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AQUALUNG
 
Wenn der Abwasch Spaß macht
Aqualung
Die zerbrechlich schönen Songs auf dem Debüt-Album brachten Matt Hales aka Aqualung besonders in seiner englischen Heimat enormen Erfolg ein, die Hype-Maschinerie lief auf Hochturen, kurz nach der Veröffentlichung wurde Gold verliehen und es war wieder okay, ein Wimp zu sein. Hales verbrachte die anschließende Zeit fast ausschließlich auf Tour, als er wieder zu Hause in seiner gewohnten Umgebung angekommen war, entzündete sich die Inspiration und er konnte sich kaum vor neuen Songs retten. Herausgekommen ist mit "Still Life" ein Album, das vielleicht weniger zerbrechlich ist, dafür aber ein angenehm schönes Pop-Feeling vermittelt. Gaesteliste.de sprach mit Matt Hales über diesen Wandel.
"Die Leute scheinen doch sehr verwundert darüber zu sein, dass die Musik nun etwas fröhlicher geworden ist - die Stimmung war aber eigentlich die gleiche, als ich das erste Album geschrieben habe, ich war damals aber vielleicht etwas voreingenommen gewesen von den Situationen in meinem Leben, die nicht so lustig gewesen sind. Beim neuen Album habe ich definitiv mehr an die Zukunft gedacht, und da ich schon so etwas wie ein Optimist bin, beinhaltet 'Still Life' sehr viel Hoffnung. Die Zukunft ist sicherlich beängstigend, und da warten mit absoluter Sicherheit einige schlimme Dinge auf uns - aber dennoch gibt es auch viele gute Seiten." Ein weiterer Unterschied zum Vorgänger ist der allgemeine Sound der Platte - hier hat man das Gefühl, dass hier eine komplette Band spielt und nicht - wie in der Vergangenheit - jemand mehr oder weniger alleine die Songs eingespielt hat. "Es war einfach die logische Weiterentwicklung, denn wir sind nach der Veröffentlichung des ersten Albums nahezu ein Jahr lang getourt, und dieses gemeinsame Spielen hatte ich dann auch direkt im Kopf, als ich mich daran setzte, die neuen Songs zu schreiben. Ich habe auch in der Zeit sehr viel Musik von Bands gehört, die diesen speziellen Band-Sound besitzen, vor allem die Band namens The Band - ich mag einfach, wie deren Platten klingen und ich wollte auch dieses Band-Gefühl auf meiner neuen Platte haben", bestätigt Matt und führt aus: "Sicherlich ist Aqualung irgendwie immer noch mein eigenes Ding, und dieses Solo-Dasein erlaubt es mir, großartige Musiker einzuladen und ihnen zu sagen, was sie spielen sollen. Klar höre ich mir Vorschläge, Ideen, etc. an, aber diese kann ich genauso gut ignorieren...harharhar...nein, ernsthaft, ich habe zwar schon das letzte Wort, aber auch wenn Leute nicht direkt beim Songschreiben beteiligt waren, bringen sie ihren eigenen Teil in den Sound ein, indem sie einfach spielen und ihre persönlichen Eigenschaften einfließen lassen."
Aqualung
Einen enormen Einfluss auf Matt dürfte auch Kim Oliver gehabt haben - Co-Songschreiberin und nicht zuletzt auch Matts Frau, der in den Liner-Notes mit den Worten "Kim, die mich inspirierte, wenn ich nicht weiter wusste, und die mich stoppte, als ich falsch lag." Wie oft lag er denn falsch? "Ich hoffe, nicht zu oft...hm, vielleicht liege ich ja immer falsch?!?", lacht Matt. "Aber es hat da einige Situationen gegeben, als ich die Aufnahmen, die wir bisher gemacht hatten, wieder auseinander genommen und komplett von innen nach außen gedreht hatte, und das hat einfach zu weit weg geführt von dem, wo es eigentlich hätte hingehen sollen. Kim hatte dann meistens die richtigen Worte zur richtigen Zeit, um mir zu sagen, dass ich doch besser mit den Experimenten aufhören solle. Man braucht diese Situationen, in denen man den eigentlichen Weg verlässt und auch verliert, denn auf diese Weise findet man Sachen, auf die man sonst niemals gestoßen wäre. Auf der anderen Seite braucht man aber auch jemanden, der einen wieder zurückholt. Und das war meistens Kim." Matt Hales hat für diese Experimente auch einen fundierten Hintergrund - schließlich hat er nicht unbedingt eine normale Kindheit hinter sich: Die Biographie besagt, dass er im Haus seiner Eltern, einem Independent Platten-Laden, auf die Welt gekommen sei, das Piano schon in Griffweite, und er habe im zarten Alter von vier Jahren bereits Stücke komponiert. Es folgte in der Adoleszenz eine klassische Musik-Ausbildung mit anschließendem Studium. Also könnte man doch davon ausgehen, dass Matt auf Perfektionismus viel Wert legt und vielleicht manchmal einfach nicht das Ende finden kann? "In Sachen Musik bin ich schon sowas wie ein Perfektionist, das stimmt schon - aber nicht so sehr im übrigen Teil meines Lebens. Aus der Erfahrung mit der ersten Platte hatte ich gelernt, dass ich auf jeden Fall eine Deadline beim eigentlichen Aufnahme-Prozess brauche - andererseits könnte es wirklich ewig weitergehen und kein Ende finden. Also hatte ich diese Deadline, und ich musste mich also anstrengen, das bestmögliche in dieser Zeit zu produzieren - was aber absolut in Ordnung ist! Denn es gibt einfach keine perfekte Platte - ich bin der Meinung, dass man eine Platte relativ schnell aufnehmen sollte, und dann mit den Entscheidungen, die man getroffen hat, leben muss und leben sollte. Ich habe mir das fertige Album auch einige Zeit lang nicht mehr anhören können, weil man einfach vom Kopf her völlig dicht ist und Abstand braucht - als ich es dann einfach mal im Hintergrund laufen ließ, als ich das Geschirr gespült hatte, habe ich die Arrangements und die Songs als eine komplette Einheit gehört und nicht mehr auf die einzelnen Parts geachtet und mir nicht darüber den Kopf zerbrochen, ob nicht an einer bestimmten Stelle die Hi-Hats noch mehr nach vorne müssten oder nicht. Als ich da in der Küche stand und das Geschirr abgetrocknet hatte, war ich mit dem Album sehr zufrieden und mir wurde bewusst, dass ich nicht zu weit gegangen bin."
Weitere Infos:
www.aqualung.net
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Deidre O'Callaghan-
Aqualung
Aktueller Tonträger:
Still Life
(B-Unique/WEA)




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