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FINK
 
Kurz und bündig
Fink
Das neue Album der Hamburger Vogelfreunde heißt - wie der gleichnamige, kurze Opener - schlicht und ergreifend "Bam Bam Bam". Es scheint, als wollen Fink dem Hörer - nach dem allegorisch betitelten "Haiku Ambulanz" - dieses Mal gleich mit der Tür ins Haus fallen. Dazu passt auch das simple Covermotiv - das indes wieder mal keinen Finken, sondern vielmehr einen Specht zeigt. "Also, im Prinzip ist das ja ein Bezug auf die erste Fink-Scheibe, 'Vogelbeobachtungen Im Winter'", erklärt Oberfink Nils Koppruch, "denn da ist ja zum Beispiel ein Kuckuck drauf und kein Fink. Das ist eben ein Specht und der klopft und der will da rein. Das hat weiter nichts zu bedeuten. Das Bild auf dem Innendeckel ist ausschlaggebender. Das ist eine Zeichnung von Oliver ["Olli" Stangls] kleinem Neffen. Es zeigt einen Musiker, der Musik macht und der macht eben 'Bam Bam Bam'. Ich finde das interessant - denn er hätte ja auch 'La La La' machen können. Für dieses Kind ist Musik also 'Bam Bam Bam'. Da wir eh den Rhythmus im Vordergrund stehen haben, habe ich dann gesagt, dass wir das Ganze auch 'Bam Bam Bam' nennen sollten, denn das ist ein ganz unmittelbarer Ausdruck von Musik."
Fink sind heutzutage übrigens bis auf weiteres wieder eine Band: Neben Bassist Andreas Voß gehören Red und Oliver Stangl von Missouri seit der letzten Tour zur Mannschaft und haben auch bei den Aufnahmen kräftig mitgemischt. Nur einen neuen Schlagzeuger sieht man nach dem endgültigen Weggang von Henning Wandhoff, der ja jetzt sein Projekt Mountaineer betreibt, noch keinen. "Ja, wir haben zwar angefangen die Platte in der Besetzung aufzunehmen, mit der wir auf Tour waren - also mit Christoph Keder am Schlagzeug", erzählt Nils Koppruch, "das hat auch extrem gut funktioniert und viel Spaß gemacht. Es haben sich da auch ein paar Sachen entwickelt, die sich auf der Tour schon angedeutet haben. Dann ist das Christoph allerdings zuviel geworden - er hat nämlich zwei kleine Kinder. Auf der kommenden Tour wird dann wieder jemand ganz anderes Schlagzeug spielen." Ist es denn bei einer Scheibe, die dezidiert rhythmischer angegangen wurde, kein Problem, ausgerechnet den Drummer als Wechselposition vorzusehen? "Nun, auf der neuen Scheibe haben wir das auf verschiedene Weise gelöst. Unter anderem auch mit Samples, die indes nicht so wirklich aufdringlich im Vordergrund stehen. Wir sind ähnlich wie bei der 'Haiku Ambulanz' vorgegangen. Es gab zunächst eine Art minimal vorproduzierter Sachen, die ich zu Hause mit Samples und Grooves von anderen Platten zusammengebastelt hatte. Darauf habe ich Songentwürfe gemacht und mit diesen Demo-Sachen haben wir gearbeitet. Als wir ins Studio gegangen sind, war dann relativ klar, was wir machen wollten, weil wir vorher auch schon teilweise zusammen an diesem Material gearbeitet hatten. Und dort haben wir dann auch mit Live-Schlagzeug gearbeitet." Bei der Erstauflage von "Bam Bam Bam" ist noch eine "Hidden DVD" im Klappcover, bei der die o.a. Prozesse auch in Ton und Bild zu verfolgen sind. Dort erwähnt Nils auch, dass es das Konzept der Scheibe war, diese rhythmischer anzulegen. "Das hat sich aber nicht so ergeben, sondern das war so gewollt", stellt er noch einmal klar, "auf der letzten Tour haben sich bestimmte Sachen in diese Richtung entwickelt. Henning Wandhoff hatte ja immer ein zwar durchaus groovendes, aber auch immer sehr spezielles Schlagzeug gespielt. Auf der Tour mit Christoph haben wir dann die Sachen so gespielt, dass es dann in eine andere Richtung ging. Und dann stand plötzlich die Frage im Raum, wieviel Platz es in der Band denn für schwarze Musik gäbe. Einmal ausgehend von der Country-Folk-Richtung aus der wir kommen, wollten wir einmal ausloten, wieviel Gospel und Soul denn in unserer Musik wäre - und das haben wir ausprobiert. Das Stück 'Durchreise' ist sogar als Gospel-Stück angelegt." Warum haben Fink man denn dann nicht gleich mit einem Gospel-Chor gearbeitet? "Nun, es gibt ja einen Chor", ergänzt Nils, "der ist zwar ein wenig im Hintergrund, aber der Gedanke war, es so zu handhaben, wie Solomon Burke die Blind Boys Of Alabama einsetzt. Einen richtigen Kirchenchor mit Gospel-Erfahrung gibt es ja in Deutschland auch gar nicht. Dann haben wir lieber gleich versucht, das auf typische Fink-Art zu machen. Das kam daher, dass ich selber viele Funk, Blues und Gospel-Sachen gehört habe und Olli und Red auch. Red ist zum Beispiel ein extremer Marvin Gaye-Fan. Das sind also Sachen, die auch von den Musikern ausgehen."
Und dann gibt es da ja noch das "Funk-Banjo". Ist das eine Fink-Erfindung? "Ich würde gerne behaupten, dass das unsere Erfindung ist, ich glaube aber nicht", freut sich Nils, "beim 'Eismann'-Stück ist es z.B. auch gar kein Banjo, sondern ein Keyboard mit Banjo-Sound." Das besagte Motiv erinnert ein wenig an den 70er Jahre Instrumental-Hit "Popcorn". "Ja, das stimmt", pflichtet Nils bei, "obwohl es ja nicht genau die Melodie ist. Rüdiger von Trocadero meinte sogar, es erinnere ihn an die 'Trimm Dich'-Melodie. Daran kann ich mich aber nicht erinnern." Okay - Banjo und Funk macht also insofern Sinn. Einem anderen Instrument aus der "Country Welt", der Steel Gitarre, die live ja sehr prägend ist, gelang die Transition in den Tanz-Modus indes nicht. "Wir wollten dieses Mal nicht so viel Pedal-Steel Geschichten zu machen", erklärt Nils, "wir haben das zwar versucht, aber dann letztlich drauf verzichtet. Stattdessen spielt Olli viel Slide-Gitarre. Das passte einfach besser." Die Gitarrensounds auf der neuen Scheibe sind überhaupt ein wenig anders angelegt als bislang bei Fink üblich. Anstatt mit ineinander verwobenen Gitarrenlinien zu arbeiten, gibt es dieses Mal einzelne, prägnante Schwerpunkte - durchaus auch in Form von knackigen Soli - bislang nicht unbedingt eine Fink-Domäne. "Ja, das ist dieses Mal eine Art Baukasten-System", beschreibt Nils den neuen Ansatz, "wie es bei elektronischer Musik gemacht wird. Du hast einen durchgehenden Rhythmus und einen Teppich auf dem verschiedene Dinge eingesetzt werden. Zum Beispiel ist bei 'Durchreise' das Slide-Thema vom Anfang zuerst gespielt und dann gesampelt worden - was dann bei Live Konzerten natürlich nicht mehr gemacht wird." Die beiden "Tour Veteranen" Red und Olli scheinen bei der Produktion des Albums mit ihren Beiträgen ja ziemlich deutlich eingebunden gewesen zu sein. "Ja, auf jeden Fall", pflichtet Nils bei, "die Songs schreibe allerdings nach wie vor ich. Das hat aber auch damit zu tun, dass Reds Geschichte ganz klar Missouri ist. Und Olli ist da ja auch sehr eingebunden. Und sie verstehen sich da schon wesentlich mehr als Dienstleister bei Fink. Ich habe bei dieser Produktion das Gefühl gehabt, es ginge wesentlich mehr um die Musik als um persönliche Konflikte, die über das Musik machen ausgetragen wurden. Es gibt da bei uns kaum verletzte Eitelkeiten. Wenn man dann feststellte, dass etwas nicht gut ist, dann ist es eben nicht gut - auch wenn es die eigene Idee ist. Dieses beharren auf dem Ego gab's bei uns gar nicht. Es ist auch vorgekommen, dass Olli z.B. einen Track mit nach Hause genommen hat und dann bestimmte Vorschläge erarbeitet hat, die wir auch übernommen haben. Warum denn auch nicht?"
Fink
Wie sieht es denn mit dem "inhaltlichen Angebot an den Hörer" aus, das Nils auch dieses Mal wieder unterbreitet. Die Texte der neuen Scheibe - das muss auch er eingestehen - sind weniger konkret als dies bislang der Fall war - allerdings absichtlich. Der Titel des Albums "Bam Bam Bam" deutet ja z.B. gar auf "Kindermusik" hin. Gibt es denn wenigstens wieder irgendwelche interessanten Typen, im Stile z.B. des billigen Jakob, die durch die Geschichten führen? "Nicht so sehr", antwortet Nils, "das entscheidest letztlich du als Hörer. Natürlich könnte z.B. der Eismann ein interessanter Typ sein, aber es ist dieses Mal nicht so ein Kuriositätenkabinett geworden." Ist es nicht eine Art Kunstgriff, dem Hörer die Interpretation der eigenen Texte zu überlassen? "Nein, das sehe ich nicht als Kunstgriff", widerspricht Nils, "Popmusik - wenn das überhaupt Popmusik ist, was wir machen - die den Anspruch hat, eine konkrete Botschaft zu vermitteln, macht sich extrem klein. Weil sie dem Hörer jede Verantwortung und auch jedes Recht nimmt, eine Rolle zu spielen und kreativ am Prozess teilzunehmen." Wie gehen denn die anderen Musikanten mit diesem Thema um, die ja die Texte dann auch erst für sich erarbeiten müssen? "Ich glaube, die anderen machen mit mir überhaupt deswegen Musik, weil sie glauben, ich sei ein guter Texter", formuliert Nils, "vermutlich deswegen, weil ich Assoziationen aufrufe, die sie nicht bescheuert finden. Zugegebenermaßen stellst du mit dem, was du sagst, ja nur eine bestimmte Spannbreite an Assoziationen zur Verfügung, aber das ist okay." Sind denn die Texte dieses Mal mehr auf die neue Rhythmik der Musik ausgerichtet worden? "Ja, einerseits um es zu reduzieren, wo es möglich war - 'Bam Bam Bam' zum Beispiel - und auch ganz klar, um den Text rhythmischer zu machen." Und wie sieht es denn mit Melodien aus? "Also, da bin ich überhaupt nicht dogmatisch. Wo es gut funktioniert, ist eine eindeutige, klare Melodie da, und wo es mir nicht wichtig scheint, da ist es eben nicht so." Warum malt Nils eigentlich nicht selber die Cover für Fink. Nils ist ja unter anderem ein Kunstmaler, der seine Werke auch ausstellt. "Ja, jetzt im Moment allerdings nicht", schränkt er ein, "ich habe letztes Jahr ziemlich viele Ausstellungen gemacht. Ich habe auch schon mal Cover gemalt - allerdings für eine befreundete Band. Bei Fink muss das nicht sein. Man muss sich ja nicht überall so weit nach vorne drängen." Wird es denn auf der nächsten Fink-Tour wieder Osterhasen auf der Bühne geben? "Ich weiß nicht", zweifelt Nils, "das haben wir ja nun schon gemacht. Das hat sich alles so entwickelt und es hatte ja auch eine bestimmte Funktion. Wir haben das ja immer so getimt, dass wir das immer zur Zugabe gemacht haben, damit wir uns umziehen konnten. Aber man will ja auch nicht immer das Gleiche machen..."
Weitere Infos:
www.finkmusik.de
www.trocadero-records.com/german/fink01.htm
www.indigo.de/unser_programm/384/
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Fink
Aktueller Tonträger:
Bam Bam Bam
(Trocadero/Indigo)




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