Gaesteliste.de Internet-Musikmagazin



SUCHE:

 
 
Gaesteliste.de Facebook RSS-Feeds
 
Interview-Archiv

Stichwort:





 
BERND BEGEMANN UND DIE BEFREIUNG
 
Talentiert!
Bernd Begemann und Die Befreiung
"Diesmal stimmt alles!" Das war begeisterte Fazit, was der Webmaster von Bernd Begemanns Homepage zog, als er zum ersten Mal die Songs von "Unsere Liebe ist ein Aufstand", dem dieser Tage erscheinenden Album Begemanns und seiner neuen Band Die Befreiung, hörte. Er hat Recht. Schlitterte der elektrische Liedermacher in den letzten Jahren mit vielen seiner Platten knapp am großen Wurf vorbei, ist ihm der nun gelungen. Und das, obwohl das neue Werk nach dem Sommer-Pop-Album "Endlich" im letzten Juni und dem feinen Country-Abstecher "This Road Doesn't Lead To My House Anymore" zusammen mit Dirk Darmstaedter im November bereits sein drittes Album binnen Jahresfrist ist. "Unsere Liebe ist ein Aufstand" ist nicht nur voll gestopft mit dynamischen Powerpopsongs wie dem Titeltrack oder der Single "Ich habe nichts erreicht außer dir" und den Begemann-typischen, herzergreifenden Balladen à la "Wir träumen von Liebe".
Als Gaesteliste.de Begemann kürzlich in der Teeküche seines neuen Labels Grand Hotel Van Cleef in Hamburg traf, musste einfach die Frage erlaubt sein: Wie macht er das eigentlich? "Mit Talent", antwortet er lachend. "Ich habe darüber viel nachgedacht, und ich denke, Talent ist mein größtes Problem, weil es mich davon abhält, meine Sachen stromlinienförmiger zu gestalten. Wenn man nur ein bisschen Talent hat, macht man alle anderthalb Jahre die perfekt Platte für genau das Publikum, das man sich vorstellt. Das kann ich offensichtlich nicht." Trotzdem war er an der perfekten Begemann-Platte nie so nah dran wie dieses Mal. "Ich wollte, dass die Songs zusammengenommen eine Geschichte erzählen. Es sollte ein unsentimentaler Blick auf Romantik sein", erklärt Begemann die Idee hinter den 12 Songs, die nicht nur das Begemann'sche Songschreiber-Talent, sondern vor allem auch die Qualitäten seiner Mitstreiter gekonnt ins rechte Licht rücken. Ärgert sich Begemann ob der großartigen Band - Achim Erz (Schlagzeug), Ben Schadow (Bass), Kai Dohrenkamp (Tasten) - nicht heute manchmal, bestimmte Songs in den letzten Jahren solo aufgenommen zu haben? "Nee. Marcus vom Grand Hotel hat allerdings gesagt: 'Du Idiot, warum hast du 'Fernsehen mit deiner Schwester' oder 'Ego Shooter' nicht mit einer Band aufgenommen'? Der Grund: Ich hatte keine Band! Es hat echt lange gedauert, die Musiker für Die Befreiung zu finden. Ich hab echt die peinliche, erniedrigende Aktion gebracht und Zettel in Musikgeschäften ausgehängt. Daraufhin haben sich 80 Leute gemeldet, und ich sage dir: Das war kein Spaß!" Welche Qualitäten muss man denn mitbringen, um in der Bernd-Begemann-Band mitmachen zu dürfen? "Das, was die haben, die jetzt dabei sind... Sie sind auf jeden Fall unglaublich musikalisch. Unser Keyboarder kann jedenfalls mehr Akkorde als ich. Der Schlagzeuger muss vor allen Dingen swingen. Das können viele Rockschlagzeuger nicht. Und sie müssen die Lieder verstehen. Viele Musiker können das nicht, weil sie in einer Zeit der Patchwork-Songs und Drumloops groß geworden sind."
Und natürlich ist der Bassist der Band ebenso wichtig wie die zwei bereits erwähnten Herren an Tasten und Schlagzeug. "Ben hat einen sehr wichtigen Beitrag zu der Platte geleistet, denn ich bin in Urlaub gefahren, bevor die Platte fertig war. Ben hat dann einige sehr gute Gitarren, die jetzt auf der Platte zu hören sind, gespielt. Und für zwei Stunden war auch Dennis, der Gitarrist von Marr, im Studio. Vielen Dank dafür!" Soll das heißen, dass Die Befreiung auf die Demokratie zusteuert? "Ich glaube ja! Ich könnte mir vorstellen, dass es bei den nächsten Aufnahmen ist wie in dem Prince-Film 'Purple Rain', wo er dann auch mal eine Komposition seiner Keyboarderin aufgenommen hat. Das kann ich mir auch vorstellen. Wieso nicht?" Allen Demokratie-Gedanken zum Trotz ist "Unsere Liebe ist ein Aufstand" - der Erstauflage liegt übrigens eine weitere CD mit 11 Livesongs bei - vor allen Dingen ein Album, das Begemann selbst gefällt. "Ich höre die Platte jeden Tag. Das ist peinlich, aber das tue ich wirklich", gibt er zu. "Ich mache meine Platten in erster Linie, um sie selbst zu hören. Das ist meine Hauptmotivation! Genauso schreibe ich Lieder, weil sie mir fehlen - weil ich ein bestimmtes Gefühl, das mir wichtig war, nicht auf der CD von jemand anders wiederfinden kann. Dann denke ich, dass ich mein Leben nicht auf die Reihe bekomme, wenn ich nicht ein Lied schreibe über das, was war. Ich höre die Platte jeden Tag, und ich freu mich jedes Mal wieder darüber, wie gut die Band ist. Ben spielt so muskulös, aber trotzdem swingt es. Er spielt auch immer Melodien, denen man folgen kann. Das ist alles so klug! Dann der harmonische Reichtum, den Kai einbringt, und die genialen Solos, die er spielt, und es gibt auch so wenig gute Schlagzeuger, die dramaturgisch spielen, aber gleichzeitig grooven." Durch die Tourerfahrung, die das Quartett letztes Jahr schon gesammelt hat, herrscht inzwischen fast ein blindes Verständnis bei der Befreiung! "Das ist wirklich im Moment die perfekte Band. Ich spiele ein Lied, die Jungs steigen ein, und dann können sie's nach zwei, drei Mal! Dann kommt allerdings auch die Banddemokratie zum Tragen, denn es gibt einige Lieder, die haben ihnen nicht gefallen. Zum Beispiel 'Deine schwulen Freunde', ein Lied, das ich wirklich lustig finde. Aber wenn die Jungs dann sagen: 'Wir glauben, das geht nicht, Bernd', dann sehe ich das ein."
Bernd Begemann und Die Befreiung
Was nicht heißt, dass alle Lieder des neuen Albums brandneu sind. "Lebendig begraben" ist schon seit eigenen Jahren ein sicheres Live-Highlight, und ein Song ist sogar noch viel älter. "'Es wird noch ein sehr schöner Tag werden' habe ich schon als Teenager geschrieben", erklärt Begemann. "Das Lied ist inspiriert von einem sehr guten Budd-Boetticher-Western mit Randolph Scott, der damals im Fernsehen lief. Da gibt es ganz viele Tote in einer Wüste, und der letzte Satz, den Randolph Scott als Cowboy zu der überlebenden Frau sagt, ist: 'Es wird noch ein sehr schöner Tag werden!' Ein brillanter, existenzialistischer Film aus den 50ern! Der Film hat mich sehr inspiriert. Ich singe das Lied jetzt so, als würde ich das heute zu jemandem sagen und es meinen. Aber Lieder trägt man lange mit sich herum, und ich finde, dass sie dadurch besser und bedeutungsvoller werden. Ich nehme sie mit mir durch mein Leben, und mit jedem Schritt laden sie sich auf." Da darf man unterstellen, dass sie nicht selten autobiografisch gefärbt sind, was uns zu der abschließenden Frage bringt, auf wen denn die letzte Nummer des neuen Albums, "Unsere Band ist am Ende", gemünzt ist? "Auf alle", antwortet Bernd. "Ich habe so viel Elend gesehen in Hamburger Proberäumen. Nicht nur in meinem, sondern auch nebenan!"
Weitere Infos:
www.bernd-begemann.de
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Felix Gebhard-
Bernd Begemann und Die Befreiung
Aktueller Tonträger:
Unsere Liebe ist ein Aufstand
(Grand Hotel van Cleef/Indigo)




Bernd Begemann und Die Befreiung

 
 

Copyright © 1999 - 2017 Gaesteliste.de

 powered by
Expeedo Ecommerce Dienstleister

Expeedo Ecommerce Dienstleister