tour, trotzdem finde ich es wichtig, dass wir uns einen klaren Zeitplan stecken. Wir sind jetzt zum Beispiel mit der Band bis voraussichtlich Juni beschäftigt, und danach haben wir wieder Zeit, andere Dinge zu tun. Es stimmt allerdings, dass sich die Dinge seit den Anfangstagen ziemlich verändert haben. Zunächst funktionierten wir das ganze Jahr über als Band, weil wir auch andauernd live gespielt haben. Das ist jetzt anders, und zum Teil vermisse ich das auch ein wenig", gibt Sam zu. "Die bereits erwähnte EP haben wir direkt im Anschluss an das Album aufgenommen, und dabei hat sich gezeigt, dass uns das wirklich geholfen hat. Deshalb will ich bis zum nächsten Album auch nicht mehr so viel Zeit verstreichen lassen. Am liebsten wäre mir, wenn wir jetzt nicht auf Tour gehen müssten, sondern gleich wieder aufnehmen könnten. Und um deine Frage zu beantworten: Wenn uns die Band heute nicht mehr genauso wichtig wie früher wäre, würden wir einfach alles hinwerfen!"
Weitere Infos:
www.movingunits.com/seaandcake/
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Pressefreigabe-
The Sea And Cake
Aktueller Tonträger:
One Bedroom
(Thrill Jockey/EFA)


The Sea And Cake

 
 

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