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SPIRITUALIZED
 
Blind Date from Space(man)
Spiritualized
Dass Jason Spaceman, der unbestrittene Kopf von Spiritualized, einen außergewöhnlichen Musikgeschmack hat, dürfte bekannt sein. Immerhin sprechen wir hier vom Schöpfer solcher Großtaten wie "Ladies And Gentlemen We Are Floating In Space" und "Let It Come Down". Mit dem aktuellen Werk, dem an dieser Stelle bereits ausgiebig gewürdigten Album "Amazing Grace", kehren Spiritualized nun allerdings zu ihren Rock N Roll-Wurzeln zurück und liefern eine für ihre Verhältnisse geradezu ungewöhnlich bodenständige Platte ab. Grund genug für Gaesteliste.de, Jason zum Blind Date zu bitten. Den Gefallen, ihm einen Track von seinem derzeitigen Favoriten Dizzie Rascal vorzuspielen, konnten wir Jason zwar nicht tun, trotzdem nahm er - bewaffnet mit einem Becher Kaffee - vor dem Spiritualized-Konzert im Kölner Stollwerck vor einigen Monaten unsere Einladung gerne an.
* Iggy & The Stooges "Little Electric Chair" (Skull Ring, Virgin 2003)

Iggy erstmals seit dreißig Jahren wieder mit den auch für Spiritualized unglaublich wichtigen Stooges - mit einem zum Zeitpunkt unseres Interviews noch unveröffentlichten Song!

Jason [nachdem wir ihm verraten mussten, wer sich hinter der Aufnahme verbirgt]: Das sollen die Stooges sein? Ich kenne Leute, die sie in den USA gesehen haben, beim Coachella Festival, und diese Shows sollen unglaublich gewesen sein! Ob ich ihre Rückkehr willkommen heiße? Nein, das ist nichts, auf das ich wirklich scharf bin. Ich habe noch nie eine Band gesehen, die bei der Reunion besser war als vorher. Das Witzige ist, dass ich eben noch zu John [Coxon, dem Spiritualized-Gitarristen] gesagt habe: "Zum Glück ist dieses [Blind Date] kein Wettbewerb. Das Peinlichste, was dir passieren kann, ist, dass du etwas nicht erkennst, was du dein ganzes Leben lang gehört hast. Wenn du sagst: 'Das sind MC5!', dabei waren es die Stooges, hahaha!" Und gleich der erste Song sind die verdammten Stooges!!!

* June Bateman "Believe Me Darling" (V.A. - "The Fire And Fury Of Bobby Robinson", RPM, 2000)

Eine frühe Soul Aufnahme des Fire-And-Fury-Labels und ein Song, den Jason uns beim letzten Treffen mit Gaesteliste.de wärmstens empfohlen hatte.

Jason [nachdem er sich ausgiebig über die Qualität unseres Walkman beschwert hatte]: Das Beste an dem Song ist ein Stückchen in der Mitte! Das ist doch June Bateman, oder? Der Song ist von vorne bis hinten großartig, aber die Stelle in der Mitte, in der ihre Stimme bricht - das ist unglaublich schön, weil es so gefühlvoll und von Herzen ist. Das ist die Stelle, an der du dich in den Song verliebst. Wenn du "Day By Day" von Jimmy Scott spielst - das Stück fängt unglaublich langsam an, und die Stimme singt "Day by day, I'm falling more in love with you", aber in der Mitte, da ändert sich das Tempo, und zwar nur ganz minimal, aber es ist magisch! Meistens sind es gerade die Fehler, die bestimmte Songs so großartig machen!

* Johnny Cash "Give My Love To Rose" ("American IV - The Man Comes Around", American Recordings, 2002)

Eine Neuaufnahme eines seiner ersten Hits aus der letzten zu seinen Lebzeiten veröffentlichten LP.

Jason [nach wenigen Akkorden]: Johnny Cash, oder? Dein Tape läuft etwas zu langsam, aber Johnny Cash kann man auch gut am Gitarrenspiel erkennen. Wir haben in den letzten Tagen im Bus "Hardworn Highways", die Doku mit Townes Van Zandt und David Allan Coe, geguckt - einfach fucking amazing! Townes spielt darin eine Version von "Waiting Around To Die", die unglaublich bewegend ist. Wir haben den Film in den letzten Tagen fast täglich geschaut! Das hat zwar nicht wirklich etwas mit Johnny Cash zu tun, aber es ist musikalisch ja eine ähnliche Baustelle.

* John Lennon "Isolation" ("John Lennon/Plastic Ono Band", EMI 1970)

Der frühere Beatle mit einem der besten Songs aus seinem ersten Studio-Solo-Album.

Jason: Das dürfte einer der Beach Boys sein? Was, The Beatles... John Lennon? Zwei Jungs aus unserer Band hätten das in Sekundenschnelle erraten... Kann ich das noch mal hören, jetzt, wo ich weiß, dass es John Lennon ist? Ganz ehrlich, selbst jetzt, wo du es verraten hast, glaub ich dir noch nicht, dass das wirklich John Lennon ist... Die Sache mit der Musik ist doch die: Entweder du hast die Platte schon mal gehört oder eben nicht. Die [chronologisch] letzte Beatles-Platte, die ich habe, ist vermutlich das Weiße Album.

* The Temptations "Get Ready" ("Gettin' Ready", Motown, 1966)

Vielleicht kein offensichtlicher Einfluss auf "Amazing Grace", aber Soul- und Gospel waren bekanntlich in den 90ern eine Art Leitmotiv für Spiritualized.

Jason: Wie toll ist das denn? Großartiger Song! Ich mag jegliche Art von Soul. Von Stax in Memphis ist ja leider nichts mehr übrig. Ich bin mal zum ehemaligen Standort des Studios gefahren. Dort kannst du Teile der Ziegelsteine an deine Freunde verschicken. Das fand ich ziemlich cool. Aber egal ob Memphis oder Motown, du nimmst den Leuten die Songs ab, die sie singen. Sie haben eine Art der Ehrlichkeit, die du sonst selten findest. Das bewegt mich auch bei "Hardworn Highways" am meisten: Du hast wirklich das Gefühl, dass ihre Musik aus der Wahrheit entspringt, und das ist etwas, das du heute kaum noch findest. Heute ist es doch so, einige Bands sind nur noch Fassade für die Arbeit anderer. Die Künstler erklären sich einverstanden damit, die Pressetermine wahrzunehmen und sich fotografieren zu lassen, aber das Label und der Produzent ziehen die Fäden im Hintergrund und machen die eigentliche Arbeit.

* Ray Charles "You Are My Sunshine" ("Modern Sounds In Country And Western Music", ABC-Paramount, 1962)

Eine weitere Platte, die uns Jason vor zwei Jahren schon wärmstens empfahl...

Jason [ohne Zögern]: Das ist von der "Country & Western"-Platte, oder? Das sind definitiv seine besten Big-Band-Sessions, da spielt er in einer anderen Liga, wie auch "Can't Stop Loving You" von der gleichen Platte beweist. Was für ein Song! Das Tolle am Rock N Roll ist, dass du es dir erlauben kannst, ein wirklich schlechter Poet zu sein, und Dinge wie "Can't Stop Loving You" oder "You Are My Sunshine" singen darfst und damit durchkommst. Das ist ja fast kindlich und eigentlich auch schlechtes Englisch, aber in Verbindung mit der Musik wird etwas ganz Besonderes daraus - besser sogar als gute Poesie! Dass das vermutlich nur auf Englisch und nicht in anderen Sprachen funktioniert, liegt einfach daran, dass fast alles auf dem amerikanischen Blues aufbaut. Die Schnittstelle des amerikanischen Blues mit der Musik der europäischen Einwanderer, die nach Amerika kamen - auch darum geht es uns auf "Amazing Grace"!

Weitere Infos:
www.spiritualized.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-
Spiritualized
Aktueller Tonträger:
Amazing Grace
(Sanctuary/Zomba)




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