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FASTBALL
 
Country For True Lovers
Fastball
Von 1996 bis 2000 übten sich Fastball - damals in Kalifornien ansässig - in der schönen Kunst des alternativen Powerpops und bescherten sich '98 mit "The Way" von der zweiten Scheibe "All The Pain Money Can Buy" einen soliden Hit von der Art, die andere Bands gelegentlich gar in den Superstar Himmel hievt. (Z.B. gerade jetzt Maroon 5) Dann allerdings, nach der VÖ des dritten Werkes "The Harsh Light Of Day", trat (abgesehen von einer Best-Of Scheibe und einer inoffiziellen Live-CD) eine Funkstille ein, die vermuten ließe, das Trio um Bassist Tony Scalzo und Gitarrist Miles Zuniga (die sich auch die Songwriting Credits teilen) habe es zerrissen. Doch nichts da: Mit "Keep Your Wig On" melden sich die Jungs - nach vier Jahren und verstärkt um einen vierten Mann für Live-Duties - wieder zurück. Und zwar aus Austin, Texas, mit besserem Songmaterial als je zuvor und - ähem - zwei Country Tracks (etwas, was sie vorher nicht mal mit der Kneifzange angefasst hätten). Grund genug also, einmal nachzufragen, was eigentlich los ist - und wieso die neue Scheibe "Keep Your Wig On" heißt, obwohl die Jungs doch gar keine Perücken tragen?
"Das ist eine Redewendung", lacht Tony Scalzo, "ich weiß gar nicht, ob man das übersetzen kann. Es heißt soviel wie, dass man nicht abheben oder ausflippen sollte." Das wäre also in etwa das Äquivalent unseres "bleib auf dem Boden", nicht? "Oder vielleicht 'Lass deine Hosen an'?", schlägt Tony vor. Warum wurde denn dieser Titel gewählt? Bestand denn die Gefahr, abzuheben? "Nun, bei uns bestand immer die Gefahr, dass wir implodieren oder platzen könnten", räumt Tony ein, "diese Scheibe bedeutet für uns nun den Versuch, dies alles hinter uns zu lassen und wirklich eine gemeinsame Anstrengung zu unternehmen, es hinzukriegen. Die Scheibe spiegelt das vielleicht in dem Sinne wider, dass wir jetzt erstmals alles zusammen als eine Band geschrieben haben, während früher jeder vor sich hinwurschtelte. Wir haben auch eine Menge Zeit im Studio verbracht und fast alles live eingespielt. Abgesehen davon ist es einfach eine Sammlung von Songs." Was ist denn eigentlich zwischen der letzten und dieser Scheibe passiert? "Viel", berichtet Tony, "wir haben unser altes Label, Hollywood, verlassen und sind aus Kalifornien weggezogen. Wir arbeiten aber witzigerweise immer noch mit dem selben Produktmanager, Rob Sidenburg, zusammen, der mit uns zu Ryko gegangen ist. Die Band blieb über die vier Jahre in der einen oder anderen Art zusammen. Miles ist aber zeitweise nach Nashville gezogen, um sein Songwriting zu verbessern. Jetzt, nach dem Umzug nach Austin, haben wir zusammen geschrieben und auf seinen Erfahrungen aufgebaut. An der Scheibe haben wir über ein Jahr gearbeitet - auch bevor wir einen neuen Vertrag hatten. Wir haben die meisten Sachen in der Wohnung eines Freundes aufgenommen, der ein Studio hatte - mit tollem analogen Equipment. Es war in der Nähe von unseren Wohnungen und das war wirklich eine gute Erfahrung." Einige Tracks auf dieser Scheibe wurden von Fountains Of Waynes Adam Schlesinger produziert. "Ja, das war die erste Hälfte der Sessions", erklärt Tony, "Adam ist seit einiger Zeit ein guter Freund - obwohl wir immer noch keine Möglichkeit hatten, mit den Fountains zu touren, was wir wirklich gerne mal machen würden." Das wäre dann so was wie das ultimative Power-Pop-Line-Up.
Wie fanden Fastball denn "die Stimme" des aktuellen Albums? "Dadurch, dass wir zusammenarbeiteten und zusammen blieben", bringt es Tony auf den Punkt, "das versetzte uns in die Lage, es zusammenhängend zu machen. Es war nicht schwer. Es gibt allerdings keinen roten Faden oder so was, der es inhaltlich zusammenhält." Man warf Fastball ja oft vor, dass sie immer Songs über desorientierte Charaktere schrieben. Auf der neuen Scheibe trifft dies indes nicht mehr zu - da gibt's alle möglichen Themen und Typen. "Mal abgesehen davon, dass unsere Charaktere bewusst ein wenig vage angelegt sind, ist es wichtig, dass alles, was wir schreiben, ehrlich ist und von Herzen kommt", führt Tony aus, "das hängt sicherlich damit zusammen, dass Miles und ich uns ziemlich nahe sind - auch vom Alter her - und ziemlich ähnlich denken. Stärker noch als in der Vergangenheit. Das half sicherlich mit unterschiedlichen Themen. Aber es kommt alles aus dem Leben und aus der persönlichen Erfahrung." Wie hat man sich das denn vorzustellen, wenn zwei eigentlich individuell Songwriter dann doch irgendwann als Team arbeiten? "Das ist ganz einfach", antwortet Tony, "wir sitzen zusammen in einem Raum und probieren rum und irgendwann kommt dann was Gutes dabei heraus. Es gibt nur einen Unterschied: Die Songs, die Miles noch alleine schreibt - wie z.B. "Perfect World", singt er auch, während ich eher bereit bin, auch bei den Texten zusammenzuarbeiten - wie z.B. bei 'Louie Louie'." Gutes Stichwort: Ist der Song "Louie Louie" eigentlich der Versuch, ein zeitgemäßes Update des alten Jam-Klassikers "Louie Louie" der Kingsmen zu schreiben? "Ja, in der Tat, das war der Gedanke", freut sich Tony, "du scheinst ja den richtigen Song zu kennen. Das war zwar zunächst nicht geplant, aber dann ging's irgendwie in die Richtung und ich dachte noch - scheiß drauf, das ist doch lustig; und es ist eine tolle Hommage an die Geschichte des Rock'n'Roll." Das andere Extrem auf der Scheibe (neben den unverzichtbaren, originären Fastball Hits natürlich) sind Songs wie "Mercenary Girl" oder "Red Light", die mit ihren augenzwinkernden Country und Tex-Mex Elementen doch ziemlich aus dem Rahmen fallen. Was ist denn deren Funktion? "Das hängt mit unserem Unzug nach Texas zu tun", gibt Tony zu, "wenn du da lebst und spielst, wirst du mit Musik aus aller Welt konfrontiert. Das erweitert deinen Horizont. Als wir noch in Kalifornien lebten, haben wir uns mit Country-Musik nie beschäftigt. Das war auch nahezu unmöglich, denn das, was du dort als Country präsentiert bekommst, ist immer dieser standardisierte Nashville Mist. Erst in Austin wurde und klar, wie diese Musik auch klingen kann und was man damit noch alles machen kann. Unser Musik-Geschmack ist ja eh ziemlich eklektisch und ich möchte auch, dass unsere Scheiben dies widerspiegeln. Wir werden - z.B. von Taxifahrern oder Zollbeamten - öfters gefragt, welche Musik wir spielen und wir sagen dann immer 'amerikanischer Rock'n'Roll-Pop'. Und das beinhaltet ja so ziemlich alles. Ich möchte, dass unsere Scheiben immer sehr unterschiedlich und abwechslungsreich klingen." Und die Beatles, die hört man doch auch immer wieder raus, oder? "Ja, klar, das ist auch ein großer Einfluss", pflichtet Tony bei, "sie inspirieren uns täglich und sind eine tiefe Quelle, aus der man trinken kann."
Fastball
Auf der Scheibe gibt es einen Track namens "'Til I Get It Right", in der Tony vom Besuch in einem Plattenladen erzählt, in dem es noch Vinyl Scheiben gibt und er dort "Revolver" von den Beatles und eine Gang Of Four-Scheibe kauft. "Das stimmt", erinnert er sich, "und dazu habe ich eine tolle Geschichte: Bei einem unserer Konzerte in Portland, Oregon, hatten wir den Song gespielt und da war zufällig David Allen von Gang Of Four im Publikum - wir wussten das nicht und er kannte uns nicht; war nur gekommen, weil er dort lebt. Das war natürlich sehr spaßig. Wir haben dann ein Foto mit ihm gemacht. Das war schon cool." Was wieder mal zeigt, dass es wichtig ist, als Musiker vor allen Dingen auch immer selber ein Fan zu bleiben. Es gibt auf der offiziellen Website ja seit kurzem Fotos von einem vierten Mann. "Oh ja, das ist Jeff Groves", erzählt Tony, "wir haben uns jetzt mal einen Bassisten geleistet. Ich bin nämlich vom Bass auf die Gitarre umgestiegen. Dadurch haben wir live mehr Möglichkeiten und können z.B. auch die komplexeren Sachen besser umsetzen. Übrigens mache ich jetzt mit Miles gerade eine kleine Akustik-Tour in England als Support von den Honeydogs. Das machen wir öfters, um uns warmzuspielen, mit dem Publikum zu kommunizieren und neue Songs auszuprobieren. Im Herbst schaffen wir es hoffentlich auch wieder nach Deutschland - das möchte ich nicht missen." Wie soll es denn mit Fastball weitergehen? "Nun, ich würde gerne mal eine etwas härtere Platte machen", erklärt Tony, "diese ist etwas zu gemäßigt - also nicht direkt luschig, aber mit zu vielen Mid-Tempo-Songs. Ich hoffe ja nicht, dass die nächste Scheibe wieder so lange dauert und dann möchte ich mal ein wenig aufdrehen..." Übrigens: Der Hidden Track auf "Wig" ist nur deswegen einer, weil es Unglück bedeutet hätte, 13 Stücke auf die Scheibe zu packen.
Weitere Infos:
www.fastballmusic.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
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Aktueller Tonträger:
Keep Your Wig On
(Rykodisc/Rough Trade)




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