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GO-BETWEENS
 
Die Zeitlosen
Go-Betweens
"Diese Platte dürfte für einige Leute eine ziemliche Überraschung sein", meint Grant McLennan während sich Robert Foster gerade die Nase pudert. In der Tat: Wer hätte nach all den Andeutungen und dem Hin und Her der letzten Jahre noch ernsthaft mit einem neuen Go-Betweens Album gerechnet? Und dann auch noch mit solch einem. Denn auf "The Friends Of Rachel Worth" findet sich die ganze Portland-Clique von Sleater Kinney über Quasi bis hin zu Elliot Smith einträchtig nebeneinander mit McLennan, Foster und Adele Pickvance. Was ist denn da passiert?
"Nun ja, die Sache ist eigentlich ganz einfach", erklärt Grant, "wenn Robert und ich zusammen was machen, sind wir die Go-Betweens - egal wer sonst noch dabei ist. Das soll jetzt keine Ungebührlichkeit den alten Bandmitgliedern gegenüber sein, ist aber nun mal so. Wir hatten uns irgendwann mal mit Janet (Weiss - der Drummerin von Sleater Kinney und Quasi) getroffen und erwähnt, daß wir erwögen, eine neue Go-Betweens Scheibe aufzunehmen. Da meinte sie, wenn sie darauf nicht Drums spielen dürfe, müsse sie uns leider umbringen. So war das." Das heißt, daß die anderen Portländer dann durch Janet dazugekommen waren? "Ja, genau", bestätigt Grant, "wir brauchten ein paar Keyboards und die spielten dann Sam Coomes (von Quasi) und Elliot. Und die Mädels von Sleater Kinney wollten wir dann auch nicht außen vor lassen. Auf 'Going Blind' sind denn auch tatsächlich alle dabei." "Going Blind" ist ein gutes Beispiel für den Stil der Scheibe: Von Grant und Robert bewährt sparsam arrangiert, poppig, aber mit Drive und hervorragenden Melodien. "Es ist eine Rockplatte", fügt Grant dann noch der Vollständigkeit halber hinzu. Thematisch findet sich eine gesunde Mischung aus fiktiven und realitätsbezogenen Stories aus dem Umfeld der Autoren. "Du bist der erste, der diesen Unterschied herausstellt", lobt Grant, "in der Tat tendiert Robert eher dazu, realitätsbezogen zu schreiben, während ich zu Metaphern neige - es soll ein wenig mystisch sein. Das 'German Farm House' gibt es z.B. tatsächlich, während 'Orpheus Beach' nur in meinem Kopf existiert." Diese Unterscheidung hat natürlich für den Hörer wenig Wert, da er ja nicht wissen kann, was real und was erfunden ist. Allerdings lädt es zum unzulässigen Vergleich zwischen McLennan / Lennon und Foster / McCartney ein. Auch hinter den Go-Betweens stehen also eher Individualisten, die sich ergänzen, als etwa ein Autorenteam.

Ein gutes Beispiel für jede Variante gibt es noch: "He Lives My Life" ist ein Song Fosters, der ziemlich wörtlich zu nehmen ist. Robert traf jemanden aus Australien, der ihm von seinem Leben erzählte und stellte dann erstaunliche Parallelen fest, die zu dem Ausspruch führten: "Der Mann lebt ja mein Leben". "The Clock" von McLennan ist ein komplexes philosophisches Konstrukt. "In der Natur gibt es keine Uhr", erläutert Grant dieses, "Tiere lassen sich nicht von der Uhrzeit oder Terminen diktieren. Die einzige Gelegenheit, während der man als Mensch nicht über Zeit nachdenkt, ist doch, wenn man glücklich mit jemandem zusammen ist. Dann kreiert man sich seine eigene Zeit, ist selbst Zeit, ist zeitlos - die Zeit ist aufgehoben." Fast wie bei Dylan also.

Eine - gewissermaßen pikante - Angelegenheit gilt es indes noch zu bereinigen: Sucht man etwa im Internet nach "Rachel Worth", so stößt man sehr schnell auf eine dubiose Fotografin aus dem Hardcore SM-Umfeld. "Ja, das habe ich auch schon gehört", grinst Grant, "das ist aber ein - zugegeben cooler - Zufall. Wir haben uns den Namen 'Rachel Worth' ausgedacht. Es sollte eine bestimmte Assoziation hervorrufen, ein Bild, und das wurde durch den Namen dann konkreter." Aha. Im November ist eine Tour angedacht - leider ohne Portland-Beteiligung. Wenn's allerdings nach Grant ginge, könnte man diese Version der Go-Betweens auch gerne jederzeit wieder auflegen.

Interview: -Ullrich Maurer-
Foto: -Pressefreigabe-
Go-Betweens
Aktueller Tonträger:
The Friends Of Rachel Worth
(Clearspot)


Go-Betweens

 
 

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