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MUSE
 
Schmetterlinge und Wirbelstürme
Muse
Von Devon auf die großen Bühnen der Welt - das haben die Herren Matthew Bellamy, Dominic Howard und Chris Wolstenholme mit ihrer Band Muse in relativ kurzer Zeit geschafft. Dabei geholfen hatte das Debüt "Showbiz" (1999) und der Nachfolger "Origin Of Symmetry" (2001), sowie natürlich unzählige Auftritte, die belegten, dass Muse zudem eine hervorragende Live-Band ist. Dem Zwei-Jahres-Rhythmus in puncto Veröffentlichungen folgend erscheint dieser Tage "Absolution" - eine Platte, die bereits von den Kollegen der englischen Presse als "the UK Rock record of the year" betitelt worden ist; eine Aussage, der wir uns gerne anschließen möchten. Dabei hätte auch genauso gut alles schief laufen können, besonders wenn man bereits vor der Album-Veröffentlichung großspurig mal eben die Wembley Arena in London als Auftrittsort der kommenden Tour bucht.
"Sicherlich ist das gefährlich, aber es gibt überall Risiken. Wenn man etwas besser machen will, muss man Risiken eingehen - eigentlich ist alles, was man macht, ein Risiko. Aber es stimmt schon, dass es ziemlich nervenaufreibend ist, wenn man die Wembley Arena bucht und das Album noch nichtmal fertig geschweige denn veröffentlicht ist - die Platte könnte ja komplett floppen und es würde niemand aufauchen! Aber der Vorverkauf läuft schon ziemlich gut, daher sind wir sehr zuversichtlich, dass es voll werden wird", gesteht Bassist Chris Wolstemholme im Gaesteliste.de-Interview und führt fort: "Eine Tour zu buchen, beansprucht immer sehr viel Zeit, und der erste Teil der kommenden Tour wurde bereits im Februar gebucht, zu einem Zeitpunkt, an dem wir immer noch am Album gearbeitet hatten!" Dadurch könnte natürlich ein gewisser Druck entstehen, unbedingt gute Songs schreiben zu müssen, um die größeren Hallen überhaupt füllen zu können. Chris: "Nein, das hat uns nicht besonders beeinflusst. Das wichtigste bei den Aufnahmen ist es doch, dass die Leute, die daran beteiligt sind, an die Musik und die Band glauben. Wir haben immer nur die Musik gemacht, die wir auch machen wollten, und haben uns nicht nie so besonders von äußeren Einflüssen leiten lassen. Wenn das Album fertig aufgenommen ist, und man es sich zum ersten Mal richtig anhört, beginnt man erst damit, sich darüber Gedanken zu machen, wie die Leute es wohl finden. Es ist mehr Neugier als Sorge, und wir sind diesmal besonders gespannt auf die Reaktionen, denn 'Absolution' ist doch sehr verschieden von 'Origin Of Symmetry'." Gehört denn Muse zu der Sorte Band, die Musik in erster Linie für sich selbst schreibt? Chris: "Man kann eigentlich nicht Musik spielen, die man selbst nicht mag - nun, es gibt sicherlich Leute, die das machen, aber ich denke, man muss selbst Spaß an der Sache haben, und wenn ein Erfolg dabei herausspringt - wie auch immer der geartet ist -, dann wird man das akzeptieren. Manchmal ist es toll, manchmal nicht. Wir sind einfach drei Leute, die es lieben, Musik zu machen, und natürlich wollen wir auch so viele Leute wie irgendmöglich damit erreichen. Aber darüber denken wir nicht nach, wenn wir mit den Aufnahmen anfangen - in erster Linie machen wir Musik zum Vergnügen. Vielleicht kommt das daher, wie wir als Band angefangen sind - als wir noch in Devon gelebt haben, hat es keine Auftrittsmöglichkeiten gegeben, und wenn wir wirklich mal ein Konzert gegeben haben, sind so fünf bis sechs Leute gekommen. Damals haben wir wirklich nur für uns selbst gespielt, denn es war ja niemand anderes da! Aber seitdem spielt es für uns keine große Rolle, ob wir vor 50 oder 2 000 Leuten auftreten - wir lieben es einfach, Musik zu machen, egal wo, egal wie!"
Der Hauptunterschied zwischen "Absolution" und dem Vorgänger "Origin Of Symmetry" besteht darin, dass die Songs für "Origin" on the road, also während der vielen Tourneen entstanden sind - deswegen waren des Öfteren Meinungen zu hören, dass man diesen Umstand - also eine gewisse Konfusion, die beim Tour-Leben entsteht - der Platte anhören könne. Für "Absolution" haben sich Muse diesmal eine Auszeit genommen, um Abstand von dem hektischen Leben zu bekommen und einfach mal darüber nachzudenken, was man alles in den vergangenen Jahren erlebt hat. Knapp ein Jahr vor der Veröffentlichung von "Absolution" verbreite der New Musical Express ein Zitat von Matthew Bellamy, in dem es hieß, dass das kommende Album "an uplifting feel" haben würde. Wenn man sich nun aber die z.B. die Songtitel ansieht ("Apocalypse Please", "Time Is Running Out", "Hysteria", "Blackout"), scheint sich in der Zwischenzeit doch einiges verändert zu haben. Chris: "Hm, das stimmt schon, aber es sind viele Songs erst nach diesem Zitat entstanden, und Dinge verändern sich laufend im Studio. Aber ich denke nicht, dass das komplette Album negativ ist. Durch die Interviews bekommen wir ja auch schon die ersten Eindrücke vermittelt, und die einen erzählen, dass es für sie das dunkelste Album überhaupt sei, andere wiederum finden es sehr positiv. Es gibt sicherlich beide Seiten auf dem Album - 'Apocalypse Please' ist auf jeden Fall negativ, weil dort über das Ende der Welt gesprochen wird. Aber man sollte diesen Song auch nicht zu ernst nehmen, denn dort wird von jemanden erzählt, der tief religiös ist und das Ende der Welt herbeischwört, nur um den eigenen Glauben zu bekräftigen. 'Blackout' hingegen ist ein sehr positiver Song, er handelt davon, dass das Leben toll ist und dass man das Beste daraus machen sollte. 'Butterflies & Hurricanes' handelt von Hoffnung und Stärke, mit negativen Dingen umgehen zu können. Viele Songs sind von der musikalischen Seite her vielleicht positiv, vom textlichen Inhalt aber recht düster, aber dieser Kontrast funktioniert einfach sehr gut."

Wenn man sich den Albumtitel "Absolution" und dazu die Covergestaltung (übrigens in Szene gesetzt von Storm Thorgerson, der u.a. für das berühmte Cover von Pink Floyds "Dark Side Of The Moon"-LP verantwortlich ist) ansieht, wird die Band doch sicherlich auf das Thema Religion angesprochen. Chris: "Hm, ja, das scheint ein Thema bei den Leuten zu sein! Der Albumtitel kam eigentlich nur von dem gleichnamigen Song, und es gibt hier und dort ein paar religiöse Themen. Wir sind aber keine religiösen Leute, keiner von uns ist Anhänger einer bestimmten Religion. Auf dem Album sind gewisse Elemente, die die Religion hinterfragen, etwas, das anscheinend vielerorts in der letzten Zeit geschehen ist - viele Leute hinterfragen die Religion, besonders wenn sie als Ausrede für einen Krieg herangezogen wird, was ja schon ein Widerspruch an sich ist, denn ein Grundsatz in der Bibel ist es ja, dass man andere Menschen nicht töten darf. Aber dann ist da jemand wie George Bush, der gleichzeitig über über Krieg und Gott redet... Auf dem Album gibt es z.B. bei 'Apocalpyse Please' und 'Ruled By Secrecy' einen leichten religiösen Unterton, aber der Rest hat damit nichts zu tun."

Muse
Ein weiterer großer Unterschied zum Vorgänger-Album ist die Produktion. Auf "Absolution" klingt einfach alles brilliant, groß und wirklich raumfüllend, Bass und Schlagzeug haben einiges an Dynamik vorzuweisen. Verantwortlich für die Produktion war Rich Costey, der in der Vergangenheit u.a. mit Audioslave, Rage Against The Machine und Fiona Apple gearbeitet hat. Chris: "Zu Beginn hatten wir noch mit Paul Reeve und John Cornfield gearbeitet, 'Butterflies & Hurricanes' und 'Blackout' - also die Songs mit einem Orchester-Arrangement - sind in dieser Zeit entstanden, und kurz danach rief uns Rich an und meinte, dass er ein großer Fan der Band sei und gerne mal mit uns zusammen arbeiten würde. Wir kannten ihn vorher nicht besonders, und als wir dann herausgefunden hatten, was er bereits gemacht hatte, schien er genau der richtige Mann für uns zu sein - auch deswegen, weil wir weniger Orchester-Einsätze einbauen wollten. Das Wort 'Produzent' ist heutzutage ein sehr dehnbarer Begriff - manche Produzenten sind richtig gute Techniker, haben aber keinen blassen Schimmer von Musik. Andersherum gibt es viele Produzenten, die Ahnung von Musik haben, aber nicht wirklich wissen, wie man ein Mischpult bedient. Rich ist da genau in der Mitte - er ist ein hervorragender Techniker und hat zudem wirklich gute musikalische Ideen. Dadurch, dass er Ahnung von Musik hatte und es verstand, was wir machen, konnte man seiner Meinung vertrauen, und er war auch an vielen Arrangements auf dem Album beteiligt. Zum Beispiel hatte er uns vorgeschlagen, bei dem Song 'Hysteria' ein richtig fettes Gitarren-Riff einzubauen und es richtig krachen zu lassen - sowas hatten wir von einem Produzenten zum ersten Mal gehört! Sonst kamen immer die Bemerkungen, ob man das nicht lieber etwas leiser und zurückhaltender spielen sollte..." Gibt es denn eigentlich einen Song, der alles beinhaltet, was Muse auszeichnet? Chris: "Hm, schwierige, aber gute Frage. Ich denke, 'Butterflies & Hurricanes' kommt dem schon ziemlich nahe. Dieser Song hat so ziemlich alles, was wir jemals gemacht haben - da gibt es den harten Teil, dann die Streicher-Einlagen und ein Piano-Solo. Naja, vielleicht ist dort der richtige Metal-Part nicht enthalten, aber der Rest passt." Der Tipp vom Gaesteliste.de-Korrespondenten wäre "Citizen Erased" vom "Origin Of Symmetry"-Album gewesen... Chris: "Ja, stimmt, der Song ist um die sieben Minuten lang, hat irgendwas um die zehn Sektionen, und beinhaltet alles, was Muse ausmacht. Gute Wahl!"
Weitere Infos:
www.muse.mu
www.musefan.de
www.musemania.com
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Pressefreigaben-
Muse
Aktueller Tonträger:
Absolution
(Taste/Motor Music/Universal)


Muse

 
 

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