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STELLA
 
Das moderne Gefühl
Stella
Fast vier Jahre hat sich die Hamburger Band Stella Zeit gelassen, um einen Nachfolger zum hochgelobten Album "Finger On The Trigger For The Years To Come" einzuspielen - vier Jahre, in denen einiges passiert ist, denn konnte man auf "Finger..." noch einen wahnwitzigen Stilmix vorfinden, überraschen uns Elena Lange, Thies Mynther, Mense Reents und Hendrik Weber auf dem neuen Album "Better Days Sounds Great" mit eher poppigen Rock-Songs - die elektronischen Elemente sind zwar nach wie vor vorhanden und deutlich zu hören, doch der Gesamt-Sound versprüht einen größeren Band-Bezug. Rock, Pop und Dance-Musik - alles in einer angenehmen Melange.
Angesprochen auf die letzten Jahre und das allgemeine Wohlbefinden meinte Elena Lange im Gaesteliste.de-Interview: "Wir freuen uns auf jeden Fall, weil wir natürlich in den letzten dreieinhalb / vier Jahren nichts mit der Band herausgebracht haben, nur auf Tour gewesen sind - was natürlich auch großartig war -, aber eine neue Veröffentlichung bedeutet dann wiederum neue Songs, und neue Songs sind für's Livespielen gut. Da ist also wieder dieser berühmte Kreis, der sich schließt. Wir proben momentan die neuen Stücke mit der Band ein, und da gibt es durchaus Songs, die wir bisher noch gar nicht mit der Band gespielt haben - 'Going Back To School' zum Beispiel ist komplett am Computer entstanden, natürlich mit Sachen, die wir selbst gespielt haben, aber eben nicht als Band. Das ist schon sehr spannend. Bei den Proben fließen dann auf immer wieder neue Elemente in die Songs ein, denn wir sind eine Band, die nie die Stücke so gespielt hat, wie sie auf Platte klingen." Jetzt gibt es neben den "normalen" Stücken auch dance-orientiertere Sachen im Repertoire von Stella - hat man denn inzwischen die Technik im Griff, die elektronischen Elemente entsprechend live zu präsentieren? "Wir haben einfach kein Interesse daran, das, was wir im Studio gemacht haben, auf der Bühne zu reproduzieren - denn wir sind ja auch eine Band, die mit Tanzmusik bzw. rhythmusbetonte Musik arbeitet, und wir wollen einfach versuchen, es alles zusammenzufassen, so wie es auf der Platte z.B. nicht ist", berichtet Elena, bevor Hendrik Weber hinzufügt: "Es gibt ja auch recht knackige Rock-Band-Stücke - viele Songs sind einfach straight mit der Band geprobte Stücke, die einfach laufen, deswegen findet der elektronische Teil in unserem Set eher im zweiten Teil des Konzerts statt, und dort ist das alles auch mittlerweile eher selbstverständlich, wenn bestimmte Leute zum Instrument greifen, der Beat läuft, oder andere dann zum Mikrofon gehen und singen, so dass sich dort auch ein Wechsel auftut und alles interessant bleibt - für uns und für die Zuschauer."
Interessant dürfte auch der geneigte Zuhörer die neue Platte dahingehend finden, dass dort zum ersten Mal so etwas wie ein richtiger Stella-Band-Sound zu hören ist - war die Stilvielfalt auf den Vorgänger-Veröffentlichungen doch eher zusammengewürfelt, klingt die neue Platte wie aus einem Guss, was vor allem den allgemeinen Sound betrifft. "Es gab tatsächlich mal einen ursprünglich einen Plan, solch einen Band-Sound zu kreieren, vor allem dadurch, dass wir als Rock-Musiker oder als Instrumentalisten versierter geworden sind, und dadurch auch einfach mehr spielen im Proberaum und nicht nur sozusagen dem Computer die Arbeit zu überlassen, sondern wirklich handgemacht spielen", meint Elena. "Das hatte aber absolut nichts damit zu tun, dass jetzt vielleicht einige andere Bands auf den Plan getreten sind, die mit ihrer handgemachten Rock-Musik so erfolgreich sind, die Strokes oder White Stripes zum Beispiel. Wir hatten einfach mehr Lust dazu, unsere Instrumente zu spielen - und das ist dann in die neuen Stücke mit eingeflossen. Aber das ist eben nur eine Seite bei uns - auf der anderen Seite interessiert uns die Produktion eines Albums auch sehr, das Programming auch selber machen wollen, dabei entstehen dann auch die rein elektronischen Stücke." - "Es ging auch noch darum, als wir anfingen, an der neuen Platte zu arbeiten, dass man sich überlegt hat, man geht in ein Studio und hat die Stücke eben schon durcharrangiert und fertig und kann die spielen. Bei der letzten Platte war es tatsächlich so, dass es zwar ein paar Stücke gab, die fertig waren, aber der Großteil der Stücke wurde dann nochmal auseinandergepflückt am Computer und wieder neu zusammengesetzt. Das ist bei der neuen Platte eben weniger passiert", erläutert Hendrik die Vorgehensweise. Anfänglich soll die Platte laut Aussage der Band noch eher rockig gewesen sein, seien dann aber mit der Zeit doch eher in Richtung Pop abgedriftet. Elena: "Wir sind ja eigentlich schon immer eine Pop-Band gewesen, die Rock-Instrumente spielt, das hat sich auch nicht geändert, auch wenn man sich etwas anderes vorgenommen hatte." Hendrik: "Wir sind auch eine Band, die sich immer gerne selber überrascht. Dadurch tritt man dem Entstehungs-Prozess an sich auch aufgeschlossener gegenüber und wir entwickeln schon recht früh ein Gespür dafür, in welche Richtung sich die Platte entwickeln wird. In Endeffekt hat sich das dann auch herauskristallisiert als die Stücke ausgewählt wurden - da gab's dann z.B. eine eher rockigere Zusammenstellung und die eher poppigere Richtung. Beide Seiten sind halt diesmal ausgereifter, finde ich zumindest."
Stella
1996 erschien die erste Stella-EP, jetzt ist also fast die 10-Jahres-Marke erreicht - eine lange Zeit, in der man sich verändert, alte Eigenschaften eventuell abwirft oder neu definiert, eine andere Herangehensweise an Musik entwickelt. "Grundsätzlich ist die Musik das Hingabe-Thema Nummer eins, das ist das, womit man sich die meiste Zeit seines Lebens beschäftigt. Vielleicht hat man den Pop-Prozess zu sehr durchschaut - bis vor einigen Jahren bin ich wirklich losgegangen und habe mir Charts-Musik gekauft, das mache ich jetzt überhaupt nicht mehr. Ich bin irgendwie so ein komischer Oldie-Fan geworden, Siebziger-Jahre-Mainstream-Platten oder sowas. Ich liebe wirklich fast alle Arten von Musik, und dann auch ziemlich intensiv, aber es ist schon so, dass man nicht mehr so versucht, den Pop-Appeal zu leben und das Heute zu atmen, sondern sich auch an anderen Dingen orientiert und sieht, was man davon für heute nutzen kann, wenn man mal in Epochen denkt." Daher auch das Stevie Nicks-Cover "Dreams"? "Gut, dass du Stevie Nicks sagst, denn ich bin auch eigentlich eher Stevie Nicks- als Fleetwood Mac-Fan, da ich die Figur Stevie Nicks mag, weil sie anders als die meisten Sängerinnen im Pop-Bereich eben nicht so diese Power-Frau ist, so eine typische Rock-Röhre, da gibt es ja wirklich schreckliche Worte in diesem Zusammenhang - Stevie hatte immer so dieses merkwürde Verletzliche, diese romantisierende, total abgedriftete Vorstellung von so einem Zigeuner-Leben. Das fand' ich eigentlich immer sehr interessant als Rollen-Modell, weil es ja wirklich so ein abgenudeltes Bild von den starken und den schwachen Frauen gibt - Stevie Nicks ist irgendwie beides", erzählt Elena. Hendrik: "Mense hatte damals einen elektronischen Edit von dem Song gemacht, und fast zur gleichen Zeit kam Elena mit dem Stück in's Studio und sie wussten jeweils nichts von dem anderen - deswegen war dann klar, dass das Thema tatsächlich im Raum steht und muss dann auch mal angegangen werden. Ich glaube, was uns alle dann daran so fasziniert hat, war, dass es halt musikalisch sehr einfach funktioniert, aber dann so unglaubliche Melodien mit so einer ganz einfachen Funktions-Weise entwickelt, eine ganz minimale Entwicklung, die mit sehr wenigen Elementen sehr viel erreicht. Das hat auch schon so ein modernes Gefühl, eine moderne Elektronik transportiert." Genau wie auf dem Stella-Album "Better Days Sounds Great", auf dem ebenfalls ein modernes Gefühl vorherrscht, aber dennoch ein wohltuender Bezug zu vergangenen Epochen besteht.
Weitere Infos:
www.lado.de/stella
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Pressefreigaben-
Stella
Aktueller Tonträger:
Better Days Sounds Great
(L'Age D'Or/Rough Trade)




Stella

 
 

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