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LENE MARLIN
 
Momentaufnahme
Lene Marlin
Norwegen mag zwar musikalisch eine ganz große Nation sein: Die Szene vor Ort indes ist dann doch überschaubar. Man kennt sich untereinander, schätzt sich und hilft sich gegenseitig aus. Und so wundert es dann auch nicht, dass in Lene Marlins Band zum Beispiel Tor Egil Kreken und David Wallumrod aus Maria Solheims Band zu finden sind - während Davids Bruder Fredrik auf Lenes Scheibe die Drums bedient. "Ach weißt du, Tor Egil spielt in sehr vielen Bands", umschreibt das Lene das Phänomen. Musikalische Inzucht entsteht dennoch nicht, denn da haben Maria Solheim und Lene Marlin wenig gemein. Während Maria bekanntlicherweise eine recht eigenwillige Form der Folk-Musik für sich entdeckt hat, weidet Lene eher in poppigen Gefilden - wenngleich auch bei ihr das Songwriting im Vordergrund steht.
Im zarten Alter von 17 Jahren veröffentlichte Lene 1999 ihr Debüt-Album, "Playing My Game", nahm anschließend eine Auszeit, um die Schule zu beenden und legte dann mit "Another Day" ein deutlich gereiftes, eher Songwriter-orientiertes, atmosphärisches Album vor. Das neue Werk, "Lost In A Moment", klingt nun wieder ein wenig anders - rockiger, optimistischer als die eher reflektiven Vorgänger - und entstand unter eigener Regie, quasi hinter dem Rücken der Plattenfirma, die sich dann aber nicht lange bitten ließ, das Werk zu veröffentlichen. (Immerhin ist Lene vielerorten ein Millionen-Seller.) "Die Sache ist die, dass ich mit dem Produzententeam Stargate zusammenarbeitete - drei international erfolgreichen, norwegische Produzenten - und wir eigentlich sehr genau wussten, was wir wollten", verrät Lene, "es war zunächst gar nicht geplant, ein Album aufzunehmen, aber wir verstanden uns auf Anhieb so gut, dass wir dann beschlossen, es einfach mal zu versuchen - ohne Druck von oben. Wir haben uns gedacht: Halten wir das mal geheim, so lange es geht." Nun ist es ja so, dass das neue Material dann doch anders klingt, als jenes des Vorgängeralbums: Wurde dort alles in geschmackvolle Klangwolken gehüllt, die Lenes melancholisch-novembrigem Timbre sehr entgegen kamen, klingt das neue Werk transparenter, offener, simpler (allerdings auch wieder weniger simpel als das doch sehr pop-orientierte Debüt). Was war denn der Grund für den erneuten Stilwandel? Immerhin schien Lene mit "Another Day" ja doch einen gangbaren Weg gefunden zu haben. "Wie gesagt, hatte ich ja gar nicht geplant, das Album zu machen", lacht Lene, "es ist einfach passiert und war für mich selbst eine Überraschung. Das ist jetzt mein drittes Album und ich habe auf jeder Scheibe mit verschiedenen Produzenten gearbeitet. Das hat weniger damit zu tun, dass ich mich verändern wollte, als dass ich mit verschiedenen Leuten zusammenarbeiten möchte. Und wenn die Chemie stimmt und wenn man fühlt, dass man tolle Musik zusammen machen kann, dann ist es das, was zählt." Wer sind denn diese Stargate-Jungs? "Also die haben wer weiß wie viele Top 10 Hits in England und den USA zu verantworten", überlegt Lene, "die arbeiteten mit Mariah Carey, Mary J. Blige, Blue und vielen anderen Acts zusammen - stammen aber aus Norwegen. Einer der Jungs ist ein Freund eines Freundes von mir - so kam die Verbindung zustande." Was haben die Herren Produzenten denn zur Scheibe beigetragen? "Nun, ich schreibe ja die Musik und die Texte", beschreibt Lene den Prozess, "ich habe mich dann hingesetzt, ihnen die Songs vorgespielt und erklärt, dass ich nachher dasselbe Feeling haben wollte, das ich verspürte, als ich ihnen die Songs auf der Gitarre vorspielte. Da haben sie wohl sofort verstanden, was ich wollte und letztlich waren wir uns dann in jedem Punkt einig - das war sehr inspirierend. Sie haben auch die Musiker und die Aufnahmen organisiert. Wie gesagt, sollte die Plattenfirma ja nichts erfahren. Es ist auch so, dass Stargate selber Songwriter sind - das hat wohl auch geholfen."
Lene Marlin
Wenn Lene sagt, dass die Produzenten wussten, was sie wollte, dann stellt sich natürlich die Frage, was das gewesen sein könnte? "Ich hatte keinen Masterplan", seufzt Lene, "das war aber auch nicht notwendig. Ich brauchte mich da auch weniger zu erklären: Wenn ich ihnen einen Song vorspielte, dann wussten sie, was damit zu tun wäre - ein Cello hier, E-Gitarren da, so etwas. Und das stimmte mit dem überein, was ich mir selbst auch vorgestellt hätte." Was ist denn der Unterschied im Ansatz zum Beispiel gegenüber der letzten Scheibe? "Das ist schwer zu sagen, weil ich denke, dass das für mich ein natürlicher Prozess ist", meint Lene, "man wird ja älter und erlebt neue Dinge. Ich weiß, dass ich nicht mehr dieselben Songs schreibe, als damals, wo ich 17 war. Ich denke aber nicht großartig darüber nach. Andere Leute können dann doch die Unterschiede feststellen, oder?" Das neue Album ist ja ein wenig - wie soll man sagen - positiver, fröhlicher als das letzte Werk, nicht wahr? "Nun, das war zwar nicht geplant, aber es entwickelte sich so. Vielleicht, weil es so viel Spaß gemacht hat?" Wie entstehen denn die Songs. Es scheint ja so, dass Lene viel über sich selber singt. "Oh, das denken die meisten", unterbricht Lene, "aber das tue ich nicht. Wenn man immer nur über sich selbst singt, dann gehen einem irgendwann die Themen aus. Was das Schöne am Songwriting ist, ist doch, dass du Songs über praktisch alles schreiben kannst, nicht? Ich zum Beispiel lasse mich von meiner Umgebung inspirieren - von den Leuten, die um mich herum sind - und auch von meinem eigenen Leben. Aber nicht in dem Maße, in dem die Leute meinen, dass das der Fall wäre. Wenn ich 'Ich' in meinen Songs sage, dann geht es nicht um mich. Ich möchte das universeller verstanden wissen. Ein Song ist wie ein Gespräch mit jemandem. Und das größte Lob für mich ist, wenn jemand auf mich zukommt und sagt: 'Ich weiß, wie sich das, worüber du singst, anfühlt.' Ich versuche, mich in verschiedene Situationen zu versetzen. Und ich erkläre niemals, um was es in meinen Songs geht." Wer sind denn die Charaktere, die Lene auf diese Weise erfindet? "Das kommt drauf an", überlegt sie, "wenn ich zum Beispiel ein Buch lese, dann stelle ich mir immer alles bildlich vor. Darüber denke ich aber nicht groß nach. Genauso ist das, wenn ich Songs schreibe. Es mag dabei um die Szene aus einem Buch oder einem Film sein, oder um etwas, was einem Freund von mir passiert ist - wobei ich mir dann vorstelle, wie ich mich in der Situation verhalten hätte und das in einen Text umsetze." Was löst denn das Gefühl aus, einen Song schreiben zu müssen? "Inspiriert zu sein", antwortet Lene wie aus der Pistole geschossen, "dann muss ich aber auch darüber schreiben. Es ist allerdings so, dass ich das nicht erzwingen kann. Das funktioniert überhaupt nicht. Ich kann allerdings überall schreiben - zu Hause, im Flugzeug - wo immer. Das wichtigste für mich ist die Freude am Songschreiben. Ich liebe das einfach und verbringe jeden Tag drei bis vier Stunden damit zu schreiben oder zu singen. Und heutzutage, in meiner Position, wo ich die Leute erreichen kann und Reaktionen bekomme, ist das natürlich noch viel stärker als zu der Zeit, in der ich damit begann. Wenn ich mit meiner Musik den Leuten Freude bringen kann, sie zum weinen bringe oder eine andere Emotion auslösen kann, dann bin ich auf dem richtigen Weg. Das ist das Schöne an der Musik."
Lene Marlin
Was ist denn der beste Teil am Musikanten-Dasein? "Eine ganze Menge", verrät Lene, "ich mag den Prozess, die Songs im Studio aufzunehmen, ich mag es, sie live vorzutragen und ich mag es auch, Promotion zu machen und über meine Musik zu reden - obwohl da ja die gängige Meinung ist, dass man das hassen sollte. Bei mir ist es aber nicht so - weil ich glücklich über und stolz auf mein Album bin und darüber reden möchte. Es kommt halt immer drauf an, wie man die Sache angeht. Sobald es keinen Spaß mehr macht, bekomme ich nämlich Angst. Und das ist mir beim ersten Album passiert. Da ging es dann irgendwann gar nicht mehr um die Musik. Deswegen habe ich dann auch erst mal eine Auszeit genommen. Ich habe dann erst mal die Schule beendet und bin dann erst mal ein wenig herumgereist, um Erfahrungen zu machen und mich auszuruhen." Wovon lässt sich Lene denn musikalisch beeinflussen? "Von überraschend wenig", zögert Lene, "denn ich höre Musik überhaupt nicht unter technischen Aspekten. Ich habe Freunde, die meinen immer - hör' dir mal diese Basslinie an oder hör' dir mal an, wie die Stimmen produziert sind. Ich nicht. Ich höre mir den Song an. Natürlich bin ich mit dem Radio aufgewachsen. Ich hatte aber niemals eine große Plattensammlung oder so etwas. Ich weiß - ehrlich gesagt - nicht mal, warum ich Musikerin geworden bin." Hm. Das ist ja ein wenig so etwas wie eine unbefleckte Empfängnis. Was ein Glück, dass Lene heutzutage weiß, was sie will. "Nun, die Musik lenkt sich selber", weicht sie aus, "ein Song gibt dir vor, wie er klingen möchte. Es passiert während des Prozesses. Wenn ich eine Melodie in meinem Kopf höre und einen Text dazu schreibe, ist mir gewöhnlicherweise aber keineswegs klar, was ich da tue oder tun muss. Es passiert einfach." Okay - wie soll das Ganze denn dann weitergehen? "Ich sehe mich selbst definitiv als Songwriterin", erklärt Lene, "mein Plan ist, mehr Songs und Musik für andere Leute zu schreiben. Einfach deswegen, weil mir das so viel Freude macht. Ich habe z.B. ein paar Songs für die norwegische Sängerin Sissel geschrieben. Du hast vielleicht schon von ihr gehört: Sie hat auf dem 'Titanic'-Soundtrack diese Koloraturstimmen gesungen."

Okay - mal was anderes: Auf Lenes norwegischer Homepage www.lene-marlin.no sind einige Reviews des neuen Albums wiedergegeben, die alles andere als positiv ausgefallen sind. Wie geht Lene denn mit der Kritik um? "Ich lese Kritiken nur manchmal", gesteht sie, "ich habe nämlich herausgefunden, dass diese Leute manchmal so schreiben, dass ich mich frage, ob sie überhaupt das gleiche Album gehört haben. Es ist ja auch bloß die Meinung des jeweiligen Autors. Es ist auch nicht so, dass ich mal irgendwelche großartigen Reviews bekommen hätte, an denen ich mich messen müsste. Ganz im Gegenteil: Ich erinnere mich an diese Rezension zu meinem ersten Album, in der man mir prophezeite, dass ich davon niemals auch nur eine einzige Kopie außerhalb Norwegens verkaufen würde - und am Ende waren es 1,7 Millionen. Da habe ich dann gelernt, dass mich das vielleicht nicht unbedingt interessieren müsste, was die Kritiker schreiben. Lass doch die Fans entscheiden. Was die negativen Reviews auf der Website betrifft: Da habe ich nichts gegen, denn ich möchte nicht nur die guten Nachrichten auftischen und die schlechten unter den Teppich kehren. So bekomme ich ja auch ein Feedback von den Fans. Und es freut mich dann doch, wenn die dann sagen, dass sie das Album mögen - auch wenn es die Kritiker nicht tun." Wird es denn bald mal eine Lene Marlin-Tour geben? "Das weiß ich ehrlich gesagt noch gar nicht", meint Lene, "ich muss zuerst mal die Promotion beenden und dann gibt's noch einen kleinen Abstecher nach Asien. Wenn ich dann aber auf Tour komme, dann kann ich dir jetzt noch gar nicht sagen, was dich da erwarten würde. Auf jeden Fall komme ich dann aber mit meiner Band."

Weitere Infos:
www.lenemarlin.com
www.lene-marlin.no
www.lene-marlin.com
www.virginmusic.de/xml/5/3250857/index.html
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Marcel Leliénhof-
Lene Marlin
Aktueller Tonträger:
Lost In A Moment
(Virgin/EMI)




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