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G. LOVE
 
Love Is Back In Town
G. Love
Garrett Dutton alias G. - wie er sich auch nach wie vor kurz und bündig vorstellt - muss mit der jugendlichste Mittdreißiger sein, der momentan so rumläuft. Voller Energie und Enthusiasmus kann er sich über alles begeistern bzw. aufregen, was mit seinem Job zusammenhängt und sieht dabei kaum älter aus, als der G. Love, der vor mehr als zehn Jahren die Welt mit seinem "Funkshit" namens "Ragmop" überraschte und seitdem ein Garant für eine ausgefeilte, eigenwillige Stilmixtur zwischen Tradition und Moderne, zwischen Blues und Soul, Funk und Pop, HipHop und Swing ist. Dabei kann er sich auch noch an den kleinen Details erfreuen. "Heh, heute Abend beim Konzert trage ich denselben Anzug, wie auf dem Cover von 'The Hustle'", freut er sich über seinen stiltechnischen Geniestreich, "und auch meine Puma-Sneakers sind von derselben Sorte." Beständigkeit scheint also wichtig zu sein für den Mann, der gerade einen Werbespot für Coca Cola eingespielt hat ("I'd like to sing the world a song..." - Blues-style) und sich darüber freut, als habe er einen Preis gewonnen. (Was ja im Prinzip auch so ist.)
Warum hat es dann nach der letzten Scheibe "Electric Mile" eine relativ lange G. Love-Pause gegeben? "Ach, das ist das Geschäft", meint er abwinkend, "die letzte Scheibe kam ja bei Sony raus und danach habe ich mich von Sony getrennt. Ich musste dann eine neue musikalische Heimat finden und ehrlich gesagt, hat sich die Musikindustrie in den letzten Jahren so verändert, dass das nicht mehr ganz so einfach ist. Ich war dann aber froh über den Umstand, dass es länger dauerte, weil ich zwischenzeitlich auch einen Sohn bekommen hatte. Ich habe auch nicht aufgehört zu arbeiten, sondern einen japanischen Künstler produziert, ein wenig HipHop mit T-Ray ausprobiert und eine neue Band namens Lottery als Nebenprojekt gegründet. Ich habe auch mit vielen verschiedenen Produzenten gearbeitet, um mal zu sehen, in welche Richtung ich mit der neuen Scheibe gehen wollte. Als wir dann schließlich einige mögliche Deals in Aussicht hatten, kam Jack Johnson daher und meinte, dass er gerade sein Label Brushfire gegründet habe und er wolle, dass ich da mitmache - die Chance habe ich dann genutzt." Die Geschichte von G. Love und Jack Johnson ist ja schon eine ziemlich lange, nicht wahr? "Ja, ich bin selber ein Surfer und ein Freund von mir aus New Jersey, Scott Zones, ist ein Fotograf aus der Surfer Szene und er hat mich Jack 1999 vorgestellt, als ich gerade meine Philadelphonic-Scheibe aufnahm. Wir haben dann zusammen gesurft und er hat mir ein paar seiner Songs vorgespielt, die ich ziemlich cool fand. Ich habe dann beschlossen, sein 'Rodeo Clown' mit auf die Scheibe zu nehmen. Seither ist er ja zu einem der größten Rockstars in Amerika geworden." Hat G. Love denn eine Erklärung für den ziemlich unglaublichen Erfolg des Jack Johnson, mit dem er jetzt auch zusammen tourte? "Ich denke, es handelt sich bei so was immer um eine Reaktion", überlegt er, "als wir zum Beispiel - direkt nach der New Kids On The Block-Ära auf der einen und Grunge auf der anderen Seite auftauchten, suchte jeder nach einer Alternative. Und als wir mit unserem relaxten, funkigen Zeug rauskamen, reagierten die Leute darauf. Das Gleiche ist bei Jack auch passiert, der zur richtigen Zeit nach Britney Spears auftauchte, als alle nach etwas Natürlichem suchten. Und da kommt auf einmal dieser Jack mit seinen großartigen Songs daher, der ein Jedermann ohne jede Rock-Star-Allüren ist. Mit so jemandem kann man sich einfach identifizieren."
Aber kommen wir zu G. Loves neuer Scheibe zurück: Diese klingt für seine Verhältnisse je geradezu verwirrend vielfältig und enthält neben seiner speziellen Soße auch Pop-Songs und klassische Balladen. "Nun, um ehrlich zu sein, waren das auch meine Bedenken", räumt G. ein, "als ich alle Produzenten ausprobiert hatte, beschloss ich zurückzukehren zu unserem ursprünglichen Special Sauce-Sound - nur ich mit der Gitarre, Jimi Prescott am Bass und Jeffrey Clemens an den Drums. Wir beschlossen des Weiteren, die Sache dann von Mario Caldato produzieren zu lassen, der alles im Brushfire-Camp produziert. Es war eine tolle Kombination. Wir sind dann einfach ins Studio gegangen und haben die Scheibe in einer zehntägigen Session live eingespielt. Ich glaube, so hat die Scheibe trotz der rhythmischen Unterschiedlichkeit der einzelnen Songs immer noch unseren typischen Sound. Ich gebe aber zu, dass es da eine Menge stilistischer Experimente gibt. Das liegt vielleicht auch daran, dass sich Stücke wie 'Love' hier finden, das ich mit 16 geschrieben habe. So was habe ich früher eben gemacht. Ich glaube, dass ich auf der nächsten Scheibe wieder mehr Funk machen werde." Nun schadet der stilistische Mischmasch aber doch nicht wirklich. "Nein, ich fühle mich zunächst auch als Songwriter und verarbeite all die verschiedenen Geschichten, die ich in meinem Leben so erlebt habe", stimmt G. zu. Kollege Dirk Ducar schrieb in seiner Rezension zur "Hustle"-Scheibe als Einleitung: "Die Liebe ist wieder da." Nun gibt es ja auf der Scheibe einige Tracks, die sich mit dem Thema beschäftigen. Ist das also G. Loves Liebes-Scheibe? "Meinst du?", zögert er, "lass mal sehen. Oh, ja, 'Love', 'Loving Me' - da gibt's ein paar Liebes-Lieder. Aber eigentlich ist dies eine Scheibe über eine Trennung. Denn ich habe mich auf ziemlich schreckliche Weise von der Mutter meines Kindes getrennt. Wenn du das weißt, dann wirst du feststellen, dass das der rote Faden ist. Es gibt Songs, die die Familie zelebrieren wie 'Frontporch Lounger' oder 'Sunshine'. Dann gibt es solche, die von belasteten Beziehungen handeln wie 'Waiting' und 'Loving Me'. Und dann gibt es zornige Trennungs-Songs wie 'Astronaut', 'Love' und besonders 'Stone Me'. Davon abgesehen, gibt's die alten G. Love-Feelgood-Songs wie 'Don't Drop It', 'Booty Call' oder 'Give It To You'. Da kommt der alte G. Love zurück. Ich denke, dass es in dieser Richtung auf der letzten Scheibe weiter gehen wird, da ich die Trennung jetzt überwunden habe." Musik als Therapie also.

Ebenso wie die stilistische Bandbreite fällt bei dieser Scheibe aber auch die inhaltliche auf: Die Songs handeln ja von recht unterschiedlichen Themen und das auf verschiedene Weise. Wie sucht G. denn die Songs aus, die er schließlich auf die CD nimmt? "Also das ist das Schwierigste für mich überhaupt", gesteht er, "das Beste und das Schlechteste an mir ist, dass ich ziemlich produktiv bin. Für diese CD hatte ich ca. 60 Songs, auf die ich zurückgreifen konnte. Es ist so, dass ich mir meine Themen nicht aussuche - sie kommen zu mir. Songwriting ist für mich eine normale Sache, seit ich 15 bin. Meine besten Songs kommen zu mir, wenn ich sie gar nicht plane. Weißt du, wenn ich mit einem netten Mädel zusammensitze und meine Gitarre spiele. Manchmal lasse ich mich auch von anderen Künstlern inspirieren. 'Loving Me' finde ich z.B. ganz schön Dylanesk. Ich schreibe auch ständig und laufe mit einem kleinen Notebook herum. Es mag sich jetzt nerdy anhören, aber ich habe mir sogar einen Palmtop-Computer gekauft, in den ich jetzt meine Ideen tippe." Das hört sich an, als sei das Songwriting für G. tatsächlich ziemlich einfach. Um ihn selbst zu zitieren: "Is it really that easy?" "Es ist nur deswegen leicht für mich, weil es das ist, was ich tue und dem ich mein Leben gewidmet habe", spezifiziert er, "es ist nicht wirklich einfach, weil man warten muss, bis etwas passiert. Natürlich hilft es, wenn du dein Gitarrenspiel übst und Songs bloß zur Übung schreibst. Das bereitet dann den Moment vor, in dem du die richtigen Vibes empfängst und dann deinen richtig guten Scheiß schreiben kannst. Es ist so was wie ein Kampfsport. Man braucht viel Übung, wenn es dann aber zum Wettkampf kommt, musst du alles vergessen und aus dem Unterbewusstsein handeln. Es ist so was wie die Macht. Yodas Macht." Nun aber mal Butter bei die Fische: Wenn G. sich als Songwriter sieht - was interessiert ihn denn so an "Funk-Shit"-Stücken? "Das ist eine gute Frage", räumt er ein, "denn das ist weiterer Widerspruch in meiner Karriere. Ein Teil von mir bevorzugt nämlich die straighten Songs, wie 'Love'. Als ich dann den Blues für mich entdeckte, habe ich das mehr betont. Und als ich dann den HipHop fand und alles zusammenbrachte, hatte ich meinen Stil gefunden. Wenn ich eine Scheibe nur mit straighten Songs machte, wäre das vielleicht auch ganz gut aber das bin nicht ich. Wenn du dir unsere Shows ansiehst, dann ist ein Teil unserer Aufgabe durchaus der, die Leute zum Tanzen zu bringen. Wenn ich nun also meine neue Scheibe anhöre, dann denke ich, dass die Mischung ganz gut ist, dass aber nur der Mittelteil mich als Künstler wirklich repräsentiert. Deswegen wird meine nächste Scheibe mehr in diese Richtung gehen." Ja gut, aber zurück zu der Frage: Wie schreibt man denn Funk-Songs, bei denen die Vibes und Grooves doch wichtiger sind als Text und Melodie? Helfen da die Musikanten? "Ach so, ja, das stimmt", pflichtet G. bei, "ich schreibe meine Sachen immer auf die gleiche Weise. Indem ich meinen Fuß im Takt stampfe und eine Geschichte dazu erzähle. Das nehme ich dann zu meinen Musikern und lasse die machen. Die haben eine so tolle Personality, dass sie immer gleich den richtigen Ansatz finden - auf den ich selber nicht mal gekommen wäre. Ich habe festgestellt, dass, wenn du deinen Musikern vertraust, du oft angenehm überrascht wirst. Es mag nicht das sein, was du dir selbst vorgestellt hast, aber es ist sehr lohnend."

G. Love
Wie sieht G. denn heutzutage die Rap-Szene? Gerade diese Passagen klingen bei ihm ja fast frischer als bei den Professionellen. "Ach, ich mag die Rap Musik immer noch", gesteht er, "ich bevorzuge aber Acts, die auch wirklich einen Song schreiben können. Viele Rapper sind zwar gute Rapper, haben aber Schwierigkeiten, das in einem Song einbinden zu können und beschränken sich stattdessen zu sehr auf den Freestyle. Ich mochte immer Sachen wie Jay-Z, Cypress Hill, De La Soul, Tribe Called Quest oder The Roots. Da kannst du die Songs auch wirklich noch erkennen. Obwohl ich mich bemühe, immer auch up to date zu bleiben, bevorzuge ich doch im allgemeinen die alte Schule in der Phase von 85-95." Abschließend gefragt: Was ist denn heutzutage das Wichtigste für G. Love - speziell im Rückblick auf seine mittlerweile über zehnjährige Karriere? "Ich denke, dass es für mich wichtig ist, immer bessere Scheiben zu machen", überlegt er, "ich glaube, mit meiner ersten Scheibe ist mir ein Klassiker gelungen und niemand kann mir das wieder nehmen. Aber hoffentlich gelingt mir so etwas noch einmal. Meine Band und ich haben jetzt ein wirklich professionelles Level erreicht, aber wir haben immer noch diese Unberechenbarkeit und diese Rauheit, die uns immer auszeichnete. Ich denke, dass ich mich jetzt unabhängig machen werde, um all die Sachen herausbringen zu können, die ich auch machen möchte - vielleicht mehr wie 'G. Love Gone Country' oder eine straighte Blues Scheibe. Es gibt nämlich noch so viel Musik, die ich machen möchte und so viele Songs, die ich noch schreiben möchte."
Weitere Infos:
www.g-love.com
www.philadelphonic.com
www.universal-rock.de/g-love
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
G. Love
Aktueller Tonträger:
The Hustle
(Brushfire/Universal)




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