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THE DONNAS
 
Mensch statt Maschine
The Donnas
Das neue The Donnas-Album, "Gold Medal", wird mit Sicherheit die Lager spalten - für die einen wird es die Rock-Platte des Jahres sein, für die anderen, die die energiegeladenen Rock-Nummern mit AC/DC- und Ramones-Einschlag so lieben, wird es eine herbe Enttäuschung sein, denn sie haben auch mal ein wenig Pop in ihr Leben gelassen. Seit 1998 haben Donna A., Donna C., Donna F. und Donna R. ordentlich Gas gegeben, fünf Platten veröffentlicht, sind unentwegt auf Tour gewesen, waren im Grunde so, wie einer ihrer frühesten Songs heißt: Rock N Roll Machines. Doch früher oder später kommt der Zeitpunkt, an dem es heißt, wieder Mensch zu werden. 2005 sind die Donnas: Brett Anderson, Torry Castellano, Maya Ford und Allison Robertson.
"Auch wenn es sich wie das alte Klischee anhört: Wir haben uns musikalisch einfach weiterentwickelt", erzählt Maya Ford im Interview mit Gaesteliste.de. "Und in meinem Fall als Bassistin spiele ich mehr Noten als bisher, ich spiele melodischer als auf den alten Sachen, und ich denke, die Songtexte sind auch sehr viel anders ausgefallen - sie sind emotionaler, sie erzählen diesmal von richtigen Gefühlen, von realen Situationen. Auf den früheren Donnas-Alben war es anders - man sagte uns nach, dass wir eine geheime Donnas-Sprache hätten, dass wir einfach dumm sind, dass wir keine Worte kennen, die aus mehr als zwei Silben bestehen, dass wir alles universell und groß haben wollten, Spaß, Party, die 'Fuck You!'-Haltung - auf dem neuen Album zeigen wir einfach, dass es mehr bei den Donnas zu entdecken gibt, dass wir auch reale Gefühle besitzen und diese zum Ausdruck bringen können. Aber nicht auf eine lahme Art und Weise, nur um uns irgendwie zu rächen oder so. Vom Tempo her geht es auf dem neuen Album auch anders zur Sache - weniger BPM! Aber keine Balladen! Wir haben das Tempo ein wenig gedrosselt, damit wir einfach in der Zeit mehr machen können - bei den alten, schnellen Stücken blieb mir im Grunde nichts anderes übrig als eine Note zu spielen."
Das Songwriting hat sich in der Zwischenzeit auch verändert - diesmal war es eher eine Art Puzzle, das sich bekanntlich aus vielen Einzelteilen zusammensetzt. Das ging laut Maya sogar soweit, dass selbst die Texte nicht immer vom einem Band-Mitglied stammten, sondern aus einzelnen Fragmenten aller zusammengesetzt worden sind, und auf wundersame Weise doch eine thematische Einheit bildeten. Ein Indiz dafür, dass die Damen bereits seit Ewigkeiten nicht nur als Band zusammen funktionieren, sondern natürlich auch auf der freundschaftlichen und menschlichen Ebene zusammenpassen. Darum war es jetzt auch an der Zeit, die Donnas-Pseudonyme hinter sich zu lassen und von nun an die richtigen Namen auf dem Album zu benutzen. "Die ganze Band sich im letzten Jahr verändert - als wir damals angefangen hatten, war The Donnas nur ein Nebenprojekt, ein großer Spaß, und wir dachten nie, dass es sich jemals so entwickeln würde. Und nach einiger Zeit ist man es einfach leid, überall als 'Donna F.' aufzutreten oder als 'Donna F.' Autogramme zu geben - man will einfach, dass die Leute deinen richtigen Namen kennen." Wenn nun also die "richtigen" Donnas auf den Plan getreten sind - war alles in der Vergangenheit irreal? "Hm, nicht wirklich irreal, sondern es hat durchaus Momente gegeben, in denen man einfach nicht mit vollem Herzen bei der Sache war, und sich dachte 'Okay, nun bin ich Donna F., und ich werde diesen Song spielen, der mich langweilt!'. ['Rock N Roll Machine' ist laut Maya solch ein Song] Wir stehen natürlich trotzdem zu dieser Phase, aber manchmal war es einfach zu viel, immer als 'Donna' aufzutreten." Die Tatsache, dass Drummerin Torry Castellano jahrelang schlicht eine falsche Schlag-Technik an den Tag legte und sich dadurch Schmerzen im Handgelenk und dort speziell in den Bändern entwickelten, was letztendlich zu einer Zwangs-Pause, einer Operation und dem Erlernen einer gesunden Schlag-Technik führte, dürfte ebenfalls der Band vor Augen geführt haben, dass der Körper ab einem bestimmten Punkt einfach seine Auszeit einfordert, und die Erkenntnis kehrte ein, dass man einfach keine Rock N Roll Maschine ist. "Ja, es hat viele Momente gegeben, wo ich dachte, ich wäre ein Roboter. Ich konnte nicht nach Hause gehen, ich musste noch ein Konzert spielen, noch ein Interview, noch ein Foto-Shoot - da gelangt man an den Punkt, wo man sich selbst hinterfragt und sich verloren fühlt. Torry litt physisch, wir anderen mental - wenn man so lange unterwegs war und alles so schnell vonstatten geht, und wenn man dann plötzlich nach Hause kommt und alles stillsteht, weiß man absolut nichts mit sich selbst anzufangen! Man muss echt überlegen, wie es ist, ein 'normaler' Mensch zu sein - aufstehen, Frühstück machen, die Wäsche aufsetzen, die Miete selbst zahlen, dafür hatte man immer jemand, der sich darum gekümmert hat. Als wir letztes Jahr nicht auf Tour waren, bin ich fast ausgeflippt. Das habe ich wirklich gehasst. Aber die Pause war trotzdem äußerst notwendig." Und sicher auch hilfreich, um über Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind, nachzudenken und daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. "Ja, absolut. Es war zwar eine schmerzvolle Phase, aber im Grunde auch gut, denn wir alle brauchten einfach mal ein wenig Zeit, um unser eigenes Leben in den Griff zu bekommen. Wenn wir nächstes Mal nach 18 Monaten Tournee nach Hause kommen, haben wir etwas, auf das wir uns freuen können. Außerdem haben wir unsere Lektion gelernt, werden uns hoffentlich auf der kommenden Tour anders verhalten als bisher, vielleicht mal meditieren oder anders entspannen, vielleicht weniger Schokolade essen. Und vielleicht auch mal einen Tag mehr frei machen als bisher." Das dürfte wohl einige Leute überraschen, die davon ausgehen, dass die Donnas nach wie vor 24/7 im Namen des Rock N Roll unterwegs sind. "Ja, es ist schon komisch, dass die Leute einfach erwarten, dass wir konstant auf Drogen sind, Sex mit jedem Typen haben, der zu unserer Show kommt, dass wir verrückt sind, Tonnen von Make-Up auftragen, etc. - aber warum sollten wir das machen? Dafür haben wir einfach keine Zeit - wir müssen arbeiten! Sicher ist es spaßig, wenn man auf die Bühne geht und dein Alter Ego kommt hervor und du lässt den Rock-Star raushängen, machst dich ein bisschen mehr zurecht und trägst ein wenig mehr Eye-Liner auf, aber das will ich doch nicht den ganzen Tag über machen! Außerdem haben die meisten von uns einen festen Freund. Davon abgesehen sind da meistens sowieso keine niedlichen Typen im Publikum, mit denen man etwas anfangen könnte..."
The Donnas
Beim letzten Treffen mit den Donnas, 2003 in Düsseldorf, hatte die Band bereits einige neue Stücke geschrieben und es war im Gespräch, dass diese von Scott Litt (R.E.M., Incubus, Indigo Girls, Nirvana, etc.) produziert werden sollten - die Wahl fiel dennoch auf Butch Walker (ehemals Mitglied von Marvelous 3). "Ja, wir habens uns mehrfach mit Scott getroffen, sind nach L.A. in sein Appartment gekommen und haben mit ihm gearbeitet - aber irgendwie wollte es nicht 'Klick' machen. Wir haben irgendwie nicht die gleiche Sprache gesprochen, die Demos, die wir mit ihm aufgenommen hatten, gefielen uns einfach nicht - und da wir eine harte Deadline hatten, und einen Produzenten brauchten, der schnell arbeitet, mussten wir die Sache mit ihm leider absagen. Diese Entscheidung ist uns persönlich auch sehr schwer gefallen, denn es war eine große Ehre für uns, und ich bin ein riesiger R.E.M.-Fan - aber irgendwie wollte es nicht funktionieren. Mit Butch hingegen lief alles perfekt - er ist ja auch in unserer Altersklasse, wenn man ihn auf bestimmte musikalische Sachen ansprach, verstand er es sofort - und außerdem ist er niedlich. So ein netter Blickfang im Studio ist ja auch nicht zu verachten..." Für den netten Blickfang auf der Bühne und eine gehörige Portion Rock werden die Donnas auch dieses Jahr wieder sorgen - im Februar und März sind die Damen präsentiert von Gaesteliste.de auf Tournee durch Deutschland.
Weitere Infos:
www.the-donnas.de
www.thedonnas.com
www.atlanticrecords.com/thedonnas/
www.warnermusic.de/artist/12222/
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Pressefreigaben-
The Donnas
Aktueller Tonträger:
Gold Medal
(Atlantic Records/Warner Music)




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