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SOULOUNGE
 
In der Prince-Schule
Soulounge
Wie das manchmal so ist. Eigentlich sollte das Projekt Soulounge - ein paar Freunde treffen sich mit diversen Gastsängern, um im Live-Ambiente Soul-Stücke ihrer Wahl zu interpretieren - ja nur eine Art Hobby sein, das Sven Bünger und Bela Brauckmann ins Leben riefen, um sich die Zeit zwischen den Veröffentlichungen ihrer Haupt-Band, Cultured Pearls, zu vertreiben. Doch die Sache gewann sehr schnell an Eigendynamik, das Publikum - zunächst in Hamburg und Umgebung, später in der ganzen Republik - und vor allen Dingen der schnell wachsende Kreis aller Beteiligten, bekamen sehr schnell viel Spaß an dieser Idee. Die Musiker - allesamt Vollprofis, die sich hier (auf hohem technischen Niveau) mal richtig ungezwungen gehen lassen konnten - bewiesen zudem mit der Wahl der interpretierten Stücke einen guten Geschmack. Dass Deutschland nicht unbedingt das Land ist, in dem die Soul-Musik erfunden wurde, störte dabei niemanden: Soulounge sind so gut, dass sich selbst alteingesessene Meister, wie z.B. George Benson, mit dem man kürzlich tourte, als Fans outen.
Das, was nun folgte, war also fast vorauszusehen. Denn mit "Home", der Veröffentlichung der ersten CD mit ausschließlich eigenen Stücken, ist das Hobby Soulounge plötzlich zum Hauptberuf geworden. Das geht sogar soweit, dass Sven und Bela ein eigenes Label, Soulounge-Records, gegründet haben, um die neue Scheibe selber vermarkten zu können. "Cultured Pearls sind erst einmal auf Eis gelegt", verrät Bela Brauckmann, "wir haben jetzt so viel mit Soulounge zu tun, dass wir nicht mehr dazu kommen, weiter zu machen. Und dann bastelt Astrid North auch gerade an ihrem Solo-Album und da sind wir auch ein bisschen involviert. Peter macht viele Streicherarrangements - u.a. mit Mousse T. - und da machen wir nach zehn Jahren jetzt einfach mal Pause." Warum gibt's denn jetzt eigentlich nur eigene Songs auf der neuen Scheibe? "Also, das ist durch das Live-Spielen entstanden", erklärt Sven Bünger, "wir schreiben ja eigentlich alle Songs - auch unsere Gäste, wie z.B. Gabriel Gordon, und die neue Scheibe ist eigentlich so entstanden, dass wir mal gucken wollten, ob wir auch zusammen Stücke schreiben können und dann haben wir auf einmal in einer Woche 20 Stücke geschrieben." Das Album wurde ja in einem Haus in Dänemark aufgenommen. "Ja, der Ansatz war, dass wir das alte Konzept im Kopf hatten, bei dem wir Live-Aufnahmen bearbeiten wollten", erläutert Bela, "wir wollten aber auch mal sehen, was Songwriter-mäßig beim Zusammenspiel so dabei herumkommt. Wir hatten also die Band zu viert zusammen und dann kamen auch schon die Gäste vorbei - Astrid, Gabriel etc. - und wir begannen, mit denen zu schreiben. Das Haus bot sich dann auch perfekt an, darin aufzunehmen. Wir hatten einen ganzen Dachboden und es war akustisch alles interessant. Nach ein paar Tagen merkten wir dann, dass das mehr als bloßes Songwriting war - wir waren bereits dabei, einen Großteil unserer Produktion zu machen."
Das ist ja schon erstaunlich, denn das Ganze klingt doch, wie zum Beispiel eine teure US-Produktion. "Das ist ja meist auch so", meint Sven, "selbst mit Cultured Pearls haben wir ja ein halbes Jahr in den teuersten Studios verbracht. Wir haben aber jetzt vielleicht ein Zehntel dessen ausgegeben. Das liegt einmal an der Technik - also mit dem Laptop überall aufnehmen zu können - und dann ist es ganz wichtig, wie die Vibes sind und wie die Sänger sich fühlen. Ich produziere jetzt seit fünf Jahren und habe 1000 Mal mit Sängern zusammengearbeitet. Wenn du dem Sänger eine Atmosphäre gibst, in der er sich wohlfühlt, singt er ganz von alleine so, wie es richtig ist und du brauchst kaum noch nachzubessern. Gabriel z.B. hat beide Stücke auf dem Album als First Takes gesungen. Und dann haben wir noch in einem sehr guten Studio in Berlin gemischt und im Sterling Sound in New York gemastered." Hat die Atmosphäre in Dänemark auch damit zu tun, dass - anders als z.B. auf US-Produktionen - die Vocals eher simpel, dafür aber gefühlvoller geraten sind? "Ja, genau", stimmt Sven zu, "ich mag auch diese ganzen Ad-Libs aus US-Soul-Produktionen nicht. Das ist wie Gitarre spielen in den 80ern: Wenn du schnell warst, warst du gut. Ich bin eher ein Freund von BB King, die wenig, aber geschmackvoll singen. Und so ist das auch beim Soul Gesang." Haben die Sänger die Texte denn selbst geschrieben? (Was ja auch hilfreich sein könnte für einen "seelenvollen" Vortrag) "Ja, wir haben auch bewusst Sänger eingeladen, die selber schreiben. Astrid und Gabriel sind ja 'Native Speaker' aber auch Root (Platnum) hat gute englische Texte geschrieben - zum Beispiel den Titeltrack. Es war nicht geplant, aber wenn ich mir etwas wünsche, dann sind das immer engagierte, spirituell suchende Texte im Stile der Soul Musik der 70er Jahre - Curtis Mayfield, Stevie Wonder, Marvin Gaye - oder heutzutage India Arie. Ich mag nicht diese Plastik-Dubidu-Texte, die in der heutigen R'n'B-Musik heute so üblich sind - und die habe ich ja auch bekommen." Gab es eine konzeptionell Vorgabe? "Das einzige Konzept war, sich die Leute auszusuchen, die die Texte schreiben", erläutert Sven, "wir kannten ja die Sänger und wussten, dass sie das können. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen gehabt, Themen vorzugeben - dann habe ich aber sehr schnell gemerkt, dass das gar nicht nötig war." Wenn man sich die Tracks nun so anhört, dann sind diese ja vom Charakter her nun doch sehr verschieden - eben durch die verschiedenen Sänger. Wie entsteht dann trotzdem so etwas wie eine Soulounge-Identität? "Klar, es gibt bei uns nicht den klassischen Weg mit einer Frontfigur, mit der sich die Leute identifizieren können", räumt Sven ein, "aber das ist - glaube ich - auch eine Stärke, dass wir nämlich in so viele Richtungen offen sind. Das hält es nämlich auch für uns spannend. Wir können viele tolle Instrumentalisten einladen, wir können Sänger für uns entdecken. Zugegeben: Unter Marketing-Gesichtspunkten ist es für uns schon schwierig." - "Für mich ist es eher die Idee", fügt Bela hinzu, "es war zunächst einmal eine offene Gemeinschaft von Leuten, die ohne Zwänge und Gesetze einfach nur Spaß an ihrer Lieblingsmusik haben wollten. Und das führt sich jetzt weiter und Soulounge ist nun ein Heim für alle, die an dieser Musik Lust haben. Deswegen heißt die Scheibe übrigens auch 'Home'. Wir geben durch unseren Geschmack die Richtung vor und dadurch bekommt alles ein Gesicht - mehr oder weniger."
Soulounge
Es ist ja heutzutage auch kein Problem, Musik ohne Gesicht zu machen. "Ja, es gibt ja z.B. DJ-Projekte", gibt Sven ein Beispiel, "nimm zum Beispiel Mousse T. - der macht ja auch Projekte mit zig Sängern wie z.B. Roachford oder wer weiß wem. Und dann ist es ja auch egal, wer dahinter steht. Bei uns ist es die Idee." Nun ja, an Gästen sparen Soulounge ja auch nicht eben. Neben den erwähnten Platnum und Gabriel Gordon sind dies beispielsweise natürlich Astrid North, Roger Cicero, Florine Dimonye oder aber - Jazzer Jo Kraus. "Ja, der hat bei zwei Songs Trompete gespielt. Wir haben mit ihm im Vorprogramm von George Benson gespielt und Astrid hatte mal mit ihm gejammt. Wir haben ihm einfach die Files hingeschickt und seinen Part dazugespielt." Der Sound der Scheibe ist relativ altmodisch. Das ist aber so gewollt, oder? "Ja, das stimmt", bestätigt Bela, "man sollte sich ja immer an seinem Geschmack orientieren und sich nicht verbiegen, um irgendetwas hippes zu machen oder so. Der moderne Schritt bei der Produktion war für uns der, dass wir dieses Mal viel mit einem Drumcomputer gearbeitet haben, den wir mit einem richtigen Schlagzeug gemischt haben. Ansonsten hängt es eben auch viel von den Musikern ab. So ein Kai Fischer ist z.B. ein Fetischist seiner alten Instrumente - Fender Rhodes z.B. Und das ist einfach ein Klang, den wir am liebsten hören." - "Wir sind halt stark durch diese 70er Soul-Sachen beeinflusst", ergänzt Sven, "ich finde diese ganzen Sample-Sounds zum Beispiel total langweilig. Da steht ja auf jeder Bühne so ein Typ mit einem Laptop herum und ruft Sounds ab. Das finde ich ja mittlerweile auch schon altbacken. Momentan gibt es ja auch keine wirklich neuen Richtungen in der Musik. Und es ist ja zum Beispiel in den USA zu beobachten, dass man sich da wieder auf die Ursprünge besinnt und nach Melodien sucht oder so. Und ein Rhodes-Klang gibt mir mehr Gänsehaut als 1000 ausprobierte Keyboard-Sounds. Auch wenn es nicht das Neuste ist." Und der Rhythmus ist der Funk, nicht? "Ja, wenn du sagst, dass es funky ist, dann ist das schon ein Lob für uns. Das ist schon ordentlich die Sly Stone und Prinz-Schule." Das heißt wahrscheinlich, dass viele Songs aus einer Jam-Session heraus entstehen? "Ja", bestätigt Bela, "es ist aber auch so, dass die Leute Songs und Ideen von zu Hause mitbringen und dann wird alles in die Runde geschmissen. Dann hört sich die Band das an und es gibt dann Vorschläge. Viele Sachen sind auch als erste Takes aufgenommen worden." Da fragt sich, wie denn dann Melodien entstehen können. "Das ist unterschiedlich. Manchmal gibt's klare, vorgegebene Melodien", erläutert Sven, "dann gibt's manchmal einfach nur Akkord-Strukturen, zu denen gesungen wird. Da haben wir im Falle von Gabriel und Platnum Glück gehabt, dass diese dann gute Einfälle hatten - denn du kannst auf diesem Wege natürlich auch Pech haben. Es hing vielelicht auch damit zusammen, dass wir alle auf engem Raum zusammen gewesen sind. Es war zum Teil sehr intuitiv." Warum sind eigentlich die eher melodischen Stücke am Schluss der CD versammelt? "Oh", stutzt Sven, "ich weiß nicht - ich denke, wir dachten, dass sei eine gute Idee, weil wir die ersten drei Stücke ganz schlüssig als Einstieg fanden. (Das sind eher Funk-Nummern) Du hast aber recht, dass die melodischen Stücke am Schluss sind. Man soll sich aber auch die ganze CD anhören und das letzte Stück ist auch ein typisches Schlussstück." Für Soulounge wurde ja ein eigenes Label gegründet. Warum läuft das denn nicht über die alte (Major)-Plattenfirma? "Für uns war es im letzten Jahr wie so eine Art Praktikum, weil wir bei Warner schon viele Entscheidungen mitgetroffen haben", erklärt Sven, "Anfang des Jahres hat Warner ja 60% der Leute gekündigt und das hat man uns relativ früh gesagt. Mit kleineren Labels zusammenzuarbeiten war aber für uns nicht so interessant. Wenn man sich die allgemeine Grundsituation der Musikindustrie anschaut, muss man sich als Musiker einfach fragen, was der beste Weg ist. Es ist zwar manchmal anstrengend, das Label zu machen, weil du viel mehr machen musst, was nichts mit Musik zu tun hat, aber es bedeutet auch viel mehr Freiheiten und Möglichkeiten zu haben. Deshalb sind wir das Risiko erst mal eingegangen, das Geld selber zu investieren - was ja ansonsten der einzige Vorteil bei einem Major Deal ist. Wenn es dann funktioniert, dann haben wir also auch mehr davon und wir haben letztlich auch die Kontrolle über alle Arbeitsschritte." Nun, dass es klappt ist angesichts der im Vorfeld geleisteten "Feldarbeit" und der treuen Fangemeinde ja zu erwarten. Im Herbst gibt es dann eine Tour mit der großen Besetzung und vielen Überraschungsgästen.
Weitere Infos:
www.soulounge.de
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Matthias Bothor-
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(Soulounge/edel)




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