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NATACHA ATLAS
 
Gefährliche Diva
Natacha Atlas
Natacha Atlas ist so etwas wie die ungekrönte Königin des Ethno-Pop. Der "lebende Gaza Streifen", wie sie sich selbst einmal nannte, ist so etwas wie eine sichere Bank für nicht vorhersehbare musikalische Ereignisse. Seit ihrer immens erfolgreichen Zusammenarbeit mit Transglobal Underground oder z.B. Jah Wobble sind ihre Scheiben auf jeden Fall immer für Überraschungen gut. Nachdem das letzte Album "Foretold In The Language Of Dreams", das sie mit dem Produzenten Mark Eagleton einspielte, sich eher in Ambient-Sphären bewegte, ist sie mit der neuen Scheibe, "Something Dangerous", offensichtlich wieder auf dem Boden der Weltmusik zurückgekehrt. In Zeiten, in denen via Panjabi MC der Ethno-Pop sogar hierzulande Fuß zu fassen scheint, kommt dieser eklektische Mix aus Duetten, Kollaborationen und natürlich unberechenbar vielen Stilen aus aller Herren Länder genau recht.
Nachdem Natacha seit Jahren in Frankreich ein gefeierter Star ist, könnte es mit dieser Mischung auch hierzulande etwas werden. Und zwar nicht nur bei unseren orientalischen Mitbürgern, für die eine Künstlerin, die in mindestens drei Sprachen singt und die neben ihrer Musik ganz selbstverständlich noch den Bauchtanz als wichtiges Ausdrucksmittel sieht, nichts besonderes ist. Was ist denn auf diesem Album, das man als musikalische Weltreise betrachten könnte, die sich von Frankreich über England bis Osteuropa und von dort über den Orient bis hin in die USA erstreckt, der wichtigste Aspekt für Natacha selbst? "Was das Wichtigste ist? Hm, ich denke es ging mir besonders um die verschiendenen Leute, die auf der Scheibe mitmachten und besonders um die verschiedenen Gast-Sänger, die Duette. Das ist nämlich etwas, was ich bislang noch nicht gemacht habe und was ich auf dieser Scheibe in den Vordergrund stellen wollte." Neben den alten bekannten - wie Jah Wobble oder Tuup von Transglobal Underground, gibt es z.B. auch einen Gastauftritt von Sinead O'Connor. War das alles so geplant? "Manches war geplant, manches waren Zufallsbegegnungen. Das Wichtige war mir dabei, dass es unkompliziert sein sollte. Wir haben die Songs jeweils zusammen geschrieben. Ich kann dir jetzt gar nichts gar nichts weiter über den Prozess erzählen. Es passierte alles ganz natürlich. Ich hatte die Texte fertig, ansonsten gab es keine Vorbedingungen. Es waren alles gute Sänger, ich wollte mit ihnen arbeiten, sie mit mir, das ist eigentlich schon alles."

Das Ergebnis ist eine noch buntere Mischung als das, was Natacha sonst schon so macht. Das geht sogar so weit, dass sich Elemente darauf finden, die sie eigentlich gar nicht mag. Der mit Andy Gray produzierte Track "Daymalhum" könnte mit seinen harten elektronischen Beats fast als Tekkno-Hit durchgehen. "Weißt du, das ist nicht wirklich mein Ding", gibt Natacha zu, "mir ging es aber darum, für alles offen zu sein und für wirklich jeden etwas zu machen. Ich wollte mich da nicht limitieren und letztlich kann ich mit dem Ergebnis auch gut leben. Das Stück hat ein gutes Feeling. Aber das ist Musik, wie ich sie normalerweise weder kaufen noch anhören würde. Wichtig war mir aber, niemanden auszugrenzen, wenn du weißt was ich meine. Die Botschaft des Songs ist einfach: 'They thought it would never end' singe ich hier - und es endet doch irgendwann. Das Leben - ich spreche hier über das Leben." Was immer man Natacha vorwerfen könnte - dass sie vielleicht als schwierig und divenhaft gilt, etwa - so richtig gefährlich scheint das, was sie macht, ja trotz allen musikalischen Wagemutes nicht zu sein. Warum also heißt dieses Album also ausgerechnet "Something Dangerous"? "Oh, das ist wegen der Situation", erklärt sie eher kryptisch, "ich meine die Situation im Irak mit dem Krieg und so. Ich wollte mit diesem Song eine politische Aussage treffen. Das mache ich ansonsten ja weniger. Das ist der einzige Song mit politischem Inhalt. Die anderen sind nicht politisch. Auf den anderen Songs singe ich von Hoffnung und Liebe - ganz verschiedenen Sachen."

Das heißt natürlich nicht, dass Natacha beim Titeltrack hier wilde politische Tiraden vom Zaun bricht. Neben vorsichtiger Samples aufgebrachter Kriegsgegner sind es vor allen die Raps von Princess Juliana, die die Botschaft tragen. Natacha selbst bleibt eher vage. Obwohl sie sagt, dass der Rest des Albums unpolitisch sei, gibt es doch noch ein anderes Stück mit einer konkreten Aussage: Eine Cover-Version von James Browns "Man's World". "Ach ja, das habe ich mir ausgesucht, weil ich in Ägypten gelebt habe. Ich weiß also wie es ist, als Frau in einer Männer-Welt zu leben. Ich habe da eine Sichtweise, die andere vielleicht nicht so haben. Ich wollte damit ein Statement abgeben. Das war das eine. Das andere war, dass ich ein Video machen wollte, in dem ich zuerst all die guten Dinge zeigen wollte, die Männer erschaffen haben und dann den ganzen Scheiß, der daraus wurde - all der Krieg und all das Kämpfen, die Zerstörung." Wie gesagt, ansonsten geht es auf "Something Dangerous" gemäßigter zu. "Ja, nimm z.B. den ersten Track, 'Adam's Lullaby'. Das ist tatsächlich ein Wiegenlied. Ich singe hier praktisch der ganzen Menschheit ein Wiegenlied. Es geht darum, das Leben möglichst auszukosten. Es hat etwas mythologisches, denn die Menschheit ist quasi der Sohn Adams." "Adam's Lullaby" ist auch der Track, der sich musikalisch am weitesten von den anderen abgrenzt. "Das ist das Stück, mit dem ich meine musikalische Reise begonnen habe", erzählt Natacha, "ich habe das Stück in Prag zusammen mit Jocelyn Pook und dem Prager Symphonie-Orchester aufgenommen. Ich dachte, das sei am besten geeignet, die hoffnungsvolle Stimmung des Songs auszudrücken. Ich werde übrigens meine nächste Scheibe vermutlich komplett mit Jocelyn Pook aufnehmen. Es wird ein klassisches Album werden."
Natacha Atlas
Das Thema "Hoffnung" zieht sich auch ansonsten wie ein roter Faden durch die Songs. Der vorletzte Track, "Le Printemps", haut in die gleiche Kerbe. "Oh ja, den Song habe ich mit Paul Castle aufgenommen. Ich liebe diesen atmosphärischen Sound. Und der Frühling, der in diesem Song gerade beginnt, ist eine weitere Metapher für Hoffnung." Gehört der letzte Song, "Like The Last Drop", dazu? Denn die Stücke gehen nahtlos ineinander über. "Nein, das war nur, weil sie musikalisch zusammen passen. Auf 'Last Drop' geht es um die Verbindung zu den Wurzeln meiner Vorfahren. Ich sage, dass ich das letzte Blatt eines Baumes bin - weil ich so weit entfernt bin von meinen ägyptischen Wurzeln. Ich bin so weit entfernt von meinem Geburtsland - darum geht es in dem Song." Als jemand mit arabischem Background liebt Natacha natürlich die blumenhafte Sprache. Ist das eine "Sprache der Träume", wie das der Titel der letzten Scheibe vermuten lässt? "Das hängt natürlich von jedermanns Interpretation ab", weicht Natacha hier aus, "vielleicht geht es darum, was dir die Träume erzählen wollen, die versteckten Botschaften. Vielleicht geht es um die Verbindungen, die Verstand und Seele eingehen können, wenn du in der Lage bist, es zu entziffern." Welches ist denn Natachas Lieblingssprache? In welcher singt sie am liebsten? "In Arabisch wahrscheinlich", überlegt sie, "das ist die Sprache, die in der ich am längsten gesungen habe und mit der ich aufgewachsen bin." Was ist denn der wichtigste Aspekt bei Natachas Arbeit? Der Gesang? "Ach, ich weiß nicht", meint sie hierzu und ist auch auf Nachfrage nicht bereit das weiter zu diskutieren. Nun ja, ein bisschen Divenhaftigkeit muss ja schließlich auch sein. Mit "Something Dangerous" fügt Natacha Atlas dem Genre Ethno-Pop erstaunliche neue Kapitel hinzu - auch oder vielleicht gerade weil sie sich nicht immer selbst in den Mittelpunkt stellt. Es ist dies also eine Weltmusik-Scheibe im bestmöglichen Sinne.
Weitere Infos:
www.mantrarecordings.com/natachaatlas/
www.natachaatlas.net
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Natacha Atlas
Aktueller Tonträger:
Something Dangerous
(Mantra/Beggars Group/Zomba)


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