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THE ALBUM LEAF
 
Geborgenheit in einer anderen Welt
The Album Leaf
Über Jimmy LaValle, dem Mann hinter The Album Leaf, hatten wir anlässlich der Veröffentlichung seiner "Seal Beach"-EP geschrieben, dass man ihn sehr glücklich machen könnte, wenn man ihm eine Gitarre, ein Fender Rhodes Piano und eine Kiste voller Electronica vorsetzt. Das sind nach wie vor die bevorzugten Instrumente, die er für seine größtenteils instrumentalen Songs benutzt. LaValle, der bereits seit 1999 viele Veröffentlichungen unter den Namen The Album Leaf unternommen hat, war auch des Öfteren bei der Black Heart Procession anzutreffen und freundete sich mit Sigur Ros an - diese Freundschaft ging dann letztendlich so weit, dass er das neue Album "In A Safe Place" in Island mit Hilfe von Sigur Ros und Konsorten einspielte, und konnte somit den sowieso schon vorhandenen Schönklang formvollenden.
Wer Instrumentalmusik macht, hat nicht selten das Problem, seinen Songs sinnige Titel zu geben. "Nun, auch wenn die Stücke instrumental sind, haben sie eine gewisse Bedeutung für mich. Ich versuche das in den Songtiteln widerspiegeln zu lassen", erläutert Jimmy LaValle im Gaesteliste.de Interview. "Manchmal funktioniert das natürlich nicht, aber jeder Songtitel hat in gewisser Weise eine direkte Bedeutung für mich." Ob sich diese Bedeutung dem Hörer immer erschließt bzw. überhaupt erschließen soll, lassen wir mal dahingestellt, sicher dagegen ist, dass man den Songs von The Album Leaf anhört, dass Jimmy keinerlei Angst hat, musikalische Grenzen zu überschreiten. "Hm, die Einflüsse kommen eigentlich direkt aus mir heraus. Die Grenzen, die ich nicht überschreiten würde, kämen einfach nicht aus mir heraus. Ich hatte in der Vergangenheit auch schonmal Musik für Werbung geschrieben, dort musste ich gegen meinen Willen viele Grenzen überschreiten - aber, auf der anderen Seite hat es auch großen Spaß gemacht, neue Sachen zu testen." Jimmy mag es offensichtlich, sein Publikum zu überraschen. Dass seine Platten allesamt einen eher winterliche Stimmung haben, die man am ehesten nordischen Bands zuordnen würde, er selbst allerdings aus dem sonnigen San Diego in Kalifornien stammt, ist für ihn jedenfalls kein Widerspruch. "Wie ich bereits sagte - es kommt einfach aus mir heraus. Ich setze mich hin und schreibe - und da gibt es keinen besonderen Songschreibe-Modus. Es ist auch nicht ganz so sonnig in Kalifornien wie man vielleicht denkt - es gibt Regen, Kälte und Stürme. Dies sind die Dinge, die mich am meisten inspirieren und antreiben, Songs zu schreiben."
Dennoch ging er für die Aufnahmen von "In A Safe Place" nach Island, um mit einigen der größten Könner der dortigen Musikszene zusammenzuarbeiten. Letztendlich wurde es eine andere Art von Kollaboration als ursprünglich gedacht. Die erhoffte Hilfe beim Songwriting blieb nämlich aus, weil die fraglichen Musiker allesamt mit eigenen Projekten zu sehr beschäftigt waren, aber immerhin kamen sie bei den Aufnahmen vorbei und spielten hier und da zusätzliche Parts ein, Black Heart Processions Pall Jenkins und Sigur Ros' Jon Thor liehen zwei Songs ihre Stimmen, was Jimmy ebenso inspirierend fand wie die wunderschöne Landschaft auf der Insel. Obwohl The Album Leaf weiterhin offiziell eine Ein-Mann-Band ist, legt Jimmy dennoch sehr viel Wert auf "menschliche" Mitstreiter. Den Versuch, seine Band durch einen CD-Player mit Backingtapes zu ersetzen, ließ er nach einem einzigen desaströsen Auftritt jedenfalls wieder fallen. Inzwischen ist ihm das Livespielen sogar wichtiger als die Arbeit im Studio. "Konzerte sind das Wichtigste für mich. Ich würde niemals eine Platte machen wollen, die besser klingt als meine Live-Show. Das Konzert ist meiner Meinung nach viel intensiver, und ich versuche immer, die Leute mit dem Gefühl nach Hause gehen zu lassen, dass sie eine 'Show' gesehen haben. Die Show, die Präsentation, die visuellen Details, einfach alles ist mir sehr wichtig. Der Teil im Studio ist natürlich auch wichtig und ich möchte immer, dass die Musik gut klingt und dem Hörer einen Grund gibt, uns live sehen zu wollen - aber ich lasse immer ein wenig Platz, damit die Live-Show die Platte übertreffen kann."
The Album Leaf
Verbessert hat sich Jimmy auch, was seine Labelsituation angeht. Waren seine Platten bisher in aller Regel in Europa schwer erhältlich, erscheint das neue Werk nun als Joint-Venture von Sub Pop (USA) und City Slang (EU). Ein weiterer Hinweis, dass Jimmy The Album Leaf nun ernster nimmt als in der Vergangenheit? "Natürlich möchte ich die Dinge auf einen anderen Level bringen - von irgendwas müssen wir schließlich leben! Desweiteren ist es mein Hauptanliegen, dass meine Musik für alle verfügbar ist. Als Künstler möchte ich das mit allen teilen, was mir am nächsten ist. Auf einem größeren Label zu sein hilft da natürlich schon - das hat aber nicht direkt mein Songwriting beeinflusst. Ich kann fühlen, dass ich inzwischen bessere Songs schreiben kann, aber das ist ein natürlicher Prozess und hat absolut nichts damit zu tun, der Label-Welt einen Gefallen zu tun - so etwas würde ich niemals machen." Trotzdem ist die Auswahl seiner Labelpartner bisher stets immer eher zufällig vonstatten gegangen. "Tja, um ehrlich zu sein war es jeder, der gefragt hatte. Ich lehne auch viele Angebote ab, ich kann nicht alles machen - dazu habe ich einfach nicht genug Songs! Meistens schaue ich mir den Backcatalogue des Labels an, und wenn mir die Sachen gefallen, die sie bisher veröffentlicht haben, gehe ich gerne eine Zusammenarbeit ein." Und zum Schluss - irgendwelche berühmten letzten Worte? "Nun, ich habe einen neuen Song für den Soundtrack zur Dokumentation über Robert Moog geschrieben - darauf bin ich sehr stolz, vor allem, wenn man sieht, wer noch alles auf dem Soundtrack dabei ist (s. www.moogmovie.com). Und die letzten Worte: I hope to see all of you soon!" Eine Deutschland-Tour ist im September / Oktober geplant.
Weitere Infos:
www.albumleaf.com
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Pressefreigaben-
The Album Leaf
Aktueller Tonträger:
In A Safe Place
(CitySlang/Labels/EMI)




The Album Leaf

 
 

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