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EMBRACE
 
Neues Waschpulver, bewährte Formel
Embrace
Man hatte ja schon fast befürchtet, dass es mit dem Vertrags-Ende bei Hut Records auch zu einem Ende bei Embrace aus England kommen würde - denn so richtig zufrieden konnte die Band um die Brüder McNamara nicht sein. Ihr Debüt-Album "The Good Will Out" schlug allerorts ein, aber dieses Album zu toppen war aufgrund der damals schon vorherrschenden Opulenz schlicht nicht möglich. So hatten sich Embrace auf den darauf folgenden Alben ("Drawn From Memory", "If You've Never Been") zwar nicht wesentlich verschlechtert, aber so richtig überzeugend war das alles nicht. Jetzt wagt die Band auf einem anderen Label den Neustart.
Independiente heißt das neue Label von Embrace, dort sind sie in guter Gesellschaft mit Travis und wie es der Titel des neuen Albums andeutet, startete man buchstäblich "Ouf Of Nothing". Drummer Michael Heaton bestätigt dies: "Vor der letzten Platte hatten wir irgendwie nie richtig Zeit, um wieder in Ruhe Songs zu schreiben, wir waren sehr viel unterwegs und gut im Stress. Diesmal haben wir uns die Zeit genommen, alles in Ruhe machen zu können und daher hat es auch so lange gedauert." Über einen Zeitraum von knapp drei Jahren haben sich die Arbeiten an neuen Songs und am Album hingezogen, eine recht lange Zeit, um sich Gedanken über die Zukunft zu machen, Dinge aus der Vergangenheit vielleicht zu überdenken und neue Entscheidungen zu treffen. Gute Musik ist auch dabei herausgekommen. "Ja, ich denke sogar, es ist unser bestes Stück Arbeit - ich sage sowas normalerweise nicht, das ist mehr Dannys [McNamara; Sänger der Band] Job, sozusagen das neue Waschpulver anzupreisen. Aber ich denke schon, dass es unsere beste Platte ist, die einen langen Weg hinter sich hat, und wir fühlen uns, als ob wir eine komplett neue Band sind", gibt Gitarrist Richard McNamara zu Protokoll. "Wir fühlen uns in die Zeit zurückversetzt, als wir 'All You Good Good People' und diese ersten Sachen für unser erstes Album aufgenommen hatten - es herrscht ein großes Selbstbewusstsein vor, wir sind selbst davon überzeugt, eine tolle Platte aufgenommen zu haben", fügt Michael hinzu.
Embrace
Ein entscheidener Faktor hat diesmal auch der Produzent gespielt - Youth sein Name, selbst aktiv bei Killing Joke und er zeichnet sich verantwortlich für viele, viele Produktionen. Sehr erfolgreiche Produktionen, von u.a. The Verve, Crowded House, Dido etc. Youth sei der richtige Mann für Embrace, wie Richard sagt, denn sie brauchen jemanden, der mal auf die Uhr schaut und die Stirn runzelt, Widerworte gibt und im Grunde der Band in den Allerwertesten tritt, wenn sie zu lahmarschig wird. Was, wie Richard zugibt, sehr oft der Fall ist. Hat die Band dann auch zugelassen, dass er beim Auswahlprozess, welche Songs auf dem Album erscheinen sollten, beteiligt ist?!? Ein Produzent ist ja in der Regel kein Bestandteil einer Band, sondern eher ein Außenstehender. Bassist Steven Firth: "Wir haben ihn nicht direkt mit in die Entscheidung einbezogen, zumindest nicht bewusst. Als wir mit ihm im Studio waren, hatten wir eigentlich schon eine bestimmte Anzahl an Songs im Kopf, die auf dem Album erscheinen sollten - aber dann hatte es auch solche Momente gegeben, wo Youth mit zwei Songs ankam - einer von einer Band aus den 80s, der andere von einer 2000er Band - und meinte, dass wir den einen Part aus dem Song und den Akkord aus dem anderen Song nehmen und einfach damit drauflosjammen sollten. Das war großartig, so sind direkt zwei Songs auf dem Album entstanden. Da hat man gemerkt, wieviel er eigentlich zur Inspiration beiträgt. Auch seine Art zu produzieren, ist klasse - während wir den Song oder bestimmte Parts spielten und es gut lief, wurde er sehr enthusiastisch, tanzte in seinem Kontrollraum herum und verbreitete einfach eine riesen Stimmung." - "Er ist definitiv oldskool, so ein Typ wie George Martin [Beatles-Produzent], und er hat ein großes Songschreibe-Talent und hat Millionen-Seller-Alben produziert, und wenn man dann hört, dass so ein Mensch mit uns arbeiten möchte und ein Fan der Band ist, dann ist man natürlich komplett überwältigt. Er ist auch zur richtigen Zeit wieder zu uns gekommen [Youth hatte in der Anfangsphase bereits Songs mit Embrace aufgenommen], denn in der Zwischenzeit sind wir als Band sehr viel offener geworden, wenn es darum geht, auf Stimmen und Meinungen von außen zu hören. Früher haben wir alles abgeblockt, so nach dem Motto: 'Achwas, wir wissen selbst, was am besten für uns ist!' Wir waren einfach immer sehr misstrauisch gegenüber anderen, aber mit Youth war das von Anfang anders. Da war einfach direkt ein großes Vertrauen im Raum. Das ging sogar so weit, dass wir uns auch teilweise haben überreden lassen, bestimmte Songs komplett anders zu arrangieren. Anfangs waren wir nicht so sehr überzeugt davon, aber er meinte, wir sollten es trotzdem mal versuchen, eine Nacht drüber schlafen und dann ein endgültiges Urteil bilden. Und was soll ich sagen - der Mensch hatte Recht! Zum Beispiel der erste Song auf dem Album, 'Ashes' - in der ursprünglichen Version war es eine Ballade a la 'Fireworks'. Als Youth unsere Version hörte, war sein erster Kommentar, dass wir diesen Song viel, viel lauter und schneller spielen sollten. Wir waren zuerst nicht so sehr davon überzeugt, sind aber dann auf seinen Vorschlag eingegangen, beide Versionen live auszutesten. Wir haben, bevor wir in's Studio gegangen sind, drei Gigs gespielt, und Youth meinte, wir sollten an einem Abend die Balladen-Version und am nächsten Abend die laute Version spielen und auf die Reaktion der Leute achten. Tja, was soll man sagen - er hatte mal wieder Recht!", gibt Richard zu. Wo wir gerade beim Thema der unterschiedlichen Versionen sind - der Song "Gravity" stammt von Coldplay-Frontmann und Embrace-Freund Chris Martin. Wie hatte denn eigentlich Chris' Version geklungen? Richard: "Viel langsamer, nur Piano und Gesang. Danny kam vor knapp zwei Jahren in den Proberaum und meinte, dass Chris ihm letzte Nacht einen Song über's Telefon vorgespielt hätte und dass er großartig wäre. Danny hat den Song dann nachgespielt und wir meinten alle nur, dass das wie ein typischer Embrace-Song klingen würde. Chris war dann eines Tages bei uns im Studio, spielte uns einige seiner Songs vor, u.a. auch 'Gravity' - er meinte dann irgendwann: 'Ihr könnt mich als Arschloch bezeichnen, aber wollt ihr den Song haben? Ich schenke ihn euch!' Wir haben das zunächst nicht ernst genommen, denn wir brauchen niemanden, der Songs für uns schreibt! Aber dieser Song ist einfach großartig und er klingt so nach Embrace, dass wir das Angebot gerne angenommen hatten. Inzwischen fühlt er sich auch für uns wie ein Embrace-Song an, obwohl er von jemand anderem geschrieben wurde." Auch wenn die Band nun Einflüsse von außen zulässt, klingt "Out Of Nothing" letzten Endes doch typisch nach Embrace - mit den großen Melodien, mit Chor- und Orchester-Einsatz, mit Rock.
Weitere Infos:
www.embrace.co.uk
www.thepop.de/embrace
www.happyandlost.co.uk
www.fandirectory.co.uk
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Pressefreigaben-
Embrace
Aktueller Tonträger:
Out Of Nothing
(Independiente/Sony Music)




Embrace

 
 

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