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SONS OF JIM WAYNE
 
Kein Nachtisch
Sons Of Jim Wayne
Sie haben es wieder getan: Stefan Kullik und Bernd Uebelhöde haben wieder in die Saiten gegriffen und eine neue Scheibe mit - nun ja - Ruhrgebiets-Americana aufgenommen. Wobei das meint, dass das Herz aus dem Ruhrgebiet und die Musik aus den Appalachen kommt. Das passt schon irgendwie. Vergleicht man aber diese neue CD mit den Vorgängern (denn auch die Jim Wayne Swingtett-Scheiben muss man ja dazu zählen) fällt zunächst einmal auf, dass - obwohl im Prinzip das Konzept das gleiche blieb - alles viel smoother läuft als bislang. Haben die beiden etwa heimlich geübt?
"Da wir immer nur zu zweit auftreten, dürfen wir uns keine Fehler erlauben", erläutert Stefan Kullik, "wenn man in einer Band in Vollbesetzung ist, kann man den ein oder anderen Ton schon mal kaschieren, aber nicht als Two-Piece-Band. Diese konzentrierte Bühnenarbeit hat sich auch bei den Aufnahmen zum neuen Album bezahlt gemacht. Wir haben fünf Uralt-Neumann-Mikrofone um uns aufgestellt und die Songs instrumental eingespielt. Dadurch sind die Lieder vielleicht nicht alle auf dem 'Click', haben dafür aber eine Dynamik, die sie sonst wahrscheinlich nicht hätten. Es liegt also grundsätzlich an unserer gereiften Live-Performance." Auf der neuen Scheibe wirken ja auch einige illustre Gäste mit - Jason Loewenstein von Sebadoh, Oliver Welter von Naked Lunch, Gebhardt & Hagfors von H.G.H. und Motorpsycho oder Chris Colborn von Buffalo Tom. Haben die denn etwas mit dem runderen Gesamtbild zu tun? "Die Gäste haben eher weniger damit zu tun", meint Stefan, "'Flowers' war noch mit meinem alten 4-Spur-Rekorder aufgenommen; 'Babies Back Home' ein Session-Überbleibsel und die Basis von 'Dyna & Mite' hat Herr Loewenstein in Brooklyn aufgenommen. Sie haben also nahezu nichts mit der Produktion der anderen 13 Songs zu tun." Wenn schon Gäste eingeladen wurden, warum dann eigentlich nicht auch ein Drummer? Besteht nicht die Gefahr, später zu bereuen, die Songs NICHT - zumindest teilweise - mit einer vollen Rhythmusgruppe eingespielt zu haben? "Wir wollen auf Platte das präsentieren, was wir auch auf der Bühne zu leisten im Stande sind", erklärt Stefan kategorisch, "bei jedem Song liegen die Hauptspuren, die wir auch live spielen, im Vordergrund. Wir hätten die Songs bis ins Unendliche aufblasen können, wollten dies aber nicht, weil wir uns an unserem Live-Dasein orientieren. Live ist nun mal auch kein Drummer dabei. Den Beat machen wir dann per Gitarre oder Mandoline. Einige Songs, z.B. 'Parking Lot', sind mit dem Schlagzeug auch unmöglich zu begleiten. Dann hätte man den Song umarrangieren müssen und es wäre nicht mehr die Idee gewesen, die wir von dem Song hatten. Später bereuen? Wenn eine Platte fertig ist, findet man immer etwas, was man hätte besser machen können. Ich hatte allerdings noch nie das Gefühl, uns würde ein Schlagzeug fehlen. Vielleicht machen wir später mal Rockversionen von einigen Versionen mit Schlagzeug. Allerdings sind alle Schlagzeuger, die ich kenne, verrückt und auf Dauer nicht auszuhalten." Wie kamen denn eigentlich die Kontakte zu den Gästen zustande? "Mit Jason Loewenstein bzw. Sebadoh haben wir 1999 eine Tour zusammen gespielt. Wir sind menschlich so ziemlich auf einer Welle und haben ständig Kontakt gehalten", erinnert sich Stefan, "als Jason mir erzählte, dass er sein Herz für Bluegrass entdeckt hatte und auch schon Shows unter dem Pseudonym 'Ramblin Jake & The Snakes' gegeben hat, kam die Idee, vielleicht mal was zusammen zu machen. Irgendwann hatte ich dann seine Tracks in Datenform vorliegen. Es lag ein Zettel dabei, auf dem stand: 'Sing doch mal was darauf'. Mit den Norwegern von H.G.H. haben wir im letzten Jahr in Bremen gespielt. Wir fanden heraus, dass wir die gleiche Liebe zu alternativen Aufnahmesituationen haben. Sie haben ihr erstes Album mit einem Mikro auf einer Hütte aufgenommen und ihr letztes Album haben sie in Hotelzimmern nach ihren Shows aufgenommen. Als ich ihnen sagte, dass ich einen Song auf 4-Spur aufgenommen hätte, der gut zu ihnen passen würde, sagten sie sofort zu. Das Ergebnis zeigt, dass wir tatsächlich die gleiche Herangehensweise an Musik haben. Chris Colbourn ist ein Freund, den ich seit 1989 kenne. Wir haben uns auf der ersten Buffalo Tom-Tour kennengelernt und ich habe einmal zwei Wochen bei ihm zuhause verbracht. Wir beide haben wunderbare gemeinsame Erinnerungen und es war irgendwie zwangsläufig ihn zu fragen, ob er nicht mit dabei sein will. Oliver Welter ist ebenfalls ein alter Kollege, der auch immer wieder in meiner Heimatstadt Waltrop auftaucht (weil auch Olaf Opal dort wohnt) und wir ein Bierchen zusammen schlürfen. Bei dem Song 'Best Make Up...' fehlte ein Geigenarrangement und da Oliver der perfekte Mann für so was ist, haben wir in kurzerhand gefragt und ihm die Spuren des Songs geschickt. Er kannte den Song auch schon, fand ihn super und hat ihn wunderbar veredelt. Allerdings darf man unsere ständigen Gäste, wie Klaus Uebelhöde, Thomas Ostermann, Tiep Typsen, Tonya Zülch und Ariane Breuker nicht vergessen, die uns mit ihrem Herzblut unterstützen. Der technische Ablauf bei unseren internationalen Gästen war immer gleich: Eine CD mit den einzelnen Spuren wurde verschickt; die Gäste gaben ihre Spuren hinzu und schickten eine CD zurück, so dass wir sie mischen konnten."
Abgesehen von den Gästen: Was lief denn dieses Mal anders ab und inwiefern? "Wir haben uns eine lange Planungszeit für diese Platte eingeräumt", erinnert sich Stefan, "alleine das Hin-und-Herschicken der Tracks nach Norwegen, Boston, Brooklyn und Klagenfurt benötigte seine Zeit. Bei den Aufnahmen selbst haben wir einfach nur schöneres Wetter als bei den letzten Aufnahmen gehabt und noch mehr versucht, den Raum der Musik einzufangen. Wir hätten die Möglichkeit gehabt, die ganze Platte in einem namhaften Studio (umsonst) mastern zu lassen. Darauf haben wir aber verzichtet, weil dies die Songs nur noch mal komprimiert hätte und wir wollten lieber den Dreck und den Fingernägeln knirschen hören. Außerdem hat unsere 'drittes' Bandmitglied Oliver Zülch als Produzent ein unheimlich gutes Gefühl dafür entwickelt, wie wir klingen und wir er es umsetzt. Er ist ein großartiger Mann an den Reglern, der eine klare Sprache spricht und genau weiß, wo er hin will und er steuerte das Sons-Schiff sicher in den Hafen. Olli hat schon an vielen großen Produktionen mitgearbeitet (u.a. die letzte Tote Hosen, Scorpions, The Wohlstandskinder, Winson, und, und, und...). Von ihm wird man in den nächsten Jahren noch viel hören. Neben seinen technischen Fähigkeiten hat er ein wahnsinniges Musikgefühl." Was will uns der Titel der CD sagen? Woher kam der, und wo ist da die Verbindung zur Musik? "Der Song 'Best Make Up Is A Smile' war zuerst da und wir fanden beide, dass hier im Land der langen Gesichter ein Aufruf dieser Art nicht schaden könnte", erklärt Stefan, der als Waltroper in Dortmund weiß, wovon er spricht, "wir selbst wollen uns auch bemühen, in diesem Jahr mehr zu lächeln. JEDER Mensch sieht besser aus, wenn er lächelt. Der Song selbst bezieht seine Inspiration aus einem alten Smokey Robinson-Song, in dem es heisst: 'My smile is my make up I wear since I break up with you' ('Tracks Of My Tears'). Diese Textzeile brachte mich zum Nachdenken und da ich schon immer fand, dass ungeschminkte Lippen viel schöner sind als bemalte, kam zum Schluss dieses Stück und dann auch der CD Titel dabei rum."
Sons Of Jim Wayne
Wie definieren sich "Bonus Tracks" auf einer CD? Gibt es diese auch ohne Bonus-Tracks? Wenn ja, warum nicht? "Nur die Erstauflage ist mit diesen Bonusstücken versehen. Wer zu spät kommt, der bekommt auch keinen Nachtisch", warnt Stefan, "außerdem sehen wir die Bonus Songs als wirklichen Bonus und nicht als Teil des Son'schen Universums. Es ist schon fast ein kleines Seitenprojekt. Viele Bands gehen den umgekehrten Weg: Sie bringen erst ihre 'einfache' CD raus und später, wenn die Anfangseuphorie bei den Käufern nachlässt, eine CD mit Bonustracks oder DVD nachzulegen und den Erstkäufer evtl. sogar zum Kauf einer zweiten CD zu veranlassen. Wir bedienen unsere treuen Fans lieber zuerst. Dann können sie sagen: 'Pah, ich habe die mit den Bonustracks. Ich kannte sie halt damals schon'." Es gibt ja eine ganze Menge Hölle, Regen und Tränen auf der neuen Scheibe. Woher kommen denn die? Ist das Technik oder Inspiration? "Die Songs, die du ansprichst, sind von größtenteils von Bernd", erklärt Stefan, "für ihn war das Jahr 2003 ein eher schwarzes Jahr. Seine Mutter hatte eine schwere Herzoperation und einige andere Unwegsamkeiten haben die Songs etwas dunkler ausfallen lassen. Andererseits sind die Songs niemals hoffnungslos und mit 'Eat, Drink, Go Fishing' haben wir auch einen 'Happy Song' im Tracklisting. Insgesamt ist es für uns einfacher, über tragische Situationen zu berichten. Wahrscheinlich liegt das an der allgemeinen Stimmung dieser Tage oder dem ewigwährenden Ruhrpottregen. Wenn wir von Shows nach Hause zurückkehren und es anfängt zu regnen, dann wissen wir, dass wir bald zuhause sind." Gibt es bei euch eigentlich Songs, die von den Texten beeinflusst werden, oder werden diese nachher zur Musik hinzukomponiert? "Zu 90% haben wir ein Thema und spielen es vor uns hin bis einer anfängt, auf den Song lyrisch zu freestylen", räumt Stefan ein, "irgendwann taucht dann ein Schlüsselsatz auf und der Text wird darauf umgeschrieben. Der musikalische Background gibt eine Stimmung ab, die es gilt lyrisch zu manifestieren." Was ist denn für die Sons die größte Errungenschaft der neuen CD? "'Best Make Up Is A Smile' gibt ein viel geschlosseneres Bild ab als es der Vorgänger 'Sweet Madonna' tat", erklärt Stefan und hat damit zweifelsohne recht, "es lässt sich eine intensiveres Zusammenspiel feststellen. Dies kommt ganz klar von unseren Live-Performances. Während unser Debüt eher einen Collagencharakter besitzt, hinterlässt die neue Scheibe eine gewisse Stimmung nachdem man sie ganz gehört hat. 'Best Make Up...' ist eine wirklich gute Scheibe für lange Autobahnfahrten. Sie lockert das Denken." Und was gilt es als Nächstes zu erreichen? "Ich habe das Gefühl, als würde die nächste Aufnahme eine echte 'High Speed'-Recording werden. Wir haben jede Menge schnelle Songs im Schrank, die danach schreien, rausgelassen zu werden. Des weiteren würden wir gern einmal auf einem Soundtrack vertreten sein und unseren Tourraum langsam in Richtung Norwegen erweitern. Österreich und die Schweiz haben wir ja schon bei dieser Tour auf dem Laufzettel." Nun. Nachdem Stefan ungefähr in jedem Satz auf die Live-Qualitäten des Duos hingewiesen hat, bleibt eigentlich nur noch zu erwähnen, dass die Sons Of Jim Wayne ihre neue Scheibe natürlich auch umfangreich auf der anstehenden, selbstredend ausufernden und von Gaesteliste.de präsentierten Tour darbieten werden. Man wird da also hingegen müssen. Das ist ein Befehl!
Weitere Infos:
www.sonsofjimwayne.com
www.jimwayneswingtett.yi.org
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Sons Of Jim Wayne
Aktueller Tonträger:
Best Make Up Is A Smile
(Warehouse/Indigo)




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