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NINA NASTASIA
 
Kaffee und Schatten
Nina Nastasia
Nina Nastasia ist wohl so etwas wie die schwarze Seele - oder soll man gar sagen: Das Gewissen - des düsteren, avantgardistischen Folksongs. "File under Gothic American" heißt es rätselhaft in der Bio. Das macht eigentlich keinen rechten Sinn, denn Ninas Musik hat nichts pastorales, sondern lediglich jene unerbittliche und aufrechte Konsequenz, die Freunde der Materie aufhorchen lässt. Jedenfalls wurde sie anlässlich ihres zweiten Albums "The Blackened Air" (das erste, "Dogs", ist momentan vergriffen, soll aber bald wieder veröffentlicht werden) gleich vom Alternative-Papst John Peel adoptiert, der mehrere Sessions mit ihr organisierte. Ansonsten weiß man recht wenig von der zierlichen New Yorkerin, die auf ihrem neuen Album, "Run To Ruin", wieder die Nachtmahre in Form fragiler, aber resoluter Songkunstwerke mit Schräglage auf den Hörer loslässt.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Das soll auch nach diesem Interview so bleiben. Denn eines stellt Nina gleich voran: "Ich habe die allergrößten Schwierigkeiten, zu erklären, warum oder wie ich Dinge tue oder nicht, weil ich immer das Gefühl habe, dass das böse enden wird - z.B. den Namen meines neuen Albums zu deuten. Deswegen würde ich es lieber nicht tun." Nun, auch das beschreibt Nina letztlich irgendwie: Die Musik ist ihr offensichtlicher wichtiger als ihr Ego. Deswegen gibt's auch keine Fotos von ihr auf den Covers der CDs. "Vielleicht später einmal", überlegt sie, "aber nur, wenn es etwas mit der Musik zu tun hat. Im Moment ist es mir nicht wichtig, Bilder von mir auf der CD zu haben. Ich überlasse das Artwork auch vollkommen Ken. Er macht seine Sache sehr gut und vertraue ihm vollkommen. Es ist mir auch deswegen lieber so, weil sich so jeder seinen Teil denken kann." Z.B. zu überlegen, was das rennende Tierskelett auf dem Cover der neuen CD zu bedeuten haben könnte. (Ken ist übrigens Kennan Gudjonsson, ihr Partner, Anrufbeantworter und wohl auch Mentor). Eine Sache, die übrigens sehr gut zu Ninas "Music First" Attitüde passt, ist der Umstand, dass ihre Alben von Altmeister Steve Albini produziert werden - der ja dafür bekannt ist, die Musik lediglich optimal zu dokumentieren - Warzen inklusive -, aber nicht zu verändern.

Das aktuelle Album wurde im übrigen Rücken an Rücken mit dem Vorgänger, "The Blackened Air", eingespielt - klingt indes doch recht anders. Z.B. ist es mit acht mittel-langen Songs recht kurz geraten. "Das Album haben wir letztes Jahr aufgenommen. Wir wollten 'The Blackened Air' ein wenig Zeit geben, deswegen kommt es erst jetzt heraus", erzählt Nina, "ich habe jetzt schon wieder neues Material und wir denken ernsthaft drüber nach, wieder zwei Alben Rücken an Rücken aufzunehmen. Wir haben auch ziemlich viel Zeug aufgenommen, das noch nicht veröffentlicht ist. Ich weiß noch nicht, wie unterschiedlich das klingen wird, weil ich die neuen Sachen in meinem Kopf noch nicht sortiert habe, aber 'Run To Ruin' klingt ja anders als die anderen beiden Scheiben, und wahrscheinlich wird es wieder ähnlich werden. Warum die Scheibe so kurz ist? Wie soll ich das sagen. Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll - warte mal - ich habe, glaube ich, zuviel Kaffee getrunken, ich weiß gar nicht, was ich rede. Also da gab es einen neunten Song, der verloren ging. Nein - das ist nicht der richtige Ausdruck. Er hat nicht zu den anderen gepasst. Reicht das als Erklärung?" Warum denn nicht? Dennoch, irgendwie müssen wir uns dem Innenleben der Nastasiaschen Philosophie ja nähern. Wie ist denn das aktuelle Album entstanden? Auf diesem spielt ja z.B. nicht der Nastasia Drummer Jay Bellerose, sondern Dirty Three Drummer Jim White mit. "Die Aufnahmen zu 'Run' waren etwas anders. Für die anderen Scheiben nahmen wir einen Haufen Songs auf, aus denen wir auswählten. Bei dieser Scheibe gab es ein paar ältere Sachen, die ich noch aufnehmen wollte und die restlichen habe ich dann extra neu geschrieben. Das war etwas anderes, weil die Scheibe so eine bestimmte Stimmung bekam." Gutes Stichwort: Die Stimmung des Albums ist dann doch sehr wolkenverhangen, desolat, rabenschwarz. Jedenfalls kann man sich das Album nicht gut bei Tageslicht anhören, ohne depressiv zu werden. In der Nacht hingegen ist es in seiner strengen, abstrakten Schönheit aber genau der richtige Soundtrack. "Du hast dir das Album am Tag angehört? Verstehe, dann wird das für dich ein Nachtalbum sein", lacht Nina, "ich empfinde das anders. Ich bin sehr glücklich mit der Scheibe. Ich meine - wir hatten ein paar Probleme mit der Reihenfolge der Songs, aber im Großen und Ganzen bin ich sehr glücklich damit. Jim White wurde uns - glaube ich - von Steve Albini vorgeschlagen. Mein Drummer Jay konnte gerade nicht zu den Aufnahmen. Jedenfalls kannten wir Jims Arbeit und es klappte sehr gut. Jim ist ja sehr lustig und auch ein guter Drummer." Und ein sehr spezifischer. Ist das vielleicht der Grund, warum "Run To Ruin" so anders klingt als die anderen beiden Alben? "Definitiv. Jim hat einen sehr eigentümlichen Stil und die Drums stehen auf der Scheibe sehr im Vordergrund", erzählt Nina, "das hat aber keine Rolle beim Entstehen der Songs gespielt. Ich arbeite nämlich so, dass ich zunächst mal die Songs alleine mit der Gitarre einspiele und erst dann an andere Instrumente denke."

Nina Nastasia
Dann begehen wir einen schweren Fauxpas und fragen danach, was denn die Funktion der - sagen wir mal - kakophonischen Elemente auf der Scheibe sei, bei der die ganzen Musikanten in alle Richtungen gleichzeitig auseinanderzustreben scheinen. "Wie meinst du das? Welches Chaos? Ich bin nicht sicher, dass ich die Frage verstehe. Findest du? Ich denke nicht in dieser Weise über meine Songs nach. Das Meiste entsteht einfach im Zusammenspiel mit der Band. Die Sachen auf der neuen Scheibe sind nur zur Hälfte geplant, die andere Hälfte ist improvisiert. Vielleicht ist es das. Es sind die Ideen der Musiker und auch die von Ken. Was immer passiert, passiert eben." Okay: Hier gibt es offensichtlich überhaupt kein übergeordnetes Konzept oder einen philosophischen Überbau - wie z.B. bei den Tindersticks, die sich über so etwas tatsächlich den Kopf zerbrechen. Vielleicht kann Nina aber wenigstens beschreiben, WIE ihre Songs entstehen? "Wie ich schreibe? In letzter Zeit arbeite ich öfters im Badezimmer - weil das der einzige andere Raum in unserem kleinen Apartment ist. Ich spiele also ein wenig auf meiner Gitarre herum bis mir eine Idee kommt, die mich dazu hinleitet, worüber der Song sein könnte. Ich stelle mich dann immer ein wenig bockig an, bis ich mit einer Melodie zurecht gekommen bin. Gewöhnlich bringt mich die Musik zum Thema. Meine Texte kommen von meinen Jahren, würde ich sagen. Wobei ich nicht sagen möchte, wie viele das sind. Es ist die persönliche Erfahrung meiner Jahre. Die Texte sind eher dazu da, die Atmosphäre in einem Song zu definieren." Und wonach sucht Nina Nastasia, wenn sie einen Song schreibt? "Wonach ich suche? Eine interessante Geschichte und eine Melodie, die mich bewegt."
Nina Nastasia
Und woher kommen die musikalischen Einflüsse auf der Scheibe? Sie hört sich ja nicht wie eine typische New York Scheibe an - nicht einmal wie eine typische amerikanische Scheibe. "Findest du? Das ist lustig. Ich höre mir alle mögliche Musik an, ich habe aber keine besonderen direkten musikalischen Einflüsse. Als ich diese Scheibe schrieb, dachte ich tatsächlich eher an meine Erlebnisse in Los Angeles. Sie müsste also sogar urbaner klingen, als die letzte." Und wo liegen die musikalischen Wurzeln? "Ich habe damit begonnen, klassisches Piano zu lernen", erinnert sich Nina, "und deswegen würde ich sagen, dass meine Art Gitarre zu spielen, vom Piano-Spielen beeinflusst wird." Und was passiert im Studio? "Am liebsten nehme ich alles gerne live auf, weil ich denke, dass mich das beflügelt. Bei der letzten Scheibe war das ein wenig anders, weil nicht alle gleichzeitig anwesend sein konnten. Auf der nächsten Scheibe wird es wieder live sein. Es macht einfach mehr Spaß. Die Performance ist am besten, wenn alle im Raum sind, aufeinander reagieren können und jeder zur Struktur der Scheibe beiträgt." Vielleicht wird es demnächst auch eine Nina Nastasia Live-Scheibe geben: John Peel ließ natürlich die Sessions mitschneiden. Auf jeden Fall wird es aber im Herbst eine Tour mit Band geben, die Nina auch in unsere Gefilde führt - worauf sie sich schon freut. Immerhin herrscht ja bei uns kein Mangel an Kaffee...
Weitere Infos:
www.southern.com/southern/band/NASTA/
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Nina Nastasia
Aktueller Tonträger:
Run To Ruin
(Touch & Go/EFA)


Nina Nastasia

 
 

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