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NOVA INTERNATIONAL
 
Zwischen den Stühlen
Nova International
"Wie lange es gedauert hat, bis die Platte jetzt endlich herauskam, stimmt uns schon ein bisschen nachdenklich, schließlich sind wir schon vor mehr als einem Jahr im Studio gewesen. Aber dadurch, dass wir die Veröffentlichung stets vor Augen hatten, war das zurückliegende Jahr dennoch ein sehr schönes für die Band", sinniert Nova-International-Sänger/Gitarrist Michi K. beim Treffen mit Gaesteliste.de in Bochum. Recht hat er, denn das Debütalbum der vier Augsburger ist ein amtliches Rockbrett geworden, das trotzdem mit jeder Menge Pop-Appeal aufzuwarten weiß. Davon jedenfalls überzeugt uns der "schlimme" Ohrwurm namens "One Decision" ebenso wie die Disco-inspirierte neue Single "Favourite Girl", die ausgezeichnete Ballade "Bond Girl" oder das gesanglich typisch britische "24".
Ironischerweise hängt die lange Zeit des Wartens auf das Debütalbum, das schlicht den Namen der Band trägt, nicht zuletzt damit zusammen, dass die Plattenfirma des Quartetts - neben Michi K. noch Bassist Markus, Gitarrist Michi D. und Drummer Kris - genau mit dieser "unkonformen" Haltung Probleme hat. "Ich denke, das ist prinzipiell das Problem bei Bands, die sich im Pop-Pool platzieren wollen", ist sich Michi sicher. "Du kennst uns ja nun auch schon länger und weißt, dass wir wirklich weder eine richtige Pop- noch eine Rockband sind. Wir stellen uns diese Frage auch gar nicht erst. Aber natürlich werden Radiosender oder TV-Musikkanäle immer wieder mit dieser Frage um die Ecke kommen, zumindest, solange wir nicht wirklich etabliert sind. Diese Leute wollen Schubladen haben, und ich kann schon verstehen, dass es da nicht einfach ist, für uns die Maschinerie in Gang zu setzen." Und Bassist Markus ergänzt: "Wir haben anfangs versucht, bei diesem Spiel mitzumachen. Das hat uns ein 3/4 Jahr lang Nerven und Arbeit gekostet - ohne zählbares Ergebnis. Jetzt sagen wir einfach: Die Plattenfirma soll zu Potte kommen und sich einfach etwas einfallen lassen."

Dass die Band auf Fragen nach Vermarktung und Kommerz nicht übermäßig enthusiastisch reagiert, verwundert natürlich nicht. Damit werden die vier allerdings leben müssen, immerhin hätte es ja nicht gleich der Branchenriese BMG Ariola für das Debütalbum sein müssen, oder? "Ganz einfach: Wir hatten überhaupt kein Angebot von einem kleineren Label", sagt Markus. "Natürlich hat sich uns diese Frage im Vorfeld gestellt. Gehen wir zu einem großen Major und legen uns womöglich mit dem an, oder gehen wir zu einer kleineren Firma? Allerdings hat es wirklich kein ernst zu nehmendes Gespräch mit einem kleinen Label gegeben." Womöglich auch deshalb nicht, weil die Band klare Vorstellungen hatte, wie Michi bestätigt. "Was wir wollten, war, mit einem englischen Produzenten aufzunehmen und die Platte nicht in Weilheim zu machen - und das hätte kein Indielabel finanzieren können!" Deshalb beschloss die Band schon vor Jahren, die Dinge langsam anzugehen und erst dann bei den Majors vorstellig zu werden, wenn sie genügend wirklich gute Songs beisammen hätten. Ein Plan, der aufgegangen ist, denn ihr Label schickte die vier mit Starproducer Phil Vinall (Placebo, Gene, The Auteurs) nach Frankreich ins Studio, um an ihrem Erstling zu feilen. "Wir hatten noch ein paar andere Namen auf der Liste, einige davon waren völlig utopisch, allerdings haben wir das bei Phil zunächst auch gedacht. Wenn du 'Placebo-Produzent' hörst, dann denkst du natürlich nicht, dass der sich sofort meldet, wenn deine Plattenfirma ihm ein Tape schickt, und drei Tage später sofort rüberfliegt, um dich zu treffen."

Die Wahl eines britischen Produzenten ist auch insofern interessant, als Gaesteliste.de Nova International in der Vergangenheit eher als amerikanisch beeinflusst bezeichnet hat. "Das ist doch perfekt!", meint Markus mit Blick auf die Unmöglichkeit, Nova International genau festzulegen. "Es hätte auch nicht unbedingt ein Engländer sein müssen, aber es sollte ein Produzent sein, der schon international was gemacht hat, was uns gefällt, und so kamen wir auf Phil. Hier in Deutschland gibt es ja außer Weilheim und Düsseldorf nicht allzu viele Möglichkeiten." Entstanden ist das Album in Frankreich, in dem mit schönem, altem Equipment voll gestopften Blackbox Studio, was unter dem Strich nach Aussage der Band billiger gewesen sei, als sich in einem ähnlich guten deutschen Studio einzumieten. Für die Aufnahmen zu ihrem ersten Album haben sich Nova International übrigens so weit wie möglich von anderer Musik abzuschotten versucht. "Ich hatte einige Phasen, in denen ich unheimlich viel andere Musik gehört habe, aber dann war mein Songwriting immer gleich identisch, das gilt vor allem für aktuelle Musik", weiß Michi. "Meine Freundin schleift immer die neuen Platten heim, aber all die Bands wie The Strokes gingen bei mir hier rein und da raus. Das Schlimme ist wirklich, dass man beim Songwriting sofort merkt, was man gerade hört. Bei meiner ersten Band war das ganz besonders drastisch. Da wechselte das im Halbjahres-Turnus: Mal gab's die Bad-Religion-Attacke, dann kam irgendwie Nirvana, dann ging’s weiter mit Guns N Roses, und was weiß ich, was da noch alles kam! Das hörte man dann sofort. Das ist wie ein Weinjahrgang, das ist ganz schrecklich!"

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Deshalb war es bei den Aufnahmen für die Band zwar nicht sonderlich schwer, sich einmal mehr für ihre teilweise schon einige Jahre alten Songs zu begeistern, kompliziert war es hingegen streckenweise, soundtechnisch den Bogen von den alten zu den neu geschriebenen Stücken zu schlagen. Nicht zuletzt deshalb arbeiten Nova International - im Mai und Juni auf der obligatorischen Tournee unterwegs - inzwischen schon fleißig an Songs für ein weiteres Album. "Wir haben uns zu Hause ein Studio gebaut. Wir haben ein schönes altes Pult gekauft und produzieren jetzt neue Sachen", bestätigt Michi. "Es kann ja nicht angehen, dass wir jetzt ein Jahr lang nur mit den zwölf Songs der ersten Platte verbringen. Es gibt neue Ideen, neue Ansätze, aber ein komplettes neues Album haben wir natürlich noch nicht zusammen." Und was soll uns das alles sagen? Nova International sind Gewinner, weil sie - anders als viele andere Bands des Alternative-Rock-Sektors - begriffen haben, dass tolle, mal amerikanisch, mal britisch geprägte Songs jenseits jeden Schubladendenkens auch in Zeiten von Kommerz und musikalischer Stromlinienförmigkeit das beste Erfolgsrezept sind.
Weitere Infos:
www.nova-music.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Pressefreigaben-
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Aktueller Tonträger:
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(BMG)


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