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GIRLS IN HAWAII
 
Unspektakuläre Nicht-Mädels
Girls In Hawaii
Leider sind die Girls In Hawaii keine scharfen Mädels, sondern stramme wallonisch Jungs: Das mit Hawaii ist dabei eher als Metapher zu sehen. Die Herren mögen Landschaften - bzw. die Idee von Landschaften - deswegen auch die entsprechenden Fotos auf allen Covers von GIH - natürlich auch dem der Debüt-CD "From Here To There". Kein Wunder, denn Belgien hat diesbezüglich ja nicht so viel Abwechslung zu bieten. Außerdem regnet es immer, wie uns Bassist Daniel, der zufällig ausgezeichnet deutsch spricht, erklärt. "Ja, das stimmt", bestätigt er, "das ist so die große Phantasie, die man als Westeuropäer hat. Es ist ein bisschen 'Evasion', wie es im französischen heißt oder 'Eskapismus'. Du hast halt dieses Bild im Kopf von Mädchen, die Hoola-Hoop tanzen und 'Aloa He' singen. Wie wir jetzt gehört haben, soll Hawaii selber aber tatsächlich ziemlich hässlich sein. Es geht also weniger um diese Insel selber, sondern um die große Phantasie, die man sich darum macht. Es hat nichts mit uns selber zu tun."
Das ist ja klar, weil die Herren nun mal eben Herren sind. "Das haben wir inzwischen auch gemerkt", muss Daniel einräumen, "wir sind übrigens keine Homo-Band oder so was. Es war auch nicht als Witz gemeint - obwohl uns mittlerweile klar ist, dass das von vielen so verstanden wird. Immerhin kommen so vielleicht mehr Leute zu unseren Konzerten, weil sie denken, dass da scharfe Mädels sind. Es war für uns schon attraktiver, uns 'Girls In Hawaii' als etwa 'Boys From Bruxelles' zu nennen." Nachdem das also klargestellt ist, bleibt noch die Sache mit den Landschaften. Es gibt auf der GIH-Scheibe mehr Landschafts- und andere Bilder als etwa abgedruckte Texte. "Ich denke, unsere Musik ist recht visuell", erläutert Daniel, "unsere Botschaft läuft eigentlich weniger auf Textbasis ab, sondern über die Melodien, Stimmungen und die Atmosphäre, die sich eben auch über die Bilder vermitteln lässt. Das Art-Design und die Fotos haben wir auch während der Aufnahmen selber gemacht. Wir sind nämlich nicht ins Studio gegangen, sondern mit portablem Aufnahmegerät über Land von Ort zu Ort gefahren. Es ging darum, die Stimmungen einzufangen. Uns ist wichtig, dass bei unserer Musik immer ein kleiner Film vor dem inneren Auge des Zuhörers entsteht. Die Texte kommen bei uns immer als letztes dazu, um den Songs dann noch eine bestimmte Richtung zu geben. Es sind aber keine politischen oder konkreten Aussagen." Was ist denn musikalisch der inspirierende Kernpunkt? Die Musik von GIH ist auf eine charmante Art nach allen Seiten offen - was ja ein typisch belgisches Merkmal zu sein scheint. "Ja, denn wir sind in Belgien ja quasi sein Art Schnittstelle", pflichtet Daniel bei, "wir sind nah an England dran, wir sind nah an Deutschland dran, an Frankreich - da trifft sich halt sehr viel." Was war denn der Grund, die Band überhaupt zu gründen? "Da Ganze geht aus von einem Zwei-Mann-Projekt. Lionel und Antoine - der Sänger und der Gitarrist - haben das Projekt eigentlich aus Langeweile gegründet", erklärt Daniel, "das ist eben so, wenn du aus Brüssel kommst und Energie hast, von der du nicht weißt, wo du sie hinstecken sollst. Entweder geht man dann in einen Fußballclub oder man fängt an, Musik zu machen. Sie haben sich ein Acht-Spur-Gerät gekauft und losgelegt. Das hat sich bis heute nicht geändert. Es fängt also immer an mit einem Mann und seiner Gitarre im Schlafzimmer und seinem Acht-Spur-Gerät. Es geht jeweils immer von der Melodie aus und alles andere ist dann später nur Beiwerk - auch die Arrangements."
Girls In Hawaii
Und was war die musikalische Inspirationsquelle, die das ganze erst in Gang gebracht hat? "Wir haben dann irgendwann festgestellt, dass unsere Plattensammlungen doch ziemlich identisch sind", verröt Daniel, "es ging immer um amerikanische Folk-Rock-Pop Sachen wie Will Oldham, Grandaddy, die Pixies. Und natürlich die belgischen Sachen wie dEUS oder Zita Zwoon - ich weiß ja nicht, ob die in Deutschland bekannt sind. Es gibt in Belgien doch schon so eine Szene, die ihren eigenen Sound hat, wir klingen da gar nicht so exotisch, wie vielleicht für deutsche Ohren." Nun ja, so exotisch klingen GIH ja gar nicht. Was vielleicht auch daran liegt, dass gewisse Strukturen an die o.a. amerikanischen Songwriter erinnern, die ja hierzulande durchaus gewohnt erscheinen. "Ja, Leute wie Bonnie Prince Billy sind schon wichtig für uns", räumt Daniel ein, "es hat auch mit der Arbeitsweise von Singer-Songwritern zu tun, die der für uns sehr wichtig ist. Bis auf die Tatsache, dass bei uns die Texte die Musik unterstützen und nicht umgekehrt, wie bei Singer-Songwritern. Es ist uns auch wichtig, dass der Zuhörer sehr viel Freiheiten hat. Bei uns sind eher die Songtitel von Bedeutung, weil diese ja bestimmte Assoziationen auslösen. Obwohl die Benennung von Songs bei uns doch immer sehr intuitiv und ohne großen Masterplan abläuft." Gibt es denn einen stilistischen Masterplan? Wenn man sich das Artwork oder die Videos so anschaut, könnte man schon auf diesen Gedanken kommen - obwohl es da Widersprüche gibt. Das Video zu "Casper" z.B. sieht dann doch schon wieder recht ernüchternd belgisch aus. Da ist von Eskapismus nicht viel zu bemerken. "Das hat damit zu tun, dass wir uns als das Gegenteil einer Rockband sehen", erläutert Daniel, "wir sehen relativ normal aus, haben relativ normale Kleidung an und haben keine Lust in dieses Rock-Business mit Posen und Allüren einzusteigen. Da würden wir uns nicht wohl fühlen. Wir legen sehr viel Wert darauf, eine gewisse Natürlichkeit zu bewahren. Wir sind nicht spektakulär. Wir wollen keine Posen machen, die nicht wirklich zu uns passen. Wir haben auch keine Choreographie oder so etwas für unsere Live-Shows." Was passiert denn eigentlich live? "Wenn wir auftreten, sind wir zu sechst", beschreibt Daniel, "weil wir einen dritten Gitarristen dabei haben. Denn wir lieben vielschichtige Gitarrensounds. Uns kannst du keine größere Freude machen, als mit einem alten Röhrenverstärker oder einem seltenen Effektgerät. Wir lieben schnuckelige Instrumente. Unsere größten Bedenken sind eher, ob überhaupt irgendwelche Leute zu unseren Konzerten kommen werden..." Diese Bedenken scheinen unbegründet: Die ersten Konzerte von GIH hierzulande waren allesamt gut besucht und die Jungs haben sich als Live Act auch nachdrücklich empfohlen. Als Fazit könnte man vielleicht festhalten, dass Girls In Hawaii auf eine spezifisch belgische Art zum träumen anregen - vielleicht auch durch den Wiederspruch von inhaltlichem Überbau und der dann doch ganz einfach zu begreifenden Musik. Typisch belgisch, eben...
Weitere Infos:
www.girlsinhawaii.be
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Girls In Hawaii
Aktueller Tonträger:
From Here to There
(Hobby DeLuxe/Indigo)




Girls In Hawaii

 
 

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