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ELLIOTT MURPHY
 
Durch das Minenfeld
Elliott Murphy
Elliott Murphy ist ja nicht nur in des Wortes eigentlicher Bedeutung ein guter Bekannter. Wer eine Elliott Murphy Scheibe hört oder eines seiner Konzerte besucht, der hat ja immer eine bestimmte Erwartungshaltung, die Elliott dann auch umgehend bedient. Das ist in dem Fall jetzt aber bitte nicht als Kritik zu verstehen, denn das was der Gute macht, hat ja seit einigen Jahren ein dermaßen solides Qualitäts-Level erreicht, dass es daran kaum etwas auszusetzen gibt. Die Versuche, es der Welt zu beweisen, mit dem Pop (und dem Erfolg) zu flirten oder als Innovator aufzutreten, gehören ja nun mittlerweile wirklich der Vergangenheit an. Wenn es jemanden gibt, der mit heiterer Gelassenheit an ein neues Werk geht, dann ist das mit Sicherheit Elliott Murphy. Die anstehende Tour, die von Gaesteliste.de präsentiert wird, ist jene zu seinem letzten Mammut-Werk, "Strings Of The Storm".
Wie hatte es denn eigentlich dazu kommen können? "Also irgendwann war mir klar, dass dieses ein Doppelalbum werden musste, noch bevor ich überhaupt alle Songs fertig hatte", erzählt Elliott, "ich fühlte mich zuletzt auch von einer Menge Doppelalben aus den 60s und 70s inspiriert - so vom 'White Album' der Beatles, Dylans 'Blonde On Blonde' oder 'Exile On Mainstreet' von den Stones. Was mir dann aber nicht bewusst war, ist, dass eine Doppel CD ja ungefähr einem Triple-Schallplatten-Album entspricht. Das war dann also doch eine ziemliche Herausforderung. Olivier [Durand - Elliotts Gitarrist] und ich waren ja die letzten zwei Jahre dauernd auf Tour, so dass die Verbindung zur Musik nie abriss; was für einen Musiker ein echter Luxus ist." Warum heißt die Scheibe denn "Strings Of The Storm?" "Der Titel ist das Zitat des französischen surrealistischen Dichters André Breton. Ich dachte, es passt, weil die Welt momentan ja quasi durch stürmische Zeiten geht und wir ja auch die Saiten unserer Gitarren im letzten Jahr gehörig in Anspruch genommen haben." Auf der Scheibe singt ja Cindy Bullens mit. Ist das vielleicht der erste Schritt in Richtung eines angedachten Duett Albums mit einer Sängerin, was Elliott ja beim letzten Gespräch als mögliches Projekt avisierte? "Ich habe Cindy beim SXSW-Festival getroffen und ich mochte sofort ihre Aufrichtigkeit und ihren Stil. Wir haben uns dann ein Mal bei einer gemeinsamen Show in Italien wieder getroffen und es war Olivier, der dachte, dass ihre Stimme und meine sehr gut zusammen passen. Ich denke, er hat recht. Ich würde immer noch gerne ein Duett Album mit einer Sängerin aufnehmen und Cindy wäre sicherlich eine Kandidatin dafür. Auf der Scheibe ließ ich ihr jedenfalls alle Freiheiten." Was war denn der Master-Plan bei den Aufnahmen zur neuen Scheibe? "Also ich wollte ein bisschen mehr elektrisch klingen als auf den letzten Scheiben und ich wollte, dass die Worte fließen wie ein Fluss das tut und dass alle Songs Teil einer musikalischen Reise wären. Das ist der Grund, warum ich z.B. 'Banks Of The Ohio' mit aufnahm. Das ist seit 100 Jahren ein typischer amerikanischer Folksong, den ich als Teil meiner Wurzeln betrachte. Die Thematik von Mord und Betrug ist ein wenig so, wie heutzutage Rap-Musik. Und ich wollte so etwas versuchen wie Neil Young & Crazy Horse - also einen harten, aber doch süßen Sound. Die Aufnahmen gingen sehr reibungslos vonstatten, weil alle, die mitspielten, also Ernie, Kenny, Thomas, Danny und natürlich Olivier meine Art aufzunehmen kennen. Für mich ist das Studio so etwas wie ein Minenfeld, durch das man möglichst schnell durch muss - bevor die Songs explodieren. Ich versuche immer die Essenz eines Songs zu erhalten. Das ist immer am Schwierigsten. Und so nahmen wir ca. vier bis fünf Songs am Tag auf, ganz so, wie Elvis es auch getan hat." Als Elliott das letzte Mal auf Tour war, probierte er ja bereits neue Stücke aus. Z.B. "Green River", das er auf der Scheibe auch ungefähr so reproduzierte. Hat es ihn denn nicht gereizt, z.B. Tracks dieser Art mit einer entsprechenden Produktion "radiotauglich' zu trimmen? "Ach ich werde doch eh kaum im Radio gespielt", winkt er ab, "und da gibt es so wenig, das im Radio läuft, was mich interessierte, dass ich sowieso nie in Begriffen wie 'radiotauglich' denke. Eine große Produktion ist eine Kunstform für sich und ich bewundere die, die das können. Aber ich hatte weder das Budget noch das Interesse, mich in diese Richtung zu entwickeln. Ich kann mir nicht vorstellen, einen Song wochenlang zu mixen, wie das heute teilweise gemacht wird. Und ehrlich gesagt: Wenn 'Green River' so wie es ist im Radio gespielt WÜRDE, dann wäre es immer noch besser als 99% von dem Müll, der ansonsten läuft." Wie wählt Elliott seine Cover-Versionen aus? Es fällt ja schon auf, dass er live immer wieder auf die selben Stücke zurückgreift, während er auf CD auch schon einmal obskureres Material aufnimmt. Dieses Mal z.B. einen Track von Neil Young namens "Bird" "Das Stück habe ich aus Respekt vor Neil aufgenommen", erläutert Elliott, "und auch, weil ich diese Melodie seit Jahren im Kopf hatte, aber nie herausbekommen konnte, von wem es war. Ich versprach mir also selber, dass, sollte ich es herausfinden können, ich es auch mal aufnehmen wollte. Es war schließlich Bruce Springsteen, der mich darauf brachte, dass es von Neil ist. Und was die Live-Covers betrifft: Ich spiele ja nicht IMMER dieselben Stücke. Aber wenn ich mal 'Gloria' spiele, dann auch mit ganzem Herzen. Wie anders soll das auch möglich sein? Das ist einer der größten Rock-Songs, die je geschrieben wurden. Ich werde niemals müde Songs zu spielen, die meine musikalische Erziehung in der Zeit geprägt haben, als ich 16 war und mir irgendwie verloren vorkam - wie 'Satisfaction' oder 'Like A Rolling Stone'. Weißt du, wenn ich meine eigenen Songs singe, dann schleppe ich immer eine Menge emotionalen Ballast mit mir rum, weil mir immer bewusst ist, was ich dachte oder wo ich war, als ich den Song schrieb. Aber wenn ich eine Cover Version singe, ist das pure Phantasie! Ich werde gleichzeitig zu einem Teil des Publikums wenn ich den Song vortrage!"
Elliott Murphy
Auf "Strings" befindet sich als Bonus-Track "Ground Zero" - Elliotts Kommentar zum 11. September. Warum in dieser Form und warum jetzt? "Eigentlich wurde 'Ground Zero' in Frankreich bereits letztes Jahr veröffentlicht - es gehört also gar nicht zu den 'Strings' Sessions'. Ich besuchte den Ground Zero und mich bewegten all die kleinen Zettelchen, die die Leute an den Wänden befestigt hatten und auf denen sie nach vermissten Angehörigen suchten. Das hat dir das Herz gebrochen! Aber es hat lange gedauert - vielleicht sechs Monate - bevor ich den Song schreiben konnte. Für mich war der Angriff auf das World Trade Center eine menschliche Tragödie - nicht ein politisches Ereignis oder eine Motivation, in den Krieg zu ziehen. Es war nur ein entsetzlicher Verlust." Wie sieht es denn mit dem lange angekündigten zweiten Teil von 'La Terre Commune', dem Projekt mit Iain Matthews aus? "Also, von mir aus ist das immer noch möglich", meint Elliott, "mit Iain zu singen hat so viel Spaß gemacht und er hat eine so tolle Stimme, die sich mit meiner wunderbar ergänzte. Aber ich fühlte, dass ich erst meine neue Scheibe machen sollte und Iain hatte auch noch andere Projekte - wir werden sehen." Und was hat Elliott Murphy als Nächstes auf Tasche? "Das Blues-Album, auf das die ganze Welt gewartet hat", scherzt Elliott, "'Murphy Gets Muddy'!"
Weitere Infos:
www.elliottmurphy.com
www.mysongwriters.com/ElliottMurphy/
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Elliott Murphy
Aktueller Tonträger:
Strings Of The Storm
(Blue Rose Records/In-Akustik)




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