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THE CHURCH
 
Sanftes Seebeben
The Church
Fast muss man sich ja heutzutage rechtfertigen, wenn man von The Church spricht. Ungläubiges Staunen macht sich breit, wenn sich herausstellt, dass die Australier wieder mal eine Scheibe aufgenommen haben. Ganz so, als sei das für eine Band, die in den 80ern mal einen Hit namens "Under The Milky Way" (vom Album "Starfish") hatte, verboten. Dabei haben die Jungs um Steve Kilbey und Marty Willson-Piper bloß nie aufgehört, ihre Version von stromlinienförmiger, eigentümlicher und psychedelisch angehauchter Gitarrenmusik zu vervollständigen. Und zwar konsequent und geradlinig. Dass der ganz große Erfolg dabei ausblieb, ist Steve & Co. eher sogar recht, so scheint's. Noch anlässlich der Veröffentlichung der letzten regulären Scheibe "After Everything Now This" (die 2002er Kompilation "Parallel Universe" mit Remixes und Outtakes war ein Projekt des Church Drummers Tim Powles) erklärte uns Steve Kilbey z.B., dass man nach wie vor gut von den Tantiemen von "Milky Way" leben könne, ansonsten aber nicht in Kategorien wie "Karriere" und "Erfolg" denke. Wichtiger sei es ihm z.B., dass seine kleinen Kinder seine Musik mögen. Diese Einstellung hat sich natürlich auch anlässlich des neuen Albums, "Forget Yourself" nicht geändert.
"Meine Kinder mögen auch das neue Album", scherzt er, "ich glaube, wir bewegen uns jetzt auf den Baby-Markt zu." Natürlich ist das alles nicht ganz so schlimm. Die Musik von The Church hatte - trotz aller offensichtlichen Komplexität - auch immer schon eine naive Ader - was daran liegen mag, dass viele der Tracks aus Jam-Sessions entspringen und die Texte - etwa in der Art von Kinderreimen - z.T. eher assoziativer Natur sind. Kilbey weigert sich auch beharrlich, diese in irgendeiner Weise einzuordnen oder zu erläutern. "Der Titel des neuen Albums ist zufällig und vieldeutig," meint er z.B., "ganz so wie das Universum." Was natürlich nur insofern weiter hilft, als dass das gleiche Prinzip auch für die Musik der neuen Scheibe zu gelten scheint: "Wir hatten keinen bewussten Ansatz", meint Steve, "es gab keine Struktur. Die Songs entstanden aus dem Nichts und wir haben jeden einzelnen entsprechend seines Charakters zur Strecke bringen müssen." Man kann schon erkennen: Die eigene Musik in erklärende Worte zu packen, ist sicherlich nicht Steve Kilbeys Lieblingsbeschäftigung. Eher kann man ihn schon dazu bewegen, über das zu sprechen, was seine Songs auslösen. "Ich denke, dass das neue Album eher maskuliner geworden ist", überlegt er z.B., "es ist eher Yang als Ying. Es hat sich hier eine Art von rauher, fröhlicher Melancholia eingenistet. Das neue Album ist wacher als die letzte Scheibe. Ich würde sagen, dass hier eine Art Überempfindlichkeit transportiert wird. Es ist fast wie ein Bewusstseins-Overload. Das Wichtigste bei dieser Scheibe war uns der musikalische Zusammenhalt. Wir wollten, dass das Album ein wenig mehr blutet, dass es direkt klingt, sich nicht hinter einem Produktions-Fassade verbergen sollte." Übersetzt heißt dies ungefähr folgendes: "Forget Yourself" weist mehr griffige Songstrukturen auf als die eher ätherischen letzten Werke, basiert dabei aber immer noch auf psychedelischen Klangmustern, die jedoch einen Tick konkreter ausfallen, als gewöhnlich.
The Church
Die Sache mit der "männlichen Scheibe" ist nicht im Lichte angestrebten Macho-Gehabes zu sehen, sondern bezogen auf den Umstand, dass sich Steve Kilbey sehr wohl bewusst ist, mit seiner Musik etwa Frauenherzen kaum begeistern zu können. (Eine Vermutung, die sich durch nicht repräsentative Umfragen im Bekanntenkreis leicht belegen lässt). Ein Umstand, der sich bei der neuen Scheibe dem Hörer aber offensichtlich aufdrängt, ist der, dass das Meer hier eine gewichtige Rolle zu spielen scheint. Nicht nur in den immer wieder auftauchenden wellenartigen Sound-Strukturen, sondern auch inhaltlich (gleich zwei Titel handeln vom feuchten Element). "Genau, die neue Scheibe ist sehr maritim in der Ausstrahlung", stimmt er zu, "das war Absicht. Ich wollte die Stimmung eines Sommers an der See in Sydney einfangen und reflektieren. Da gibt es dann den blauen, grellen Himmel und den gefährlichen aber auch heilenden Ozean." Was vielleicht auch die vergleichsweise heitere Stimmung des Albums erklärt. D.h.: Heiter im Sinne von The Church. Von vielen wird diese Band ja oft als Inbegriff der melancholischen Tristesse gesehen. Natürlich nicht von der Band selber. So sind Songs wie "Nothing Seeker" denn auch keineswegs Oden an die Nihilisten. "Vielleicht geht es ja dabei ja auch um jemanden, der einfach nichts von dieser weltlichen Welt erwartet?", gibt Steve einen jener seltenen Richtungshinweise zum Gebrauch seiner Gedankenwelten. Auch wenn es nicht so klingt: Selbst nach 24 Jahren im Business haben Steve Kilbey & Co. immer noch Spaß an ihrem Tun. Dabei wollen sie offensichtlich nicht mehr, als sich selber treu zu bleiben. Und das ist in etwa auch die Botschaft, die Steve Kilbey an die Fans hat: "Es gibt bei uns immer nur eine Botschaft", meint er nämlich, "hier ist ein wenig Musik... genießt sie!"
Weitere Infos:
www.thechurchband.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
The Church
Aktueller Tonträger:
Forget Yourself
(Cooking Vinyl/Indigo)




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