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ASHTRAY BOY
 
Das Multikulti Blind Date
Ashtray Boy
Zu Hause ist Ashtray-Boy-Mastermind Randall Lee eigentlich in Australien. Seine Gattin und Bandkollegin Carla Bruce-Lee dagegen stammt aus Amerika, trotzdem leben die zwei derzeit im kanadischen Vancouver. Passend dazu ist ihr Label Jellyfant in Deutschland beheimatet und auf ihrem vor kurzem erschienenen siebten Album "The Euro" singen Ashtray Boy ihre Songs in gleich acht verschiedenen Sprachen - ein Song ("Fleisch und Gemüse") ist sogar auf Deutsch! "In dem Song geht es darum, dass verschiedene Leute manche Dinge einfach satt haben, in jeder Strophe ist es etwas anderes", lässt uns Randall wissen. "Es gibt auf dem Album aber auch einige Dance-Tracks. Ein Typ in Melbourne hat einige Songs von uns völlig auseinander genommen und verschiedene Dance- und Jungle-Beats darunter gelegt."
Randall, Carla und ihre ebenfalls über den ganzen Erdball verstreuten Mitstreiter bewegen sich auf "The Euro" also nicht nur musikalisch erneut ein Stück weit abseits vom Mainstream, sondern wenden sich auch ein wenig ab vom Sound der letzten beiden Platten, "There's Your Heart" und "The King's Buccaneer" - aber genau diese Unberechenbarkeit macht die Band ja so liebenswert! "Abgesehen vom Gesang hat bei Ashtray Boy jeder Song seine Eigenheiten", glaubt auch Carla. "Wenn du zum Beispiel meine Mutter, die nun wirklich keine Musikexpertin ist, sich aber alles anhört, was Randall und ich machen, bittest, Ashtray Boys Musik zu beschreiben, sagt sie: 'Sie hat etwas vom Folk und sie hat etwas vom Jazz, aber vor allen Dingen klingt jeder Song ein bisschen anders.' Das Witzige daran ist, dass das unsere Musik ziemlich gut zusammenfasst." Wie es darüber hinaus um das musikalische Basiswissen der zwei Weltenbummler bestellt ist, testete Gaesteliste.de beim Blind Date mit dem sympathischen Ehepaar aus.
* Robyn Hitchcock "I Something You" (Single, K Records, 1995)

Der amerikanische Kultsänger könnte durchaus ein Ashtray-Boy-Vorbild sein, oder?

Carla & Randall: ???

GL.de: Ein Tipp - der Sänger spielte früher in einer bekannten New-Wave-Band, die sich kürzlich reformiert hat...

Carla: ...aber nicht The Clean, oder? Oh, Robyn Hitchcock!? Das ist jemand, den früher all meine Freunde unglaublich toll fanden, aber irgendwie ist er trotzdem an mir vorbeigegangen. Doch jedes Mal, wenn ich etwas von ihm höre, mag ich es, und frage mich dann, warum ich nicht mehr von ihm kenne!

* Neutral Milk Hotel "King Of Carrot Flowers" ("In An Aeroplane Over The Sea", Merge, 1998)

Handgemachter Homerecording-Sound aus Athens, Georgia. Puristisch, intensiv, gekonnt.

Carla: Das sind nicht Boyracer, das würden wir kennen, weil sie Freunde von uns sind, aber es hört sich nach einer Band an, in der auch Steward [von Boyracer] mitspielen könnte.

GL.de: Die Band stammt aus Athens, Georgia...

Randall: Elf Power vielleicht? Oder sonst jemand vom Elephant-6-Label?

GL.de: Bingo, es sind Neutral Milk Hotel, die auch zum Elephant-6-Kollektiv gehört haben.

Carla: Oh! Wir haben sogar eine Platte von denen zu Hause, wohl allerdings nicht diese!

GL.de: Haltet ihr das für eine clevere Idee, ein Kollektiv wie Elephant 6 zu gründen, das eine Handvoll von Bands zumindest für Außenstehende als eine Art Einheit präsentiert?

Carla: Das passiert, wenn du eine "Szene" hast. Vor allem, wenn sie klein und stark ist. Die Leute arbeiten einfach zusammen, und dadurch entsteht dieser gewisse Sound einer bestimmten Stadt. Ich komme ja ursprünglich aus Chicago, und als ich die Stadt verließ, waren gerade all die kleinen Indiebands von Majorlabels unter Vertrag genommen, einmal durch die Mühle gejagt und wieder auf die Straße gesetzt worden. In den letzten Jahren ist es jetzt eher so, dass alle wieder am gleichen Strang ziehen und jeder mit jedem zusammenarbeitet. Du sprichst mit 25 Leuten, und sie spielen in 45 verschiedenen Bands!

Randall: Je kleiner die Stadt ist, desto einfacher ist es, einen schnell identifizierbaren Sound auszumachen. Athens, Georgia oder Chapel Hill in North Carolina sind Beispiele dafür, oder auch Dunedin in Neuseeland!

Carla: Der Vorteil ist ja auch, dass der Support bei den Musikern viel größer ist. Du kannst immer eine andere Band anrufen, die mit dir zusammen auftritt, und du weißt, was du von ihnen zu erwarten hast, und du kannst dir sicher sein, dass sie aus den gleichen Beweggründen handeln wie du.

* Wilco "I'm Always In Love" ("Summerteeth", WEA, 1998)

Jeff Tweedys Band auf dem Weg von Alt.Country zum Pop - aufgenommen wurde die LP u.a. in Carlas alter Heimatstadt Chicago.

Carla & Randall: ???

GL.de: Wilco, aus dem Album "Summerteeth"!

Randall: Oh, ja! Sie haben diese Platte sogar mit David Trumfio, der ja früher Mitglied von Ashtray Boy war, gemacht!

Carla: Ja, der Song hat diesen Dave-Trumfio-Touch, das ist mir schon bei den ersten Takten aufgefallen! Das Stück hätten wir eigentlich erkennen müssen, denn Jeff Tweedy von Wilco ist mit einer Dame namens Sue verheiratet, die mit ihrer Partnerin Juliette einen der besten Clubs in Chicago, das Lounge Ax, gemanagt hat.

* The Kinks "This Time Tomorrow" ("Lola Vs. The Powerman", Pye, 1969)

Es scheppert und kracht, aber Ray Davies' Songs sind über jeden Zweifel erhaben.

Carla: Klingt ein bisschen nach Grateful Dead oder irgendetwas anderem aus den 70ern... oh, warte... The Kinks? Ich würde gerne Ray Davies' Autobiographie lesen, ich hab ihn im Radio darüber sprechen hören. Er hatte ein ziemlich interessantes Leben. Er hat mit 17 geheiratet, und als er ein Superstar wurde, hatte er schon Kinder. Sehr interessant!

GL.de: Was für die Kinks gilt, scheint auch für eure Sachen zu gelten - ihr benutzt relativ wenig Effekte und belasst es beim natürlichen Klang der Instrumente...

Randall: Effektgeräte gehen mir einfach auf die Nerven! Ich finde es allerdings interessant, wenn man die Effekte wie eigenständige Instrumente einsetzt und damit all diese nicht-musikalischen Sounds erzeugt.

Carla: Anfang der 90er war ich in einer Band, die in Chicago als Spacerock-Band bekannt wurde. Einer der Musiker sammelte all diese alten, analogen Synthesizer, und so kam ich dazu, einen Moog Synthesizer, ein Stylophon und vor allem ein Theremin zu spielen, und dazu habe ich viele Effekte benutzt. Damals habe ich das sehr genossen, aber als die Band im Streit auseinander ging, habe ich mich davon völlig abgewendet und habe jetzt viel mehr Spaß an puristischen Klängen. Heute mag ich es viel lieber, wenn jemand einfach sein Instrument spielt, ohne dabei einem bestimmten Sound nachzujagen.

* Sneeze "Doctor Of Love" ("I Lost The Spirit To Rock N Roll", Half A Cow / Fire Records, 2002)

Der obligatorische Australien-Song von den Lo-Fi-Königen des Half-A-Cow-Labels.

Randall: Ich kenne den Song, ich habe ihn in einer Fernsehshow gehört, aber ich habe im Abspann nicht genau hingeschaut, deshalb weiß ich nicht, wer es ist!

Carla: Das muss eine australische Band sein, denn wenn Australier versuchen, wie Amerikaner zu klingen, verfallen sie immer in diesen Südstaaten-Dialekt!

GL.de: Der Song ist von Sneeze, und es ist richtig, sie wollen diesen US-Soul-Touch haben.

Randall: Es ist schon so, dass viele australische Bands versuchen, amerikanisch zu klingen. Wenn ich mir heute zum Beispiel die Little River Band anhöre, fällt mir auf, dass sie total nach den Eagles klingt. Das war mir damals gar nicht so bewusst. Heute versuchen mehr Bands, ihre australische Identität zu bewahren, aber in den 70ern waren alle darauf aus, in Amerika groß rauszukommen. Bands wie Sodastream oder wir erreichen in Amerika gerade deshalb ein gewisses Maß an Popularität, WEIL wir sehr australisch klingen. Unser Schlagzeuger meint, es läge am Rhythmus, es gäbe einen Beat, der typisch australisch sei!

Weitere Infos:
www.ashtrayboy.net
Interview: -DJ Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-
Ashtray Boy
Aktueller Tonträger:
The Euro
(Jellyfant Schallplatten)


Ashtray Boy

 
 

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