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TEAM BLENDER
 
Ernsthaft spaßig
Team Blender
"Wir haben Spaß bei dem, was wir machen, und hoffen, dass die Leute, die uns hören, auch Spaß dabei haben." Simpel, aber genial ist der Plan, mit dem das Berliner Quartett Team Blender der um sie herum zusammenbrechenden Musikindustrie trotzen will - und längst keine leere Floskel, wovon sich Gaesteliste.de letztes Jahr beim ungemein unterhaltsamen Auftritt der vier im Essener Grend livehaftig überzeugen konnte. Auch unser Interview mit Sängerin und Bassistin Barbara und Gitarrist, Keyboarder und Sänger Jan Renz - Schlagzeuger Lutz Dammermann war an diesem Abend vor allem für das Verwürzen des Backstage-Essens, Gitarrist Michael Seidel für den T-Shirt-Verkauf zuständig - war streckenweise ein wahrer Drahtseilakt über dem Abgrund der Albernheit, denn für Team Blender, die dieser Tage ihre erste offizielle Veröffentlichung, eine feine 6-Track-EP namens "In die Nacht", in die Läden bringen, hört der Spaß keinesfalls mit Konzertende auf.
"Wir sind so unglaublich froh, dass uns jemand zuhört", meint Barbara und muss - nicht zum letzten Mal an diesem Abend - kichern. "Die Leute an Tankstellen, die uns Brezeln verkaufen wollen, finden das meistens nicht allzu gut, wenn wir da eine Show abziehen." Wenn es nur Tankstellen wären! Team Blender weiten mitunter ihre Insider-Gags sogar auf amerikanische Fastfood-Restaurants aus. "Wir wollten unbedingt bei Burger King essen, also haben wir gesagt, dass wir nun noch in Reimen reden, bis wir einen gefunden haben. Allerdings haben wir, als wir in dem Burger King drin waren, weiter in Reimen gesprochen!"
Team Blender
Reimolympiade hin oder her: Team Blender sind natürlich kein Comedy-Act. Dass sie in Berlin heimisch sind und mit der inzwischen ja fast schon zum Standard mutierten Besetzung "eine Dame und drei Herren" operieren, ist dabei ein zweischneidiges Schwert. "Das ist Chance und Risiko zugleich", stimmt Jan zu. "Einerseits werden solche Bands eben derzeit viel eher wahrgenommen, auch von Menschen, die vorher für diese Art von Musik nicht offen waren, andererseits wirst du natürlich auch ständig in Schubladen gesteckt: Ach, jetzt kommt eine Band, die schon wieder so ist. Dabei würden wir genau die gleiche Musik machen, auch wenn wir zwei Jahre früher oder später angefangen hätten." Musikalisch schaut sich die Band nämlich eher beim Shoegazer-Pop der frühen 90er um, anstatt den x-ten Versuch zu unternehmen, 80s-Pop-Trash zu recyceln und so eine Abkürzung zum Ruhm zu finden - auch wenn das vielleicht nicht jedem Hörer auf den ersten Blick klar ist. "Es ist einfach so, dass jetzt zum ersten Mal Musik wahrgenommen wird, die deutschsprachig ist, und deshalb gilt 'Gitarren-Pop mit deutschen Texten' erst einmal für alles", sinniert Barbara. "Es gibt dabei natürlich jede Menge Unterschiede, genauso, wie zwischen allen englischsprachigen Sachen mit Gitarre Welten liegen."

Apropos deutsche Texte. "Es ist einfacher, auf Deutsch Texte zu schreiben", beantwortet Barbara die Frage, warum Team Blender inzwischen nur noch in germanischer Mundart dichten, obwohl sie anfangs sowohl englisch- als auch deutschsprachige Lieder im Programm hatten. Doch stimmt das wirklich? "Es ist einfacher, auf Englisch einen Text zu schreiben, der nichts aussagt", glaubt Jan. "Wenn ich eine Melodie habe, kann ich sofort dazu einen englischen Text schreiben, der auf die Musik passt, ohne dass es gefühlsmäßig stimmt. Ein deutscher Text dagegen muss gut sein und muss vom Gefühl her zur Musik passen. Ist das der Fall, ist es letztendlich einfacher, weil Text und Musik ein homogenes Gebilde sind. Das merkt man dann auch dem Lied an." Barbara ergänzt: "Für mich ist es viel einfacher, einen deutschen Text zu schreiben, weil man viel mehr mit Wörtern spielen kann. Man hat viel mehr Bedeutungsebenen, weil das Vokabular größer ist. Die Texte sind ja auch eine Zusammenfassung unserer Erfahrungen. Es geht um Dinge, die wir erlebt haben und an denen wir andere Leute teilhaben lassen möchten. Vielleicht kann das denen weiterhelfen, die sich in ähnlichen Situationen befinden und die sich dann denken: 'Ach, so könnte man es auch machen'". Doch warum tauchen in den Blender-Texten auffällig oft Satelliten, Roboter und anderes technisches Gedöns auf? "Das sind freie Inspirationsteilchen, die durch die Weiten des Alls fliegen und sich in unseren Köpfen festgesetzt haben", sagt Barbara und muss über ihre eigene Aussage lachen, bevor sie "Dr. Renz" um eine ernstere Erklärung bittet: "Ich glaube, dass das Technikthema nicht besonders wichtig ist. Das sind eher Metaphern, weil wir in einer so computerisierten Welt leben und sich davor niemand verschließen kann."

Dennoch fällt auf, dass die Musik von Team Blender trotz ihres nicht wegzudiskutierenden Pop-Appeals mit relativ wenig moderner Technik auskommt. Im Vergleich zu ihrer im letzten Herbst veröffentlichten Tour-EP wurden die Mixe für "In die Nacht" nämlich keinesfalls glatter gemacht, sondern im Gegenteil eher mit mehr Profil versehen. "Vielleicht kommt das daher, dass wir keinen Produzenten im eigentlichen Sinne haben. Unsere Lieder entstehen mit einer Gitarre im Proberaum, und das zeichnet bestimmte Strukturen vor. Das soll nicht heißen, dass wir nicht irgendwann auch auf der Bühne mehr Technik auffahren, aber derzeit geht es uns einfach darum, unsere Songs, so wie wir sie jetzt haben, auf der Bühne zu präsentieren." Alles klingt echt - und das mit Absicht. "Das ist für mich eine Art Lebensmotto. Alles, was ich mache, muss echt sein", erklärt Barbara. "Ich denke, wenn man etwas nur aus Berechnung macht, fällt das ziemlich schnell auf und kommt nicht besonders gut an." Zu dieser soliden Einstellung passt auch, dass die erste EP der Berliner bei - nomen est omen - Klein Records erscheint. "Das war ein ganz bewusster Schritt", weiß Barbara. "Es ist doch viel angenehmer, wenn du weißt, mit wem du es zu tun hast, als wenn du bei einer großen Firma hereinkommst und man dir sagt: 'Der Typ da hinten am Schreibtisch, der ist für euch zuständig'".

Team Blender
Im Frühjahr wollen sich die vier "immer mal wieder für eine Woche in einem Ferienhaus einschließen und aufnehmen". Auf ihrem ersten Album soll dann auch das Spektrum der feinen EP noch erweitert werden, beispielsweise mit mehr ruhigen Songs, die bei den Liveauftritten als Supportact mit schöner Regelmäßigkeit unter den Tisch fallen. "Mit dem Album wollen wir den Blender-Sound noch mehr definieren", erklärt Barbara. "Im Moment sind wir noch ein bisschen auf der Suche danach." Weil sie mit der "In die Nacht"-EP allerdings schon mehr gefunden haben als so manch andere deutsche Band nach mehreren Alben, können wir uns dem Fazit des wunderschönen Schlussstücks ihres ersten Tonträgers nur anschließen: "Alles wird gut"!
Weitere Infos:
www.team-blender.de
Interview: -David Bluhm & Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Pressefreigaben-
Team Blender
Aktueller Tonträger:
In die Nacht EP
(Klein Records/Rough Trade)




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