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PLACEBO
 
Seelenverwandte sterben nie
Placebo
Drei Jahre sind vergangen, seitdem das letzte Studio-Album "Black Market Music" von Placebo erschienen ist. In diesen drei Jahren waren die Herren natürlich nicht untätig, sondern sie sind fast pausenlos auf Tour rund um den Globus gewesen, haben fast bis zur Erschöpfung gespielt. "Sleeping With Ghosts" heißt nun das neue Album von Brian Molko, Steve Hewitt und Stefan Olsdal, und sie läuten die Rückkehr mit einem Knaller in Gestalt eines Instrumental-Album-Openers namens "Bulletproof Cupid" ein.
Auf "Sleeping With Ghosts" findet man so ziemlich alle Facetten der Placebo-Welt wieder - das Rock-Outfit mit der aktuellen Single "The Bitter End", das atmosphärische Entzücken a la "I'll Be Yours" und "Centrefolds", die straighte Nummer "Plasticine", und auch das vertrackte bzw. verstörende "Something Rotten". Das volle Programm also, für das sich die Band erstmal etwas Zeit genommen hat. Steve: "Ja, diese Pause war auch dringend nötig. Wir waren nahezu sieben Jahre am Stück unterwegs, sei es auf Tournee oder im Studio, und wir brauchten einfach mal einen Stop. Wir haben dann unserer Plattenfirma gesagt, dass wir sechs Monate Pause machen werden - sie meinten, dass nur vier drin wären, also haben wir acht gesagt...harharhar...aber dieses halbe Jahr war wirklich nötig, ich habe viel Zeit zu Hause verbracht, um einfach mal weg vom Tournee-Stress zu kommen. Diese Pause war eine bewusste Entscheidung der Band, und es war auch genau die richtige Länge, denn als wir wieder zusammen kamen, fühlten wir uns alle großartig und konnten es gar nicht abwarten, wieder mit den Aufnahmen und Tourneen anzufangen!" Der Aufnahme-Prozess zum neuen Album ist diesmal etwas anders als sonst ausgefallen, denn Brian, Steve und Stefan hatten sich jeweils ein identisches Home-Recording-Set gekauft, darauf sind die ersten Ideen entstanden, man sich hat gegenseitig halbfertiges Material zugeschickt und seine eigene Ideen darauf eingespielt. Letztendlich hat es drei verschiedene Abschnitte gegeben: Zuerst die eigenen Ideen zu Hause, danach der Austausch mit den anderen Mitgliedern und schließlich die gemeinsamen Aufnahmen im Studio. Dabei herausgekommen sind knapp 30 Songs, wovon aber nur 12 den Weg auf das neue Album fanden. "Wir haben zwischendurch unserem Label gesagt, dass es ein Doppel-Album werden würde, und es hat ihnen einen riesen Schrecken eingejagt! 'Hey, wir sind nicht mehr in den 70ern, sowas macht man nicht mehr' konnte man aus ihnen herauslesen...irgendwann kamen wir dann aber auch zu dem Entschluss, nur 12 Songs auf das Album zu packen, und damit waren alle wieder entspannt", erzählt Steve.
Vor jeder Album-Veröffentlichung von Placebo gab es in der Vergangenheit das Gerücht, dass die Band diesmal wirklich mehr in die elektronische Richtung gehen würde. Erste Anzeichen waren jeweils die ersten Singles ("Pure Morning", "Taste In Men"), die zumindest einen eher elektronischeren Einschlag mit z.B. Drum-Loops vorweisen konnten, im Vorfeld zu "Sleeping With Ghosts" ist immer wieder der Name Jim Abbiss, der Produzent der Platte, aufgetaucht. Abbiss hat einen hervorragenden Ruf als Produzent elektronischer angehauchter Musik, in der Vergangenheit hat er beispielsweise mit Björk, Sneaker Pimps und DJ Shadow zusammengearbeitet. Steve: "Diese Gerüchte sind schon teilweise seltsam - viele haben von uns erwartet, dass wir jetzt wie Kraftwerk klingen würden, und die Leute werden wieder einmal überrascht sein, dass das Album doch recht rockig ausgefallen ist. Wir hätten natürlich einen normalen amerikanischen oder englischen Rock-Produzenten engagieren können, aber wir wollten ein gewisses Maß an Risiko eingehen, und etwas Neues ausprobieren. Jim kommt aus der Elektronik-Welt, wir kommen aus der Rock-Welt, sowohl Jim als auch wir sind ausgesprochene Dickköpfe, es gab also schon die ein oder andere Meinungsverschiedenheit, aber bei einem Bier konnten wir das dann wieder regeln. Im Endeffekt konnten wir Jim etwas mehr in Richtung Rock ziehen, und im Gegenzug hat er uns etwas in Richtung Elektronik gebracht. Wir haben uns aber nicht vollkommen gewandelt, denn im Grunde ist Placebo immer noch eine Rock-Band. Es war eine sehr gesunde Mischung, die Texturen und Schichten in den Songs sind dieses Mal viel ausgefeilter." Marketingmäßig ausgefeilt sind derzeit auch Popstar-TV-Casting-Shows... "Ohja, ist das nicht furchtbar? Besonders weil sich dieses teuflische Pop-Geschäft den Boden unter den eigenen Füßen wegzieht, die Plattenfirmenbosse drängen sich selbst in's Fernsehen und werden selbst so etwas wie Popstars, und sie machen einen riesigen Schnitt dabei. Diese Kids, die dort mitmachen, denken, sie wären berühmt, aber das dauert doch meistens nur ein paar Wochen, dann ist alles vorbei. Wahrscheinlich wird nächstes Jahr die Selbstmordrate unter diesen Popstars sehr ansteigen, weil alle depressiv sind und keine Platten mehr verkauft werden. Oder das komplette Gegenteil wird eintreten... 'Hey, ich sollte auch berühmt sein!' Warum? 'Nun, weil man heutzutage nichts besonderes mehr machen muss, um berühmt zu werden!' Das ist natürlich Quatsch, und es ist ein schlechtes Beispiel. Es bringt der Musik an sich überhaupt nichts! Und es zeichnet einfach ein komplett falsches Bild - besonders wenn man es Pop-Idol nennt. Idol? Das Wort 'Idol' ist hier völlig fehl am Platz!" Da ist es schon sehr beruhigend zu erfahren, dass Steves Entscheidung, ein Instrument zu erlernen, einer der ersten Auftritte von Motörhead bei "Top Of The Pops" Anfang der 80er war, als er Drummer Phil "Philthy Animal" Taylor dabei zugesehen hatte, wie er bei "Ace Of Spades" sein Drumkit malträtiert hatte - ein solcher Anblick prägt natürlich für's Leben. Man sieht, es gibt immer wieder überraschende Momente bei Placebo zu entdecken, und wer weiß, vielleicht wird es in Zukunft auch mal ein Cover-Album geben, schließlich nimmt die Band pro Single-Veröffentlichung auch einige Cover-Songs zum Spaß auf - dabei herausgekommen sind bisher u.a. Versionen von "Bigmouth Strikes Again" (The Smiths), "Johnny And Mary" (Robert Palmer), "20th Century Boy" (T.Rex), "Daddy Cool" (Boney M.), "Running Up That Hill (Kate Bush) oder auch aktuell im Live-Set "Where Is My Mind?" von den Pixies. Man wird sehen...
Weitere Infos:
www.placeboworld.co.uk
www.placebo-world.de
www.placebo-carpediem.de
Interview: -David Bluhm & Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-
Placebo
Aktueller Tonträger:
Sleeping With Ghosts
(Hut/Virgin)


Placebo

 
 

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