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WALKABOUTS
 
Schimmernder Mischmasch
Walkabouts
Das muss man sich jetzt auch mal reinziehen: Wenn die Walkabouts jetzt auf Tour kommen, um ihre Best-Of-Scheibe "Shimmers" vorzustellen, dann gibt es sie jetzt auch schon seit 15 Jahren! 1988 erschien mit "See Beautiful Rattlesnake Gardens" die erste Scheibe (damals wohl eher noch auf Vinyl) auf dem gerade aufkommenden Sub-Pop Label, das im Folgenden dann via Glitterhouse vertrieben wurde, das man wiederum - mit Ausnahme einer kurzen Phase bei der Industrie - als musikalische Heimat der Walkabouts kennt. Seither veröffentlichte die Band aus Seattle ca. 16 Tonträger. Dabei durchliefen die fünf Kernmusikanten eine Vielzahl an Höhen und Tiefen, kreativen Phasen und auf ihre eigene Art auch Identitätskrisen. Allerdings blieb die Band trotz aller stilistischen Inspirationen dabei ihren Visionen und Ideen immer treu.
Die Walkabouts, das sind: Chris Eckman und Carla Torgerson, Drummerin Terri Moeller, Keyboarder Glen Slater und der ursprüngliche Bassist Michael Wells, der nach einer 7-jährigen "Auszeit" jetzt wieder als Mitglied dabei ist. Außerdem ist die Cellistin Nancy Wharton mit an Bord, die es - so Chris Eckman - "wirklich drauf hat". "Shimmers" ist eine offizielle No-Nonsense-Best-Of-CD, die die lange Karriere der Band Außenstehenden nahebringen soll. "No-Nonsense" deswegen, weil die Historie der Band was Sampler betrifft, eher lang ist. So gab es mehrere Kollektionen von Oddities und Outtakes ("Death Valley Days", "Drunken Soundtracks") und zwei Scheiben mit Cover-Versionen ("Satisfied Mind" und "Train Leaves At Eight"). Und das sind nur die offiziell erschienenen! "Shimmers" ist nun die erste Scheibe, die nicht mehr sein möchte, als eine musikalische Visitenkarte. Jetzt waren die Walkabouts - erstmals ohne neues Material - auf einer Best-Of-Tour, unter anderem wohl auch, um das musikalische Erbe aufzuarbeiten. Einer, der es wissen muss, Paul Austin (ehemals Willard Grant Conspiracy, jetzt Transmissionary Six und Ehemann von Terri Moeller), hat die Band bereits gesehen und war ganz hin und weg: "Ich habe die Walkabouts letzte Woche hier in Seattle bei einem Warm-Up Gig gesehen", schrieb er uns, "sie haben unglaublich gerockt! Chris hat die meiste Zeit elektrische Gitarre gespielt und sie haben viele alte Songs gegeben, die ich sie noch nie habe live spielen hören: 'Glad Nation Death Song', 'Firetrap' oder 'Dead Man Rise' z.B. Das war definitiv die lauteste und härteste Show, die ich sie je habe spielen sehen. Und ich habe sie ja immerhin erstmals 1998 gesehen. Es sah aus, als hätten sie jede Menge Spaß gehabt und den Zuschauern hat das natürlich gefallen." Das stimmt auch mit dem überein, was Chris Eckman in letzter Zeit so von sich gibt. Noch zu "Trail Of Stars"-Zeiten predigte er, er habe dem Rock abgeschworen und sei mehr an ambientmäßigen Sounds interessiert. Doch schon auf der letzten Studio-CD "Ended Up A Stranger" gab es wieder vereinzelt laute Gitarren zu hören. "Mein Gefühl ist, dass wir etwas raues machen sollten", meint er z.B. auf die Frage, wie in etwa denn die nächste Walkabouts-Scheibe aussehen könnte, "etwas, das wir in ein paar Tagen aufnehmen sollten, wobei wir sechs uns in die Augen schauen und versuchen, herauszufinden, in welche Richtung der Song gehen sollte."
Wie schon angedeutet: Stilistisch sind die Walkabouts gar nicht so einfach in eine Schublade zu stecken. Wer die aktuelle CD oder die aktuelle Show betrachtet, bekommt immer nur eine Facette der Band zu sehen - auch wenn sich ziemlich viele erstaunlich sicher sind, daraus den ganzen kreativen Kosmos der "Walks" ableiten zu können. Weit gefehlt. "Das beste, was wir je gemacht haben, ist, diesem Unternehmen den nötigen Respekt entgegenzubringen", erklärt Chris Eckman seine Sicht der Dinge, "und wir haben uns den Hintern abgearbeitet, um immer den besten Job abliefern zu können, dessen wir fähig waren - im Studio, auf der Bühne - wo immer. Manchmal waren die Ergebnisse dabei besser als sonst, aber wir haben damit nie geprahlt. Wir waren immer engagiert, enthusiastisch und dankbar, in der Lage gewesen zu sein, diese Sache machen zu dürfen. Das, was ich noch erreichen möchte, ist einfach besser zu werden: Am Morgen aufzuwachen und einen cooleren Song als am Tag zuvor zu schreiben - das ist es! Was immer man über die Art denken mag, in der wir uns entwickelt haben: Eine Sache, mit der ich immer gut leben können werde ist der Umstand, dass wir immer unser Bestes gegeben haben, das zu dem gegeben Zeitpunkt möglich war." Und der Stil spielt dabei offensichtlich keine besondere Rolle. "Nein, der Mischmasch, mit dem wir damals begannen, half uns später vielleicht sogar", erinnert sich Chris, "wir blieben niemals an einen einzelnen, spezifischen Sound hängen, der später vielleicht zu einer Art Kette für uns geworden wäre." Warum wird denn diese Entwicklung auf dem "Shimmers"-Album nicht deutlicher dokumentiert? "Nun, der Hauptgrund dafür ist der, dass wir wollten, dass das Album einen bestimmten Fluss hat und sich gut spielen lässt. Das ist der Hauptgrund, warum kaum frühe Songs drauf sind und dass es nicht als chronologisches, historisches Dokument aufgebaut ist." Das ist vielleicht ja auch gar keine so schlechte Idee, denn die Scheibe richtet sich ja vorwiegend an neue Interessenten. Deswegen sind auch keine Bonbons für Fans drauf. "Das haben wir verworfen", meint Chris hierzu, "wir hätten sicherlich ein neues Stück oder so was draufpacken können - aber dass deswegen Fans vielleicht die Scheibe hätten kaufen müssen, hätte uns nicht gefallen."

Die Liner Notes des Albums stammen von einem gewissen Maxim Jakubowski. Wer ist denn das? "Maxim ist ein sehr guter Schriftsteller aus England", verrät Chris, "er schreibt etwas, das er 'erotische Thriller' nennt. Er hat Walkabouts-Songs in einigen seiner Romane eingebaut. Wir hatten uns gedacht, dass er eine andere Sichtweise haben könnte, was die Liner-Notes angeht - und wir sind da nicht enttäuscht worden." Warum heißt die Scheibe denn "Shimmers"? "Ich dachte, das wäre ein Wort, das einiges über unsere Musik aussagt", meint Chris, "es geht um Orte, wo Licht und Schatten zusammenkommen - aber nicht auf eine grelle, offensichtliche Art..." Neben seiner Arbeit mit den Walkabouts ist Chris ja auch als Produzent sehr begehrt. So arbeitete er z.B. mit Midnight Choir, Shilf oder Terry Lee Hale zusammen. "Chris' Privateben ist zwar ziemlich kaputt", meinte Terry einmal - lange bevor Chris seine Frau Anda Beer heiratete, "aber hat das beste Gehör, das ich je in diesem Business vernommen habe." Was so ziemlich das schönste Kompliment ist, das man einem Produzenten machen kann. Was gibt's denn Neues in der Richtung? "Ich produzierte gerade eine spanische Singer- / Sonwriterin namens Ainara Le Gardon. Das Album ist im April in Spanien herausgekommen und hat sich gut verkauft. Ich habe im August mit dem neuen Shilf-Album begonnen. Das ist eine Schweizer Band, die ursprünglich auf mich zugekommen ist und die ich wahnsinnig mag. Es wird wohl im Januar fertig werden. Ich habe auch das neue Album für Vlado Kreslin, Sloveniens bekanntesten Singer-Songwriter produziert [Chris und Anda leben in Slovenien]. Vlado schreibt sehr emotionale Songs und wir haben viele verschiedene Stimmungen verwendet - mit Cembalo, Akkordeon, Streichern und Chor. Dann habe ich noch den Soundtrack für eine slovenische Fernsehserie namens 'Novi Svet' gemacht. Das war eine richtige Herausforderung. Und es war mein erster Versuch, mit Orchester zu arbeiten [Auf den Walkabouts-Scheiben machte dies ja stets Mark Nichols]." Doch damit nicht genug: "Ja, da gibt es ja immer noch meine Rolle als 'Sänger' der Bambi Molesters [Die Molesters sind eine kroatische Surf-Punk-Band]. Wir denken daran, nächstes Jahr ein Album unter einem Projekt-Namen herauszubringen. Dann habe ich noch ein neues Solo-Album namens 'The Black Field'. Es wird im Februar erscheinen. Es ist fast fertig und es spielen einige Freunde drauf mit: Al DeLeoner von Midnight Choir [mit dem Chris auch das Elektronik-Projekt "Höst" ins Leben rief], Terry Lee Hale, Dalibor von den Bambi Molestors und Rupert Hubert aus Tosca."

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Da gibt es ja auch immer wieder Gerüchte von einem Carla-Projekt. Weiß Chris da näheres? "Nun, Anfang des Jahres hat sie ein cooles Album veröffentlicht, das sie und Mark Nichols für ein Bühnenstück von Sam Shepard namens 'Lie Of The Mind' gemacht haben. Carla und Mark haben die Songs eine Zeit lang jeden Abend live bei den Aufführungen gespielt. Was das Solo-Album betrifft, so hat sie einige Ideen und ich wäre nicht überrascht, wenn sie es im nächsten Jahr angehen würde. Carla macht auch auf einem Album der griechischen Band Sigmatropic mit. Stell dir das vor: Carla, Cat Power, Howe Gelb, Steve Wynn usw. singen 'Halkus' des griechischen Poeten Seferis. Ich kann's kaum abwarten, dass ich das zu hören bekomme..." Ach ja - ganz nebenbei ist Chris auch ein unersättlicher Musikfan - was wohl unerlässlich ist, wenn man mit seiner Attitüde durch's Leben geht. "Hör dir mal die Scheibe von The Postal Service an", schwärmt er z.B. über seine neueste Leidenschaft, "das ist eine tolle Pop-Scheibe vom Sub Pop Label, die ich zu Hause gerade rauf und runter höre..."
Weitere Infos:
www.thewalkabouts.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
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Aktueller Tonträger:
Shimmers (A Best Of)
(Glitterhouse/Indigo)




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