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GEMMA RAY
 
Alles muss raus!
Gemma Ray
Manche Menschen können einfach nicht stillsitzen - irgendwas treibt sie immer an, etwas machen zu müssen, kreativ zu sein, etwas zu erschaffen. Manchmal wird dieser kreative Trieb allerdings durch äußere Einflüsse zurückgehalten - so auch teilweise bei der Engländerin Gemma Ray, die vor allem bei den Aufnahmen zu ihren ersten Album "The Leader" gesundheitlich zu kämpfen hatte. Das hatte sich auch auf den eher etwas düsteren Ton der Platte niedergeschlagen - doch 2009 läuft es mit dem neuen Album "Lights Out Zoltar!" alles schon um einiges besser, und obwohl genau wie bei der ersten Platte zuhause bei Michael J. Sheehy in einem Mini-Raum aufgenommen wurde, stand doch diesmal etwas mehr Geld zur Verfügung, um z.B. mit Streichern zu arbeiten und auch vor allem am Mixing zu arbeiten - das Ergebnis kann sich besonders bei Gemmas Gesang hören lassen, der nun viel prominenter und auch selbstbewusster erscheint.
Gemma Ray: Ich habe ja schon einige Platten aufgenommen (aber nie wirklich etwas damit gemacht), und habe dabei natürlich auch sehr viel gelernt - das hat schon geholfen, einfach mehr zu wagen. Beim ersten Album ging es mir gesundheitlich nicht besonders gut, und die Songs aufzunehmen, das war fast schon ein reinigendes Projekt. Ich hatte damals Michael J. Sheehy erst kurz zuvor kennengelernt und wir wollten einfach nur ein paar Songs aufnehmen und auf einmal war ein ganzes Album fertig. Es ging schnell, ich wollte mir keine großen Gedanken darüber machen und das Ergebnis war schon eine tolle Überraschung, vor allem die Erkenntnis, dass Michael und ich uns musikalisch sehr gut verstehen. Beim zweiten Album hatte ich schon einen genauen Plan, wie alles laufen und klingen sollte, und ich hatte die Gelegenheit, mir alles genau auszusuchen - letztendlich repräsentiert das neue Album auch mehr mich selbst.

GL.de: Wer oder was ist denn eigentlich Zoltar?

Gemma Ray: Zoltar ist ein Mann in einer dieser Maschinen, die man an viktorianischen Strandpromenaden in England findet. Man wirft Geld ein und man bekommt daraufhin einen Zettel mit einem Hinweis auf die weitere Zukunft! Ich werde jetzt aber nicht verraten, was dort bei mir geschrieben stand... Ich wollte diese Zeile auch eher als visuelles Element auf dem Cover benutzen, nicht unbedingt als Song. Es gibt einen Song namens "Lights Out Zoltar!", den ich vielleicht noch später in diesem Jahr veröffentlichten werde - er wird dann mehr erklären...

GL.de: Und was war der schwierigster Teil bei "Lights Out Zoltar!"?

Gemma Ray: Am Anfang war es einfach nur ein großer Spaß - alles zusammenzustellen, mein Zeugs in Michaels Haus zu bringen, er fügt hier und da etwas hinzu, das passt! Als das Album zu 96% fertig war, fing der schwierige Teil an - da die Songs teilweise soundmäßig recht unterschiedlich sind, habe ich sehr viel Zeit bei Mastering verschwendet - man mixt den einen Song hoch, dann fällt der andere ab. Das war sehr schwierig, das alles in den Griff zu bekommen. Ich war teilweise auch schockiert, denn Musik ist mein Leben und wenn beim Aufnahmeprozess zusätzlich ein solcher emotionaler Stress aufkommt, dann ist das schon schwierig. Ich habe übrigens die erste Version eines Songs bei diesem Album vorab auf mein Telefon bzw. auf die Mailbox aufgenommen - da ist dann immer 3:11 Minuten Aufnahme-Zeit pro Song. Dann forme ich das in einen kurzen Pop-Song um, überspiele das teilweise auf mein Vierspur-Gerät, um schon einen ersten Hinweis für den späteren Sound zu speichern, und dann wird dieses Material in Michaels Studio zu einem Song. Ein gutes System! Das spart mir eine Menge Zeit im Studio, und ich arbeite halt gerne alleine an den Songs.

Gemma Ray
GL.de: Die Zusammenarbeit mit Michael J. Sheehy funktioniert also bestens, wobei Gemma schon die eindeutige Richtung vorgibt, aber Michael durchaus auch seinen Teil zum Gelingen eines Songs beiträgt - so hat z.B. der Song "Tough Love" erst durch Michaels Bass zu seiner endgültigen Form gefunden. Im Gegenzug ist Gemma auch auf Michaels neuem Album "With These Hands" als Gast zu hören. Das ist noch nicht alles...

Gemma Ray: Stimmt, denn wir denken darüber nach, ein heavy psychedelic Gospel-Projekt ins Leben zu rufen - wir, das sind Michael, sein Bruder, meine Background-Sängerin Alex und ich. Aber bisher haben wir nur die Idee, noch keine Songs.

GL.de: Was während einer Tour im Tourbus an Musik läuft, spiegelt ja auch teilweise die eigene Musik wider - was lief denn z.B. während der Deutschland-Tour Ende Mai?

Gemma Ray: Obwohl meine wundervolle Band und ich doch teilweise einen recht verschiedenen Musikgeschmack haben, können wir uns auf irgendwelche Girl Groups einigen und wir haben eine große Sammlung an ungewöhnlichen B-Seiten - und wir lernen übrigens einen Song pro Tag, den wir dann beim Soundcheck versuchen zu spielen, das ist immer sehr spaßig. Dann hören wir auch oft die Beatles, denn unser Bassist ist ein Beatles-Fanatic. Und auf jeden Fall auch "Exotic Creatures Of The Deep" von den Sparks, wobei "Let The Monkey Drive" mein Lieblingssong ist. Bo Diddleys "Black Gladiator" lief auch, aber da sind auch einige nicht so tolle Songs dabei.

GL.de: Und was kann man über die sonstige Beschäftigung während der Tour sagen, wenn man nicht gerade auf der Bühne steht?

Gemma Ray: Momentan schreibe ich sehr viel, ich versuche, verschiedene unvollständige Texte und Songs fertigzustellen und das Herumfahren bringt natürlich auch neue Perspektiven mit sich - ich versuche sogar, jetzt schon das nächste Album zu schreiben. Ich bin in letzter Zeit auch nicht unbedingt viel auf Tour gewesen, von daher ist der Ortswechsel, weg von meiner Wohnung, auch mal eine sehr willkommene Abwechslung. Wir testen immer wieder neue Songs beim Soundcheck und teilweise auch beim Konzert. Ich bin derzeit sehr kreativ, und es ist eigentlich immer viel Kaffee dabei und es kommt natürlich auch schonmal zu Koffein-Freakouts...

GL.de: Kann man schon etwas über die neuen Songs verraten?

Gemma Ray: Ich versuche vor allem textlich einiges zu verändern - bisher sind die Texte immer zeitgleich mit den Songs entstanden, diesmal möchte ich gerne meinen textlichen Horizont erweitern, mehr mit den Worten spielen und eher Geschichten zu erzählen anstatt nur Gefühle und abstrakte Worte zu verwenden. Das wird in erster Linie die Herausforderung bei der neuen Platte sein. Ich schreibe ja eher atmosphärische Texte, die eine bestimmte Stimmung heraufbeschwören, und Nick Cave hat es geschafft, dort dann auch noch eine Geschichte unterzubringen. Das bewundere ich vor allem an ihm, wie er mit Worten und den dazugehörigen Geschichten umgeht. Ich werde nicht versuchen, wie er zu sein, das wird mir nicht gelingen, aber seine Art gefällt mir schon sehr. Auf der anderen Seite liebe ich auch die Einfachheit vieler Schreiber und Produzenten der 60s - das waren klassische Einzeiler, ohne lange Sätze und mit einfachen Worten, die aber im Song-Kontext perfekt funktionierten.

GL.de: Ist Perfektionismus ein großes Thema?

Gemma Ray: Ja, ich treibe die Leute regelmäßig in den Wahnsinn! Aber inzwischen habe ich Leute um mich herum, die das ertragen können - natürlich kommt es auch zu endlosen Diskussionen, aber letztendlich funktioniert es doch. Michael als Produzent und Ben als Mixer - das passt sehr gut!

GL.de: Momentan scheint ja alles bestens zu laufen - kann man das eigentlich erklären oder in Worte fassen?

Gemma Ray: Nach zehn Jahren scheine ich endlich genug musikalisches Handwerk gelernt zu haben, um endlich diese ganzen Ideen, die in meinem Kopf herumschwirren, in die Realität umzusetzen. Ich war sehr, sehr lange auf meinem eigenen Training-Kurs bzw. meiner eigenen Universität unterwegs, und ich will jetzt nicht behaupten, dass ich absolut toll bin, aber ich bin jetzt sehr mit mir und meiner Persönlichkeit zufrieden, ich habe mich sozusagen musikalisch gefunden. Und ich liebe meine Live-Band. Ich bin einfach glücklich darüber, endlich das produzieren zu können, was ich schon immer machen wollte, und diese Begeisterung, die sich dabei einstellt, wenn man an neuen Songs arbeitet oder Songfragmente, die schon Monate oder Jahre irgendwo wiederfindet und etwas Tolles daraus machen kann.

Gemma Ray
GL.de: Bei so viel kreativem Output reicht meistens eine Band oder ein Projekt nicht mehr aus...

Gemma Ray: Das stimmt - ich fange sogar inzwischen an, bestimmte Songs oder Ideen auf eigene Stapel zu legen. Einen Stapel für mich, dann einen für Michael, einen für das Gospel-Projekt, dann einen für das Girl Group-Projekt mit Mary Epworth - es gibt keinen Namen und wir hatten bisher nur zwei Proben, aber es war toll...es scheint, als hätte ich jeden Tag eine neue Band!

GL.de: War das mit der Kreativität schon immer so extrem?

Gemma Ray: Ja, eigentlich schon - als Kind habe ich viel mehr in Richtung Kunst bzw. Kunsthandwerk gemacht, ich habe Roboter und viele andere Dinge gebaut. Heutzutage sammle ich immer noch viele Dinge. Aber es gibt ja nunmal Menschen, die immer irgendwie kreativ sind, und ich scheine wohl einer dieser Menschen zu sein. Ich denke, ich würde durchdrehen, wenn ich das alles nicht machen könnte.

Weitere Infos:
www.myspace.com/gemmaraymusic
www.lastfm.de/music/Gemma+Ray
www.bronzerat.com/gemmaray
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Pressefreigaben-
Gemma Ray
Aktueller Tonträger:
Lights Out Zoltar!
(Bronzerat/Soulfood)




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