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GISLI
 
Verrücktes Nordlicht
Gisli
"How About That?" fragen uns Gisli mit ihrem dieser Tage erscheinenden Debütalbum. Eine Frage, die durchaus berechtigt ist, denn auf Nummer sicher gehen der 26-jährige Namensgeber der Band und seine Musiker ganz sicher nicht. Mit einer Mischung aus Dinosaur Jr., The Beta Band und Beck rockten Gisli bei ihrem famosen Auftritt beim Haldern Pop im Sommer nicht nur alle Klischees über isländische Musik an die Wand, sondern verbreiteten mit ihren teilweise aberwitzigen, aber stets wortgewandten Texten auch noch jede Menge Spaß. Und das, obwohl die Fluggesellschaft das komplette Equipment der Band verbummelt hatte.
"Es hatte sich so viel Ärger bei uns aufgestaut, dass es richtig Klasse gemacht hat, das auf der Bühne alles herauszulassen. Der Auftritt hat wirklich jede Menge Spaß gemacht und ist ja auch noch richtig gut angekommen", freut sich der Kopf der Band zwei Tage später beim Treffen mit Gaesteliste.de auf der Dachterrasse des EMI-Gebäudes in Köln. Dass Gisli inzwischen als komplette Band durch die Lande ziehen, war ursprünglich eigentlich gar nicht geplant. "Anfangs hab ich einfach 15 Songs aufgenommen, nur um mich selbst bei Laune zu halten - es war nie geplant, dass irgendjemand sie je zu hören bekommt. Im Nachhinein stellte es sich als problematisch heraus, dass ich mir keine Gedanken gemacht hatte, wie man die Songs live umsetzen könnte. Jetzt habe ich allerdings so tolle Musiker gefunden, die selbst das im Griff haben. Bei unserem Auftritt in Haldern zum Beispiel mussten wir komplett ohne Samples auskommen, und es hat trotzdem funktioniert." Genauso planlos gut wie der Festivalauftritt am Niederrhein, dem im Oktober eine Hand voll weiterer Deutschland-Konzerte folgen werden, ist auch das Debütalbum Gislis. "Einige Leute glauben, ich hätte vor den Aufnahmen einen genauen Plan ausgeheckt, aber das stimmt nicht. Es ist bloß so, dass in der Punkrockband, in der ich früher gespielt habe, immer sehr darauf geachtet wurde, die Regeln des Punk - die übrigens ziemlicher Schwachsinn sind - nicht zu verletzen. Als ich dann keine Band mehr hatte, dachte ich mir: Jetzt kann ich einfach das tun, was ich will! Ich schreibe genau die Art von Musik, die ich mir auch selbst anhöre. An manchen Tagen höre ich nur HipHop, an manchen nur Akustik-Pop. Viele Leute, die sich wirklich für Musik interessieren, gehen so vor, deshalb machte es einfach Sinn, meine Platte auch so aufzuziehen."

Eingespielt hat Gisli seinen Erstling - von wenigen Aufnahmen abgesehen - ganz alleine. Dennoch plant er, in Zukunft auch im Studio vermehrt auf die Talente seiner Liveband zurückzugreifen - nicht zuletzt, weil sie bessere Musiker sind als ihr Chef selbst. "Es gibt einen Song auf dem Album, 'The Day It All Went Wrong', den mein Bassist produziert hat. Er spielt auch Keyboards und Bass darauf. Als ich die Platte aufnahm, hatte ich die Band einfach noch nicht zusammen. Das hat aber auch vieles einfacher gemacht, denn häufig hatte ich sehr klare Vorstellungen davon, wie etwas klingen sollte, und anstatt eine Band zum Proben für den nächsten Tag zusammenzutrommeln, konnte ich den Song einfach sofort aufnehmen." Dennoch ist es Gisli sehr wichtig, sich auch in Zukunft nicht festzulegen und sich keinen Zwängen auszusetzen. "Die Formel, die mir das Songschreiben erleichtert, habe ich noch nicht gefunden", sagt er lachend. "Ehrlich gesagt will ich das auch gar nicht, denn dann würde es vermutlich aufhören, Spaß zu machen. Es macht mir unglaubliche Freude, einen Drumbeat zu finden, mir dann etwas dazu auf der Gitarre auszudenken - und nach zwei oder drei Stunden hab ich dann einen kompletten Song. Das macht mich unglaublich glücklich und stolz."

Doch damit nicht genug: Auch die Aufnahmen der Songs sollen möglichst schnell passieren. "Ich schreibe den Song, und am nächsten Tag nehme ich ihn sofort auf. So stelle ich sicher, dass mich die Songs nicht beginnen zu langweilen. Schließlich gibt es keine endlosen Wiederholungen, und ich erspare es mir auch, zu lange an den Songs herumzufeilen." Um sich wirklich überhaupt nicht der Gefahr auszusetzen, sich ablenken zu lassen, nahm Gisli alles selbst in die Hand und spielte das Album fast komplett im Alleingang ein. Kein Wunder also, dass er anfangs Probleme damit hatte, die Songs aus der Hand zu geben, egal, ob an seine Plattenfirma oder an den Mann, der ihm beim Mixing unter die Arme griff. Dass gerade letztere Sorge unbegründet war, hätte sich Gisli allerdings denken können. Immerhin war kein Geringerer als David Bascombe - früher unter anderem für Depeche Mode tätig - für die Abmischung zuständig. Als dann aber die ersten drei Songs fertig waren, merkte Gisli, dass Bascombe nicht nur sein Handwerk, sondern auch seinen Auftraggeber bestens versteht. Was mitunter gar nicht so einfach ist, denn die Art des überdrehten Humors, mit dem sich Gisli textlich als ewiger Verlierer präsentiert, haben ihm einige Kritiker bereits übel genommen, weil sie Zeilen wie "I'm like the Second World War without the Nazis / I'm like Diana Without The Paparazzis" für aufgesetzt halten. "Humor ist ein wichtiger Teil meiner Persönlichkeit, da wäre es albern, ihn in meinen Songs außen vor zu lassen", rechtfertigt sich Gisli, der seiner isländischen Heimat übrigens schon vor einigen Jahren den Rücken gekehrt hat. Derzeit lebt er in Norwegen und zieht es auch gar nicht in Betracht, der Karriere wegen in ein Musikmekka wie London zu ziehen. "Ich habe kurz mit dem Gedanken gespielt, nach London zu ziehen, aber jetzt, wo ich so viel unterwegs bin, ist es mir sehr wichtig, dass 'zu Hause' ein ruhiger Ort ist", sagt Gisli. "London wäre da nicht das Richtige, um zu entspannen. Ich bin in Oslo sehr zufrieden!"
Weitere Infos:
www.gislimusic.tk
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-
Gisli
Aktueller Tonträger:
How About That?
(EMI)




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