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ELBOW
 
"I just fucking hope we don't kill somebody"
Elbow
Das schwierige zweite Album - es ist schon lange ein Klischee, aber es trifft immer wieder zu. Diesem Fluch konnten auch Elbow aus Großbritannien nicht entkommen, hatten sie doch mit ihrem Debüt "Asleep In The Back" viele, viele Menschen mit Hang zu Coldplay, Blur und Radiohead tief im Herzen berührt. Traurigkeit in schöne Songs zu verpacken, das haben sie mit Auszeichnung geschafft. Dafür hatten sie ja auch eine Ewigkeit Zeit, für einen Nachfolger hat man nicht so viel Zeit und Freiraum. Womit wir wieder beim Klischee des schwierigen zweiten Albums wären. Gaesteliste.de hat bei Sänger Guy Garvey und Bassist Pete Turner nachgefragt.
"Wir mögen diese Interview-Tage, denn wir kommen sehr gut mit den Leuten vom Label aus und kommen ein wenig herum", erzählt Guy, "Mein Vater hat immer diese Rugby-Trips mitgemacht - er ist dann mit einigen Leuten nach Belgien gefahren, um ein Rugby-Spiel anzusehen und sich komplett abzuschießen. Das hier ist meine Version davon!" "Na, das hier ist aber ein wenig zivilisierter!", wirft Pete ein. "Nein, ist es nicht! Manchmal endet das ganz schön bizarr. Neulich sind wir aus einem Strip-Laden geworfen worden! Unser Freund Ray vom V2 Label konnte nicht glauben, dass ich noch nie in einer Strip-Bar gewesen bin, also hat er mich mitgeschleppt. Es war aber kein Strip-Laden, sondern eine Hostess Bar. Ich hatte keinerlei Interesse daran, mit mit einem Mädchen für 20 Scheine pro Stunde - oder was auch immer die nehmen - zu unterhalten. Ich wollte nur noch raus. Als unser Bier leer war, kam dieser unangenehme Typ von der Bar herüber und meinte zu uns, dass wir verschwinden sollten, wenn wir keine Unterhaltung wünschten. Das Problem war aber: Ray ist es nicht gewohnt, auf diese Weise angesprochen zu werden, und da wir beide schon ein paar Drinks intus hatten, fing Ray an, mit dem Typen zu diskutieren - es wurde alles ein wenig wirr, und es endete natürlich damit, dass er vom Türsteher eine verpasst bekommen hat! Nunja, es hätte schlimmer ausgehen können", grinst Guy. Solche Geschichten beweisen immer wieder, dass der Eindruck, den man durch die Musik von einer Band bekommt, nicht immer mit dem wahren Wesen der Leute übereinstimmen muss. Keine Kinder von Traurigkeit also. "Naja, das passiert aber auch nur, wenn wir auf Tour sind. Sonst ist nicht wirklich alles Rock N Roll!", relativiert Guy. Pete: "Zu Hause ist es wie immer. Wir leben immer noch zusammen mit den gleichen Leuten wie vorher, wir haben immer noch den alten Freundeskreis, wir gehen immer noch an die gleichen Plätze. Wenn wir aber auf Tour sind, fangen die Spiele an!"
Elbow
Um nochmal auf das Klischee des schwierigen zweiten Albums zurückzukommen - zwei Jahre sind zwischen "Asleep In The Back" und "Cast Of Thousands" vergangen. War es eine schwierige Zeit? Guy: "Es waren keine vollen zwei Jahre, sondern eher neun Monate. Und ja, es war sehr, sehr schwierig. Wir wurden zwischenzeitlich alle krank, wir lebten nahezu im Studio, ich persönlich habe es kaum verlassen, nicht mal am Wochenende oder so. Wir haben auch über jeden Mist diskutiert - aber es ist niemals in persönliche Angriffe übergegangen. Einer der Gründe, warum wir immer noch zusammen sind, ist, dass Kritik kein persönliches Ding ist, wenn du mit Leuten zusammenarbeitest. Wir wussten, dass wir keine Kopie des ersten Albums machen konnten, also mussten wir uns anstrengen. Die einhellige Meinung innerhalb der Band war: Wenn das zweite Album floppen sollte, wenn das alles einstürzen sollte, dann sollte es nicht sein, dann haben wir nicht hart genug gearbeitet. Dann hast du 40 Jahre Zeit, darüber nachzudenken. Diesen Einsatz, den wir an den Tag gelegt haben, hat sich auf unser komplettes Leben ausgewirkt, und man musste sich oft selbst daran erinnern, dass das eigentlich ein verdammt toller Job ist! Als wir den ersten Teil unserer Session in Liverpool im Kasten hatten, bin ich in Tränen ausgebrochen! Ich war auf bizarre Weise institutionalisiert. Ich habe Liverpool geliebt, ich habe das Studio geliebt - das Album ist ein Werk, hinter dem viel Liebe steckt!" Pete: "Das Album springt stimmungsmäßig ein wenig hin und her. Es ist nicht so ein glatter Trip wie 'Asleep In The Back' es war. Das neue Album braucht seine Zeit, aber ich denke, alle Alben, die wir gut finden, haben ebenfalls ihre Zeit gebraucht. Da sind z.B. Songs wie 'Fugitive Motel', die hätten perfekt zum ersten Album gepasst, aber eine Nummer wie 'I've Got Your Number' hätte es niemals auf das Album geschafft." Weiterentwicklung heißt hier das Zauberwort - die Band wollte einfach neue Dinge testen, aber nicht auf Teufel komm raus. Zu diesem Forschen nach neuen Dingen gehört dann auch schonmal ein New Orleans Dance Beat auf "Snooks (Progress Report)". Haben die Konzerte die neuen Songs beeinflusst? Guy: "Ja, auf jeden Fall! Nachdem wir Festivals und einige große Shows gespielt haben, war beim Songschreiben immer dieser Gedanke im Hinterkopf, wie der Song wohl live auf der Bühne rüberkommen würde. Daher gibt es auf 'Cast Of Thousands' auch einige gemeine Schock-Momente. Ich mache mir ernsthaft Sorgen darüber, wenn Leute z.B. 'Snooks' während der Autofahrt hören - denn, wenn der Song im Refrain abgeht, dann geht er richtig ab! I just fucking hope we don't kill somebody!"

So schlimm wird es schon nicht werden. Aber der geneigte Leser ist nun vorgewarnt. Was gibt es abschließend noch zu sagen? Guy: "Wir sind wirklich sehr glücklich, auch eine musician's band zu sein, also eine Band, die auch echte Musiker mögen. In unserem lokalen Plattenladen gibt es ein schwarzes Brett mit Musikergesuchen und nicht selten steht dort unter Einflüssen: Elbow! Das ist toll!" Pete: "Ja! Letztens gab es eine Anzeige, in der stand: 'Suche Bassist, er sollte haargenau so spielen wie Pete von Elbow!' Ich war drauf und dran, dort anzurufen und zu sagen: 'Aha, ihr sucht also jemanden wie Pete von Elbow, ja? [lacht]"

Weitere Infos:
www.elbow.co.uk
www.powderblue.fsnet.co.uk
www.elleandbo.com
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Pressefreigaben-
Elbow
Aktueller Tonträger:
Cast Of Thousands
(V2/Zomba)


Elbow

 
 

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