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CASS MCCOMBS
 
Wer A sagt, muss auch Prefection sagen
Cass McCombs
Die kürzeste Verbindung von A nach B ist eben manchmal doch keine gerade Linie. Jedenfalls dann nicht, wenn man sich in einer so phantasievollen, kauzigen, musikalischen Parallelwelt bewegt, wie der in London lebende Amerikaner aus Baltimore: Cass McCombs. Der Mann, den der späte John Peel recht treffend mit "unaufdringlich brillant" bezeichnet hatte, legt nämlich nach seinem Singer / Songwriter-orientierten Debüt "A" nicht etwa eine ähnliche Scheibe namens "B" vor, sondern ein im Vergleich ruppiges und lautes Werk namens "Prefection". Nein, das ist kein Rechtschreibfehler und ja, das passt ganz hervorragend zum schrägen Humor des eigenbrötlerischen Songschmiedes.
Als Typ ist Cass ein wenig seltsam. Während er auf der Bühne zuweilen rumbrüllt, als gäbe es etwas zu gewinnen und während er sich mit seinen Kumpels und beim Small-Talk ganz normal gebärdet, fängt er bei direkter fachlicher Befragung auf einmal das Flüstern an. Und auf der neuen Scheibe werden die Vocals dann zum Beispiel im Hall und im Echo geradezu ertränkt. Fast so scheint es, legt Cass darauf Wert, dass man ihn nicht versteht. Hall auf der Stimme, so meint er eher bescheiden, gebe ihm Zuversicht. Nun: Als Sänger wurde Cass gewiss nicht geboren. Er versteht sich auch eher als Songwriter. Allerdings kein typisch amerikanischer: Für jemanden, der aus Baltimore stammt und lange Zeit in New York gelebt hat, klingt er doch ziemlich englisch. "Oh ja, ich bin ein Fan von britischer Musik", gesteht Cass. Das lässt er auch raushängen. Beim Soundcheck singt er z.B. Kate Bushs "Running Up That Hill". "Wir haben die neue Scheibe im Abbey Road Studio abgemischt", verrät er verschwörerisch, "da ging das Gerücht um, dass Kate dort Aufnahmen für ihre neue Scheibe gemacht haben sollte. Aber gesehen haben wir sie nicht. Weißt du etwas über die neue Kate Bush-Scheibe?" Natürlich nicht. Aber sind Kate & Co. dann die musikalischen Wurzeln des Cass McCombs? "Ich habe gar keine musikalischen Wurzeln", grummelt Cass rätselhaft, "ich bin nicht auf einer Farm geboren worden, ich wuchs in modernen Zeiten auf und hörte Radio wie jeder andere auch. Ich mag alles, was mir in den Sinn kommt. Ich fühlte mich aber immer schon zur Musik hingezogen. Meine Mutti hat mir beigebracht, Gitarre zu spielen. Als ich 15 war, begann ich ernsthaft zu spielen und das änderte dann alles. Ich brachte mir Klavierspielen bei und ich sang im Chor." Na das sind doch musikalische Wurzeln. "Nun gut, dann muss ich umformulieren. Meine musikalischen Wurzeln sind die Chor-Stunden."
Cass McCombs
Was war denn für Cass der Hauptunterschied von "A" zu "Prefection"? "Da gibt's für mich gar keinen Unterschied", meint er, "es ist für mich eine logische Entwicklung." Gilt das auch für die Texte? Welche Funktion haben denn die Texte für Cass? Für Außenstehende scheinen sie ja zunächst mal keinen Sinn zu machen. "Wer sagt das? Ich bin erschüttert. Die Texte sind für mich das Wichtigste überhaupt. Wichtiger noch als die Musik. Deswegen ist das so schockierend, wenn jemand sagt, sie machen keinen Sinn. Denn für mich machen sie perfekten Sinn. Die neuen Texte sind meiner Meinung nach sogar zusammenhängender als die auf der ersten Scheibe und ich dachte, es sei sogar einfacher, sie nachzuvollziehen." Das hängt ja immer davon ab, wonach man in Texten sucht. Texte können ja für jedermann auf verschiedene Art Sinn machen. Klar verständliche Stories sind Cass' Songs jedenfalls nicht. "Das ist okay, damit kann ich leben - so lange es denn irgendeine Art von Sinn ergibt." Okay, wie schreibt Cass denn seine Songs? "Ich spiele einen Song so lange, bis mir etwas einfällt, ohne groß etwas erzwingen zu wollen. Wenn ich zu lange drüber nachdenken muss, höre ich auf und mache etwas anderes. Es geht darum, es nicht zu sehr zu intellektualisieren. Ich warte auf die Inspiration. Und wenn diese kommt, dann klappt es normalerweise auch ziemlich gut. Es hängt von dem Signal ab, das du von den höheren Mächten empfängst. Es kommt dann darauf an, dein Radio im Kopf auf dieses Signal einzustellen. Ich werde aber nicht etwas schreiben, wenn ich nichts zu sagen habe, nur um einen Song fertigzustellen. Dann schreibe ich lieber gar keinen Song, als etwa einen bedeutungslosen." Und was sind Cass' Lieblingsthemen? "Krankheit, Gott, Schönheit, die Familie", zählt er auf. Nun, das weicht doch etwas vom allgemeinen Credo des Songwriters ab, der etwa die Liebe als höchstes Gut darstellt. "Ich habe nichts gegen gute Liebeslieder", meint Cass, "aber es gibt mit Sicherheit eine Menge guter Liebeslieder da draußen. Ich glaube nicht, dass ich diesem immensen Vermächtnis etwas wirklich Bedeutsames hinzufügen könnte. Deswegen wähle ich - vielleicht unbewusst - verschiedene Themen, von denen ich annehme, dass sonst niemand drüber schreibt." Und dazu gehört sicherlich auch eine Prise Humor, oder? "Ja, auf jeden Fall", stimmt Cass zu, "das verleiht deinen Songs einen gewissen Anflug von Demut, weißt du. Dazu ist der Humor da, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Wenn ich kranke Gedanken habe, dann macht der Humor sie etwas luftiger. Auf gewisse Weise muss die Musik das dann auch widerspiegeln. Ich verwende dafür gerne Klischees. Das ist sauberer, guter Spaß." Und wie geht das dann in Zukunft weiter? "Auf jeden Fall anders", haucht Cass, "vielleicht verwende ich mal eine Bläsergruppe. Ich will mich weiterentwickeln - in alle mögliche Richtungen. Ich habe zum Beispiel begonnen, mit anderen Leuten zusammenzuschreiben. Das ist eine Richtung, in die ich weiter investieren möchte. Auf jeden Fall möchte ich mir dabei aber treu bleiben und ehrlich sein." Es gilt aber Eines: Nobody is perfect - schon gar nicht Cass McCombs. Das ist aber auch so gewollt, denn Perfektion ist dem Mann einfach nicht gut genug. "Es war natürlich ein guter Witz, die Scheibe 'Prefection' zu nennen - mit dem Fehler drin. Außerdem klingt das so, als habe ich mir da ordentlich Gedanken gemacht und eine eigene, neue Technik entwickelt..." Irgendwelche berühmten letzten Worte? "Das Schwierigste ist, einen Song zu schreiben, und der größte Spaß ist es, einen Song zu spielen...hm... das denke ich mir gerade so aus, klingt aber gut, oder?"
Weitere Infos:
www.cassmccombs.com
www.4ad.com/artists/cassmccombs/
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Cass McCombs
Aktueller Tonträger:
Prefection
(4AD/Beggars Group/Indigo)




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