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GUS BLACK
 
Klangsuppe
Gus Black
Zumindest hierzulande ist der Name Gus Black ein neuer. In den USA veröffentlichte Gus bereits zwei Alben - allerdings bloß unter dem Namen "Gus"; "Black" ist der Mädchenname seiner Frau, den der kalifornische Songwriter - wohl auch zur Unterscheidung möglicher ähnlich klingender Namenskonstrukte (wir denken z.B. an "Guz") - jetzt angenommen hat. Auf seiner neuen CD "Uncivilized Love" geht Gus Black nun musikalisch seinen eigenen Weg zwischen traditionellem, akustischen Songwriting und einer Portion Pop, die recht gut damit einher geht. Weil das natürlich keineswegs etwas Neues ist, wird Gus auch gleich mit der üblichen Phalanx der gitarrenbewehrten Auteure unserer Zeit verglichen. Was natürlich nichts bringt, da es einerseits irreführend ist und andererseits die spezifischen Besonderheiten des Menschen Gus Black unterschlüge. Versuchen wir also einmal, uns inhaltlich dem Songwriter Gus Black zu nähern.
Die Titel der Songs z.B. versprechen aufgrund ihrer seltsamen Zusammensetzung zumindest ein interessantes Innenleben. "Cadillac Tears", "Violent Rain", "Uncivilized Love" - das sind jeweils Begriffe, die nicht so recht zusammenzupassen scheinen, die aufhorchen lassen. Was ist z.B. eine unzivilisierte Liebe? "'Uncivilized Love' ist der Titel, weil das die Essenz der Bedeutung der Songs am besten repräsentierte. Und es spiegelt mein Leben während der Aufnahmen wider", erklärt Gus - ohne allerdings zu erläutern, was er denn bitte unter einer "unzivilisierten Liebe" versteht - und auch ohne auf die seltsame Zusammenstellung der o.a. Begriffe einzugehen. Ist das eine Art Technik, unvereinbare Begriffe zu kombinieren, um so zu einer neuen Erkenntnis zu kommen? "Vielleicht", räumt Gus ein, "aber zumindest für mich war jede Liebesbeziehung, in der ich mich befand, doch ziemlich unzivilisiert. Ich war nie verrückter, als wenn ich verliebt war. Ich habe nie Dinge gesagt, die bösartiger gewesen sind, ich war nie leidenschaftlicher - jeweils mit der Person, die ich liebte. Ich denke, das ist nicht nur bei mir so, sondern in den meisten Fällen. Und wenn es bloß Liebe ist, wäre es doch auch langweilig. Wenn wir mit uns selbst im Reinen sind, dann ist die 'unzivilisierte Liebe' der Normalzustand." Und die anderen Begrifflichkeiten? "Nun, 'Violent Rain' ist ein Begriff, der mir im Zusammenhang mit 9-11 eingefallen ist. Es geht um den Zusammensturz der Gebäude, unsere Reaktion als Nation darauf. Es geht hier nicht unbedingt um Regen im Sinne von Wasser. 'Cadillac Tears' ist eine Wortspielerei - es sollen besonders große Tränen sein. Ja, es macht mir Spaß, mit Begriffen zu spielen."
Gus Black
Vielleicht noch mal zum Thema 9-11 - etwas, das man aus dem Song nicht unbedingt im Klartext herauslesen kann. Was sind den Gus Eindrücke zu 9-11? "Ich arbeitete gerade an einer Werbung", erinnert er sich, "es ging um 'Burger King' und im Nachhinein kommt mir das schon fragwürdig vor. Ein Freund rief mich an und erzählte mir davon. In dem Moment glaubten wir noch, dass auch Jets nach Los Angeles unterwegs waren. Das waren die ersten Stunden, weißt du, wir hatten alle Angst. Da hörte irgendwie alles auf. Ich werde nie den Ausdruck im Gesicht meines Freundes vergessen, als er mir dieses sagte. Es war sehr niederschmetternd. Es ist aber nicht mein Ding, das Ganze so überdeutlich zu verarbeiten, wie z.B. Bruce Springsteen. Ich denke, einige Leute waren damals einfach vom Moment selbst überwältigt worden. Ich selbst habe nur bis zu jenem Moment dieses patriotische Bewusstseinsgefühl gehabt, bis ich George Bushs Rede an diesem Tag gehört habe. Dann erkannte ich, dass dies keineswegs eine amerikanische Tragödie, sondern eine menschliche war. Da ging es um menschliches Leiden. Ich wollte es so verarbeiten, wie ich es empfand: Dass nämlich unsere Regierung diesen Anlass als Vorwand für die Verwirklichung ihres Planes eines neuen amerikanischen Jahrhunderts hernehmen würden. Ich wusste, dass das kommen würde, und es stimmte mich traurig. Denn daran geht die Welt zugrunde - nicht daran, dass wir angegriffen wurden." Gus fühlt die Notwendigkeit ein befreiendes Lachen auszustoßen, als er das gesagt hat. Das aber mal alles dahingestellt: Gus Black ist aber doch kein klassischer Protestsänger, oder? Wie entstehen denn seine Songs? "Nein, ich bin eher subversiv", räumt er ein, "der Kern eines Songs kommt mir jeweils in einer Art Flash. Dann schreibt er sich entweder von selbst oder es ist ein schmerzvoller Prozess. Das schwierigste dabei sind immer die Texte. Es geht dann darum, den Song zu beenden - dass er dich nicht mehr belästigt. Texte sind für mich ein eigenes, persönliches Barometer. Was ist gut, was nicht? Wenn es passt und ich mich nicht winden muss, wenn ich es mir anhöre, dann ist der Song fertig. Das kommt dann aus dem Bauch heraus." Das heißt, der Song ist dann definitiv? "Nein, wenn ich einen Song Abend für Abend singe, dann kann er durchaus eine andere Bedeutung bekommen", widerspricht Gus, "ich denke, das, was ich sage, ist immer für Interpretationen offen."

Wie läuft das ganze musikalisch? "Nun, ich habe eine Kern-Band", erklärt Gus, "diese ergänze ich dann mit anderen Musikern. Es geht darum, wer für was am besten geeignet ist. Der Stil des Songs ergibt sich dabei aus den Umstand heraus. Es gibt eine gewisse Grundidee, aber ich bin für Ideen immer offen." Was hat es denn mit den beiden Tracks "City Life" und "Uncivilized Love" auf sich? Im Prinzip ist es derselbe Song, mit demselben Text, aber ein Mal als Pop-Song und ein Mal akustisch solo. "Es begann als 'City Life'. Wally [Ingram - der Produzent], hatte diese Melodie geschrieben und ich hatte im Nu einen Text dazu. Als ich es aber live solo ausprobierte, brauchte ich etwas Neues. Ich habe es dann dekonstruiert und neu wieder aufgebaut. Es war nicht möglich, den Song wie 'City Life' solo zu spielen. Durch das Solo-Treatment bekommt er eine ganz andere emotionale Bedeutung. Außerdem zeigt er beide Seiten von mir. Jedenfalls meine offensichtlichen Seiten." Und wie passt Gus' Cover-Version von "Paranoid" dazu? Er machte aus dem Black Sabbath Klassiker eine düstere Ballade. "Da gab's keinen großen Plan", schmunzelt Gus, "es ging mir jedenfalls nicht darum, den Song zu retten. Ich brauchte einen neuen Song und habe es zufällig so gespielt. Es war der erste Song, den ich übrigens jemals gespielt habe. Ich sang also über die Paranoia und ich musste lachen, denn in diesem Kontext gab es eine neue Bedeutung - du kannst auch so den Text verstehen. Ich habe mal eine Cover-Version von 'Don't Fear The Reaper' für den ersten 'Scream' Film gemacht. Das war ein ähnlicher Ansatz. Ich mag es, diese klassischen Heavy-Rock-Songs auseinanderzunehmen und in einen neuen Kontext zu setzen."

Gus Black
Heavy Rock Songs? Was sind denn Gus musikalische Wurzeln? "Es begann tatsächlich mit den Singer-Songwritern der 70s, die meine Mutter mochte", erinnert sich Gus, "dann hatte ich Spaß an richtig schlechten Metal-Bands, Iron Maiden, Judas Priest und so was. Als es dann schlechter amerikanischer Heavy Metal wurde, habe ich dem abgeschworen. Dann habe ich lieber R.E.M., The Cure, Echo & The Bunnymen und U2 gehört. Und dann war ich alleine. Da habe ich begonnen, eigene Songs zu schreiben. Ich habe mir dann noch Nirvana oder die Pixies angehört - aber nicht mehr so vergöttert. Die Pop-Einflüsse in meiner Musik kommen davon, dass ich mir Hip Hop anhöre. Wenn du die Ohren aufsperrst, hörst du eine ganze musikalische Klangsuppe. Ich mag so etwas: Die Beastie Boys, Eels, Beck - das sind Freunde, die ich mir auch gerne anhöre. Und ich bin immer daran interessiert, mit so was rumzuspielen." Nun ja, klangtechnisch passiert ja heutzutage auch am meisten in der Hip Hop Musik, nicht wahr? "Ja, schon - wenn du nicht zu sehr auf die Texte hörst", schränkt Gus ein, "denn textlich schraubt sich das Genre doch ziemlich in die Unerheblichkeit, nicht wahr? Wer kann sich z.B. schon mit Zeilen wie 'My bitch is in my hose' identifizieren. Aber musikalisch ist es spannend. Nimm z.B. The Neptunes. Da geht es bloß um die Dekonstruktion, und es ist so simpel - nur ein oder zwei Instrumente. Oder kennst du den Songwriter Damien Rice? Der arbeitet auch so: Indem da alles weggenommen und auf's Wesentliche reduziert wird, klingt das plötzlich wieder frisch und neu." Heißt das, dass wir von Gus Black demnächst eine Folk-Scheibe erwarten dürfen? "Das kann schon sein", verrät Gus, "momentan arbeite ich z.B. an einem Album mit Kinderliedern - das geht ja schon in die Richtung..."
Weitere Infos:
www.gusmusic.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Gus Black
Aktueller Tonträger:
Uncivilized Love
(India Records/Alive)




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