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SOPHIA
 
Wetterfühlig
Sophia
"Leute sind wie Jahreszeiten" - das ist der Titel des neuen Sophia Albums, das uns Robin Proper-Sheppard dieser Tage kredenzt. Wenn man das in etwa übersetzt mit "prinzipiell vorhersehbar, aber im Detail unberechenbar" - wie Jahreszeiten ja nun mal sind -, dann gilt dies sicher auch für das neue Werk. Denn anders als auf den beiden bisherigen Studio-Alben begnügt sich Robin hier nicht mit einer bloßen Fortsetzung des bislang erreichten, höchst erfolgreichen Konzeptes; das ja darin bestand, halb und halb melancholisch-akustische und elegische Mid-Tempo-Balladen zu kombinieren. Auf "People" finden sich nämlich ebenso Passagen, die an die ehemaligen God Machine Alben erinnern, wie an jene, die direkt von Robins Fun-Projekt Mayqueens stammen könnten. Darüber hinaus erscheint das Album erstmals nicht auf dem hauseigenen Flowershop-Label, sondern auf dem Fast-Major-Label "City Slang" (das ja nominell zur EMI-Gruppe gehört). Zuguterletzt schließlich ist dieses (mit dem Live Album "De Nachten") vierte Sophia Album eine Abkehr von Robins ursprünglichem Masterplan, Sophia als dreiteiliges Projekt auszulegen. Trotz - oder gerade wegen - dieser dann eben im Detail unberechenbaren Features ist Robin mehr als zufrieden mit der neuen Scheibe.
"Es ist schön, mit jemandem reden zu können, der schon ein wenig die Geschichte von Sophia kennt", meint Robin in Bezug auf die Tatsache, dass Gaesteliste.de die Karriere des charismatischen Amerikaners mit Wohnsitz in London schon seit einigen Jahren aufmerksam verfolgt, "denn auch wenn es interessant ist, bei solchen Promo-Touren auf Leute zu treffen, für die Sophia neu ist, ist es doch wichtig, dass die Veränderungen und Weiterentwicklungen bemerkt werden, die Sophia durchlaufen hat." Wovon es ja, wie angedeutet, eine ganze Menge gegeben hat - allen voran der Wechsel zu einem neuen Label. "Ja, aber da hatte ich Glück", erzählt Robin, "weißt du, wenn dich da jemand von der Plattenfirma vom Bahnhof abholt, der dir die Songtexte deines Albums zitiert und davon schwärmt, dass dieser und jene deiner Songs das Leben verändere, dann ist das nicht wie bei einem typischen Major-Label. Ich musste mich dem Label ja anvertrauen. Der City Slang Chef in England hatte mir spaßeshalber gesagt, dass er schon seit acht Jahren versucht habe, Sophia zu gewinnen - was länger ist, als dieses Projekt existiert. Da wusste ich, dass ich da gut aufgehoben bin." Nun gut - die Gründe für diesen Schritt sind offensichtlich: Flowershop ist ein kleines Label mit begrenzten Möglichkeiten und mit City Slang kann Robin einfach mehr Leute erreichen. "Genau", stimmt er zu, "Flowershop existiert auch nach wie vor. Wir arbeiten gerade an einem neuen Album der Band Copenhagen und dann habe ich einen neuen Act namens Gamine gesignt, die einen ähnlichen Ansatz haben wie Elysian Fields. Diese Band, die ja auch einmal auf Flowershop war, musste ich indes ziehen lassen. Weil ich denke, dass sie unbedingt größer werden müssen. Und dafür ist Flowershop einfach nicht geeignet. Wir haben ja nicht das Geld, Scheiben richtig promoten zu können. Was der Grund ist, dass ich es mit Sophia jetzt einmal auf City Slang versuchen will."

Da gab es ja noch ein Projekt, das ursprünglich für Flowershop / Sophia angedacht war: Ein Album mit Duetten. "Das neue Sophia Album begann auf diese Art", räumt Robin ein, "'All My Love' war ironischerweise ursprünglich ein Duett. Aber dann - blblblblbl - habe ich es nicht gemacht. So ist das manchmal eben. Es war ja so, dass ich ursprünglich viel früher ein neues Sophia machen wollte. Dann aber veränderte sich einiges in meinem Leben. Nach der 'De Nachten' Tour erhielt ich einen Anruf, dass meine Mutter im Krankenhaus läge. Ich reiste also schnell nach Kalifornien und war dabei, als meine Mutter starb. Ich wusste dann nicht so genau, was ich tun sollte - das war 2001. In diesem Zeitraum sprach ich bereits mit dem City Slang Chef und äußerte Zweifel daran, ob ich noch eine Sophia Scheibe aufnehmen sollte - wozu ich nach meiner Rückkehr nach London auch gar keine Lust hatte. Solche Situationen beeinflussen meine Arbeit. Es war so ähnlich wie die Situation, als mein Freund Jimmy von God Machine starb. Zu dieser Zeit verschwand auch das Sophia Duett Album und übrigens auch das Trilogie Konzept. Ich bin aber froh darüber, denn ich denke, dass diese Scheibe sehr viel besser ist, als ein Duett Album gewesen wäre. Ich bin jetzt erstmals vollkommen damit zufrieden, was ich gemacht habe." In welcher Weise denn? "Nun, ich hatte dieses Mal keine Bedenken, Dinge auszuprobieren, wie z.B. harte Songs mit einzustreuen. Alle meine Alben bislang hatten ein Konzept, das jedoch nie funktionierte. Jetzt dachte ich mir, dass ich vielleicht weniger auf andere, als vielmehr auf mich selbst hören sollte. Beim Mastern stellte ich dann fest, dass das wunderbar funktioniert hatte." Der Grund, an dieser Stelle noch einmal auf das ursprüngliche Trilogie-Konzept einzugehen ist der, dass man nun - da dieses ja ad acta liegt - auch nicht nach einem geschlossenen Kreislauf zu suchen braucht, nicht wahr? "Genau", ruft Robin aus, "es wird mit Sicherheit ein weiteres Sophia Album geben." Das neue Album ist also somit ein "New Phase Sophia Album" (um bei einer Formulierung zu bleiben, die bei den Beatles ironischerweise den Untergang kennzeichnete)? "Absolut", begeistert sich Robin, "denn es gibt bereits Songs für ein neues Album, die ursprünglich für dieses gedacht waren. Es gibt ein Song namens 'Technology Won't Save Us' - das ist ein reichhaltig orchestrierter Song, der nicht zu denen passte, die ich dann auf 'People' packte. Das fühlte sich insofern gut an, als dass ich jetzt eine Perspektive hatte." Und eine Zukunft.

Sophia
Außerdem erklärt es vielleicht auch, warum das neue Album stilistisch mittendrin in ein anderes umkippt: Anything goes, right? "Ja, denn die lauten Stücke und die mit den verzerrten Stimmen waren notwendig", erklärt Robin, "ich habe z.B. auf 'Darkness' alles bis auf die Drums selbst gespielt und selbst diese hatte ich in einem Drumcomputer vorprogrammiert. Und die ganze Inspiration für diesen Song kam von der Absurdität der verzerrten Stimme. Da halte ich übrigens bloß die Hand über mein Mikro - sonst ist da nichts. Es geht in diesem Song um die Wirkung, die ich auf andere Leute habe. Das ist neu für mich, da ich bislang immer alleine aus meiner Sichtweise schrieb. Die in diesem Song beschriebene Beziehung war intensiv, düster, philosophisch und dem Wahnsinn nahe. Diese Erkenntnis, die sich durch die verzerrte Stimme manifestiert - weiß der Teufel, wie ich darauf gekommen bin -, war sehr wichtig für mich und führte zu einer Änderung meiner Perspektive. Deswegen musste dieser Song auf diese Weise auf dieses Album." Zu diesem Stück - quasi am Rande eines seelischen Abgrundes - gibt es einen Song über Ferien in der Sonne, der genau das Gegenteil zu sein scheint. Was hat denn das zu bedeuten? "Hast du dir den Text angehört?", fragt Robin, "ich erkläre dir mal kurz worum es geht. Zunächst mal brauchte ich noch einen Akustik Song - was eine Sophia Tradition ist. Ich dachte mir dann, dass ich doch mal was Lebhafteres spielen könnte - deswegen die Dur Akkorde. Der Text aber - 'Ferien sind schön, Ferien machen Spaß' passt nur scheinbar dazu. Denn es geht um die Erkenntnis, dass du irgendwo hingehen musst, um glücklich zu sein. Du kannst das Glück scheinbar nicht dort finden, wo du bist. Für mich sind dies die traurigsten Zeilen auf der ganzen CD. Meine Errungenschaft ist hier also, einen extrem traurigen Song fröhlich klingen zu lassen. Ich bin seit kurzem ein großer Teenage Fanclub Fan. Die können wirklich fröhliche Songs mit traurigen Texten schreiben. Wenn es also einen Einfluss für diesen Song gibt, dann wären das Teenage Fanclub."
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Ein weiteres Stück, das aus dem allgemeinen, typischen Sophia Raster ausbricht ist "Desert Song #2", das bezüglich des Aufbaus, der Struktur und des Namens glatt eine Hommage an den modernen Klassik-Komponisten Steve Reich sein könnte - es aber nicht ist: "Nein, das ist eher ein Verweis auf God Machine, weil wir da einen 'Desert Song' hatten. God Machine war ja ziemlich anders als Sophia, und der einzige verbindende Faktor zwischen beiden Songs ist der, dass ich mir jedes Mal eine weite, offene Fläche vorstellte, als ich die Songs schrieb. Ich will dir mal verraten, worum es inhaltlich geht, weil du ja die betreffende Person gut kennst: Als es noch den Plan gab, die Duett Scheibe aufzunehmen, wollte ich auch eines mit Chan Marshall machen..." (Sophia und Cat Power absolvierten Ende 1998 zusammen eine ausgedehnte Europa-Tournee) "...die Songs begann ich bereits auf dieser Tour zu schreiben. Die ersten beiden Zeilen handeln offensichtlich von Chan, weil sie damals in so einem fragilen Zustand war. Mit der Zeit öffnete sich der Song dann und am Ende handelte er auch von meiner Mutter. Es ging dabei um das Gespräch, das ich mit ihr im Krankenhaus führte. Sie sagte mir damals, dass ich meiner Tochter Hope, die meine Mutter nie kennen lernen konnte, sagen solle, dass ihre Großmutter vom Himmel aus als Schutzengel über sie wachen werde. Letztlich zeigt dieser Song übrigens auch, wie ich die Menschheit per se sehe - mehr noch vielleicht, als wie ich etwa Individuen sehe. Dieser Song ist deswegen sehr wichtig für mich. Denn - auch wenn mir das oft nicht geglaubt wird: Jedes Mal, wenn ich einen Song vortrage, dann stelle ich mir vor, wie dieser zustande kam, von wem er handelt, worum es geht. Und wenn ich diesen Song singe, dann denke ich immer an die Situationen, die diesen Song inspirierten." Musikalisch ist dieses Stück eigentlich weniger ein Song, als vielmehr ein impressionistisches, tonales Gemälde, nicht wahr? "Findest du?", zweifelt Robin, "könnte sein. Es gibt dort z.B. diese laute Gitarre, die viele Leute mit Spannung und Intensität gleichsetzen. Für mich ist aber eher der stille, erste Teil sehr viel intensiver - das geht bis hin zum Nichts (deswegen die langen Pausen). Die laute Gitarrenpassage symbolisiert dann für mich eine Art Erlösung, eine Art Auflösung - und zwar physikalischer, emotionaler - und fast würde ich sagen - philosophischer Natur. Es ist schwer zu erklären, aber so musste der Song sich auflösen. Es ist fast eine Art Schlussakkord. Das ist fast so etwas wie ein Gemälde..." Was bei all der Bilderstürmerei noch wichtig ist festzuhalten, ist der Umstand, dass die neue Scheibe trotz aller Innovationen doch auch wieder eine erkennbare Sophia CD geworden ist. Robin fasst das so in Worte: "Auch wenn der eine oder andere Song nicht jedem gefällt, denke ich doch, dass die Leute auf jeden Fall merken werden, dass immer noch ich es bin, der da singt."
Weitere Infos:
www.sophiamusic.tk
www.geocities.com/sophiatablature/
www.sophia-music.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Sophia
Aktueller Tonträger:
People Are Like Seasons
(FlowerShop/CitySlang/Labels)




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