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SCUMBUCKET
 
A-Z
Scumbucket
Mit "Kiss Than Kind" hat die Koblenzer Combo ein absolutes Meisterwerk abgeliefert - eine Mischung Indie-Rock, ein wenig Pop, schöner Melancholie, und auch Space-Rock. 40 Minuten Glückseligkeit. Dass es Scumbucket nicht erst seit gestern gibt, und dass sie mehr ist als das allgemein bekannte Vorurteil "die Band vom Blackmail-Gitarristen", sollte vor allem den Lesern dieser Seiten bekannt sein. Und doch gibt es noch einige Dinge, die man über Scumbucket wissen sollte. Gaesteliste.de stellte die Herren Kurt Ebelhäuser, Guido Lucas und Michael Fritsche vor ihrem Konzert im Dortmunder FZW, um mit ihnen das Scumbucket A-Z zusammenzustellen.
A - Anspruch

Kurt: Der Anspruch ist, dass es bloß nicht nach irgendwas klingen soll, und dass es einem selbst gefällt. Anspruch nimmt bei mir einen sehr hohen Stellenwert ein.

B - Blackmail

Kurt: Blackmail ist auch Anspruch, auch sehr, sehr wichtig was den musikalischen Horizont und vor allem die Familie angeht. Die Abgrenzung von Scumbucket zu Blackmail ist auch kein Problem, also in der Hinsicht, was das Songschreiben betrifft. Es passiert halt alles sehr spontan, d.h. wir schließen uns in den Proberaum ein und schreiben z.B. ein Blackmail-Album. Oder im anderen Fall halt ein Scumbucket-Album.

C - Chaos

Kurt: Ja, da haben wir einen Ruf weg! Aber das stimmt auch - wir sind ein großer Chaos-Haufen, ich kann überhaupt nicht organisieren, der Michael auch nicht, der Guido kann organisieren, will aber nicht, deswegen geht bei uns teilweise alles drunter und drüber. Aber im Moment sind wir sehr geordnet, das kommt auch vor allem daher, weil mein Bruder Peter jetzt den Part des Tourbegleiters übernommen hat und das alles für uns regelt. Vor allem auch um solchen Situationen vorzubeugen, wo man z.B. nach 200 km merkt, dass man gar nicht die Gage für den Gig kassiert hat. Das ist uns auch schon zweimal passiert.

D - Dylan Kennedy (war bei den ersten beiden Scumbucket-Platten dabei, dann erst wieder auf "Kiss Than Kind" als Co-Autor bei den Songtexten)

Kurt: Er hat mir jetzt wieder bei den Texten geholfen, weil es mir sehr wichtig war. Er ist auch eine große Inspirations-Quelle für mich - wenn du mit ihm zusammen Musik machst, sprudelt die kreative Kraft nur so aus dir heraus, er hat so diese spezielle Ausstrahlung. Dadurch, dass wir neulich seine EP aufgenommen hatten, sind wir alle wieder richtig zusammengewachsen.

E - Erfolg

Kurt: Das ist natürlich Ansichtssache. Ich rede ungerne über Zahlen, aber die neue Platte verkauft sich für unsere Verhältnisse sehr gut bzw. verkauft sie sich soviel wie für uns gut ist - bei uns gibt es sehr viel "egal", aber es ist natürlich auch eher hemmend, wenn du eine Platte herausbringst, die du selber total genial findest, aber die sich dann nur 100 Mal verkauft oder so. "Richtiger" Erfolg wird nie bei uns stattfinden, weil wir nicht dazu in der Lage sind oder auch keine Lust dazu haben, die Dinge zu machen, die dazu nötig sind, um richtig erfolgreich zu sein.

F - Fehler

Kurt: Mich hindert bestimmt nichts am Schlafen, die anderen bestimmt auch nicht. Fehler, hm, bei Scumbucket gibt es immer Fehler, aber nicht was uns selbst oder die Musik angeht, denn uns gefällt immer alles, was wir selbst machen, aber dann hapert es manchmal an der Ausführung - z.B. dass der Name Scumbucket auf dem aktuellen Cover in grüner Farbe gedruckt wurde, das sollte so nicht passieren, oder dass z.B. auf der "Finistra" im Booklet "Gudio" steht. Das sind Fehler, die man bereut, die aber immer wieder vorkommen.

Guido: Fehler macht jeder - die Frage ist halt, ob man Fehler bereut. Wenn man etwas bereut gemacht zu haben, dann bedeutet es eigentlich, dass man zu dem Zeitpunkt, wo man es getan hat, nicht 100% gegeben hat. Wenn man immer 100% gibt, kann man auch schonmal etwas falsch machen - das passiert manchmal.

Kurt: Aber ich habe noch nie darüber nachgedacht, was man vielleicht bei den alten Platten hätte besser oder anders machen können. Unsere Songs sind meistens so spontan, dass wir sie nur einmal im Studio einspielen, und dann kann da auch eigentlich kein Fehler enthalten sein, denn du weißt ja nicht, wie es anders hätte klingen können. Für uns selbst sind wir perfekt.

G - Gitarrenmusik (im Interview vor fünf Jahren meinte Kurt: "Gitarrenmusik wird verdorben!")

Kurt: Es ist immer noch so, aber so langsam habe ich im Gefühl, dass es besser wird. Es gibt keine Beweise dafür, aber das Gefühl ist da, dass man mehr nach dem schreit, wonach ich vor vier oder fünf Jahren geschrien habe. Die Gitarrenmusik hat sich gerade ein kleines Loch in den Keller gegraben, so dass sie wie Zombies aufsteigen kann - d.h. in fünf Jahren ist sie dann im Keller, in zehn Jahren auf der Treppe, in 20 im Erdgeschoss, in 30 im ersten Stock...

H - Heimatstadt

Guido: H wie Hagen.

Kurt: H wie Koblenz. Mittlerweile liebe ich Koblenz wieder sehr. Eine Zeit lang habe ich die Stadt gehasst, aber inzwischen liebe ich sie wieder. Es ist total anonym, und ich finde das total gut, dass wir nie in Koblenz spielen - das ist schön, du gehst da weg, du triffst deine Leute, das ist eine wunderschöne Stadt.

I - Ideale

Guido: Ideale - das ist wirklich schwierig. Ideale sind gut, und ich denke schon, dass wir welche haben - aber ich kann jetzt nicht wirklich sagen, was genau diese Ideale sind.

J - Jugend

Guido: Boah, lange her! Aber froh, darüber hinaus zu sein, mehr zu wissen, mehr zu können.

Kurt: Früher, in der Jugend, war meine andere Hälfte immer älter, jetzt bin ich älter, und meine andere Hälfte wird immer jünger.

K - Kiss Than Kind

Kurt: Wichtig zu wissen ist vielleicht, dass diese Platte nebenbei gemacht wurde. Immer, wenn gerade mal Zeit war, sind wir ins Studio gegangen und haben ein wenig aufgenommen.

L - Lebenseinstellung

Guido: Positiv auf jeden Fall!

Kurt: Sich auch mal verändern können. Das ist nämlich die Frage an mich selbst, ob ich mich irgendwann auch mal verändern werde. Aber ich habe mich jetzt seit 15 Jahren nicht einmal verändert, meine Wohnung sieht immer noch gleich aus, ich gehe genauso mit dem Geld um wie früher, trotzdem denke ich, dass es eine gute Lebenseinstellung ist, dass man in der Lage ist, sich zu verändern.

M - Medienresonanz

Kurt: Ich kenne dich jetzt schon länger, wir kennen ein paar Leute aus den Medien, aber mit dem Großteil haben wir jetzt nicht so viel zu tun - ich würde es schade finden, wenn die Medien unsere Platte jetzt super finden, und die Hörerschaft nicht. Aber das ist ja nicht der Fall. Aber wie schon zum Thema Erfolg gesagt wurde - wenn es mehr sein soll, dann muss man auch mehr dafür machen.

N - Neue Songs

Kurt: Meine neue Arbeitsweise, was das Songschreiben angeht, ist - oh, das habe ich dir ja noch gar nicht erzählt, Guido! - die, dass wir ab Sommer immer die Momente nutzen, wenn man etwas Zeit übrig ist, um uns zusammenzusetzen und ein paar neue Songs oder Ideen ausarbeiten. Dann haben wir in zwei Jahren ein Dreifach-Album zusammen, und dann gibt es auch weniger Stress.

Guido: Toi, toi, toi! Aber den Plan hatten wir schon vor drei Jahren...

Kurt: Achso, alles klar...

O - Optik

Guido: In einem holländischen Magazin stand mal über uns: Die schlechtangezogenste Band Deutschlands! Und die Holländer müssen es ja wissen, was diese Ästhetik betrifft. Die sind ja da ganz weit vorne...

Kurt: Optik ist mir sowas von egal. Wir sind die unmodischsten Menschen auf der Welt, immer schon. Ich glaube, ich kenne Guido jetzt seit zehn Jahren, und er hat eigentlich noch nie etwas anderes getragen als das, was er jetzt trägt. Ich auch nicht. Micha auch nicht. Es gibt Blackmail- oder Scumbucket-Fotos, die teilweise acht oder neun Jahre alt sind, da erwische ich mich, bis auf die Schuhe die selbe Hose, das selbe Shirt, die selbe Jacke anzuhaben.

Guido: Du siehst quasi nur an den Falten oder an der - inzwischen nicht mehr so vorhandenen - Haarfülle oder an dem Grau-Anteil im Bart, von wann das Foto ist.

Kurt: Optik = Mode. Mode = Null. Wir = Null. Also niemals Viva Interaktiv und sonstige Geschichten.

P - Platten, die man besitzen sollte

Kurt: "Want Two" von Rufus Wainwright, Trail Of Dead "Worlds Apart", Ultrasound "Everything Picture" - eine absolut verkannte Band aus England, absolut grandios, die habe ich damals auf verschiedenen Festivals gesehen. Wir wollten uns damals immer eine Platte von denen besorgen, aber haben's dann immer vergessen, weil wir selbst mit Blackmail auf Tour waren. Großartige Band, aber die wurden nie richtig akzeptiert und haben sich wahrscheinlich inzwischen aufgelöst. Das Problem liegt wohl darin, dass man diese Band nicht richtig einordnen konnte, und dass sie einen Sänger haben, der 200 Kilo wiegt. Das ist halt dieses Medien-Problem, dass alles schön sein muss.

Guido: Richard & Linda Thompson "I Want To See The Bright Light", Nick Drake "Pink Moon", Grateful Dead "American Beauty", das weiße Album von den Beatles, Bob Dylan "Blonde On Blonde".

Q - Qual

Guido: Interviews, Foto-Shootings, Videos...

Kurt: Ein- und ausladen.

Scumbucket
R - Rock vs. Ruhe

Kurt: Der Michael will ja immer, dass wir sehr ruhig sind - sein Traum ist eine Couch im Barock-Stil, darauf wie Caesar zu liegen, dazu aber noch eine HiHat und eine Snare, damit er liegend Schlagzeug spielen kann, daneben noch ein Tablett mit wunderbarem Essen. Und wir beide stehen dann vorne auf der Bühne, während er dann im Hintergrund gemütlich und ruhig spielen kann... Ich glaube, wir werden auch irgendwann auch mal ruhiger - aber dazu muss man auch Zeit haben. Wenn Guido und ich mal weniger zu tun und mal richtig Langeweile hätten, dann könnten wir auch ruhiger werden. Wenn ich mal nix zu tun habe zu Hause, dann zocke ich halt Xbox wie ein Wahnsinniger, bis morgens sechs, sieben Uhr - weil ich dann wenigstens was zu tun habe. Du hast nie einen Tag, wo du nix zu tun hast. Wenn du dann aber einen ruhigen Song machst, und du spielst ihn, dann denkst du: "Mensch, scheiße, das muss doch was...da muss doch was..." Wenn du dich aber mit der Ruhe auseinander setzen würdest, könntest du auch ruhige Musik machen. Der Michael z.B. kann das, wir nicht. Bis jetzt.

S - (Ton)Studio 45 (Das Band-eigene Studio)

Kurt: Eine sehr gute Investition, die sich auf jeden Fall gelohnt hat, und macht mir meistens auch viel Spaß. Es sei denn, du bist zuviel da, dann kannst du das Ding nicht mehr sehen. So wie damals bei der blubox. Obwohl ich da immer sehr gerne bin.

T - Tourkoller

Kurt: Den Tourkoller habe ich meistens sehr früh, der Michael leidet heute darunter - der hat Heimweh. Tourkoller ist Einsamkeit. Auf Tour fühle ich mich ganz schnell einsam - du hast mit so vielen Menschen zu tun, da herrscht aber so viel Oberflächlichkeit, dass du dich sehr schnell einsam fühlst.

Guido: Das kommt zwar ab und zu in einem hoch, aber man lernt mit der Zeit, wie man damit umgehen kann.

U - Underground

Kurt: Underground gibt es immer. Es gibt populären und unpopulären Underground, und manchmal ruft man nach Underground, dann wird es populär. Und manchmal interessiert Underground niemanden. Es wird ihn immer geben, es ist wichtig, dass es ihn gibt, aus dem Underground kommt eigentlich die beste Musik.

V - Vergangenheit (das zehnjährige Jubiläum steht 2006 an)

Kurt: Fühlt sich an wie gestern. Als wir vor Beginn der aktuellen Tour die Sachen in den Wagen eingeladen haben, habe ich ein Exemplar der "Heliophobe" entdeckt, da kam es mir so vor, als wäre das nur drei bis vier Jahre her.

W - WM 2006

Kurt: Darauf freue ich mich sehr. Ich finde es aber trotzdem schade, dass die WM in Deutschland stattfindet - ich bin eigentlich dafür, dass eine WM immer in südlich gelegenen Ländern stattfinden sollte, weil ich damit großgeworden bin, dass WM immer bedeutet: Ferien! Urlaub! Sonne!

X - Akte X

Michael: Habe ich immer gerne geguckt.

Y - Yps-Heft

Guido: Klar, damit bin ich großgeworden!

Michael: Ich fand' die viereckigen Eier klasse!

Kurt: Ich fand' das grüne Glibber-Zeugs großartig!

Z - Zukunft

Kurt: Die Tour, dann arbeiten, dann irgendwann die nächste Platte.

Guido: Keine besonderen Pläne - die Zukunft, die kommt halt.

Weitere Infos:
www.scumbucket-music.com
www.indigo.de/unser_programm/2474/
www.noisolution.de/artists/scumbucket.html
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Pressefreigaben-
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Aktueller Tonträger:
Kiss Than Kind
(Nois-O-Lution/Indigo)




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