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THE DONNAS
 
Auf der Straße
The Donnas
Die vier Donnas, A., R., C. und F., diese liebenswerten Rock'n'Roll-Brats aus den Staaten, sind jetzt schon seit einer kleinen Ewigkeit auf Tour und konnten ihr aktuelles Album "Spend The Night" ausgiebig live präsentieren - doch damit ist es vorerst vorbei, denn Schlagzeugerin Donna C. (alias Torry Castellano) laborierte seit einiger Zeit an einer Handgelenks-Reizung und die Band musste die verbleibenden Daten in Europa canceln. Was äußerst schade ist, denn live sind die Donnas einfach umwerfend. "Mit unerbittlicher Konsequenz hauten die Mädels dem Düsseldorfer Publikum ihre Punk-Glam-Rock-Pop-Hits um die Ohren, dass es krachte [...]", so die Aussage des Kollegen Ullrich Maurer, die man einfach unterstreichen muss. Jetzt ist erstmal eine Erholungs-Pause angesagt, danach sind aber schon die Aufnahmen für das nächste Album geplant, das übrigens unter der Regie von Scott Litt (hat u.a. mit R.E.M., Incubus, Indigo Girls, Nirvana u.v.m. zusammengearbeitet) entstehen soll. Vor dem Konzert in Düsseldorf unterhielt sich Gaesteliste.de mit Sängerin Brett (Donna A.) und Gitarristin Allison (Donna R.) über das Tour-Leben.
Allison: "Das Handgelenk schmerzt Torry schon den ganzen Sommer über, aber sie wollte uns nicht hängen lassen und die Tour absagen. Eigentlich müsste sie für einige Zeit aufhören, Schlagzeug zu spielen, damit das Gelenk sich erholen kann, aber da dies die letzte Tour für das 'Spend The Night'-Album ist, wollte sie alles noch komplett durchziehen. Normalerweise ist sie eine Kämpfernatur, aber momentan geht es fast nicht mehr." Brett: "Manchmal will man es auch gar nicht selbst wahrhaben - auch wenn es dein eigener Körper ist, du weißt einfach nicht, wann er sich mal eine Auszeit nimmt! Im Kopf redest du dir ein, dass du die letzten Konzerte noch durchhalten kannst, aber dein Körper sagt dir: 'Nope! Fuck you!' Man kann eben nicht in die Zukunft blicken." Aber man könnte ja ein wenig vorsorgen - die Donnas sind ja nun sehr tourerfahren und könnten ja eigentlich ein paar mehr Pausen einbauen... Allison: "Ja, bisher haben wir immer 6-Wochen-Tourneen in Amerika und Europa gemacht, das war völlig okay damals, denn es wurde uns genug Zeit zum Ausruhen zwischen den Touren gegeben. Aber auf dieser Tour, die jetzt so ziemlich ein Jahr andauert, hat keiner von uns eine Pause gehabt. Wir waren vielleicht mal zwischendurch für zwei, fünf oder zehn Tage zu Hause, aber das war's auch schon." Brett: "Und jeder zu Hause hasst dich! Ich habe zwei neue Mitbewohner, die ich noch nicht mal richtig kennenlernen konnte, und sie meinten, dass ich ja nie zu Hause wäre, blablabla, aber sie können mir kein schlechtes Gewissen machen - schließlich kennen wir uns ja eigentlich gar nicht! Und dann, als ich mal auf einer Party war, bin ich ein paar alten Freunden über den Weg gelaufen, und sie haben mir auch einige Dinge an den Kopf geworfen - von wegen, ich hätte ja meine Telefon-Nummer geändert und nie mehr angerufen...in diesem Moment ist mir dann erst aufgefallen, dass ich ja tatsächlich meine Nummer geändert hatte... Da fällt einem erst wirklich auf, dass man eigentlich viel zu wenig Zeit für alles hat. Wir würden sehr gerne schon mit dem nächsten Album anfangen, denn wir möchten es gerne vor dem nächsten Sommer herausbringen, damit wir die ganzen Festivals spielen können. Wir würden gerne Doppelgänger haben - die einen Donnas spielen die Konzerte, die anderen nehmen die neue Platte auf." Mit dem "Spend The Night"-Album konnten die Donnas ihren Status um einige Stufen erhöhen, das scheint die Band aber nicht besonders beeindruckt zu haben, oder?!? Allison: "Doch, auf jeden Fall, aber obwohl wir im letzten Jahr sehr viel Spaß hatten, lassen wir es uns nicht zu Kopf steigen. Wir haben uns kein bisschen verändert, wir nehmen jeden Tag wie er kommt und wir gehen sehr realistisch an die Sache heran. Das Album ist auch viel besser angekommen als wir es vorher gedacht hatten. Im Amerika ist 'Spend The Night' schon letztes Jahr veröffentlicht worden, und es ist dort eigentlich thematisch durch - hier in Europa ist es noch relativ neu, und obwohl wir hier jetzt noch nicht fertig sind, müssen wir uns wohl an den Gedanken gewöhnen, dass es an der Zeit für die nächste Platte ist."
Diese kleine zeitliche Verwirrung kann auch während einer langen Tour in eine örtliche umschlagen - wissen die Donnas immer noch, in welcher Stadt sie sind, oder gibt man irgendwann einfach auf, sich darum zu kümmern? Allison: "Klar vergessen wir manchmal, in welcher Stadt wir sind - aber das ist vollkommen normal. Wir sind in den letzten fünf Jahren immer auf Tour gewesen, da verwechselt man schonmal die Städte, aber das bedeutet nicht, dass wir dabei abstumpfen und uns für nichts mehr interessieren - wir sind immer noch sehr neugierig auf andere Kulturen, das Essen, die verschiedenen Menschen, man kann aber einfach nicht diese Fülle an Informationen verarbeiten." Brett: "Das ist aber auch in Ordnung, denn wir fahren ja nunmal nicht das normale Touristen-Programm. Dabei kann es auch sehr verwirrend sein, denn es kann sein, dass ich das beste italienische Essen gestern in Düsseldorf hatte, wenn ich dann in Italien bin, könnte ich den besten Hamburger gegessen haben, alles ist ein wenig durcheinander - man hat eben nicht das typisch französische Erlebnis wenn man in Paris ist. Oder das typisch deutsche, wenn man hier in Düsseldorf ist..." Was ist denn typisch deutsch? Brett: "Biergarten sind cool!" Allison: "Schnitzel! Wir haben immer eine gute Zeit in Deutschland. Wenn man mit anderen Bands über verschiedene Städte oder Länder redet, kommt immer mal der Spruch, dass z.B. Holland scheiße war, weil die Band dort eine schlechte Erfahrung gemacht hat und deswegen nie mehr dort auftreten möchte. So sind wir aber nicht - auch wenn es beim ersten Mal mies gelaufen ist, geben wir der Stadt eine zweite Chance und kommen wieder. Bei jeder Deutschland-Tour haben sehr viel Spaß, und es würde noch besser sein, wenn jemand von uns deutsch sprechen könnte - wir hatten damals auf der Schule dazu die Möglichkeit, aber wir hatten dann eine andere Sprache genommen..." Brett: "Ja, vor allem wohl deswegen, weil die Leute dort in der Klasse seltsam waren... Man bleibt ja irgendwie unter sich, und deswegen haben wir damals alle Spanisch gewählt." Gibt es denn bestimmte Länder, mit denen die Donnas "Probleme" hatten? Allison: "Auf der ersten Tour hatten wir in Frankreich eine recht harte Zeit, denn die Leute dort scheinen nicht so sehr Rock-Musik zu mögen - sie mögen zwar Punk-Rock, aber man muss wirklich Punk-Rock sein. Uns wird komischerweise immer der Punk-Rock-Stempel aufgedrückt, aber das sind wir eigentlich gar nicht, und deswegen war es in Frankreich immer recht schwierig. Aber inzwischen ist es schon viel besser geworden. Unsere erste Europa-Tour war sowieso recht seltsam - gefährlich und sehr underground. Wir haben in sehr kleinen Schuppen gespielt, wir sind in kommunistischen Einrichtungen aufgetreten, wo alle gemeinsam leben und überall Flugblätter mit wichtigen politischen Botschaften verteilen - und da passen wir ja nun nicht wirklich gut rein! Eine Girl-Band, die über Jungs singt, und man sieht die Leute, wie sie sich an brennenden Mülltonnen die Hände wärmen und über Politik reden. Diese Leute haben uns wahrscheinlich gehasst..." Gibt es denn immer noch Leute, die sich mit verschränkten Armen in die erste Reihe stellen und diesen "Okay, Mädels, dann lasst mal sehen, was ihr so drauf habt!"-Ausdruck im Gesicht haben? Brett: "Ja, aber die stehen meistens in den hinteren Reihen. Sowas kann auch aber überaus motivierend sein - wenn man z.B. einen eher schlechten Tag hat und nicht besonders gut drauf ist, und man sieht dann auch noch diese Leute im Hintergrund stehen, dann überwindet man seine Müdigkeit und nimmt die Herausforderung an... 'Achja, ihr denkt, wir sind scheiße? Na, das werden wir ja noch sehen!' Daraus ziehen wir zusätzliche Energie! Hm, und passenderweise fällt man dann über ein Kabel und macht sich auf der Bühne lang und wird komplett zum Trottel..."
The Donnas
Wenn man als Band so lange zusammen mit der ganzen Crew auf Tour ist, besteht natürlich die Möglichkeit, sich gegenseitig an die Gurgel springen zu wollen - wie sieht es denn bei den Donnas aus? Allison: "Klar hat jeder so seine kleine Eigenart, sei es, dass jemand schnarcht oder unordentlich ist, und man sollte sich immer vorher überlegen, ob man wegen jeder Kleinigkeit direkt an die Decke gehen sollte - schließlich hat man selbst genug Eigenarten, die vielleicht die anderen nicht besonders gut leiden können. So gleicht sich das alles eigentlich aus. Niemand ist schließlich perfekt. Wir alle versuchen, respektvoll miteinander umzugehen, aber da sind halt Dinge in deiner Persönlichkeit, die du nicht abschalten kannst. Zum Beispiel kann es sehr nervig sein, wenn sich jemand gut organisieren kann - oder wenn man selbst gepflegt und sauber ist, kann es nervig sein, wenn jemand einen Aufräum-Wahn hat! Wenn ich andere Bands sehe, die sich streiten, dann geht es meistens um die gleichen Dinge. Schlimm wird es natürlich, wenn wirklich böse Sachen wie Diebstahl oder so passieren...besonders wenn es darum geht, dem anderen den Freund / Freundin auszuspannen...aber sowas passiert bei uns nicht, dazu sind wir einfach zu gute Freundinnen..." Brett: "Ja, genau, wir reichen sie herum...harharhar...du müsstest mal unsere gemeinsame Dusche erleben, oder unsere Pyjama-Parties!" Ist es denn nur von Vorteil, wenn man sich so gut kennt? Oder kann es auch mal negativ ausfallen, eben weil man sich so gut kennt? Brett: "Es ist schon ein großer Vorteil, denn wir sind alle mal irgendwann gedemütigt worden, und wir alle wissen, wie es sich anfühlt. Und außerdem sind wir zusammen aufgewachsen, wir haben die ganzen Geschichten, die damit zusammenhängen, miterlebt und wissen einfach bescheid. Wenn wir jetzt z.B. ein neues Band-Mitglied bekommen würden, das vielleicht genau in unserem Alter ist, würde trotzdem diese gewisse Verbindung fehlen - eben weil man nicht zusammen aufgewachsen ist, und sich einfach nicht so gut kennt. Wir können uns auch gegenseitig nichts vormachen - auch nicht gegenüber den Medien. Wir wissen einfach, was die anderen sagen würden und was nicht. Manche Bands denken sich ja richtige Stories aus, die sie den Medien erzählen, nur um cool zu sein. Aber so sind wir nicht, denn wir vier sind so ehrlich, dass, wenn wir getrennt Interviews geben müssten, wir alle identischen Geschichten erzählen würden - wir verstellen uns einfach nicht." Hat es denn mal Situationen gegeben, in denen man einfach zu ehrlich gewesen ist und wo es die Presse dann ausgenutzt hat? Brett: "Ja, das hat es gegeben, aber was noch viel schlimmer ist, sind falsche Zitate! Da braucht nur ein Wort ausgetauscht werden, und schon verändert sich die Aussage komplett. Da ist es aber auch nur von Vorteil, dass wir uns gegenseitig so gut kennen, denn wir würden einfach sofort erkennen, wenn Worte oder Aussagen verdreht worden sind." Allison: "Die einzigen Situationen, in denen wir zu ehrlich waren und es hinterher bereut hatten, waren wohl, als wir mal über andere Bands gelästert hatten, die wir noch nie zuvor getroffen hatten. Wir haben zwar unsere eigenen Meinungen über Bands oder Leute, aber man muss ja nicht immer alles aussprechen. Oft ist es ja auch so, dass z.B. Bands mit der miesesten Musik die nettesten Leute sind. Es ist natürlich etwas anderes, wenn man die Leute persönlich kennt..." Brett: "Ja, ich wurde mal für den Playboy interviewt, und das Gespräch an sich dauerte Ewigkeiten, aber der Artikel war sehr, sehr kurz. Sie haben mich z.B. gefragt, was ich von Madonna halte. Darauf habe ich gesagt, dass ich sie mehr mochte, als sie noch jünger war, vielleicht etwas runder, und als die Songs noch aufregend waren. Im Artikel hat es dann ganz anders geklungen: 'Madonna? Vor dem Baby? Vor der Zahnlücke? Vor Joga?' Das hat sich komplett anders angehört, ich habe das zwar irgendwie gesagt, aber es wurde einfach völlig falsch wiedergegeben...ich habe mich in dem Artikel wie ein komplettes Miststück angehört!"
Weitere Infos:
www.the-donnas.de
www.thedonnas.com
Interview: -David Bluhm & Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Pressefreigaben-
The Donnas
Aktueller Tonträger:
Spend The Night
(Atlantic Records/Eastwest)




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