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MOJAVE 3
 
Kein Mr. Bean
Mojave 3
Als wir Neil Halstead und Rachel Goswell anlässlich der Interviews zur allerersten Mojave 3-Scheibe "Ask Me Tomorrow" zum ersten Mal trafen, erzählten sie uns Erstaunliches: Dass sie nämlich Oasis und Neil Young mögen und dieses auch in ihrer Musik zum Ausdruck bringen wollten. Damals hörte sich das wie Quatsch an: Denn Neil und Rachel spielten vorher in der Shoegazer-Band namens Slowdive, in der es mehr um Klangräume als um Songs ging, wie uns Neil damals erzählte und auch die erste Mojave-Scheibe klang alles andere als rockig. Als die Band dann indes auf Tour ging, bekam man tatsächlich so etwas wie ein Rock'n'Roll Feeling vermittelt: Neil spielte eine bratschige Breitwand-Gitarre und die ganze Band gab sich Mühe, die Songs mit deutlich mehr Energie auf's Parkett zu bringen. Bei den folgenden Mojave 3-Scheiben - und besonders bei Neils Solo-CD "Sleeping On Roads" gab's dann indes wieder verträumtes, melancholisches Liedgut zu verzeichnen. Warum diese unsägliche Einleitung? Nun, auf "Spoon & Rafter", dem neuen Mojave 3-Album, schleicht sich langsam tatsächlich so eine Art "Harvest"-Feeling ein.
Da gibt es auf einmal Glam-Rock, Reggae- und Psychedelia-Einflüsse und alles kommt eine Spur gelöster und unbeschwerter daher, als man das von den Tagträumen des Neil bislang gewohnt war - obwohl dann letztlich doch wieder alles durch den musikalischen Weichzeichner gezogen wurde. "Nun, wir wollten schon einen druckvollen Sound", räumt Neil ein, "gleichzeitig wollten wir aber auch, dass es warm und organisch klingt, deswegen der Gitarrensound. Was wir wollten, war ein warmer Sound - wie bei den Beach Boys, wo alles doch super sauber, aber auch rund klingt. Das war's auch schon. Wir haben so oft wie möglich analoges Bandmaterial verwendet und einige Spielzeuge wie Moogs, Theremins und dumme kleine Keyboards. Ich denke, als Bezeichnung für die Stimmung, wäre 'pastoral' das richtige Wort." Ja, das stimmt schon. Selber käme man nie drauf, aber für einen Engländer hat dieses Wort ja auch eine ganz andere Bedeutung. Der ländliche Charakter der Scheibe wird ja auch durch das seltsame Cover deutlich. Hier ist eine im Teehaus-Stil gemalte Landschaft zu bewundern, in der sich - wenn man ganz genau hinschaut - zwei kleine Space-Aliens tummeln. Ist das nicht ein wenig schrullig? "Es ist ja auch ein schrulliges Album", meint Neil hierzu, "ich mochte die Idee von den zwei kleinen Astronauten, die sich beim Picknick auf der Wiese in der englischen Countryside wohlfühlen."
Wie passt denn der Name des Albums, "Spoon & Rafter" zu diesem Konzept? Ist das vielleicht eines dieser englischen Gesellschaftsspiele wie "Snakes & Ladders"? "Nein, das ist nur ein schrulliger Name", schmunzelt Neil, "'Spoon' bedeutet hier, ein verliebter Narr zu sein und ein 'Rafter' ist jemand, der auf einem Floß reist." Die Stücke auf der neuen CD hören sich manchmal so an, als seien sie aus mehreren Teilen zusammengesetzt - was Neil auch bestätigt: Die Aufnahmesessions fanden über einen langen Zeitraum an mehreren lange auseinanderliegenden Terminen statt. Ist das Ganze also die Chronologie der Floß-Reise eines verliebten Narren? "Ehrlich gesagt waren wir recht ziellos", räumt Neil ein - was die Idee eines Masterplans auch gleich ad acta legt, "das ist der Charme beim Floß-Fahren. Vielleicht waren wir in einer gewissen Pop-Stimmung? Die Scheibe war vielleicht auch musikalisch inspirierender als inhaltlich. Das ist eine Vereinfachung, aber manchmal kann es halt sein, dass die Musik besser ohne Texte funktioniert - besonders, wenn du nichts zu sagen hast. Das Gegenteil gilt aber auch - je interessanter die Texte, desto weniger muss die Musik arbeiten." Sind deswegen vielleicht die Harmoniegesänge dieses Mal so ausgefeilt? "Wir haben einfach länger daran gearbeitet. Ich glaube, die ganze Band hat's mal probiert und ein paar Freunde haben uns auch noch ausgeholfen."
Mojave 3
Inhaltlich bleibt sich Neil aber schon treu: So richtig fröhlich sind deine Lieder immer noch nicht, gell? "Nimm 'Writing For St. Peter' z.B.: Es geht um jemanden, der erlöst werden muss. Es geht um einen Katholiken, dessen Fähigkeit, eine Tür zu finden und jemanden zu verlassen, den er mag, zu einem Glaubensproblem wird." Schwerer Stoff, indeed! "Oder 'Battle Of The Broken Hearts'", führt Neil aus, "natürlich aus der Sicht dessen, dessen Herz gebrochen ist. Ich denke, das wird sogar durch die Musik ausgedrückt. Und die Schlussfolgerung ist, dass es - egal ob es sich um Zorn, Selbstmitleid oder das Gefühl, jemanden zu vermissen handelt - es immer ein Scheiß-Gefühl ist." Nun ja, sind wir mal ehrlich: Neil Halstead wird nie ein rechter Mr. Bean werden. Warum hat Neil eigentlich vorher eine Solo-CD machen müssen? Hätten sich diese Ideen nicht auch mit Mojave 3 umsetzen lassen? "Ich weiß gar nicht, ob ich eine Solo-CD habe machen MÜSSEN", überlegt Neil, "Ich hatte einfach ein paar Songs mit ein paar Freunden aufgenommen und 4AD bat mich, diese zu veröffentlichen. Ich fand aber meine Scheibe sehr unterschiedlich zu dem, was ich mit Mojave 3 mache. Sehr einsam, aber letztlich auch befreiend." Nun gut, schauen wir mal: Als nächstes wird es aus dem Hause Mojave 3 eine Solo-CD von Rachel Goswell geben, von der Neil meint, dass das, was er daraus bereits gehört habe, großartig klänge.
Weitere Infos:
www.mojave3online.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Mojave 3
Aktueller Tonträger:
Spoon And Rafter
(4AD/Beggars Group/Zomba)




Mojave 3

 
 

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