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TEENAGE FANCLUB
 
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Teenage Fanclub
Würde die Häufigkeit des Auftauchens einer Band auf Mixtapes ebenso für die offiziellen Verkaufscharts zählen, wie beispielsweise seit Neuestem die legalen Downloads - Teenage Fanclub wären vermutlich Dauergäste in den Top Ten. So muss sich das schottische Quartett - inzwischen wieder in der Originalbesetzung der Frühwerke aus den späten 80ern: Norman Blake, Gerry Love, Raymond McGinley und Francis Macdonald am Start - auch weiterhin außerhalb der heimatlichen Gefilde mit Kultstatus begnügen. Ob ihr neues Album "Man-Made" daran etwas ändern wird? Anders als bei früheren Produktionen scheinen Teenage Fanclub - bei aller Liebe zur Melodie und dem Song an sich - dieses Mal bisweilen nicht auf die Ohrwurmigkeit ihrer Nummern, sondern auf einen hörbar anderen Sound ihrer Stücke Wert gelegt zu haben.
Kein Wunder, schließlich wurde das Werk mit Tortoise-Vordenker und The Sea And Cake-Drummer John McEntire als Produzent in Chicago verwirklicht. Der Aufnahmeort erklärt übrigens auch, warum auf dem Albumcover Wilco ausdrücklich für das Ausleihen einer Gitarre gedankt wird. Teenage Fanclub sind nämlich praktisch ohne Equipment in die USA geflogen, um in erster Linie das Zeug zu benutzen, das John über die Jahre in seinem Studio angesammelt hat. Die Gitarre aus dem Wilco-Fundus war trotzdem sehr willkommen. Zur Wahl des Manns am Mischpult stellt sich natürlich die Frage, ob sie ihn ausgesucht haben, weil sie wussten, wie er den TFC-Sound verändern würde, oder gerade deshalb, weil sie sich überraschen lassen wollten? "Nun ja, ich denke, hundertprozentig kann man sich nie sicher sein, wie eine solche Zusammenarbeit laufen wird, aber Gerard hatte bereits mit John an der letzten Pastels-Platte 'The Last Great Wilderness' gearbeitet und das sehr genossen", erklärt Norman Blake im Gespräch mit Gaesteliste.de. Die bisweilen kühle Exaktheit, die das Album ausstrahlt, geht ohne Frage auf McEntires Konto, die Tatsache, dass sich auf der Platte auch einige Folk-Anleihen - am besten hörbar bei "Cells" befinden, hat dagegen andere Gründe. "Ich bin ein großer Anhänger von Pentangle und Bert Jansch", verrät Norman. "Genauer gesagt mögen wir alle diese Art von Musik sehr. Vielleicht liegt es daran, dass ich einige Nummern auf der akustischen Gitarre geschrieben habe, dass es mich mehr in diese Richtung gezogen hat?" Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ihr inzwischen als Musiker gewachsen seid? Der Stil von Bert Jansch ist ja nicht gerade einfach zu imitieren. "Ganz genau! Das ist auf jeden Fall richtig. Ich habe nie verstanden, warum es diese Denkweise gibt, nachdem du als Musiker weniger cool bist, wenn du dich als Instrumentalist verbesserst. Wenn wir eine Platte machen, versuchen wir, das Beste zu geben. Wir halten nichts zurück, das wäre doch verrückt! Musiker und Songwriter zu sein, ist genau so ein Kunsthandwerk wie etwa das Töpfern. Wenn du seit zwanzig Jahren Gefäße herstellst, sind die neueren bestimmt auch besser als die, die du früher gemacht hast. Warum sollte das nicht auch für Musiker gelten?"

Als Job sehen Teenage Fanclub ihre Musikerexistenz dennoch nicht ("Wir bezahlen mit dem Geld die Miete, aber das ist das Einzige, was die Band mit einem regulären Job gemein hat"), allerdings kümmern sie sich inzwischen längst nicht mehr nur um das Musikmachen. "Man-Made" ist nämlich auch das erste TFC-Album, das auf dem bandeigenen PeMa-Label erscheint. Viele andere Bands, die ihre eigene Plattenfirma führen, stöhnen häufig über die unkreative Arbeit, die damit verbunden ist und sie bisweilen sogar vom Musikmachen abhält. "Ich weiß, was sie meinen, denn du verbringst wirklich viel Zeit mit administrativen Dingen", sagt Norman. "Die Platte haben wir ja beispielsweise schon letztes Jahr aufgenommen. Sie war bereits letzten Sommer fertig. Seitdem haben wir viel Zeit damit verbracht, das Label ins Leben zu rufen, einen Vertrieb zu finden und auch sonst alles richtig zu machen. Der wirklich kreative Teil der Arbeit an diesem Album liegt also schon länger zurück. Trotzdem haben wir uns just diese Woche Zeit freigeschaufelt, um Montag und Dienstag ins Studio zu gehen und einige neue Tracks für B-Seiten und ähnliches aufzunehmen. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass dir diese Herangehensweise die Chance gibt, dir Freiräume zu schaffen, um dir klar zu werden, warum du überhaupt in der Band bist. Das hast du bei einem Majorlabel einfach nicht, weil sie dir ständig eMails schicken, da du einfach alles in Kopie bekommst. Unser Set-Up jetzt ist wesentlich simpler, und die Wege sind einfach kürzer. Kurz gesagt: Natürlich ist es mehr Arbeit, ein eigenes Label zu führen, aber es gibt dir auch mehr Genugtuung."

Neue Songs aufzunehmen, wenn das letzten Sommer eingespielte neue Album noch nicht einmal veröffentlicht ist, birgt natürlich auch das Risiko, sich letzten Endes für die brandneuen B-Seiten-Songs mehr begeistern zu können als für die "alten" neuen des Albums. "Das stimmt schon. Wenn ein Album fertig ist, hast du die Songs in der Regel Hunderte von Malen gehört, und du bist wirklich scharf darauf, etwas anderes zu machen. Sobald ein Album fertig ist, willst du es hinter dir lassen. Deshalb ist es nur allzu verständlich, dass dir die Dinge, die du derzeit machst, mehr am Herzen liegen. B-Seiten sind allerdings schon etwas anderes, weil wir die Songs zumeist erst wenige Tage, bevor wir sie aufnehmen, raushauen. Bei den Albumsongs verwenden wir allerdings wesentlich mehr Zeit für die Arrangements und geben uns auch sonst mehr Mühe. Trotzdem macht es viel Spaß, einfach ins Studio zu gehen und eine Nummer innerhalb einer Stunde aufzunehmen, während es ansonsten manchmal Wochen dauert, bis ein Song die richtige Form hat. Beim Aufnahmeprozess brauchst du vor allem Glück! Fast hätte ich gesagt, dass die Sterne richtig stehen müssen, aber ganz so mystisch geht es bei uns dann doch nicht zu!"

Teenage Fanclub
Im Anschluss an die Veröffentlichung steht nun eine lange Tournee an, deren erster Teil gerade in Großbritannien über die Bühne geht. Selbst vor der Veröffentlichung des Albums gab es schon zwei Shows, eine in Glasgow, eine in London, die von der britischen Presse begeistert aufgenommen wurden. Das Spannendste bei diesen Shows war für Norman die Reaktion des Publikums. "Du weißt nie, welche Songs für die Leute gerade live am besten funktionieren. Auf der neuen Platte gibt es ein Stück von Raymond, 'Only With You', das mit einem Piano anfängt und aufhört, und wir waren nicht sicher, wie das Publikum darauf reagieren würde. Im Proberaum haben wir schon gescherzt, dass die Leute am Ende vielleicht die Melodie dazu pfeifen würden, aber das war einer der Songs, die am besten ankamen. Die Leute scheinen wirklich zuzuhören. Damit hatten wir nicht gerechnet. Das war eine positive Überraschung. Durch das Internet haben die meisten Leute das neue Album ja heute schon vor Veröffentlichung. Daran kann man nichts machen. Weil das aber die richtigen Fans sind, die das Album später eh kaufen werden, aber es unbedingt schon früher hören wollen, ist das auch völlig in Ordnung."

Konzerte in Deutschland sind zwar geplant, aber versprechen wollen wir sie an dieser Stelle lieber nicht. Schließlich hatten uns Teenage Fanclub auch nach den letzten beiden Platten Auftritte in unseren Breiten versprochen, die nie zustande kamen. Der beste Anreiz für die Konzertveranstalter, TFC-Shows in Deutschland zu buchen, sind natürlich ordentliche Verkaufszahlen auch bei uns. Also am besten einfach in den Plattenladen gehen und "Man-Made" kaufen und nicht darauf warten, bis die Songs auf dem nächsten Mixtape der oder des Liebsten auftauchen!

Weitere Infos:
www.teenagefanclub.co.uk
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Pressefreigabe-
Teenage Fanclub
Aktueller Tonträger:
Man-Made
(PeMa/Vital/Soulfood)




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