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LAMPSHADE
 
Es können oder nicht
Lampshade
Wenn es eine Band wie Lampshade aus Dänemark nicht gäbe, müsste man sie eigentlich erfinden. Auf den ersten Blick, so scheint es, hat es das, was Lampshade musikalisch bieten, alles schon einmal gegeben. Nur nicht in dieser ungewöhnlichen Kombination. Da treffen die engelsgleiche Elfen-Vocals von Sängerin Rebekkamaria auf brutale Heavy-Akkorde, da paaren sich ätherische Glockenspiel-Kaskaden mit erdigen Trompetensoli, da knallt ein wuchtiger Bass in flächige Keyboard-Seen und so weiter. Wenn man das Handbuch für das Formatradio zückt, wird man alle diese Ingredienzen zwar irgendwo finden, richtig und regelkonform ist das aber in dieser Kombination nicht. Es ist aber gerade dieses Aufeinandertreffen verschiedener Welten, das in der Kombination den Reiz des Unternehmens Lampshade ausmacht.
Und das mit dem Unternehmen ist auch nicht bloß so dahergesagt. Nicht nur, dass sich Lampshade selber um alle geschäftlichen Belange kümmern, sie machen auch das Artwork, das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit selber. Das wichtigste dabei ist, dass immer alles in sich stimmig ist. So haben sie z.B. mit dem alternativen Dänischen Modehersteller Bark Danmark (Bark = Baumrinde) einen Sponsorenvertrag, der ihnen z.B. immer hippe Bühnekleidung garantiert. Wir baten Johannes Dybkjær Andersson, den Bassisten und musikalischen Direktor, sowie Sängerin und künstlerische Leiterin Rebekkamaria uns einmal einen Einblick in die Lampshade Welt zu gewähren. "Also, wir haben vor vier Jahren angefangen, zusammen zu spielen", erzählt Johannes, "was als Spaß begann, hat sich in ein ernsthaftes Projekt mit vielen Shows und Tonträgern gewandelt. Es gab auch Besetzungsänderungen. Die wichtigste war mit Sicherheit die, als Rebekkamaria zu uns kam. Das war der Anfang von Lampshade so, wie es jetzt ist. Ich arbeite als Booker in einem Club in Odense in Dänemark [das ist die Heimatstadt von Hans Christian Ansersen] und ich kümmere mich um das Management von Lampshade und einer Band Namens Campsite, die gerade einen Deal in den Niederlanden bekommen haben. Ich studiere auf ein Diplom als Musikmanager an der königlichen Musikakademie in Århus. Rebekkamaria arbeitet in einer Kunstbuchhandlung. Sie entwirft auch Kleidung und arbeitet als Musiklehrerin für Kinder. Eric, unser neuer Gitarrist, lebt in Malmö, in Schweden. Er studiert und produziert Schallplatten. Daniel, unser Drummer, studiert und lebt in Linköping in Schweden." Woher stammt denn der Name Lampshade? "Also, das war so, dass wir auf dem Rückweg von einer Probe überlegt hatten, wie wir uns nennen konnten und dann jemand den Namen 'Lampshade' vorschlug, weil das ein Song von der Band Kashmir ist", erinnert sich Johannes, "nicht, dass das unsere Lieblingsband ist, aber es ist ein toller Song. Sonst hat der Name weiter keine Bedeutung." Und wie kam es nun zu der jetzt vorliegenden Debüt-CD "Because Trees Can Fly"? "Nun, wir spielten zwei CDs ein, bevor Rebekkamaria zu uns kam", erzählt Johannes, "es war eine Demo-CD und eine mit Singles als EP. Aber Lampshade wurde erst zu dem, was es jetzt ist, als Rebekkamaria zu uns kam. Unsere erste gemeinsame Scheibe war eine EP namens 'Adorable Void'. Es folgte '3P' und dann die CD 'Because Trees Can Fly', [die zunächst im Eigenvertrieb erschien, bevor Glitterhouse darauf aufmerksam wurde]. Wir veröffentlichen jetzt eine Single mit dem Titeltrack. Und gerade eben haben wir an einem Video für 'Because Trees Can Fly' gearbeitet."
Wie entstand denn nun der ungewöhnliche Mix an Sounds und Elementen, aus dem Lampshade ihre Musik zusammenstellten? "Nun, wir werden von einer Menge Dingen inspiriert", verrät Johannes, "Poesie, die Natur, Kunst etc. Und natürlich von einer Menge verschiedener Musik. Ich denke, unser ungewöhnlicher Sound entsteht dadurch, dass alle in der Band am Songwriting beteiligt sein müssen und dass jeder den betreffenden Song mögen muss, bevor er ein Lampshade-Song werden kann. Wir versuchen unsere verschiedenen Backgrounds und Einflüsse in Musik umzusetzen. Wir hören Musik von Singer-Songwritern, Jazz, Americana, Postrock, Emo und sogar Noisecore und Hardrock und wir verwenden all das irgendwie in unserer Musik. Für uns ist Songwriting eine art von Wunder, das halt irgendwie passiert. Wir kommen einfach zusammen und jammen drauflos, bis irgendetwas passiert." Schön und gut, aber muss man nicht nach irgendetwas suchen, sich auf irgendetwas einigen, um zu einem Ergebnis gelangen zu können? "Wir suchen in einem Song nach dem richtigen Gefühl, der richtigen Emotion - etwas, das uns bewegt. Wir spielen nur das, was wir unbedingt spielen müssen, nur das, was uns bewegt. Wenn ein Song das tut, dann ist es ein guter Song. Und dann sehen wir die Texte noch als Poesie und nicht bloß Worte, die zur Musik passen sollen an." Gutes Stichwort: Welche Funktion haben denn die Texte? Zunächst einmal könnte man diese als Lautmalerei verstehen (nicht zuletzt aufgrund von Rebekkamarias ziemlich einzigartigen Gesangsstil), aber es steckt ja doch mehr dahinter, nicht wahr? "Wie ich sagte, sollen die Texte ja auch als Poesie funktionieren und nicht bloß leere Stellen auffüllen", führt Johannes aus, "aber andererseits ist die Stimme zuweilen schon so etwas wie ein zusätzliches Instrument - gleichberechtigt mit Bass, Gitarre oder was immer. Die Texte sollen aber schon ziemlich ehrlich sein und aus unseren Erfahrungen und Gefühlen resultieren. Ich würde es so beschreiben, dass unsere Songs Dankbarkeit und Erstaunen widerspiegeln." Wie wird sich denn der musikalische Stil der Band weiterentwickeln? Die Mehrzahl der Stücke ist ja eher lang, elaboriert und funktionieren mehr mit Dynamik als etwa mit Tempo, mehr mit Atmosphäre als mit Melodien. "Nun, wir arbeiten gerade an einer neuen Scheibe für Glitterhouse", verrät Johannes, "einige Songs werden bestimmt weniger laut sein, mit mehr Melodie und Stimm-Arrangements in der Art von Singer-Songwriter-Material. Die anderen Songs beinhalten Krach-Explosionen, sind aber Trance-artiger als bisher." Reizt es denn gar nicht, zum Beispiel einfach mal ein kurzes, schnelles Stück zu schreiben? "Doch schon", stimmt Johannes zu, "und die wird's auch geben, wenn wir sie denn schreiben können. Aber ich denke, wir werden nicht aufhören, die 'großen' zu schreiben. Aber wie ich schon sagte: Wir machen Musik, die wir mögen und nicht solche, die bestimmten Normen entspricht. Aber bei all unseren Einflüssen werden wir schließlich auch bei kurzen Stücken ankommen, und bei großen Soundlandschaften und mehr. Immer mit einem speziellen Ansatz."

An wen richtet sich eigentlich die Musik von Lampshade? "Also, zunächst einmal geht es darum, Musik zu schaffen, die wir selber mögen. Wir sind dankbar für jeden, der diese Musik dann auch mag. Aber wir wollen auch Musik machen, die auch Bestand hat und Emotionen und den Intellekt gleichermaßen anspricht. Jedenfalls mehr als Party- und Tanzmusik, bei allem Respekt. Wir haben in diesem Sinne keine Botschaft, aber wir sind ehrlich in Bezug auf unsere Musik, unseren Glauben und unsere Gedanken. Und das wollen wir auch durch unsere Kunst ausdrücken und das mit jedem teilen, der zuhören möchte." Wie motivieren sich Lampshade denn selber? "Wir denken bei unserer Musik immer an Sounds, nicht an Noten oder Regeln. Das veranlasst uns, Sounds auf immer neue Arten zu erzeugen. Es soll auch schön klingen. Das lässt sich auf vielerlei Arten erreichen - z.B. durch seltsamen Gesang - wie der Operngesang auf 'The Hug'. Oder wir verwenden einen Geigenbogen auf der Gitarre, spielen den Bass durch ein Wah Wah Pedal oder ähnliches. Und ich denke, dass es immer eine Herausforderung ist, Musik zu machen, die man dann selber mag." Ein besonderer Aspekt des Unternehmens Lampshade ist der geschäftliche Teil, der ja von der Band selbst gehandhabt wird - was ja nicht sehr häufig vorkommt. "Also, wir lassen uns da von der Independent-Szene inspirieren. Die Art in DIY-Strukturen zu denken und die Erkenntnis, dass das Musikbusiness nicht gesund ist. All die normalen Kanäle sind also per Definition nicht gut für uns. Dann lasse ich mich noch von dem Gedanken inspirieren, dass Kunst und Geschäft durchaus kooperieren können. Wir arbeiten zum Beispiel mit der Kleiderfirma Bark Danmark zusammen. Wir entwerfen unser Merchandise Material selber und wir spielen zum Beispiel auf Kunst-Festivals."

Lampshade
Wenn Rebekkamaria live singt, hat sie oft ihre Augen geschlossen. Hat das einen bestimmten Grund? "Also, wenn ich meine Augen schließe, dann kann ich fast vergessen, dass ich auf einer Bühne stehe und die Leute mir zuhören", gesteht Rebekkamaria, "für mich hört sich mein Gesang dann authentischer oder realer an. Ich sehe nicht direkt irgendwelche Bilder vor mir, sondern es ist auf diese Art einfacher für mich, mich auf das was ich singe und wie ich es singe zu konzentrieren." Wie sieht sich Rebekkamaria denn selber als Sängerin? "Also, singen ist das, wozu ich am besten und aufrichtigsten in der Lage bin", erklärt sie, "manchmal hasse ich aber meine Stimme auch geradezu. Ich habe in vielen verschiedenen Projekten mitgemacht und meine Stimme auf viele verschiedene Arten gebraucht. Bei Lampshade fühle ich mich aber wirklich zu Hause. Ich habe jetzt direkt kein richtiges Ziel vor Augen, möchte mich aber als Sängerin ständig weiterentwickeln und wachsen. Ich hoffe, das auch als Songwriter mit Lampshade tun zu können. Ich würde auch gerne mal irgendwann in einem Musical oder Theaterstück mitmachen." Wie wichtig ist denn eigentlich die Melodie bei Lampshade? "Wenn du die Gesangsmelodie meinst, dann ist die nicht wirklich wichtig", räumt Rebekkamaria ein, "jedenfalls nicht, wenn es um Melodien zum Mitsummen geht. In den meisten unserer Songs betrachten wir die Melodie eher als zusätzliches Instrument." Rebekkamaria ist ja auch für das Design bei Lampshade zuständig. Wie wichtig ist denn ein bestimmtes Image für die Band? "Also, dass ich für das Design zuständig bin, heißt nicht, dass ich ein bestimmtes Image kontrollieren möchte", schränkt sie ein, "ich mag es lediglich, auf verschiedene Arten kretaiv zu sein und ich mag es, dass unser Merchandising von Hand gemacht und einzigartig ist." (Lampshade verkaufen auf ihren Konzerten zum Beispiel 2nd-Hand-Kleidung, die von Rebekkamaria mit Lampshade-Insignien versehen wurde) "Ich denke, dass jeder Künstler daran interessiert ist, Zeug herzustellen, das er selber auch mag", ergänzt sie, "und das ist es, was wir bei Lampshade versuchen: Dass unsere Musik und das 'Design' (Fotos, Posters, Artwork, Merchandise) miteinander in Verbindung gebracht werden können. Die Leute können uns so auf viele verschiedene Arten wahrnehmen, aber immer die rote Linie finden." Ist es nicht wagemutig, die Haarfarbe zu ändern (Rebekkamaria trägt jetzt schwarz)? So sieht Lampshade ja fast wie eine andere Band aus? "Also, erstmal ändere ich meine Haarfarbe ja nicht ständig", grummelt sie, "es ist das erste Mal in fünf Jahren. Ich habe aber graue Haare bekommen und so... das ist natürlich quatsch. Ich gebe ja zu, dass es manch jemand zu radikal findet, aber ich denke, es ist eher natürlich, von Zeit zu Zeit sein Aussehen zu verändern - und sich nicht etwa in dem Label kleben zu bleiben, mit dem andere dich versehen!" Was hat es mit dem Artwork auf sich? Was bedeutet die Zeichnung von dem Mädchen auf dem Cover, welche Bedeutung haben die Bilder im Booklet? "Das Mädchen auf dem Cover bist du oder ich", meint Rebekkamaria, "sie steht für unser Sehnen, unsere Fähigkeit, Freiheit zu verstehen, für Leichtigkeit und Freude - aber sie trägt auch unsere Wunden und deckt unsere melancholische Seiten ab. Sie steht irgendwo zwischen allem - innerhalb der Symmetrie. Sie weiß, dass sie vom Boden abheben kann, dass sie aber trotzdem in ihrer eigenen Geschichte im Hier und Jetzt gegenwärtig ist. Und ja, jedes der Fotos im Booklet hat eine spezielle Bedeutung. Es mag ein Bild sein, das ich bei einem bestimmten Anlass aufnahm, oder es hat eine Beziehung zu einem Song oder so etwas in dieser Art. Das erste Bild - 'The Hug'- ist zum Beispiel eine Aufnahme von mir als Kind in den Armen meiner Mutter. Wir dachten dann noch, dass Aufnahmen aus der Natur sehr viel schöner sind als Bilder von uns selbst." Und was bedeutet - vielleicht in diesem Zusammenhang - der Titel des Albums? Warum können Bäume fliegen? "Das ist eine Metapher", verrät Johannes, "es bedeutet: Durch göttliche Fügung das unmögliche möglich zu machen." Runden wir das Ganze noch mit einer Standardfrage ab: Was ist für Lampshade das schönste am Musizieren, und was das Schwierigste? "Nun, das was am meisten Spaß macht, ist Musik zu kreieren und live vorzutragen", verrät Johannes, "und das Schwierigste ist, das nicht tun zu können."
Weitere Infos:
www.lampshade.dk
www.adorablevoid.com/lampshade
www.barkdanmark.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Lampshade
Aktueller Tonträger:
Because Trees Can Fly
(Glitterhouse/Indigo)




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