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SPORTFREUNDE STILLER
 
Blind Date
Sportfreunde Stiller
Anstatt wie so viele andere den Fehler zu machen, auf dem "schwierigen dritten Album" mit dem Experimentieren anzufangen, verfolgen die drei Münchner Sportfreunde Peter Brugger, Florian Weber und Rüdiger Linhof lieber den einmal eingeschlagenen (Erfolgs-)Weg der beiden Vorgängeralben "So wie einst Real Madrid" und "Die gute Seite" (das der Band Top Ten-Platzierungen, eine goldene Schallplatte in Österreich und einen Echo einbrachte) weiter. Neu ist, dass der Sound auf "Burli" etwas mehr zu den Extremen (Pop und Punkrock) tendiert, altbewährt dagegen sind die (nicht selten radiotauglichen) Hymnen à la "Lauth Anhören" ebenso wie die eingestreuten Klamauk-Nummern wie "Ich Roque". Ein bisschen mehr musikalisches Risiko hätte der Platte vermutlich nicht geschadet, so kann man sagen: Sportfreunde bleiben Sportfreunde - und irgendwie ist das auch gut so. In Köln galt es für das Trio unlängst, beim Gaesteliste.de-Blind-Date wahren Sportsgeist zu zeigen.
* Tomte "Du bist den ganzen Weg gerannt" ("Hinter all diesen Fenstern", GHVC 2003)

Flo (nach relativ langer Zeit): "Klingt englisch...könnte aber auch Tomte sein!"

Rüde: "Ganz tolle Band, ich freue mich immer, wenn ich sie sehe. Das ist immer so eine Musik, wo man tatsächlich Arm in Arm dastehen und sich über die Texte freuen kann, und über die tolle Stimmung, die in der Musik steckt."

Flo: "Thees Uhlmann sieht auch aus wie Ansgar Brinkmann - das muss man auch mal festhalten! Er ist aber netter als der Ansgar!"

GL: Auf der Sportfreunde Stiller DVD gibt es Backstage Interviews u.a. mit Tomte, die sagen, dass ihr doch besser mal mit Swen Meyer (dem Tomte Produzenten) aufnehmen solltet, denn Spanien - dort, wo die Sportfreunde ihr Album eingespielt haben - versaue ja die Bands!

Peter: "Ja, Thees meinte sowas, dass Spanien den Rock kaputt mache... Wir sind eigentlich immer zufrieden, wie unsere Platten klingen, und ich finde es jetzt auch nicht so toll, wenn wir jetzt plötzlich klingen würden wie Tomte! Das wäre ja nicht so toll, wenn beide Bands gleich klingen würden...wobei der Swen Meyer sicherlich ein guter Mann ist, und der könnte dann womöglich unseren Sound so umsetzen, dass es dann auch nicht wieder wie Tomte klingt. Aber wir haben so viele Produzenten ausprobiert, und es ist einfach ein schwieriges Thema, und wir sind im Moment zufrieden und glücklich mit der Arbeit, die Uwe Hofmann macht und sahen keine Veranlassung, das zu ändern. Wir haben auch schonmal mit Olaf Opal und Mario Thaler gearbeitet, und es gibt halt irgendwie immer ein paar Punkte, die nicht so top sind, das ist bei allen Leuten so, und am glücklichsten waren wir bisher immer mit Uwe Hofmann."

Rüde: "Mir ist es auch lieber, an Kritikpunkten zu arbeiten, als alles über den Haufen zu werfen. Und bei der neuen Platte hat sich für mich zu meinem Wunschsound hin einiges geändert, es geht halt schon sehr in die Richtung, die wir uns vorgenommen haben, dass halt punkige Stücke punkig klingen, oder mehr krachen, und poppige Stücke poppiger sind, also die Extreme sozusagen, und das ist mir halt lieber, dass man sich zusammen auf einer gemeinsamen Basis etwas erarbeitet. Das soll jetzt aber nicht die Arbeit von Olaf Opal, Mario Thaler und all den anderen Produzenten schmälern, weil sie alle natürlich gute Produzenten sind - nur für uns hat's halt nicht so hingehauen. Was man auch noch sagen muss, ist, dass der Aufenthalt in Spanien für uns auch sehr wichtig ist. Wir haben dort halt zwei Monate, in denen wir abgeschlossen von allen Alltagssachen konzentriert arbeiten können. Ich glaube, wenn wir jetzt irgendwo in einer Großstadt aufnehmen würden, würde der Mark [Liebscher] doch wieder dazwischen kommen und uns eine Tour buchen, und so sind wir einfach fernab von allen und können uns ganz darauf konzentrieren, was wichtig ist."

* Turbonegro "Get It On" ("Apocalypse Dudes", Burning Heart, 1999)

Rüde: "Ach, verdammt...Social Distortion? Fuck, nein...das höre ich ständig..."

Peter: "Turbonegro!"

Rüde: "Turbonegro, verdammt! Ist das peinlich! Das ist mein Frühstücks-Sound, ich atme zurzeit zu dieser Musik im Takt, ich liebe diese Band! Das ist eine so unglaublich tolle Band, das war so ein Erweckungserlebnis genauso wie Soundtrack Of Our Lives vor drei Jahren, da ist so eine Energie drin..."

* Last Days Of April "Tears On Hold" ("If You Lose It", Bad Taste, 2004)

Rüde: "Peter, das ist doch was für dich, oder? Yo La Tengo oder sowas?"

Flo: "Koufax?"

GL: Nein. Mit der Band seid ihr schon auf Tour gewesen.

Flo: "Last Days Of April! Das ist aber ein neues Stück, oder?"

GL: Der Song stammt vom neuen Album "If You Lose It"...

Flo: "Der Karl, die Sau, war das! Hätte ich jetzt nicht erkannt..."

Peter: "Haben sich ganz klar von uns inspirieren lassen! Die Akkorde höre ich ganz klar heraus!"

Flo: "Apropos Akkorde: Mein Lieblingsstück von denen ist 'Aspirins And Alcohol', und ich habe mich mal nach den Akkorden informiert, und der Karl wusste selbst nicht, wie die Akkorde gehen, das sind nämlich Akkorde, die es gar nicht gibt, er konnte sie mir nur auf dem Griffbrett zeigen, aber da habe ich natürlich sofort abgewunken, denn ich kann ja nicht Gitarre spielen."

Rüde: "Beim Karl glaube ich aber auch nicht, dass er jemals soviel Alkohol getrunken hat, dass er Aspirin hätte nehmen müssen!"

Peter: "So dünn wie er ist, da reichen halt zwei Bier, um einen ordentlichen Schädel zu haben!"

Rüde: "Beim Karl reicht es schon, wenn er das Bier anschaut!"

Peter: "Nochmal zur Musik: Da wünschte ich mir manchmal, dass es halt einfach mal mehr abgeht, oftmals ist es einfach 'nur' schön..."

* Locas In Love "Lovesongs" ("Musica De La Concha", Hobby Deluxe, 2002)

Peter: "Evan Dando?"

Flo: "Roman Fischer? Olli Schulz?"

Rüde: "Fink?"

Peter: "Astra Kid? Virginia Jetzt?"

GL: Alles falsch. Das sind Locas In Love. Rüde hatte einen Song von Dackel 5 auf seinem imaginären Weihnachts-Tape - Dackel 5 und Locas In Love sind ja eng miteinander verbunden...

Rüde: "Ja, Dackel 5 ist ja auch wirklich sehr fein! Und das hat mir auch ganz gut gefallen!"

Peter: "Leider habe ich den Text jetzt nicht so gut verstehen können...denn bei deutschsprachiger Musik sind für mich die Texte sehr wichtig."

* Roman Fischer "Bigger Than Now" ("Outtakes", Blickpunkt Pop, 2003)

Flo: "Roman Fischer! 'Bigger Than Now'!"

Rüde: "Ja, der Roman sollte mal daran arbeiten, nicht direkt nach dem ersten Bier zu kotzen und grün anzulaufen! Das ist mal wichtig! Aber wir nehmen ihn in die Schule, weil wir nämlich erst nach zehn Bier kotzen! Harharhar..."

Flo: "Ein hervorragender Songschreiber, für seine...wie alt ist er? 16, 17, 18 Jahre? Der wird bestimmt mal ein sehr anerkannter und guter Musiker!"

Peter: "Meines Erachtens der Podolski der deutschen Gitarrenmusikszene!" (Lukas Podolski, hoffnungsvolles Nachwuchs-Talent beim 1. FC Köln)

Flo: "Was dem Roman jetzt fehlt, ist eine handfeste Band, mit der er das live auch entsprechend umsetzen kann, denn bisher ist er immer nur alleine mit Gitarre aufgetreten. Soviel ich weiß, sucht er gerade nach der optimalen Besetzung..."

Peter: "Ich habe mal mit ihm gespielt, ich saß am Schlagzeug und habe ihm sein Konzert versaut - was mir jetzt im nachhinein leid tut!"

* Ryan Adams "Wonderwall" ("Love Is Hell", Lost Highway, 2003)

Rüde: "Wer covert denn das?"

Flo: "Bob Dylan?"

Peter (entsetzt): "Bob Dylan covert doch nicht Oasis!"

GL: Ein kleiner Tipp: Ein Landsmann aus Amerika.

Flo: "Ist das der Ryan Adams? Ich mag den ja nicht so...ich weiß nicht, ob ich den nicht mag, weil mir die Musik nicht so liegt, oder weil ich schonmal gehört habe, dass er ziemlich unangenehm sein soll, wenn man den z.B. auf Konzerten bucht. Aber vielleicht gehe ich ja auch zu weit und darf mir kein Urteil erlauben."

Peter: "Ja, ich fand' dieses 'New York, New York' fein, ein schönes Lied, ansonsten ist der an mir vorbeigewandert."

Rüde: "Dieses Cover hat mir ehrlich nicht gefallen - aber es ist auch ziemlich gefährlich, 'Wonderwall' zu covern. Das ist ja eh schon so ein Mega-Lied und dann sollte man eigentlich die Finger davon lassen. Mir selbst macht es aber auch Spaß, Song zu covern. Ich selbst habe aber ein Problem damit, wenn wir als deutschsprachige Band englische Lieder singen. Das taugt einfach nichts - das sollen Leute machen, die es kennen oder können, ich mag das nicht. Aber es hat immer sehr viel Spaß gemacht, mit Readymade englische Lieder auf deutsch zu covern."

Flo: "Es kommt ganz darauf an, wie man's macht! Ich finde, Cover-Songs sollten eine Verneigung vor dem Künstler bzw. dem Original sein, und es gibt natürlich hier Beispiele aus der Dance-Szene, wo Sachen gecovert werden, denen müsste man eigentlich links und rechts eine über'n Kopf ziehen! Das ist doch nur noch Verarsche, und Vermarktung. Covern aus Profit. Man sollte den Künstler echt toll finden und auf tolle Art und Weise das entsprechend umsetzen."

Peter: "Ich fand' die Umsetzung von Preluders von 'Losing My Religion' schon einmalig! Das war eine musikalische Offenbarung für mich. Aber auch tänzerisch..." (Peter kann sich sein Grinsen kaum verkneifen und beginnt, Tanzfiguren nachzumachen...)

Flo: "Stärkstes Cover, meines Erachtens: Quicksand covert 'How Soon Is Now?' von The Smiths!"

Peter: "Tolle Cover-Version, meines Erachtens: Eißfeldt covert Nena! Oder Travis covern Britney Spears! Das war auch super! Kalle Rummenigge deckt Paul Breitner!"

Flo: "Billy Talent covern live 'Waiting Room' von Fugazi - das ist auch sehr gefährlich. Ich liebe Billy Talent, aber die spulen diesen Songs 1:1 runter. Man sollte schon seinen eigenen Charakter mit einbringen. Und von 'Waiting Room' sollte man eigentlich auch die Finger lassen!"

Rüde: "'Waiting Room' finde ich, ist so ein Lied, das sollten auch neue Leute, junge Hörer hören. Das ist ein potenzielles Lied für die Vergessenheit, dann finde ich es toll, wenn so eine Band dieses Lieder wieder aufnimmt. Blöd fände ich es, wenn es die Preluders covern würden!"

* Survivor "Eye Of The Tiger" ("Rocky III" Soundtrack, EMI Capitol, 1982)

Rüde: "'Eye Of The Tiger'!"

Flo: "Ich wollte schon 'Rocky' sagen! Das habe ich z.B. immer im Ohr gehabt, wenn ich beim Joggen war. Im Olympia-Park Schattenboxen, und dann hoch die Treppen und die Arme in die Höhe!"

Rüde: "Das ist ein Lied, das ich damals so mit 14 immer gehört habe, zusammen mit meinem damaligen Freund Dino Kitzinger, als er seinen Sylvester Stallone Mailorder-Fanartikel-Versand hatte. Er war damals auch mein Held, denn von den Einnahmen konnte er sich einen Flipper leisten, den er sich in's Zimmer gestellt hat. Aber nach drei Monaten musste er das Ding wieder abgeben, weil die Stromrechnung einfach zu hoch war...wir haben damals versucht, über die Auslands-Auskunft Sylvester Stallones Telefon-Nummer herauszubekommen, aber die Frau von der Auskunft hat einfach aufgelegt..."

* Nada Surf "Why Are You So Mean To Me?" ("Proximity Effect, Elektra, 1998)

Flo: "Nada Surf! 'Why Are You So Mean To Me?'! Meines Erachtens ist die zweite Nada Surf-Platte die beste. Die erste ist ja rockig und eher so Highschool-Sound, die zweite finde ich einfach rundum toll mit ihren traurigen aber auch euphorischen Melodien, und die dritte ist eher so schön."

Rüde: "Ich liebe diese Band, und ich freue mich so, dass sie mit uns zwei Konzerte auf der Tour spielen werden! Die haben sowas ganz Besonderes, Persönliches, so einen eigenen Charakter, ich nehme denen irgendwie alles ab, was die so machen, und bin immer erfreut, wenn ich die Stimme höre."

GL: Nada Surf kommen ja jetzt nur für diese beiden Konzerte rüber - wie ist es denn dazu gekommen?

Peter: "Naja, wir haben uns halt so überlegt, wen wir denn in der Olympiahalle gerne als speziellen Gast dabei hätten, und dann haben wir halt so ein paar Bands aufgelistet - und Nada Surf wollten es machen, und wir sind auch sauglücklich darüber!"

Flo: "Ja, das waren heiße Wunschkandidaten, und sie sind auch prompt darauf eingestiegen. Da sind wir sehr stolz und glücklich. Ich kaufe mir ein T-Shirt von denen!"

Rüde: "Und jetzt sind wir mit denen hier und da im eMail-Kontakt und werfen eMail-Küsschen über den Teich!"

GL: Ein paar Konzerte werdet ihr ja mit Franz Ferdinand spielen...

Flo: "In England sind sie ja der ganz große Renner...ich weiß jetzt nicht so ganz, was ich davon halten soll, aber englische Musik beschäftigt mich persönlich nicht so sehr...Peter, du findest das doch super, oder?"

Peter: "Ja, ich find's halt toll, dass die in England ihre Bands feiern! Wenn in Deutschland mal etwas mehr über eine Band geschrieben wird, hört man aus bestimmten Kreisen ein großes Stöhnen, und die werden dann sofort wieder runtergeholt, so nach dem Motto: Das ist schon wieder eine Sache von zu vielen Menschen, die sich dafür interessieren, also ist es Scheiße. Und daran sollte sich mal was in Deutschland ändern! Man sollte froh sein, dass es tolle Bands gibt und die hochheben."

Rüde: "In Deutschland ist halt die Top-5 von Dieter Bohlen produziert, und in England kommt halt so eine Band wie Franz Ferdinand auf Nummer zwei und The Darkness auf Nummer eins - das zeigt halt auch, dass die eine in irgendeiner Sicht künstlerisch offenere Landschaft haben..."

Peter: "Andererseits kommt der DJ Ötzi auch auf eins!"

Rüde: "Ja, das stimmt natürlich auch. Aber es gibt halt an englischen Bands einfach eine größere Vielzahl, die Erfolg hat, und das finde ich halt schon sehr toll. Fände ich auch toll, wenn in Deutschland auch mehr Bands erfolgreich wären, die halt aus unserem Land kommen, wie Wir sind Helden oder allgemein die deutsche Musikszene, die immer erfolgreicher wird."

* Max Raabe & Das Palastorchester "Oops I Did It Again" ("Superhits präsentiert vom Palast Orchester", RCA, 2001)

Flo: "50 Cent? Tenacious D?"

Peter: "Nein! Das ist Max Raabe!"

Flo: "Genau! Sehr lustig! Max Raabe war lange Zeit unser Intro bei Konzerten, da haben wir immer 'We Will Rock You' laufen lassen - das war sehr lustig, weil die ganzen Leute im Saal schon ordentlich dabei abgegangen sind. Das ist schon lustig, was der da macht - eine clevere und innovative Art, Cover-Songs zu machen."

Weitere Infos:
www.sportfreunde-stiller.de
Interview: -David Bluhm-
Foto: -Pressefreigaben-
Sportfreunde Stiller
Aktueller Tonträger:
Burli
(Motor Music/Universal)




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