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DEVICS
 
Ciao America
Devics
Devics ist der Name eines Projektes, das ein bisschen anders ist. Devics - Multiinstrumentalist Dustin O'Halloran, Sängerin/Texterin Sara Joy und der assoziierte Bassist Ed Maxwell - suchen sich nämlich einen ziemlich eigenen musikalischen Weg. Etwa in der Art, wie das auch Acts wie Elysian Fields, Over The Rhine oder Yo La Tengo tun - Bands also, in denen die kreative Kraft ebenfalls von einem verbandelten Duo ausgeht. Die Musik von Devics lässt sich dabei nicht so leicht in eine Schublade stecken. Die Stimmung ist vorwiegend düster, es gibt Einflüsse aus den Bereichen New Wave, Jazz und Pop. Die Songs sind indes eher traditionell ausgerichtet, während sich die Arrangements an keinerlei Regeln halten und vom analogen Synthesizer bis zur Posaune alles eingesetzt wird, was dem Song förderlich erscheint. Dann verweist der Titel des neuen Albums "The Stars At Saint Andrea" (dem Nachfolger von "My Beautiful Sinking Ship" und der fünften CD insgesamt) auf den Ort in Italien, wo die Scheibe entstand. Das alleine macht schon neugierig. Wenn man dann noch hört, dass Dustin und Sara ausgerechnet aus Los Angeles kommen, aber freiwillig für eine längere Zeit in Italien gelebt haben und beim Interview auch wieder dort anzutreffen sind, ist das schon mal ein Grund, einmal nachzuhören, wie sich das alles zusammensetzt.
"Wir haben unser ganzes Leben in L.A. verbracht", erzählt Dustin O'Halloran, "und dann bekamen wir diese Möglichkeit, eine Zeit lang hier in Italien zu leben. Wir hatten bereits ein paar Mal hier getourt und so einige Freude gewonnen. Wir dachten, dass es eine gute Gelegenheit sei, ein mal eine andere Kultur zu erleben. Es erschien uns besonders als Songschreiber auch wichtig, unser Leben irgendwie zu bereichern. Unsere Freunde hat nun hier ein altes Farmhaus mit einem kleinen Tonstudio. Es war gar nicht geplant, hier die Scheibe aufzunehmen, aber eins kam zum anderen und so entstand dann die CD auf ziemlich natürliche Weise." Nun ist es ja schon erstaunlich, dass Musiker - ausgerechnet aus L.A. - das Bedürfnis zu verspüren, das eigene Leben mit einer anderen Kultur "zu bereichern". Das sind Statements, wie man sie aus dem hedonistischen Herzland der USA ja nicht so oft vernimmt. "Die Verbindung für uns waren einfach unsere Freunde und das Erlebnis, hier zu leben - der Lebens-Stil ist so verschieden von dem, was wir aus L.A. gewohnt waren. Wenn du in der Stadt lebst, hast du immer irgendwelche Sachen, die dich ablenken. Hier waren wir beinahe isoliert und das Leben war irgendwie einfacher. Es erlaubt dir dann auch die Musik in einer ganz anderen Art zu spielen." Das heißt: Die Umgebung beeinflusst die Art, in der die Musik entsteht? "Ja. Dieses Album haben wir ja auch während der Aufnahmen im Studio geschrieben", beschreibt Dustin den Prozess, "bislang hatten wir die Stücke vorher immer schon fertig - und kannten sie demzufolge schon, als wir ins Studio gingen. Nun gelang es uns, diesen Moment, wenn du einen Song kreierst - und das Gefühl dabei - während des Aufnahmeprozesses zu dokumentieren. Das ist uns bislang noch nie gelungen." Wenn man also quasi die Geburt eines Songs im Studio aufnimmt, kann man das doch nicht wieder reproduzieren, oder? "Das stimmt wohl", stimmt Dustin zu, "diese Songs jetzt für Live Shows aufzubereiten, wird eine ganz schöne Herausforderung sein. Wir kriegen das aber schon hin. Wir haben jetzt einen dritten Mann für zusätzliche Parts angeheuert - Keyboards und so. Bei den Aufnahmen spiele ich ja alle Instrumente. Es ist aber sowieso wichtig, dass die Songs live anders klingen als auf Tonträger."
Devics
Was ist denn eigentlich die musikalische Philosophie der Devics? Stilistisch sind sie ja, wie erwähnt, nicht leicht zu greifen. "Ich denke, es ist bei jedem Song anders", versucht Dustin das in Worte zu fassen, "für mich kommt es z.B. oft darauf an, mit welchem Instrument ich beginne, an einem Stück zu arbeiten. Mit jedem Instrument beziehe ich mich auf andere Einflüsse. Das Piano z.B. führt zum Jazz oder der Klassik, Gitarre verweist zum Post-Rock. Einen Jazz-Einfluss hat es bei uns ja immer schon gegeben, weil Sara und ich große Jazz Fans sind. Auf dieser Scheibe vielleicht weniger, weil wir mehr mit elektronischen Sounds experimentieren wollen. Es ist so, dass ich die Musik und meine Texte schreibe, Sara aber ihre Texte und ihre Melodien. Beim dritten Song, 'In Your Room' haben wir zusammengearbeitet, weil wir beide Fragmente von Songs hatten, die wir nicht fertig brachten." Wie bei "A Day In A Life" also. Gibt es denn eine bestimmte Devics Ästhetik, die es beim Aufnahmeprozess einzufangen gilt? "Nun, meistens weiß ich schon, wie Musik funktioniert oder was mit ihr passiert. Es gibt eine Menge neuer Musik, die ich wirklich mag. Es ist mir aber wichtig, nicht Teil einer bestimmten Bewegung oder einer Mode zu sein. Es ist mir wichtig, dass meine Musik ein wenig zeitlos ist. Wie die Musik, von den Leuten, die ich selber mag. Wenn ein Song gut ist, dann wird er die Zeit überstehen. Was nicht heißt, dass ich mir meine eigenen Songs anhören kann. Das ist bei mir nicht anders wie bei vielen anderen Musikern." Warum ist denn die Musik der Devics immer so Moll-orientiert? Nicht eben depressiv, aber immer doch traurig und ein wenig düster. Ist das notwendig? "Ich habe das nie so gefühlt, dass wir traurige Musik schreiben." Was man ja nun oft von Leuten hört, die traurige Musik schreiben. "Ich weiß", lacht Dustin, "wir machen ja doch sehr viel unterschiedliche Musik. Vielleicht hat der Eindruck, der entsteht, zu tun mit den Melodien, vielleicht mit dem Raum - Offenheit ist sehr wichtig - vielleicht mit dem Tempo, sicherlich mit den Inhalten der Texte. Wenn wir schreiben, dann tun wir das, wenn wir fühlen, dass wir etwas zu sagen haben. Das sind auch immer Zeiten, in denen man gefühlsmäßig aufgewühlt ist. Es bedeutet aber nicht, dass wir traurige Figuren sind. Wir hängen nicht rum und weinen den ganzen Tag oder so was. Ich hoffe aber, dass unsere Musik auch irgendwie dazu beiträgt, dass die Leute sich besser fühlen. Wenn ich z.B. traurig bin, dann höre ich mir auch gerne traurige Musik an - und nachher geht's mir dann besser. Was ich möchte, ist, dass sich durch unsere Musik vielleicht etwas Trauriges in etwas Schönes verwandelt." Vielleicht rührt aus diesem Bestreben auch der Erfolg etwa in Italien her? Wer weiß. Leider haben die Devics bei uns noch nicht so recht Fuß fassen können. Eine Frage bliebe indes noch: Was bedeutet Devics denn eigentlich? "Also die erste Bedeutung, die wir herausgefunden habe, ist eine Art von Schutzengel, einer Muse. Der Begriff hat ein paar verschiedene Bedeutungen, wie wir erst später festgestellt haben - einer davon ist der Name einer Augenkrankheit - was wir nun nicht unbedingt damit assoziiert sehen möchten. Wir wollten einfach einen Namen haben, der nicht so gewöhnlich klingt und - wie unsere Musik - nicht sofort eindeutig identifiziert werden kann."
Weitere Infos:
www.devics.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Devics
Aktueller Tonträger:
The Stars At Saint Andrea
(Bella Union/Zomba)


Devics

 
 

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