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THE JAYHAWKS
 
Zurück zur Erdverbundenheit
The Jayhawks
Also, das ist schon eine seltsame Sache mit den Jayhawks. Monatelang hörte man gerüchteweise (und dann bestätigt durch gemeinsame Freunde), dass die Band ein neues Album - "Rainy Day Music" - fertig hat. Als dann der auf der Website angekündigte Veröffentlichungstermin näher rückte, zuckte man bei der zuständigen Plattenfirma in Deutschland allerdings mehr als hörbar mit den Schultern: Nein, die Scheibe werde hierzulande nicht veröffentlicht, weil man keine rechten Marktchancen sähe. Ähnliches hörte man auch aus Kreisen bemühter Booker, die sich um die Band bewarben: Nein, so ließ das Management verlauten, die Band könne momentan nicht so recht in Deutschland touren, auch wenn sie das vielleicht möchte, weil man sich hier keinen rechten Erfolg verspräche... Dies bestätigte auch Mark Olson, der kürzlich mit Victoria Williams hierzulande tourte, und der - was den Zuspruch eines Live-Publikums betrifft - wohl schon einige Abstriche im Vergleich mit den seiner ehemaligen Band macht. "Die Jayhawks spielen in den USA vor einem größeren Publikum als wir", meinte er z.B. auf die Bemerkung hin, dass doch zumindest die selben Leute zu Jayhawks-Shows kämen, wie zu Mark Olson Konzerten, "die Jayhawks sind nach wie vor zuallererst eine Rock 'n' Roll Band und ich spiele heutzutage auch keinen Rock 'n' Roll mehr - insofern haben wir auch ein anderes Publikum." (Das erklärt übrigens auch teilweise seinen lange Zeit nebulösen Ausstieg aus der Band.)
The Jayhawks
Langer Vorrede, kurzer Sinn: Wir wollten schon einen Schlussstrich unter das Kapitel "The Jayhawks" machen, als dann plötzlich zunächst ein Re-Release der 1989er "Durchbruch"-CD "Blue Earth" erschien - sogar versehen mit drei Bonus Tracks aus jener Zeit. Doch nicht nur das: Dann meldete sich eine freie Promo-Agentur und teilte uns mit, dass das neue Album dann doch hierzulande in die Läden käme - indes über Import. Gleichzeitig - und das macht das Wirrwarr perfekt - erscheinen zusätzlich Re-Releases der anderen Jayhawks-(Majorlabel-) Scheiben, "Hollywood Townhall", "Tomorrow The Green Grass", "Sound Of Lies" und "Smile". Besonders überrascht durfte man dann sein, als sich herausstellte, dass sich das neue Album, "Rainy Day Music", musikalisch eher wieder weg vom überraschend üppigen und poppigen Sound des Vorgängers "Smile" bewegte. (Das mit "Smile" war sowieso eine Sache, die den Jungs viele alte Fans unberechtigterweise übel genommen hatten - nur deswegen wohl, weil die Scheibe weniger rootsy klang als sie nach deren Meinung sollte).

Wie gesagt: Bei "Rainy Day Music" geht es fast wieder zu wie in alten Zeiten: Die Songs sind sparsamer arrangiert, folky, eher akustisch orientiert und eben deutlich weniger poppig als die der letzten beiden Scheiben. Ist das neue Album also eine Art Reaktion auf die Erfahrungen der letzten Jahre, in denen man u.a. auch vergeblich versuchte, auch kommerziell endlich den großen Wurf zu landen? "Das neue Album ist sicherlich eine Reaktion, aber das hat nichts mit dem Feedback zu 'Smile' zu tun", sagt Sänger, Gitarrist und Hauptsongwriter Gary Louris im Gespräch mit Gaesteliste.de bestimmt. "Es war eher so, dass wir damals eine solche Platte machen wollten, jetzt aber wieder etwas anderes probieren wollten. Und eine Roots-Platte hatten wir ja schon ziemlich lange nicht mehr gemacht." Die Jayhawks, die jetzt übrigens offiziell als Trio Gary Louris, Marc Perlman und Tim O'Reagan fungieren, denken sich ja gemeinhin etwas bei der Auswahl ihrer Produzenten. So durfte z.B. bei "Smile" der auch dem Bombast nicht abgeneigte Bob Ezrin ran - der immerhin für seine Arbeit mit Alice Cooper, Kiss und Pink Floyd berüchtigt ist - während dieses Mal der für eher erdverbundene Töne bekannte Ethan Johns die Regler bediente. Der wiederum veredelte das "Gold"-Album von Ryan Adams, das man zurecht als ein klassisches Beispiel für eine organische Scheibe hernehmen kann. Ist das ein Zufall? "Ethan Johns war schon deshalb der richtige Produzent, weil wir dieses Mal die Musik auf Band aufnehmen wollten und nicht einfach alles durch den Computer jagen wollten. Das heißt allerdings nicht, dass ich insgesamt gegen moderne Technik wäre. Platten kann man auf viele verschiedene Arten machen - und wir haben das auch schon getan. Man muss nur den jeweils richtigen Ansatz für die Stücke finden, die es aufzunehmen gilt. Der Song an sich ist für uns immer noch das Wichtigste, und der 'rootsy approach' schien dieses Mal einfach der geeignete Weg zu sein."

Die Jayhawks haben ja keine grundsätzlichen Abneigungen, sich von anderen Musikern befruchten zu lassen. So hatten Louris und Perlman ja lange Zeit ihr "Golden Smog" Projekt, Perlman spielt in der Band des ehemaligen Jayhawkers Kraig Johnson mit und überhaupt: Wenn die Band mit anderen auf Tour gehen - wie z.B. kürzlich in Spanien, wo man auf die befreundete Steve Wynn Band oder gar Mark Olson persönlich traf, dann darf man sicher sein, dass sich Jamborees auftun, wo immer das möglich ist. Was aber ist die Inspriationsquelle bei der Entstehung der Songs? "Die 'Nashville Sessions' von Townes Van Zandt waren dieses Mal ein großer Einfluss, und natürlich die Alben, auf die ich immer wieder zurückkomme, 'All Things Must Pass' von George Harrison zum Beispiel. Ich mag die Platte so, weil sie etwas von meinen beiden absoluten Favoriten, den Beatles und Dylan, hat. Im gleichen Atemzug kann man wohl auch 'Sister Lovers' von Big Star nennen. Außerdem habe ich viel Klassik gehört, vor allem Erik Satie und viel von Serge Gainsbourg. Außerdem hatte es mir die Platte von Crazy Horse, die, die sie ohne Neil Young gemacht haben, sehr angetan."

The Jayhawks
Was sagt Gary denn heutzutage zu dem ständigen Besetzungs-Karussel, auf dem sich die Band seit den ersten Tagen zu drehen scheint? "Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich Mark Olson damals gerne behalten. Es war seine Entscheidung auszusteigen. Karen Grotberg war unsere erste Keyboarderin, und sie war wirklich etwas Besonderes. Sie wurde dann Mutter und hat sich aus dem Musikbusiness zurückgezogen, und wir haben Jen Gundermann als Ersatz in die Band geholt. Sie ist eine großartige Musikerin und auch als Mensch wundervoll, aber die Chemie, die zwischen uns und Karen existierte, war einfach weg. Der Plan, Karen einfach durch eine andere Frau zu ersetzen, die Keyboards spielen kann, ging nicht auf. Kraig Johnson dagegen war nie wirklich ein Mitglied der Band. Er war einfach ein guter Freund, mit dem es eine Menge Freude gemacht hat, zusammen zu spielen, aber wir wussten alle, dass ihm die Arbeit mit seinem Bruder wichtiger ist. Stephen McCarthy ist auch wesentlich vielseitiger, das eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten. Einige der Umbesetzungen ließen sich also nicht verhindern, andere waren unsere Idee. Ich würde auch nicht sagen, dass die Band mal besser und mal schlechter geklungen hat - sie klang ganz einfach anders."

Das ist freilich eine Aussage, die man nur unterstützen kann. Andererseits - und das soll ein Kompliment sein - klingen die Jayhawks auch nicht so anders, dass man sie nicht wiedererkennen könnte. In einem Genre, in dem eigentlich alles schon gesagt worden ist - was also bedeutet, dass man nur mit der richtigen Einstellung und guten Songs reüssieren kann - machen die Jayhawks heute wie damals jedenfalls eine recht ordentliche Figur. Wenn Louris & Co. dann vielleicht noch - wie Mark Olson etwa - auch was die kommerziellen Erwartungen betrifft mit sich ins Reine kommen, müsste irgendwann eigentlich auch einmal die perfekte Jayhawks-Scheibe dabei herausspringen (also die, die die Fans wie die Band gleichermaßen vollkommen zufrieden stellt und keine Wünsche offen lässt).

Weitere Infos:
www.thejayhawks.net
www.jayhawksfanpage.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigabe-
The Jayhawks
Aktueller Tonträger:
Rainy Day Music
(Lost Highway/Universal)


The Jayhawks

 
 

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