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TOBACCO
 
Gaesteliste.de zu Besuch im Studio
Tobacco
Daniel Riedl und Zac Johnson sind vermutlich den meisten immer noch vor allem als Sänger und Gitarristen von Rekord bzw. Readymade bekannt, aber die zwei Wiesbadener Songwriter sind auch Tobacco. Vor inzwischen fast vier Jahren haben sie mit "Don't Deny Your Weakness" eine feine Platte mit folkig angehauchten Lagerfeuersongs abgeliefert, bei denen eine Orgel gerne mal eine größere Rolle spielen darf als ein Schlagzeug. Das zweite Tobacco-Album wird zwar erst im nächsten Frühjahr erscheinen, aber Gaesteliste.de durfte für euch schon einmal einen Blick hinter die Kulissen, respektive in den zum Studio umfunktionierten Wiesbadener Proberaum des Duos werfen.
Tobacco
Eine Handvoll Songs des derzeit noch unbetitelten Werkes, das wiederum bei Rewika erscheinen wird, durften wir schon hören, und sie klangen alle ziemlich verheißungsvoll. Ohne die Stärken des Debüts aus den Augen zu verlieren, arbeiten die zwei an einem Album, das dennoch weit über den Erstling hinausgehen dürfte. "Uns verbindet auch das Interesse an den verschiedensten Arten von Musik und wie diese Platten produziert sind", weiß Daniel. "Also tatsächlich zu gucken, was die ganzen Garagenbands so gut klingen lässt, dass man sie mag, obwohl man es ja eigentlich nicht mögen sollte. Oder sich fragen, warum man auf Brian Wilson zurückgreift. Wir benutzen beim Aufnehmen als Referenz auch unheimlich häufig die Neptunes-CD. Einfach, weil die unglaublich geil gemacht ist. Ich denke, auf dieser Ebene haben wir ein sehr ähnliches Verständnis und wissen, dass das total relevant ist für das, was wir hier machen." Und Zac ergänzt: "Das ist eine Art nativer Grundneugier. Wenn ich Daniel sage: 'Dein Bruder hat doch die Justin-Timberlake-CD zu Hause, bring die doch mal mit!', dann sagt er nicht: 'Was soll denn der Scheiß? Was soll das denn?' Also hören wir da rein und achten alleine auf das Soundpotential, wie zum Beispiel ein Schlagzeug klingen kann. Mit so etwas kann man sich gegenseitig noch anstacheln. Es gibt nichts, das von vornherein abgelehnt wird."

Dass die zwei im Proberaum und nicht in einem regulären Tonstudio aufnehmen, hat übrigens nicht nur finanzielle Gründe, sagt Zac: "Bei Tobacco geht es gar nicht anders, weil wir ja nicht als Band fungieren, die vorher die Songs probt und dann sagt: 'Jetzt gehen wir ins Studio und nehmen auf.' Weil wir ja fast alles zu zweit machen, haben wir zunächst nur einen Song, den wir auf der akustischen Gitarre geschrieben haben, und dann setzen wir uns hin und fragen uns, wie sich das Schlagzeug anhören könnte. Dann setze ich mich hinters Kit und spiel dazu, und wir probieren ein, zwei Stunden an dem Beat herum, bis wir ihn aufnehmen. Dann kommt die zweite Hürde: Was könnte der Bass spielen? Das wird ja alles Baustein-mäßig aufgebaut. Das ginge gar nicht im Studio. Jeder Engineer würde verrückt werden, wenn wir erst einmal stundenlang herumprobieren würden. Das ist ja auch ein toller Effekt: Du nimmst Schlagzeug, Bass und Gitarre auf und hörst dann erst das Lied zum ersten Mal so, wie es mit einer Band klingt."

Tobacco
Um die intime, aber sehr fruchtbare Arbeitsatmosphäre, die Tobacco ausmacht, nicht zu gefährden, wurde der ursprünglichen Plan, für die Platte eine Reihe Gastsänger einzuladen, schnell wieder fallen gelassen, aber mit sechzehn statt acht Spuren, die dem Duo dieses Mal für die Aufnahmen zur Verfügung standen, ist die Platte doch streckenweise erheblich opulenter als "Don't Deny Your Weakness". Nicht zuletzt vermutlich auch deshalb, weil zwischen Daniel und Zac ein fast blindes Verständnis herrscht. Dass sie sich fast ZU gut kennen und so bestimmte Ideen dem anderen erst gar nicht präsentieren, weil sie wissen, damit eh auf Granit zu beißen, glaubt Zac allerdings nicht: "Nee, das ist ja gar nicht so Lennon / McCartney-mäßig. Es ist nicht so, dass einer mit einem Song ankommt und fragt: 'Was hälst du davon?'. Daniel arbeitet zu Hause viel vor und bringt ganz viele Ideen mit, die wir dann zusammen ausarbeiten. Das Gute an unserer Zusammenarbeit ist das Bälle-Zuschieben. Immer, wenn der eine nicht weiter weiß, hat der andere eine Idee, die dann wiederum der erste weiterführt, und so kommt man schneller voran, als ich das zum Beispiel von Readymade gewohnt bin. Dass Daniel und ich aus der gleichen Ecke kommen, dass wir beide Sänger und Songschreiber sind, macht es einfacher."
Tobacco
So dürften sich auf der Platte siebenminütige Epen genauso wiederfinden wie die spartanische Ein-Spur-Aufnahme "Naoussa" (angelehnt an "R.i.o.j.a." vom Debüt), die an die "American Recordings" von Johnny Cash erinnert, das eigentlich Tobacco-untypische, weil sehr rockig bandorientierte "Too Much No And A Yes", das offensichtlich Brian-Wilson-inspirierte "The T-Bone Moral" oder einige Tracks mit HipHop-lastigen Beats, die die zwei am Computer zusammengefrickelt haben. Doch auch wenn die beiden bei der Produktion gerne ins Detail gehen, können sie sich die Musik anderer Bands immer noch problemlos anhören, ohne sofort die Songs zu analysieren und nach der Herkunft der Samples zu forschen oder die Gesangsarrangements zu sezieren, erklärt Daniel: "Dafür verstehe ich solche Sachen, die zum Beispiel die Neptunes machen, auch viel zu wenig. Deshalb dauert es bei uns auch teilweise so lange. Es gibt einige Sachen, die du jetzt noch nicht gehört hast, an denen wir ziemlich viel herumgebastelt haben. Wir haben eigentlich auf Bandmaschine aufgenommen, aber dann in den Computer überspielt. Einige Sachen haben wir allerdings direkt in den Computer aufgenommen, weil wir schneiden und daran herumprobieren wollten. Es ist gar nicht einmal so, dass man sich die Arbeitsweise anderer Leute zunutze macht und das nur verwertet, sondern eher so, dass man sich sagt: 'Hör dir das mal an. Das macht doch was mit dir! Warum findet man das geil? So etwas in der Art möchte ich auch auf der Platte haben - ohne direkt zu klauen.'" Das sieht auch Zac ähnlich: "Mit Tobacco war es von Anfang an so, dass das Projekt eine Spielwiese sein sollte, und was uns gerade inspiriert, wird umgesetzt. Dass die Platte jetzt wahrscheinlich so wird, wie sie wird, liegt dann einfach daran, dass wir in den letzten vier Jahren so viel dazugelernt haben und wir uns gegenseitig wieder für vieles begeistern konnten."

Und genau diese "Anything goes"-Politik ist auch das, was Daniel an Tobacco so reizt, wie er uns abschließend wissen lässt: "Es gibt keine Grenzen. Ich glaube, auf der Platte könnte alles drauf sein. Ich jedenfalls habe keinen Schiss davor, auf dem Album ein Seemannslied, wie du es eben gehört hast, neben einem HipHop-Track zu haben. Solange es uns beiden gefällt, ist alles möglich!"

Weitere Infos:
www.rewika.de/band.php?band=10
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-





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