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MODEST MOUSE
 
Menschen aus anderen Zeitzonen gesucht!
Modest Mouse
Indie-Rock-Pop mit spinnerten Ideen - im Universum von Modest Mouse ist seit zehn Jahren nichts unmöglich. Zwar haben sie keine Alben im Jahrestakt veröffentlicht, aber die paar, die es an's Tageslicht geschafft haben, besitzen das Potenzial, Leben zu verändern. Die Band um Isaac Brook hatte sich etwas Zeit mit der neuen Platte gelassen - zwischen "The Moon & Antarctica" und "Good News For People Who Love Bad News" liegen immerhin vier ganze Jahre. Doch das Warten hatte sich gelohnt. Unlängst waren die Herren auf Tour durch Deutschland - Gaesteliste.de bat Isaac Brook zum Gespräch.
Ein bisschen scheint es so, als hätten - gerade in Europa viele Leute Modest Mouse mit der neuen Platte entdeckt. Würde Isaac zustimmen, dass "Bad News" die Band in unserem Breiten auf einen neuen Level gehoben hat? "Nee, das ist mir nicht aufgefallen. Allerdings waren die Shows auf dieser Tournee mit Ausnahme eines Auftritts in Glasgow aber auch nicht unsere eigenen Konzerte. Deshalb ist es das schwer zu sagen. Und in Glasgow waren viele nervtötende Amerikaner im Publikum. Dazu kann ich nur sagen: Ich sitze nicht 17 Stunden im Flugzeug, um dann vor Leuten zu spielen, die in der gleichen Zeitzone leben wie ich. Noch dazu welche, die die ganze Zeit laut sind und sich selbst unglaublich wichtig nehmen. Warum glauben diese Leute bloß, dass ich beeindruckt bin, wenn sie mir sagen, dass sie Amerikaner sind? Das ist schließlich keine große Sache, es gibt Millionen davon! Warum lassen sie uns nicht lieber für die Leute spielen, die in Europa leben?"

Den größten Unterschied zu den Vorgängeralben machte der neue Drummer, sagt Issac: "Die Balance bei den Aufnahmen war eine völlig andere, der Vibe war auch ein völlig anderer. Es war viel leichter, mit dem neuen Drummer zu kommunizieren und er wusste auch besser, wie er mit uns zu reden hatte. Und er weiß, dass es manchmal mindestens genauso wichtig ist, nicht zu spielen, als dies zu tun. Das kann man auch einfach fühlen. An bestimmten Stellen merkst du einfach, dass innerhalb der Band, die dort spielt, einfach alles stimmt. Alles passt zusammen, und niemand besteht jetzt bis zum Erbrechen darauf, dass man doch unbedingt noch etwas hinzufügen sollte. " Ist das eine Erkenntnis, die unmittelbar mit dem neuem Bandmitglied zu tun hat oder eher die Erfahrung aus zehn Jahren Modest Mouse? "Es ist eine Kombination aus beidem. Ich kann dir ehrlich keine klare Antwort auf diese Frage geben. Ich habe keine Tabellen oder Schaubilder, um den Prozess zu illustrieren, es gibt keine feste Fornmel à la: 'Wir haben die Songwriting Produktivität um 15% gesteigert, weil wir diesen oder jenen Faktor verändert haben.'" Ein entscheidener Faktor kann auch der Produzent sein - einige Geschichten machten die Runde, dass die Zusammenarbeit mit Dennis Herring teilweise recht unschön verlaufen sei. "Oh! He's a pain in the ass", gibt Isaac zu Protokoll. "In manchen Momenten war es schwer zu begreifen, als was für ein schrecklicher Mensch er sich herausstellte. In anderen Situationen habe ich ihn aber geliebt. Aber was soll man machen? Es war eine von diesen schlimmen Beziehungen, die dennoch funktionieren. Ein Beispiel: Eines Tages nehmen wir gerade ein Take auf, und er wollte nicht, dass der zweite Tontechniker das mitschneidet. Er sagte: 'Hast du das gerade aufgenommen, Clay [Jones, Aufnahme-Techniker]? Hast du das aufgenommen? Willst du der Produzent sein? Bist du jetzt der Producer, Clay? Du nimmst nie etwas auf, bevor ich als Produzent es dir nicht gesagt habe! So ist es immer gewesen und so wird es immer sein! Drück nicht 'Record' ohne dass ich es gesagt habe!' Eine Woche später dudelt der Produzent auf einer Gitarre herum, um mir zu erklären, was ich angeblich falsch mache und er hat eine Idee. Danach sagte er dann: 'Clay, hast du das aufgenommen?' - 'Nein, ich dachte nicht, dass ich das soll!' - 'CLAY! Wir nehmen IMMER alles auf! Das ist schon immer so gewesen! Fuckin' hell!' Trotzdem muss ich sagen, dass es natürlich viel unterhaltsamer ist, über die negativen und lächerlichen Aspekte zu sprechen, anstatt zu sagen: Das war ein toller Tag, wir haben Basketball gespielt, eine Menge Sachen aufgenommen gekriegt und seine Ideen waren großartig. Ich habe keine Problem damit zu sagen, dass der Dude mir unglaublich viel beigebracht und geholfen hat, eine bessere Platte zu machen als es ohne ihn möglich gewesen wäre."

Modest Mouse
Eine allgemeingültige Formel gibt es also nicht, wie man das bestmögliche Ergebnis erzielen kann - das betrifft nicht nur die Arbeit im Studio, sondern natürlich auch das Tour-Leben. Manche Bands sind vielleicht für knapp drei Monate auf Tour, den Rest des Jahres zuhause - andere wiederum sind vielleicht gerade mal drei Monate zuhause und den Rest des Jahres unterwegs, so dass im Prinzip die Tour das eigentliche Zuhause ist. Für Isaac stellt der gesunde Mittelweg die beste Alternative dar - ansonsten könnte es durchaus vorkommen, dass im eigentlichen Zuhause Entscheidungen getroffen werden, zu denen man sich gar nicht selbst geäußert hatte und so natürlich der nächste Streit vorprogrammiert ist. Hält Isaac diesen Mittelweg auch für ein geeignetes Rezept für junge, aufstrebende Bands? "Nein, ich will niemandem irgendwelche Ratschläge geben. Die Musik wird heute behandelt wie ein Vintage Clothing Store: 'Welche Ära will ich tragen? Ich mache es wie Joy Division, aber ein bisschen anders...' Finde deinen eigenen Stil! Don't be afraid to fucking suck. Blow it a lot, really fuck up. Und teste Sachen aus, die du für gut hälst und nicht das, was man dir in der Vergangenheit immer wieder eingebläut hat. Leute, die nicht eine Zeit lang über ihre eigenen Sachen beschämt waren, die nicht von allen Seiten mit Scheiße beworfen wurden, diese Leute werden recht schnell arrogant ohne irgendeinen Sinn für Stolz zu entwickeln - das endet dann meistens in falschem Stolz. Aber das ist auch nur meine Meinung. Außerdem bin ich der Meinung, dass es nicht das Ziel einer Band sein kann, sich während eines Gigs das Publikum zum Feind machen zu wollen - die Leute wollen kein Geld dafür ausgeben, einen besoffenen Sack auf der Bühne zu sehen. Auch, was das Thema Drogen angeht - in der Vergangenheit hatte ich mal in einem Interview oder so über Drogen und Kreativität gesprochen, und es hatte mich wirklich getroffen, als ich hörte, dass irgendwelche Kids sich davon haben beeinflussen lassen und alle Substanzen ausprobiert hatten, die sie nur bekommen konnten. Ich kann nur eines sagen: Ich habe in meinem ganzen Leben nichts vernünftiges geleistet, wenn ich irgendwas intus hatte. Die Sauferei - okay, das gehört ganz einfach mit dazu."
Weitere Infos:
www.modestmouse.com
www.modestmousebootlegs.com
www.modestmousemusic.com
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Piper Ferguson-
Modest Mouse
Aktueller Tonträger:
Good News For People Who Love Bad News
(Epic/Sony Music)




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