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SIDEWALKER
 
Neben der Spur
Sidewalker
Sidewalker ist ein typisch skandinavisches Kombinationsprodukt. Und zwar insofern, als das man sich innerhalb der Nordländer auch kreativ gerne vermengt und befruchtet. Wie ihre Kollegin und Freundin Ane Brun, deren beide Scheiben sie mitgestaltete und -produzierte, kommt auch Sidewalker-Frontfrau Katharina Nutall aus Norwegen und wie Ane lebt sie in Schweden. Dort traf sie dann auf den schwedischen Multiinstrumentalisten und Songschreiber Lars Jonasson Rinman - und voilá - Sidewalker ward geboren. Und das dann auch eher zufällig. "Eigentlich wollte Lars das Projekt Sidewinder nennen", erinnert sich Katharina, "das habe ich aber falsch verstanden. Ich hatte Sidewalker verstanden und das fand er dann viel besser. Es passt auch insofern, als dass du das so interpretieren kannst, dass der 'Sidewalker' auf Seite geht und so die Dinge von außerhalb des allgemeinen Stromes betrachten kann. Und das passt irgendwie auch zu unserer Philosophie."
Musikalisch klingt die Sidewalker-Scheibe demzufolge denn auch nicht wie eine typische Nord-Scheibe, als dass sich Katharina und Lars fast vollständig von Folk- und Americana-Elementen, die bei anderen skandinavischen Acts vorherrschen, fernhalten. Ihre musikalische Welt ist eher eine mit Elektronik verzierte, rockige - mit New Wave-Einflüssen und letztlich aber einer ganz eigenen Note. Wo sind denn die musikalischen Wurzeln für dieses Projekt zu suchen? "Wenn ich das wüsste", überlegt Katharina, "ich denke, es ist die Musik, mit der wir aufgewachsen sind - wie die von den Eltern und dem, was man im Radio zu hören bekam. Ich bin zum Beispiel in den 80ern aufgewachsen und habe deswegen eine Vorliebe für diese Art von Musik. Ich höre mir aber auch gerne alte Soul-Musik an." Was man allerdings dann doch eher weniger heraushören kann. Wie ist das Debüt-Album denn nun entstanden? "Nun, im Gegensatz zu Anes und meinen Solo-Alben haben wir dieses Album zu dritt produziert: Lars, ich und Johannes Berglund - der übrigens aus dem Umfeld von Isolation Years stammt. Lars lernte ich kennen, als er auf meinen Solo-Sachen Bass spielte. Als wir schon einige Zeit zusammengearbeitet hatten, gab er mir auf einmal dieses Tape mit einer Menge seiner Musik drauf. Wir haben uns dann entschlossen, dieses Projekt zu gründen, weil wir nach etwas suchten, bei dem wir beide gleichberechtigt Musik schreiben konnten und weil wir viele musikalische Verbindungen haben, die wir nutzen wollten. Außerdem ist Sidewalker z.B. musikalisch anders gelagert, als das, was ich sonst so mache. Ich spiele ansonsten nämlich eher balladeske Stücke." Wie entwickelte sich denn der oben angesprochene, doch ziemlich spezifische Sidewalker-Sound? "Nun, Lars hat den Löwenanteil der Musik geschrieben, während ich eher die Texte schrieb", erklärt Katharina, "ich denke, wir haben einen ähnlichen musikalischen Background. Ich bin z.B. halb Englisch und Lars hat sich eine Menge englische Pop-Musik angehört. Unser Sound kommt also aus dieser Kombination heraus. Wir haben die Arrangements bereits ausgearbeitet, bevor wir die Aufnahmen begannen. Dann haben wir diesen coolen Produzenten, Johannes, getroffen, der uns geholfen hat die Scheibe zu produzieren. Er hat dann eine Menge netter Gitarren mitgebracht, die natürlich auch einen ganz bestimmten Sound haben."
Das witzige dabei ist, dass die Sidewalker definitiv eine Gitarren-Band ist - aber weder Katharina noch Lars Gitarre spielen. "Ja, das stimmt", gibt Katharina zu, "wir haben aber die meisten Gitarrenarrangements geschrieben. Aber es gibt definitiv bessere Gitarristen als mich oder Lars. Deswegen haben wir auch verschiedene Gitarristen verwendet. Darüber hinaus war unser Ziel, eine Art Wall Of Sound zu erschaffen. Wir mögen Dinge wie Keyboards, Vibraphone und Glockenspiel - das ist übrigens mein Lieblingsinstrument; ich habe vier davon zu Hause - und es passt dann auch alles zur Musik. Es ist aber ziemlich schwierig, das zu beschreiben, weil es dir ganz natürlich vorkommt, wenn du Songs schreibst. Die meisten der Ideen, die du auf der Scheibe findest, gehörten von Anfang an zu den Songs und waren bereits in Lars' Demo-Aufnahmen zu finden." Wie sieht Ane, die ja eine ausgebildete Produzentin ist, diesen Aspekt ihrer Arbeit? "Ich denke, es ist wichtig, der Musik zu folgen und zu versuchen, herauszufinden, was in den Songs steckt und daraus dann einen Sound zu kreieren. Ane schreibt zum Beispiel eine ganz andere Art von Songs als ich oder Lars - also klingen auch die Alben verschieden. Was die einzelnen Songs betrifft, so ist für mich der Aspekt der Nähe wichtig. Nicht die Nähe des Mikrophons, wie es dir viele Kollegen erklären werden, sondern der natürliche Sound der Stimme. Mich interessiert zum Beispiel, wie jemand in der Küche oder dem Badezimmer klingt. Diesen Ansatz hat man früher sehr viel verwendet - wie z.B. bei Elvis; damals natürlich in mono. Was ich aber mache, ist, die Stimme gerne mit einem Stereo-Mikro aufzunehmen - das habe ich z.B. bei Ane gemacht - weil das diesen natürlichen Raum-Klang mit einfängt." Auf der Sidewalker-Scheibe befinden sich ja auch Passagen, die Katharina zu Hause aufgenommen hat - wegen des oben beschriebenen Raumklanges? "Nein, das ist wegen des Geldes so geschehen", räumt Katharina ein, "ich habe ein Studio zu Hause und habe das genutzt, so gut es ging. Auf der Sidewalker-Scheibe haben wir das mit dem Raumklang auch nicht gemacht. Da haben wir auf Johannes gehört."
Sidewalker
Was war denn eigentlich der Grund mit einem dritten Produzenten zusammenzuarbeiten? "Wir hatten von Anfang an Probleme mit unseren Musikern", meint Katharina, "zunächst hatten wir zwei Musiker von Weeping Willows in der Band, die dann aber keine Zeit mehr hatten, als ihre eigene Band erfolgreich wurde. Dann haben wir nach neuen Musikern gesucht und dabei haben wir dann Johannes gefunden, der ja selber ein fantastischer Gitarrist ist. Johannes hatte mir auch mit zwei meiner Solo-Songs geholfen und mir hat seine Arbeit gefallen. Ich finde es wichtig, jemand von außen dabei zu haben, mit dem man dann musikalische Ideen diskutieren kann und der eine andere Sicht der Dinge hat." Wie sind denn die Songs entstanden? "Nun, als wir das Projekt begannen, hatten wir bereits meine ganzen Solo-Songs, die ich jedoch für mich verwenden wollte. Ich schrieb dann also Texte zu der Musik, die sich auf Lars' Tape befanden und wir beschlossen, es mit diesem Ansatz zu versuchen. Wir schreiben aber auch beide weiter für die Band." Wonach suchen denn die Songwriter Nutall und Rinman? "Ich glaube, wenn du einen Song schreibst, muss dies auf natürliche Art passieren", erklärt Katharina, "du verwendest dann Dinge, die du aus deinem System haben willst. Die Musik kommt für mich und Lars eher von selber, auf natürliche Weise." Die Texte sind dabei ja ein wenig ambivalent geraten, oder? "Ja, schon", bestätigt Katharina, "ich denke in meinen Texten geht es oft darum, dass ich mir Fragen stelle. Es geht darum, den Grund oder den Sinn von etwas herauszufinden und gleichzeitig ein Gefühl der Hoffnung zu vermitteln. Auf dieser Scheibe habe ich bewusst keine linearen Texte geschrieben, bei denen du nachher genau weißt, worum es geht. Ich glaube nämlich, dass es vielen Leuten so geht wie mir und dass sie Fragen stellen." Was hat es denn mit dem Cover-Motiv auf sich? Das scheint ja auch ambivalent zu sein - wie Katharinas Texte. Darauf sind Katharina und Lars zu sehen, wie sie - in Abendkleidung aber barfüßig - die Treppe einer Art Villa hinuntersteigen, die dann umseitig leer zu sehen ist. "Was die Fotos auf dem Booklet betrifft, so bin ich mir nicht sicher, wie ich die erklären soll", überlegt Katharina, "sie sind ja ein wenig seltsam. Und ich denke, dass wir möchten, dass die Leute, die die Scheibe kaufen oder sich die Musik anhören, darüber nachdenken. Ich gebe also bewusst keine Antwort auf die Frage. Es könnte ja eine Menge Dinge bedeuten und es könnte sich ja eine Geschichte dahinter befinden."

Nun ja, damit halten sich Sidewalker ja alle Möglichkeiten offen. Was ist denn mit den schon öfter angesprochenen Solo-Songs von Katharina. "Immer der Reihe nach", scherzt sie, "ich habe momentan ziemlich viel zu tun. Die Sidewalker-Scheibe kommt ja zunächst in Deutschland heraus. Wir wollen erst mal sehen, wie sich die Sache entwickelt, bevor wir die CD in Schweden veröffentlichen. Und erst dann kann ich an meine Solo-Scheibe denken. Und dann gehe ich ja noch mit Ane Brun auf Tour und wir wollen auch als Sidewalker live auftreten." Langweilig wird es also offensichtlich nicht werden. Und bis es so weit ist, können sich Freunde skandinavischer Musik ja auch schon mal mit der Sidewalker-CD anfreunden.

Weitere Infos:
www.dustbowl-sounds.de/index.php?id=33&tx_ttnews[tt_news]=8&tx_ttnews[backPid]=16&cHash=880fb4c7f4
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Sidewalker
Aktueller Tonträger:
Sidewalker
(Dustbowl/edel)




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