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TOMTE
 
Blind Date mit Thees und Timo
Tomte
Dass Tomte derzeit so ziemlich alles gelingt, setzen wir als bekannt voraus. Auch dürfte es inzwischen kein Geheimnis mehr sein, dass die Hamburger, deren aktuelles Album "Hinter all diesen Fenstern" zu den besten deutschsprachigen Platten des Jahres gehört, einen ausgezeichneten Musikgeschmack besitzen, den Gaesteliste.de im Blind Date mit Sänger / Gitarrist Thees Uhlmann und Trommler Timo Bodenstein für euch testete. Bei unserem Treffen vor dem Konzert im Kölner Gebäude 9 vor wenigen Wochen hatten die zwei sogar so viel Spaß an der Sache, dass sie ganz zum Schluss noch einen Song für uns kommentierten, der sich gar nicht auf unserem Tape befand!
* Belle & Sebastian "Step Into My Office, Baby" ("Dear Catastrophe Waitress", 2003)

Thees: Fängt ja leicht quatschig an. Und quatschig goutiert man ja nicht bei Musik!

Timo: Super Furry Animals, oder? The Thrills?

GL.de: Sollen wir's verraten? Belle And Sebastian!

Thees & Timo: Ahhhhhhhh!

Timo: "The Boy With The Arab Strap" habe ich rauf und runter gehört! "Sleep The Clock Around" ist einer der Top Ten Pop-Hits überhaupt!

Thees: Ja, bei mir war's auch nur diese eine Platte, für die anderen habe ich mich nicht mehr so interessiert. Bei "Von Gott verbrüht" singe ich allerdings nur "Falte deine Hände", wegen "Fold Your Hands Like A Peasant, Child" [dem Titel der vierten B&S-Platte].

* Kante: "Die Summe der einzelnen Teile" ("Zwischen den Orten", 2001)

Thees (nach einer Millisekunde): Ach!

Timo: Auch in den Top Ten!

Thees: Über diese Band hat Bodenstein neulich im Interview ja gesagt: Scheiß auf die neue Tomte-Platte, die neue Kante, die wird geil!

Timo: Supertypen, Superlied, auch der Text, das ist Wahnsinn, dass jemand es geschafft hat, so etwas in Worte zu fassen!

GL.de: Wir haben heute die ganze Platte noch einmal gehört - was haltet ihr denn von den ewig langen Songs mit ihren Jazz-Anleihen?

Timo: Das gehört ja dazu! Meiner Meinung nach ist ja deren erste Platte eine Ausgeburt an Langeweile! Ich hab mich letztens mal wieder gezwungen, sie anzuhören, und ich hab’s nicht geschafft. Ich bin aggressiv geworden vor lauter Langeweile!

Thees: Ich kenn's nur aus dem Tourbus, zwischen Greifswald und Halle, mit Reimer Busdorff, und wir sind darauf voll abgeflippt! Ich glaube auch, dass die Platte nicht so gut wäre, wenn da nur solche Dinger drauf wären!

Timo: Kante als Punkband ist schon großartig!

Thees: Lustig ist die Entstehungsgeschichte dieses Liedes. Felix hat dieses Riff aus dem Stück im Proberaum einfach so vor sich hin gespielt, und alle haben gesagt: SPIEL DAS NOCHMAL! SPIEL DAS NOCHMAL! Und er: Was denn? - SPIEL DAS NOCHMAL, GOTTVERDAMMT! - Meint ihr das hier? - Ja, genau das. Das müssen wir aufnehmen!

* Danzig "Mother" ("Danzig", 1988)

Thees: Danzig! "Mother"! (Schaut zu Timo): Das ist aber doch eher dein Metier, oder?

Timo: Nöööö, nicht so sehr. Damals, als ich in der 12. war, da hab ich so etwas gehört.

Gl.de: Wir dachten uns: Niemand, ähm, schreit den Namen Mutter schöner als Glen Danzig, oder?

Thees: Glen Danzig hat doch jetzt auch schon seit Jahren nichts mehr gemacht, oder? Ob der einfach reich ist und nichts tun muss und jetzt an seinem Addams-Family-Flipper steht?

Timo: Ich möchte nie mehr meine Zeit in Diskotheken verschwenden, in denen so 'ne Musik noch gespielt wird!

Thees: Ich war gestern in so 'ner Diskothek, da wäre das bestimmt noch gelaufen, wenn ich's mir gewünscht hätte!

GL: Und wie ist das, wenn in einer Disko der DJ Tomte auflegt? Ist das noch ein besonderer Kick?

Thees: Jaaa! Das haben wir jetzt natürlich schon ein paarmal erlebt. Ich hab auch schon zu Tomte getanzt! Sogar schon mal auf dem Rücken anderer Menschen!

Timo: Selbst wenn Tomte im Radio läuft, bekomme ich einen roten Kopf, klar!

* Maximilian Hecker "Polyester" ("Infinite Love Songs", 2001)

Thees (nach wenigen Sekunden): Maximilian Hecker... dingsda... die Single von der letzten Platte!

GL: Bei Hecker gibt es ja auch zwei Lager: Die, die mit ihm gar nichts anfangen können, und die, die ihn total mögen!

Thees: Ich glaub, ich gehöre zu denen, die ihn total mögen! Wir haben mit ihm zusammen auf dem Populario-Festival gespielt. Ich stand vor dem Typen, und er hat mich einfach nur total begeistert. Ich mag einfach diese Art von Musik. Wäre die Platte auf Grand Hotel Van Cleef [Thees’ Label] erschienen, hätte ich das ein bisschen anders vermarktet und den Wert mehr auf die Musik, nicht auf dieses "Ja, also, ich bin der Süße" gelegt, aber sein Konzert hat mir einfach die Schuhe ausgezogen. Obwohl es halt Scheiße ist, da zu stehen und zu denken: Hey, Uhlmann, du wirst niemals in deinem Leben so gut singen können!

* Pixies "Debaser" ("Doolittle", 1988)

Thees: "Debaser" - Pixies! Eines der schlechtesten Lieder der Pixies, jetzt wieder Reunion. Die Band war der Start meiner Indie-Explosion. Ich hab oben Metal gehört und mein Bruder unten immer so'n Krach. Aber dieses total Krachige hat mich fasziniert, "Monkey Gone To Heaven" zum Beispiel. Mein Bruder durfte aber natürlich nicht mitbekommen, dass ich seine Platten hörte. Das wäre eine Schande für mich gewesen, und er hätte sich ins Fäustchen gelacht. Die Pixies waren also die erste Indie-Rock-Kapelle, die ich gehört habe, deshalb bin ich denen sehr verbunden.

* Death Cab For Cutie "This Charming Man" ("You Can Play These Songs With Chords", 2002)

Thees (nach drei Akkorden): Smiths! "This Charming Man"! Nee, was? Coverversion??? Ist doch eine Coverversion, oder nicht? Er ist das?

GL.de: Ein Grand-Hotel-Van-Cleef-Künstler!

Thees: WAS????

GL:de: Death Cab For Cutie!

Thees (völlig baff): Jetzt wirklich??? Das ist ja mal was! Das hätte ich nicht gewusst! Letztens haben sie bei einem Visions Blind Date, ich glaube mit Vega 4, auch "This Charming Man", aber von den Smiths gespielt und die Band gefragt, ob sie das kennen. Da meint einer von denen: "Willst du mich verarschen?", schiebt die Ärmel seines T-Shirts hoch, und auf seinem Arm steht "This Charming Man"!

Timo: Ich habe The Smiths nie wirklich gehört!

Thees: Ich hab mir jetzt auch von T.A.T.U. die "How Soon Is Now"-Coverversion runtergeladen, und ich hör mir das über Kopfhörer auf der Arbeit an. Total großartig, wie die das so singen, mit ihrem süßen russischen Akzent und so. Ick freu' mir! Für mich sind The Smiths immer noch eine der ganz großen Bands! Und Morrissey auch. Ich bin ja einer der wenigen, die auch das Morrissey-Werk total verehren. Er sollte aber besser niemals mehr live auftreten, weil das ja eine totale Katastrophe ist.

Thees: Weil Weakerthans ja zu Epitaph und Burning Heart gewechselt sind und wir deren Platte ja deshalb leider nicht machen durften, sind Death Cab mein Weakerthans-Surrogat, aber ich bin mir sicher, dass sie für mich auf ein ähnliches Niveau aufsteigen werden. Wir hören die Platte so häufig und sind stolz wie Bolle, dass wir die jetzt für Deutschland, Österreich und die Schweiz machen können. Und ich glaube, die sind auch wahnsinnig nett! Ende Februar kommen sie für acht Tage nach Deutschland, und darunter sollen auch in zwei oder drei Städten Grand-Hotel-Van-Cleef-Festivals mit allen Bands des Labels sein.

* The Van Pelt "Yamato" ("Sultans Of Sentiment", 1999)

Timo: Das ist... The Van Pelt! Super!

GL.de: Eine Band, die den meisten wohl nur aus dem Tomte-Song "Wilhelm das war nichts" bekannt sein dürfte...

Thees: Tja, das war natürlich auch so gedacht, dass dadurch mehr Leute diese Band kennen lernen. Für Timo und mich war das eine absolute Initialzündung. Wir haben ja mit denen dann auch noch auffem Dorf ein Konzert veranstaltet, im Christlichen Jugendheim der Pfadfinder.

Timo: Das war magisch! Als ich die gesehen habe, dachte ich mir: Verdammt, warum soll ich überhaupt noch Musik machen, besser kann man nicht mehr werden, und das waren auch noch tolle Menschen! Wir waren unheimlich stolz, dass wir das Konzert mit denen veranstaltet haben, die kennen gelernt haben und auch noch mit ihnen zusammen gespielt haben. Das war schon eine der Sternstunden in meinem Leben!

Thees: Ja! Meine Mutter hat dann auch noch Kaffeekannen rangeschleppt und die Jungs haben nachher noch bei uns geduscht. Meine Eltern fanden das, glaube ich, nicht wirklich witzig. Das war natürlich auch einfach wild für den Ort, aus dem wir kommen. Es war das erste Mal, dass eine amerikanische Band im Landkreis gespielt hat.

Timo: Und seitdem sind auch keine anderen mehr gekommen!

* Sportfreunde Stiller "Anders definieren" ("Wellenreiten '54 EP", 1999)

Thees: Sportfreunde Stiller! Ist das was Unveröffentlichtes? Ist das eine Coverversion eines Hildegard-Knef-Songs?

Timo: Ach, da singt Flo durchs Telefon, oder?

GL.de: Nicht zuletzt auch deshalb mit dabei, weil es nicht ganz so offensichtlich erscheint, dass ausgerechnet Marc Liebschers Blickpunkt Pop in München eure Booking Agentur ist...

Thees: Wir waren einfach auf einer selbstgebuchten Tour, und in München war Marc Liebscher auf dem Konzert, und er meinte: Ich würde gerne euer Booking machen. Das war eine schöne Sache, weil das so Tomte-symptomatisch… Tomte-sympTOMatisch…ist, dass Leute auf uns zukommen und sagen: Wir wollen was mit euch machen. So war das auch mit Marc. Er ist ein Top-Typ, er ist der Entdecker der Sportfreunde Stiller. Ich hab mal zwei Nächte bei ihm geschlafen - er hat das interessanteste Klo überhaupt. Das ist ein Indie-Wall-Of-Fame und Fußball… alte Eintrittskarten und der Vertrag des einzigen Smiths-Konzerts in der Schweiz, das nie stattgefunden hat, hängt dort in Kopie rum… Auf dem Klo kann man sich echt einen halben Tag aufhalten. Da gibt es auch Bilder aus der Zeit, als Marc einer der größten Ärzte-Fans dieses Landes war. Er war ein so massiver Ärzte-Fan, dass er nachher bei allen Konzerten umsonst rein durfte.

GL.de: Zum Schluss - fehlt noch irgendwas?

Thees: Welches Lied hätten wir denn gerne noch gehört im Blind Date?

Timo: Irgendwas von früher? AC/DC oder so?

Thees: Atze Datze? Da hab ich keinen Bock mehr drauf! Allerdings hab ich letztens noch mal "Big Balls" gehört und mich köstlich amüsiert. Aber trotzdem: Ich sag nein zu Brian Johnson!

Timo: Ich auch... Aber früher, als du angefangen hast, hast du auch AC/DC gehört!

Thees: Ja! Ich kann ja meine musikalische Initialzündung auf die Sekunde genau festmachen. Ich war 1988 mit meiner Mischpoke in Amerika, bei meinen Verwandten in Philadelphia. Dort sind wir ins Kino gefahren und haben diesen Stephen-King-Film "Rhea M - es begann ohne Warnung" gesehen. Da war ja gerade "Who Made Who" draußen, und als die da auf dem Dach waren und AC/DC lief, hab ich instinktiv angefangen, im Kino so mit dem Kopf zu bangen, und mein Bruder meinte: "Geile Mucke, oder?" Das ist der Ursprung meiner Musikliebe!

Weitere Infos:
www.tomte.de
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigaben-
Tomte
Aktueller Tonträger:
Hinter all diesen Fenstern
(Grand Hotel van Cleef/Indigo)




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