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EPHEMERA
 
Nur Fliegen sind schöner
Ephemera
Weil sie das norwegische Wort für Eintagsfliege "Døgenflue" so niedlich fanden, haben sich Jannicke Larsen, Inger Lise Størksen und Christine Sandtorv Ephemera genannt - was wiederum der englische bzw. ursprünglich lateinische Begriff für diese Art von Tier ist. (Es gibt auch noch eine medizinische Bedeutung dieses Begriffes, aber die ist definitiv nicht gemeint) Mittlerweile ist das zu einem unfreiwilligen Bumerang geworden, denn Ephemera, die Band, lebt jetzt schon zehn Jahre und das - zumindest in Norwegen und Japan mit Superstar-Status. Mit "Air", das bei uns nun veröffentlicht wird, liegt bereits Album Nummer 4 vor (wobei die nächste CD, "Monolove", in Norwegen auch schon in den Startlöchern steht). "Air", so muss selbst der zynischste Kritikergeist eingestehen, ist das netteste Album der letzten Zeit. "Nett" meint hier nicht akzeptabel und belanglos, sondern luftig, frei von Spannungen oder Aggressivität und absolut liebreizend.
Ephemera sind auch nicht böse, wenn man die Musik "nett" nennt - wobei sie doch festhalten möchten, dass es um etwas mehr geht. "Details sind für uns ungemein wichtig", meint z.B. Christine Sandtorv, "natürlich auch das Gesamtbild, aber die Details machen den Unterschied aus. Wir mögen es, wenn etwas nicht langweilig ist. Jeder Song kann langweilig sein. Man muss da mit Tricks arbeiten. Es ist zum Beispiel wichtig, an einem Song nicht zu lange zu arbeiten, aufzuhören, bevor er ganz fertig ist, so dass er nicht zu poliert klingt." Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: "Jeder Song kann langweilig sein". Es war schon lange mal an der Zeit, dass jemand so etwas sagt. "Unsere Musik ist ja auch nicht harmlos", beeilt sich Jannicke Larsen hinzuzufügen, "vielleicht ein wenig melancholisch, aber das ist ja eine wichtige, gute Emotion." - "Unsere Songs sind bittersüß", bemerkt Inger Lise Størksen, "die Texte sind schon mal öfter auf der traurigen Seite, aber es gibt auch immer ein Fünkchen Hoffnung." - "Das ist typisch Ephemera" ergänzt Christine, "so sind wir."
Ephemera
Wie begann denn eigentlich das Abenteuer Ephemera? "Nun wir sind befreundet, seit wir Kinder sind und haben in einem Kinderchor in Bergen angefangen, in dem wir auch zusammen singen gelernt haben", erzählt Jannicke Larsen, "die Stimme ist also unser erstes Instrument. Am Anfang haben wir auch gar nicht so gut Gitarre gespielt. Wir haben dann aber trotzdem relativ schnell einen Plattenvertrag bei BMG in Norwegen bekommen und 1996 unsere erste Scheibe 'Glue' veröffentlicht. Dann haben wir beschlossen, unsere eigenes Label, Ephemera-Records, zu gründen, auf dem wir dann unsere zweite Scheibe 'Sun' und auch die dritte 'Balloons & Champagne' veröffentlichten." Moment mal: Nachdem bereits eine Scheibe bei einer Major-Company erschienen war? "Ja, weil wir dachten, dass wir das, was eine Plattenfirma für uns tut, auch selber machen könnten", meint Jannicke, "Norwegen ist ja nicht so groß und wenn man die Kontakte hat und hart arbeitet, dann geht das schon." - "Musik ist auch so wichtig für uns, dass wir das, was wir tun auch besitzen wollten", fügt Inger Lise Størksen hinzu, "wir wollten es auf unsere Art, die Ephemera-Art machen - da sind wir schon ein wenig störrisch, denke ich. Es war natürlich harte Arbeit, aber wir haben so auch viel gelernt." Woher kommen denn die musikalischen Einflüsse? Wenn man sich die Musik von Ephemera anhört, so sind diese stilistisch eigentlich nicht so recht einzuordnen. Ist es Pop? Ist es Folk? Ist es Songwriter-orientiert? "Ja", muss man da eigentlich sagen... "Als wir begannen, hörten wir immer Musik, bei denen Vokal-Harmonien wichtig sind - sagen wir mal die Beatles oder Crowded House", erinnert sich Inger Lise, "das inspirierte uns schon sehr. Heutzutage hören wir uns natürlich alles an. Was aber geblieben ist, ist immer noch, dass die Melodie für uns sehr wichtig ist." - "He, wir versuchen aber auch, gute Texte zu schreiben", fügt Jannicke hinzu. "Im Laufe der Jahre haben wir auch gelernt Gitarre und Keyboards zu spielen und nicht zu vergessen das Glockenspiel. Heute haben wir einfach mehr Möglichkeiten", ergänzt Inger Lise, "und es war auf jeden Fall eine gute Methode, im Chor zu beginnen."

Diese Art der Chronologie mag auch der Grund dafür sein, dass sich die Musik von Ephemera wenig formalistisch anhört - da gibt es sehr viele Eigenheiten, die man in dieser Kombination noch nicht gehört hat - sei es was die angesprochenen Harmonien betrifft, die Instrumentierung oder die Arrangements. "Nun, als wir begannen, hatten wir nur eine Gitarre, eine dicke Trommel und vielleicht mal eine Flasche, auf der wir geblasen haben", verrät Inger Lise, "da muss man sich natürlich interessante Arrangements einfallen lassen." Heutzutage haben Ephemera eine feste Band - unter anderem mit einem Bassisten und einem Drummer - die sich aber alle in das "nicht langweilig"-Konzept einfügen (müssen). "Ja, nimm Per unseren Bassisten, der hat zum Beispiel seine Saiten manipuliert, damit sie besonders klingen", erklärt Inger Lise, "es sind schon alle sehr involviert, wenn es darum geht, Ungewöhnliches zu machen." Wobei indes die Mädels schon die Hosen anbehalten, nicht? "Ja, wir singen den anderen zum Beispiel vor, was sie spielen sollen", bestätigt Inger Lise, "es ist auch wichtig, dass jemand sagt, wo es lang geht", ergänzt Jannicke, "und wie gesagt: Wir möchten es ja auch auf unsere Art machen." Darin scheinen sich die drei ja ziemlich einig zu sein. Wie sieht es denn beim Songwriting aus. Herrscht hier auch eitel Dreisamkeit? "Nein, wir schreiben jede für sich selbst", gesteht Jannicke. "Wir sitzen mehr oder weniger zu Hause und schreiben Texte und Melodien", führt Inger Lise aus, "wenn wir aber die Songs fertig haben, dann kommen wir zusammen und arrangieren alles gemeinsam." - "Und noch etwas", wirft Christine ein, "nach all dieser Zeit kennen wir unsere Stimmen so gut, dass wir bereits beim Songwriting in unserem Kopf hören können, wer was singen sollte." - "Was uns auch immer wichtig war, ist die Harmonien so anzulegen, wie wir sie selber noch nicht gehört haben", überlegt Jannicke, "damit das nicht typisch nach irgendetwas klingt, was man schon kennt. Wir überraschen uns gerne selber." Und wonach suchen Ephemera beim Songwriting? "Nun, ich schreibe zum Beispiel besonders gut, wenn ich eher traurig bin", erläutert Inger Lise, "weil ich es gut finde, darüber zu schreiben, was mich traurig macht, um es so zu verarbeiten." - "Also, das trifft auf mich nicht zu", widerspricht Jannicke, "aber ich stimme zu, dass die Stimmung wichtig ist. Und zwar deshalb, weil du den Leuten ja etwas vermitteln möchtest." - "Und bei mir liegt es irgendwo dazwischen", fügt Christine hinzu, "ich schreibe am liebsten spät abends über alles mögliche."

Ephemera
Und das alles fügt dann Yngve Leiduv Saerte, der Produzent, zusammen, oder? "Nun ja, er ist ziemlich gut darin, das Beste aus uns herauszukitzeln", meint Jannicke, "er ist auf gewisse Art verspielt. Wir mögen es, an Synthesizern herumzufummeln und kleine Sounds zu kreieren, die er dann meisterlich in unsere Songs einwebt." - "Sein Studio sieht aus wie ein Spielzeugladen", fügt Inger Lise hinzu, "mit all diesen Computern und Keyboards drin." Warum entschied man sich denn, das Album "Air" jetzt hier bei uns zu veröffentlichen, wenn das neue, "Monolove", doch schon fertig ist? "Nun, wir denken, dass 'Air' ein ganz gutes Album ist", meint Jannicke, "und darauf ist auch die Single 'Girls Keep Secrets In The Strangest Way', die uns sehr wichtig ist. Wir kommen aber mit dem neuen Album zurück. Das neue Album ist ein wenig tiefgründiger, langsamer und reichhaltiger arrangiert - auch mit Streichern. Ich denke, es war für uns von allen Alben am schwierigsten zu realisieren." - "Wir haben uns selbst damit herausgefordert", sagt Christine, "wir haben Songs geschrieben, die schwierig aufzunehmen und schwierig zu spielen sind, haben es aber am Ende geschafft." Die angesprochene Single "Girls" von "Air" ist eines der seltenen Beispiele dafür, wie ein Song sein sollte, der ohne weiteres im Radio gespielt werden kann, ohne dabei seinen Anstand zu verlieren und obendrein auch noch anders klingt, als andere. Ein weiteres Schmankerl ist der Song "Diamonds In The Sand", ein Duett mit William Hut, dem Sänger der befreundeten norwegischen Band Poor Rich Ones. Wie gesagt: In ihrer Heimat sind Ephemera bereits Superstars (sie supporten dort z.B. Acts wie David Bowie oder spielen ausverkaufte Headliner Konzerte). Auch in Japan kommt der Ephemera Sound gut an - dort verkaufen die Damen sogar noch größere Stückzahlen als in Norwegen. In den USA waren Ephemera zwar noch nie, aber dennoch haben sie dort bereits einen Fuß in der Tür: Ihre Songs werden regelmäßig zu Soundtracks, Fernsehserien wie "Felicity" - und Werbespots - herangezogen. Das alles sind sicherlich keine schlechten Vorraussetzungen, um nun auch bei uns durchzustarten. Was ist denn für Ephemera das Wichtigste an ihrer Musik? "Musik ist deswegen wichtig, weil sie entspannend ist", sagt Jannicke, "und weil man so etwas zu den Leuten sagen kann." - "Ich liebe es, in der Mitte des ganzen Sounds zu stehen, wenn man die Songs mit der Band vorträgt", fügt Christine hinzu, "das ist ein tolles Gefühl." - "Und man kann so Dinge verarbeiten, die man lange mit sich herumgetragen hat", ergänzt Inger Lise, "es ist so schön, wenn die Leute auf deine Songs reagieren, wenn Tränen fließen, wenn du Zuspruch bekommst. Ehrlich gesagt, könnte ich ohne dieses Gefühl nicht mehr leben."
Weitere Infos:
www.ephemera.no
www.ephemera.org
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Ephemera
Aktueller Tonträger:
Air
(Dustbowl/edel)




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