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BLACKMAIL
 
Positiv einfarbig
Blackmail
Die Koblenzer Blackmail haben mit ihrem letzten Werk "Bliss, Please" die Messlatte recht hoch gelegt, haben uns erstklassige Rock-Songs mit Pop-Appeal um die Ohren gehauen, und nach zwei Jahren kommt nun mit "Friend Or Foe?" der Nachfolger in die Läden. Die Band selbst will immer einen drauf setzen, sich immer wieder toppen, und man kann sagen, dass sie es mit der neuen Platte locker geschafft haben. Die Songs klingen wie aus einem Guss und schlagen diesmal eine etwas härtere Gangart ein, fast so wie in den Anfangstagen der Band.
Was hat es denn eigentlich mit dem Songtitel auf sich? Carlos Ebelhäuser (Bass): "Es ist eine Art Statement - es hat schon damit zu tun, wie die Platte geworden ist, dass wir entschieden haben, es so zu tun wie wir es möchten, dann kam halt irgendwann mal die Idee zu 'Friend Or Foe?', Freund oder Feind, nimm' es oder lass' es. Es kommt auch schon so rüber, denn es gibt Leute, die können absolut gar nichts damit anfangen, andere wiederum finden es total genial. Bis jetzt gibt es selten etwas in der Mitte." Die Sache mit der Entscheidung hört sich danach an, dass beim Vorgäger doch reingeredet worden ist - von wessen Seite auch immer. "Zeitbedingt ist es nicht so geworden, wie es eigentlich hätte sein sollen", erinnert sich Carlos, "Das Mixen und Mastern musste nachher Schlag auf Schlag gehen, dadurch klang es letztendlich sehr weich. Trotzdem bin ich innerhalb der Band der Befürworter der 'Bliss, Please', es waren 16 Songs, die Platte war ziemlich lang, es gab viele ruhige Songs. Relativ kurz nach der Veröffentlichung hat sich aber schon eine Unzufriedenheit breit gemacht, die anderen fanden das Album dann doch zu lang, zu ruhig oder zu poppig. Wir hatten damals schon in der Tat das Verlangen, die nächste Platte auf jeden Fall rougher und rauher klingen zu lassen. Wir sind stets darauf bedacht, uns weiter zu entwickeln, immer noch einen drauf zu setzen, dann aber auch auf jeden Fall die andere Schiene zu bedienen, und dann spielt man einfach auch so. Obwohl ich auch finde, dass unsere Stärken auch in den ruhigeren Songs liegen können."

Die Band hat dieses Mal einen etwas anderen Ansatz bei den Aufnahmen zum Album verfolgt, man hat inzwischen ein eigenes Studio eingerichtet, dort dann vor dem eigentlichen Aufnahme-Prozess Ideen eingespielt, vorab zwei Wochen geprobt und insgesamt sieben Monate aufgenommen, Gitarrist Kurt Ebelhäuser hat das Album produziert. Ohne den Druck eines Miet-Studios im Rücken lebt es sich natürlich unbeschwerter, es birgt aber auch die Gefahr, nie fertig zu werden. "Ja, das haben wir gemerkt", gibt Carlos zu, "Wir haben auch ja schon den Hang dazu, alles leidenschaftlich durchzudiskutieren, wo man hin möchte. Es wird immer schwieriger von Platte zu Platte, das liegt einfach in der Natur des Ganzen. Dadurch bedingt hat es sicherlich länger gedauert, aber ich muss zugeben, dass es schon schön ist, einfach mal zwei Wochen Pause zu machen, wenn man nicht wirklich Lust hat, und dann irgendwann mal weiterzumachen - ist ja schließlich unser Studio. Ich denke, das wird sich aber bei einer nächsten Platte wieder ändern, denn man lernt ja schließlich aus den Fehlern. 'Friend Or Foe?' hätte sicherlich zwei Monate früher fertig werden können."

Neben Blackmail toben sich einige Bandmitglieder in anderen Bands oder Projekten aus - z.B. Kurt mit seiner Band Scumbucket, Sänger Aydo Abay mit seinem Projekt Ken -, können dort andere Sachen ausprobieren. Laut Carlos haben diese Neben-Aktivitäten aber keinen besonders großen Einfluss auf die Blackmail-Songs. Wenn man alle vier Blackmail-Alben nebeneinander legt, welche Eindrücke von der Zeit oder der Phase kommen da hoch? Carlos: "Die erste Platte ist okay - wenn man das mal farblich betrachtet, ist sie für mich relativ eintönig, hat was, hat ihre Momente. Die 'Science Fiction', hm, weiß ich gar nicht. Ich sehe zwar die 'Bliss, Please' relativ bunt, weil da von den Instrumenten her mit Vibraphon, Trompete, etc. viel passiert ist, bei der 'Science Fiction' nur bedingt, bei der neuen Platte sehe ich es im positiven Sinne auch eher einfarbig. Sie ist total aus einem Guss. Die 'Science Fiction' hat zwar auch viele frische Sachen, aber bei der neuen ist alles noch besser eingebettet worden, und es gibt ja auch wieder die ein oder andere Überraschung." Zu dieser Überraschung zählt mit Sicherheit auch der Einsatz der Pedal Steel Gitarre im Song "Fast Summer"... Carlos: "Das sehe ich auch als sehr gelungen an, und wir hätten auch nie gedacht, dass der Song mit der Pedal Steel nochmal so weit klingt. Wenn du dieses Instrument hörst, hast du meistens die Country Musik im Kopf, wo eigentlich immer das Übliche gespielt wird. Bei 'Fast Summer' klingt das super weit und frei, eine super schöne Melodie, die sich komplett nochmal aufbaut. Wie gesagt, das halte ich für sehr gut gelungen, weil es auch recht unerwartet kommt - viele haben das zwar schon verwendet, aber dann mehr oder weniger auf klassische Art und Weise. Eingespielt wurde das von Jürgen Schmitt, der wohl anscheinend die Nummer 1 aus Deutschland ist, und auch Unterricht gibt, und es gibt wohl auch nur sehr wenige in Deutschland, die das Instrument beherrschen...kann man sicherlich auch nachvollziehen...wer möchte schon Pedal Steel Gitarre spielen..."
Blackmail
Als Gaesteliste.de mit Aydo über die Gründe für sein Projekt Ken sprach, kam es zu der Aussage, dass er Ken gemacht habe, um noch eine Rock-Band zu haben, in der nicht alles immer so ernsthaft zugehe wie bei Blackmail. Wie ernst geht es denn zu? Carlos: "Nunja, wie bereits gesagt, wird es von Platte zu Platte schwieriger, und wir haben den Druck, den wir uns aber selbst auferlegt hatten, sehr gespürt. Aber wir sind halt eine ernsthafte Band. Es ist sehr schade, dass es in Deutschland so wenige davon gibt. Es gibt Tomte, Notwist, keine Ahnung wer, aber das war's dann auch schon. Ich weiß nicht, wieso das so ist, aber es mag vielleicht daran liegen, dass wir uns entwickeln konnten, die erste Platte haben wir über bluNoise herausgebracht, wir haben vieles selbst finanziert und organisiert, und hatten einfach die Möglichkeit, uns so zu entwickeln." Wenn die Entwicklung so positiv weitergeht wie bisher, kann man eigentlich nur frohen Mutes in die Zukunft blicken und auf neue Veröffentlichungen warten. Apropos Zukunft: Im Juni wird es noch eine EP namens "Foe" mit vielen Überraschungen und einem scheinbar endlosen Instrumental-Stück geben. Die EP ist als Ergänzung zum Album gedacht und macht es somit zu einer Art Konzept-Album.
Weitere Infos:
www.blackmail-music.com
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Stefan Malzkorn-
Blackmail
Aktueller Tonträger:
Friend Or Foe?
(WEA)


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